Haldenereignis/Tetraeder, Bottrop

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DER POTT KOCHT: Das Tetraeder Bottrop

4  13.07.2003

Pro:
nachts schön angestrahlt, weiter Blick übers Ruhrgebiet, für einen Sonntagsspaziergang gut geeignet

Kontra:
ansonsten wenig spektakulär, oft sehr windig

Empfehlenswert: Ja 

abohne

Über sich:

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Heute folgt mal wieder ein neuer Teil der Serie DER POTT KOCHT, um allen Usern das Ruhrgebiet vorzustellen. In meinem Bericht soll es um das Tetraeder in Bottrop gehen.

Fährt man nachts über die A 42, so sieht man schon von ferne eine bestrahlte Pyramide, genauer gesagt den Tetraeder, der auf einer Abraumhalde der ehemaligen Zeche Prosper steht. Tagsüber wirkt dieses Bauwerk weniger spektakulär.

Was ist aber überhaupt eine Halde?
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Halden werden aus nicht mehr verwertbarem Material des Bergbaus aufgeschüttet. D.h. es handelt sich hierbei um Material, welches bei der Kohleförderung aus dem Stollen herausgebrochen wird, aber für die Kohlegewinnung und Weiterverarbeitung unbrauchbar ist. In der Nähe solcher Zechen findet man also in der Regel mindestens eine „Berg“, der künstlich aufgeschüttet wird. Da das Ruhrgebiet eine an Bergen eher arme Region ist, fallen diese Hügel schnell auf. Mittlerweile sind sie oft begrünt und wirken dadurch nicht mehr so karg

Häufig sind diese Halden mit recht breiten Wegen versehen, die ursprünglich für das Befahren mit dem LKW gedacht waren. Auf den nicht mehr genutzten Halden blieben diese Wege erhalten, um sie als Rad- oder Wanderwege zu nutzen. So ist es auch bei der Tetraeder-Halde der Fall.

Wie kommt man nun auf die Halde?
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Dem Spaziergänger oder Wanderer bleibt einmal die Möglichkeit, den oben beschriebenen Wegen zu folgen, um den Gipfel der Halde zu erreichen. Wie bereits gesagt, sind die Wege recht breit, so dass man ohne Schwierigkeiten gehen kann. Die Wege sind meist geschottert, so dass halbwegs festes Schuhwerk schon angebracht ist. Logischerweise führen die Wege in Serpentinen am Berg entlang, sind somit länger als die zweite Möglichkeit, nämlich die geradewegs führende Treppe. Sie ist natürlich dementsprechend steil und hat ca. 500 Stufen.

Oben angekommen
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Erreicht man über einen der beiden Wege den Gipfel der Halde, so kann man schon mal einen ersten Blick in alle Richtungen schweifen lassen. Hier bekommt der Besucher einen Überblick über den Norden des Ruhrgebietes. Um eine bessere und genauere Sicht zu haben, kann der Wanderer durch die bekannten Fernrohre gucken, die man häufig an Attraktionen findet.
Der Gipfel der Halde ist ebenfalls nicht geebnet, hier findet man mehrere große und kleine Steine, die aus dem Bergbau stammen.
Der wichtigste Punkt auf dem Gipfel ist natürlich das Tetraeder, was darauf wartet, erklommen zu werden.

Das Tetraeder
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Damit ihr eine grobe Vorstellung von der Größe des Tetraeders bekommt, nenne ich euch die technischen Daten:
Das Tetraeder befindet sich in einer Höhe von 165 m über dem Meeresspiegel. Die Gesamthöhe beträgt 58 m. Wie ihr wisst, besteht ein Tetraeder aus einer Pyramide mit dreieckiger Grundfläche, d.h. es ist eine Pyramide aus vier gleichseitigen Dreiecken. Die Seitenlänge beträgt hierbei 60 m. Zum Bau wurden 230 t Stahl und 1,5 km Rohre mit 40 cm Durchmesser verbraucht.
In 17 m, 31 m und 37 m Höhe befinden sich drei Plattformen, auf denen man pausieren und die Blicke schweifen lassen kann. Die Treppe besteht aus Gitterrost, so dass man ständig einen Blick nach unten werfen kann.

