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Haiti - Allgemeines

Erfahrungsbericht

für Haiti - Allgemeines
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5 Sterne Haiti - Land der Gegensätze
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Empfehlenswert: Ja

Pro ausgezeichnet organisierte Rundreise, ein tolles Urlaubserlerbnis

Kontra relativ hohe Nebenkosten (Grenzgebühren: 35 US$, Getränke sind nicht inklusive)

Der Autor

Corran Seit 4 Feb 2000

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Lange galt Haiti als Synonym für Exotik und bunte Märkte, für Hafenstädte mit europäischem Flair, für unermeßlichen Reichtum, der von den Sklaven auf den Zuckerplantagen erarbeitet wurde, für Traumstrände, an denen sich die High Society vergnügt.
Das kleine Land - nur etwa 12000 km2 groß - läßt heute vor allem an Armut, Diktaturen und Ausweglosigkeit denken. Dabei spielte Haiti in der Geschichte einmal eine ganz andere Rolle: Es war der zweite unabhängige Staat der Neuen Welt und dazu der erste eigene schwarze Staat - viele Gründe also für eine Rundreise; man kann sich mit eigenen Augen von der Wirklichkeit eines Landes überzeugen, das als materiell extrem arm und kulturell wie historisch als enorm reich gilt. Auf schöne Strände muß man dabei nicht verzichten.

Angesichts der mangelhaften Infrastruktur Haitis in Haiti empfiehlt sich eine organisierte Tour, denn die Überlandstraßen sind durchweg ungeteert, mit Schlaglöchern übersät und kaum ausgeschildert; Tankstellen und Hotels sind Mangelware, und ohne einen ortskundigen Führer wird man wenig sehen und schnell in schwierige Situationen geraten. Auch ist es verboten, per Mietwagen die Grenze zu Haiti zu passieren.


Mein Freund und ich reisten mit der Reisegesellschaft ITS durch Haiti und die Dominikanische Republik. Uns schlossen sich weite vier Touristen und ein ortskundiger Führer namens Moritz an. Um unseren Erlebnissen vorzugreifen, die ich weiter unten in einem Auszug aus meinem Reisebericht beschreibe, muß ich an dieser Stelle sagen, das die 7tägige Rundreise wirklich erstklassig organisiert war und die Hotelunterbringungen gut, meistens sogar hervorragend waren. Ich habe mich sehr gefreut, viel von den Sehenswürdigkeiten und Schönheiten des Landes gesehen zu haben, aber gleichermaßen auch darüber, einen Eindruck davon gewinnen zu können, was es bedeutet, in einem so armen Land wie Haiti zu leben oder einige Gewohnheiten der Dominikaner kennenzulernen. Besonderes Lob kann ich auch unserem deutschsprachigen Führer Moritz aussprechen; er war sehr freundlich und aufgeschlossen und jeder Situation gewachsen, die einen nicht landeskundigen Touristen in Schwierigkeiten gebracht hätte.

ACHTUNG: Wer NICHT sehen möchte, unter welchen Umständen und schlechten Lebensbedingungen Menschen am anderen Ende der Welt vegetieren müssen, sollte diese Rundreise bei ITS nicht buchen. Sehr oft wird man direkt mit den Einheimischen dort konfrontiert und an typischen Touristenstätten kommt es nicht selten (wenn nicht immer) vor, daß man von Verkäufern oder bettelenden Kinder geradezu belagert wird.
Auch beachten sollte man, daß das Fahren auf den sehr sehr schlechten Straßen und ein ausgedehntes Programm bei großer Hitze auch nicht unbedingt für jeden das richtige ist.

Noch ein Wort zur Gesundheit: Vorsorglich habe ich alle in Deutschland üblichen und vorgeschreibenen Impfungen soweit nötig auffrischen lassen. Außerdem habe ich mich gegen Hepatitis A und B impfen lassen und zusätzlich zur Malariavorbeugung entsprechende Tabletten eingenommen. Gegen die zahlreichen Stechmücken hilft meines Erachtens trotz der Hitze im Sommer leider nur eine lange Hose.

Und hier ein Auszug aus meinem Reisebericht, der sich nur auf Haiti beschränkt; wer Online-Kosten sparen will, kopiert sich den Text, der immer noch relativ lang ist, am besten zum späteren kostenlosen Offline-Genuß.


Mittwoch, 23.06.1999:

Wir erreichen die dominikanische Grenzstadt Dajabón. Wir müssen den Bus verlassen und zu Fuß mit Sack und Pack etwa 70 Meter zurücklegen und die Grenze passieren. In Haiti besteht der größte Teil der Bevölkerung aus Schwarzen, die die Nachfahren der von den Franzosen importierten Negersklaven sind.
Das erste, was hier auffällt, ist, daß man die Straßen in Haiti wie oben bereits erwähnt, eigentlich nicht als solche bezeichnen kann. Gefahren wird hier absolut rücksichtslos. Das stärkste Fahrzeug hat bei Straßenengpässen die Vorfahrt inne, bei gleichstarken Modellen entscheidet der skrupellosere und mutigere Fahrer sie für sich. Fußgänger und Tiere haben sich prinzipiell rollendem Blech unterzuordnen und gegebenenfalls zur Seite zu springen. Besonders in den Städten wird auch permanent die Hupe als Druckmittel eingesetzt.

Hinter der Grenze durchfahren wir eine sehr ländlich geprägte Region, fruchtbares Land ist weit und breit nicht zu sehen, alles ist trocken und staubig. Die wenigen Behausungen am Straßenrand sind meistens sehr ärmlich. Neben den wenigen Steinhäusern gibt es sehr viele Holz- und auch Lehmhütten. Viele davon sind in schlechtem Zustand, unfertig oder schon teilweise zerfallen. Der farbige Anstrich fehlt sehr oft. Die Häuser sind in der Regel deutlich voneinander durch sehr dicht gesetzte stachelige Büsche oder Kakteen abgegrenzt.
Auch der Wasseranschluß fehlt in manchen Regionen noch. Dieser ist oftmals durch kleine Brunnen, die von UN-Mitarbeitern angelegt wurden, gegeben. Ansonsten sieht man große Kunststoffässer am Straßenrand stehen, die regelmäßig von „Wasserwagen“ aufgefüllt werden. Sauberes Wasser bekommt man allerdings nur, wenn man es im Laden flaschenweise kauft.