Der Aufstieg
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Wie ihr euch bereits denken könnt, sollte man schon schwindelfrei sein, wenn man den Blick von oben genießen möchte. Gerade der Auf- und Abstieg ist nicht besonders einfach, da man immer wieder merkt, wie hoch man schon steht bzw. wie tief man blicken kann, wenn man durch die Stufen schaut.
Wem die Höhenangst nicht zu schaffen macht, der sollte den Aufstieg auf jeden Fall durchführen. Immerhin hat man von oben noch eine viel bessere Sicht über das Ruhrgebiet. Wer fit genug ist, kann alle Stufen in einem Zug durchgehen, ohne auf den verschiedenen Plattformen zu pausieren. Immerhin sind es 200 Stufen, die nach oben führen.
Ist man oben angekommen, so kann man auf der oberen Plattform rundherum laufen und somit den Blick in alle Richtungen schweifen lassen. Man sieht z. B. die Arena auf Schalke (das weiße Dach ist sehr auffällig), den Landschaftspark Duisburg-Nord, den Gasometer in Oberhausen und die Skyline von Essen.
„Vorsicht!“ möchte ich an dieser Stelle noch sagen, denn es kann sehr zugig und windig sein. Also ist auf jeden Fall anzuraten, eine Jacke oder einen Pullover mitzunehmen, damit man nicht friert.
Außerdem bewegt sich die Stahlkonstruktion im Wind, d.h. bei starkem Wind stärker, bei geringem Wind weniger. Am Zugang zur Treppe befindet sich auch eine Tür, die vermutlich bei zu starkem Wind geschlossen wird. Ob das Tetraeder die ganze Nacht geöffnet ist, kann ich euch auch nicht sagen, ich war bisher nur tagsüber dort.

Sonstiges über die Halde
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Das sogenannte „Haldenereignist Emscherblick“ ist ein Symbol für den strukturellen Wandel im Ruhrgebiet. Von 1969 bis 1993 wurde die Tetraeder-Halde aufgeschüttet und 1997 in den Besitz des Kommunalverbandes Ruhrgebiet (KVR) übergeben. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA) wurde das Tetraeder errichtet.

Die Anreise
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Mit dem PKW fährt man über die A 42 bis zum Autobahnkreuz Essen-Nord. Nun geht’s auf der B 224 in Richtung Gladbeck/Dorsten. Nach einiger Zeit müsst ihr nach links in die Horster Straße abbiegen. Haltet euch Richtung Bottrop-Boy/Gewerbepark Arenberg. Nun müsst ihr nach links in die Gabelsberger Straße, anschließend nach rechts in die Batenbrockstraße und danach wieder nach links in die Beckstraße abbiegen. An der Beckstraße findet ihr auch Parkplätze.
Der Weg ist übrigens mit Schildern „Route der Industriekultur“ ausgewiesen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahrt ihr von Bottrop-Hauptbahnhof mit Linie 262 bis zur „Brakerstraße“.

Wenn ihr Probleme habt, das Tetraeder zu erreichen, so haltet euch in Richtung Alpincenter in Bottrop. Dieses befindet sich nämlich ganz in der Nähe, sozusagen an der Nachbarhalde.

Mein Eindruck
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Tetraeder? Was ist schon ein Tetraeder? So stand ich das erste mal vor der Entscheidung, dort hin zu fahren. Meine Schwester, die zwei Jahre vor mir ins Ruhrgebiet gezogen ist, hatte bereits mehrfach davon erzählt, dass sie auf das Tetraeder geklettert ist. Aber was soll ich mir darunter vorstellen? Naja, ich konnte mir ja noch so grob vorstellen, wie ein Tetraeder aussieht, dass es aber so groß ist und begehbar ist, das war für mich schier unglaublich.

Also bin ich mal mit ihr und meinen Eltern zusammen dort hingefahren. Bereits einige Zeit vor der Ankunft war das Tetraeder für uns sichtbar, allerdings immer noch weit genug weg, dass wir es nicht sofort gefunden haben. Scheinbar sind wir von der anderen Seite gekommen, so dass die Beschilderung fehlte. Aber wozu hat man denn einen Städteatlas vom Ruhrgebiet, in dem man den Weg findet?

Ich kann mich noch genau dran erinnern, dass es ziemlich kalt war. Ich glaube, es war im Februar oder März, auf jeden Fall lag teilweise Schnee, und das soll schon was heißen :-) Die Wege waren zum Teil noch vereist, aber an sich gut zu begehen. Nun ja, wir haben uns also von unten auf den Weg gemacht, sind die Serpentinen entlang gegangen, um den Gipfel zu erreichen. Natürlich habe ich unterwegs schon mal die Blicke schweifen lassen, konnte also nicht warten, bis ich den Gipfel der Halde erreicht habe.
Nach einer halben Stunde standen wir also auf dem Gipfel des Berges, müde, k.o., außer Atem, aber stolz darauf, den Weg geschafft zu haben (ja ja, meine Kondition, ich weiß...). Von hier aus haben wir erst einmal einen groben Rundumblick gewonnen. Zu sehen war schon ein großer Teil des Ruhrgebietes. Aber dennoch wollten wir weiter, schließlich wartete noch eine bessere Aussicht auf uns. Also näherten wir uns dem Tetraeder, an dessen Fuß eine Infotafel hängt, mit oben genannten technischen Details.

Nun gut, die 200 Stufen warteten auf uns, dass sie erklommen werden. So haben wir uns auf den Weg gemacht. Auch hier ließ meine Kondition natürlich zu wünschen übrig, aber ich konnte ja auf den verschiedene Plattformen anhalten, natürlich nur, um den Blick schweifen zu lassen *g*
Die Treppenstufen machten mir eigentlich recht wenig zu schaffen, auch wenn ich ein etwas unwohles Gefühl hatte. Mit Höhenangst habe ich Gott sei Dank nicht zu kämpfen. Vor allem das Wackeln des Bauwerkes im Wind fand ich etwas unangenehm. Der Wind war auch richtig eisig, so dass ich mir meine Kapuze aufziehen musste, damit mir die Ohren nicht erfrieren.

Der Blick von oben ist schon ziemlich faszinierend, gerade weil man so weit schauen kann. Weite Teile des Ruhrgebietes sind von dort oben zu sehen. Sich auf der oberen Plattform befindliche Panoramatafeln geben zusätzlich Hinweise auf die Türme, Erhebungen und Bauwerke in naher und ferner Umgebung, damit man nicht rätseln muss, was man nun sieht. Der weite Blick ist natürlich nur sichtbar, wenn auch schönes Wetter vorherrscht. Bei Regen oder diesigem Wetter kann man nur wenig erkennen.

Wie bereits oben beschrieben kann ich nicht sagen, ob das Tetraeder auch abends bzw. nachts zu besteigen ist. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Blick fantastisch ist, wenn man die anderen angestrahlten Denkmäler der Route der Industriekultur in der Ferne leuchten sieht. Gerade der Landschaftspark, der mit seiner Lichtinstallation weithin sichtbar ist, muss einfach faszinierend sein.

Als ich mir eben die Maße des Tetraeders noch mal durchgelesen habe, war ich richtig erstaunt, dass die Rohre einen Durchmesser von 40 cm haben sollen. Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Andererseits muss das Tetraeder eben sehr riesig und stabil sein, damit es als „Kletter“-Bauwerk dienen kann.

Um einen schönen Ausflug in der näheren Umgebung zu machen, ist das Tetraeder sehr gut geeignet. Als wichtigen Ankerpunkt des Ruhrgebietes möchte ich ihn aber nicht unbedingt bezeichnen. Hier erfährt man einfach nicht so viel über die ehemalige Industrie wie bei anderen Bauwerken (z.B. Gasometer oder Landschaftspark Duisburg Nord).
Das Tetraeder ist eben für einen kleinen Ausflug geeignet, aber nicht für mehr.

Wenn ihr also mal hier im Ruhrgebiet seid, dann entscheidet selbst, was ihr euch ansehen möchtet und was nicht. Ich vergebe dem Tetraeder vier Sterne.

P.S. Zur Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich recht wenig sagen, weil ich noch nicht mit Bus und Bahn hingefahren bin.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
kein_Blatt_vorm_Mund

kein_Blatt_vorm_Mund

30.07.2003 17:12

Was ist schon ein Tetraeder, Anja? Deine frühere Frage hast Du hier mit Bravour beantwortet! Liebe Grüße, Stefan

cujimmy

cujimmy

23.07.2003 21:40

Sehr gut geschriebener und ausführlicher Bericht ... Gruß ... Ken (Irland)

illi1

illi1

16.07.2003 11:17

Du solltest mal mit dem Fahrrad dort hinfahren - schöne Strecke. LG Iris

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