Wir fahren weiter in Richtung der Stadt Cap Haïtien. Überall am Straßenrand wird Holzkohle in großen Säcken zum Verkauf angeboten. Im Gegensatz zur Dominikanischen Republik können sich die Menschen das Kochen mit Propangas nicht leisten, so daß das Holz der Wälder rücksichtslos zu Holzkohle verarbeitet wird. Auf einer Brücke werden wir Zeugen eines typischen Waschtages: In einem im Vergleich zu besseren Zeiten sehr trockenen Flußbett, das braunes Wasser führt, wird die Wäsche „gewaschen“ und anschließend zum Trocknen am Ufer ausgebreitet. Die Menschen nutzen den Fluß auch, um sich selbst dort zu reinigen Die Menschen hier reagieren unterschiedlich auf unseren Bus, der sechs weiße Touristen aus dem Paradies transportiert. Zum größten Teil sind die Menschen freundlich und winken uns sogar zu, andere ärgern sich aber auch deutlich über unsere materielle und soziale Besserstellung, wie man sehen kann, wenn man gelegentlich einen Blick aus der Heckscheibe riskiert. Riskant ist es auch auf jeden Fall, ungefragt Fotografien von den Menschen hier zu schießen, da sie es oftmals energisch ablehnen. Hier glaubt man nämlich, daß ein Foto für einen bösen Voodoo-Zauber mißbraucht werden kann.
Wir erreichen Cap Haïtien: Das Stadtbild wird durch Steinhäuser geprägt, die sehr oft sogar mehretagig sind, aber dicht an dicht stehen. Die Häuser sind meistens zerfallen oder unfertig, die Blechdächer verrostet; die wenigen äußerlich wirklich schönen Häuser stechen regelrecht ins Auge. Mal abgesehen von diesen ist keines der Häuser angestrichen. Selbst den Behörden fehlen die Mittel für solide oder repräsentative Gebäude. Sie unterscheiden sich in keinster Weise von den anderen.
Die oberirdischen, stromführenden Leitungen sind alle und überall hoffnungslos angezapft und versorgen die ärmlichen Behausungen mit Elektrizität. Die Straßen sind schmutzig, Müll und Autowracks liegen überall. Die Wasserversorgung wird teilweise durch improvisiert in die Straße gehauene Kanäle gesichert, das Wasser ist schmutzig, Abfall schwimmt darin. Eine Kanalisation gibt es nicht. Einige Seitenstraßen gleichen Schlammpisten.
Die Verkehrsführung aber ist eine einzige Katastrophe. Autos, Lastwagen und Busse fahren so dicht hintereinander und nebeneinander wie hier die Häuser stehen. Vorfahrt hat wie bereits erwähnt der Rücksichtsloseste und Engagierteste.
Zum Mittagessen fahren wir auf eine Anhöhe. Dort speisen wir auf dem Privatanwesen „Pauline“. Das Anwesen wirkt ziemlich teuer und prunkvoll und von hier hat man einen sehr schönen Blick auf das Meer. Das Essen war exzellent, eine sehr gelungene Kombination aus europäischer und haitianischer Küche.
Nach dem Essen fahren wir wieder in die ärmliche Innenstadt. An einem Straßenrand halten wir an. Wir steigen aus, um den sogenannten Eisernen Markt (Marché de Fer) zu besichtigen. Das Angebot umfaßt meistens Lebensmittel. Gemüse (meist Kohl und Mohrrüben), Fleisch, Fisch, Krabben. In der hohen Markthalle staut sich die Hitze. Schätzungsweise 35 bis 40 Grad Celsius. Natürlich leiden die verderblichen Waren darunter; so etwas wie Kühltruhen gibt es hier nämlich nicht, mal abgesehen davon, daß allein die Energieversorgung ein unlösbares Problem darstellen würde. In der Halle herrscht ein GESTANK vor, den man selbst erlebt haben muß, weil es kaum vorstellbar ist Daß die Nase nicht über die unverantwortlichen Zustände getäuscht hatte, davon konnte man auch visuell überzeugen. Ich wage die Behauptung, daß die Fleisch- und Fischwaren schon länger als zwei Wochen in der Halle lagen und bestimmt längst verdorben waren. Fliegen saßen überall zu Dutzenden auf den Lebensmitteln.
Die Menschen sehen bedauernswert aus. Sie sitzen und liegen auf dem sehr schmutzigen Boden der Markthalle, zum Teil schlafen sie dort sogar. Einige halten erschöpft ihre Hände nach oben, in der Hoffnung etwas Geld erbetteln zu können.
Es gibt aber auch andere Waren wie metallene Becher, Kunststoffgeschirr, Kochtöpfe, Zigaretten, Batterien, antike Kohlebügeleisen, Vorhängeschlösser und Maggi-Würfel. Besonders interessant anzusehen ist die Herstellung von Öllampen aus alten Blechdosen.
Für umgerechnet 1/3 US$ erwerbe ich zwei Batterien für den Fotoapparat. Es sollte sich kaum später herausstellen, daß diese Batterien auch nicht mehr wert gewesen sind.

Im Anschluß an den Markt besichtigen wir die Kathedrale der Stadt. Selbst diese sieht bereits etwas verkommen aus. Die Ausstattung ist karg, noch nicht mal ein Opferstock ist im Inneren aufgestellt. Wahrscheinlich erwartet man hier keine Geldgeschenke. Die Außenwand der Kathedrale ist teilweise mit Graffitis besprüht. Am Abend werden wir in einem guten Hotel einquartiert, das auf einer Anhöhe in gewisser Entfernung zur Innenstadt liegt. Es steht ein bewaffneter Mann vor der Tür; das Kaliber seiner Waffe hätte wohl auch den Motorblock eines Lastwagen zerreißen können.

Donnerstag, 24.06.1999:

Nachdem an diesem Morgen das Gepäck erneut im Bus verstaut ist, geht die Fahrt in einem anderen Geländewagen weiter in Richtung der Zitadelle „La Ferrière“, die auch als das achte Weltwunder bezeichnet wird Die Fahrt durch Cap Haïtien und das folgende Umland zur Festung dauert ungefähr eine Stunde. Das Land in Richtung der Zitadelle ist halbwegs fruchtbar. Es scheint sich zumindest für die Viehzucht zu eignen. Schon aus größerer Entfernung kann man das gigantische Bauwerk, das hoch oben auf einem Berg thront, erblicken. Ihre Errichtung verdankt die Zitadelle dem damaligen Herrscher und Diktator Henri Christophe. Der Bau war dreizehn Jahre lang von 1804 bis 1817 im Gange und kostete 20000 Arbeitern das Leben. Der Weg zur Festung ist gepflastert, und obwohl er mehr als 200 Jahre alt ist, macht er einen wesentlich besseren Eindruck als die haitianischen Straßen. Das letzte Stück müssen wir auf Pferden zurücklegen. Dabei führt ein Einheimischer das Pferd und ein weiterer treibt es mit Stockhieben an. Endlich oben hat man einen herrlichen Blick auf dicht bewaldete Hügel und Berge im Umland. Der Bau ist wirklich imposant, zum Teil wird er sogar renoviert.
Den Rückweg nach unten treten wir zu Fuß an. Die Schar einheimischer Verkäufer, die Schnitzwaren und Schmuck an den Touristen bringen wollen, wächst mit jedem Meter in Richtung Tal. Irgendwann kann man sich ihnen fast nicht mehr erwehren. Neben den Verkäufern laufen aber auch immer wieder bettelnde Kinder neben uns her. In dieser Region sind die Kinder oft noch unterernährt, was deren aufgeblähte Bäuche teilweise deutlich bewußt machen.
Wir passieren auf dem Rückweg die Ruine des Schlosses Sanssousi, die vormals den eigentlichen Regierungssitz Henri Christophes darstellte. Dort sind an diesem Tag mehrere Schulklassen zu Besuch, viele Kinder in bunten Schuluniformen tummeln sich auf dem Schloßplatz.
Wir setzen unsere Fahrt auf den Berg Buille Berueau in Richtung der Stadt Gonaïves fort. Landschaftlich ist das Gebiet sehr reizvoll. Sehr positiv fällt auf, daß die Straße auf den Berg hinauf von guter Qualität ist, fast mit einer deutschen Landstraße vergleichbar. Wir sehen einige bunt mit Motiven der Voodoo-Götter bemalte Tempel. Solche Häuser erkennt man bereits von weitem, da in ihrer unmittelbaren Nähe stets eine blau-rote Fahne gehißt wird.
Wir erreichen ein kleines einheimisches Restaurant, wo wir ausgezeichnet essen können. Hier gibt es auch wieder die gebratenen Bananen, deren Geschmack dem von Kartoffeln recht nahe kommt.
Inzwischen haben wir den Berg überwunden. Wir fahren weiter in Richtung Montrouis, vorher legen wir einen Stopp in Gonaïves ein. Am 01. Januar 1804 wurde in Gonaïves die Unabhängigkeit Haitis durch Jean Jaques Dessalines proklamiert. Es ist die größte Stadt im Westen Haitis, aber kaum besser als Cap Haïtien. Wir sehen uns das Denkmal von Dessalines an und setzen die Fahrt fort.
Der Zustand der Straße ist wieder äußerst schlecht. Wir durchfahren ein verlassenes Tal, weit und breit gibt es nur steinige Berge und Hügel, außer trockenen Sträuchern und Kakteen wächst hier nichts. Nach einer knappen Stunde wird das Land immer fruchtbarer, da in verstärktem Maße Flüsse und Kanäle in das Land ragen. Zunächst kann man Viehzucht beobachten. Wir passieren den Ort Estère, der nach Moritz‘ Aussage so klein ist, daß er nicht einmal auf der Landkarte verzeichnet ist.
Nach weiteren 15 Minuten Fahrt ist vor allem der Reisanbau vorherrschend. Eine halbe Stunde weiter auf der sehr schlechten Straße wird das Land wieder unfruchtbar, wir durchfahren ein weites Tal. Die Straße aber verbessert sich nach kurzer Zeit wieder deutlich. Wir passieren die größere Stadt San Marc. Hier stechen vor allem sehr viele „Wettbüros“ ins Auge. Das sind kleine bunte Holzbuden, wo auf so ziemlich alles, was man sich denken kann, eine Wette abgeschlossen werden kann. Der Weg durch und kurz hinter der Stadt wirkt wie eine Allee. Jenseits der Bäume, die die Straße säumen, sieht man oft nur eine Geröllwüste oder nur wenig fruchtbares, gebirgiges Land. Nicht weit von dieser Straße liegen jetzt die schönsten Strände Haitis.
Wir erreichen schließlich die Gegend in der Nähe des Ortes Montrouis, wo wir in einem exklusiven Hotel direkt am Meer übernachten. Es waren allerdings so gut wie keine Gäste im Hotel, zur Zeit herrscht eine absolute Tourismusflaute in Haiti und selbst Häuser mit bester Ausstattung und Lage stehen so gut wie leer.

Freitag, 25.06.1999:

Wir besichtigen nach dem Frühstück das an das Hotel grenzende Kolonialmuseum. Dort zu sehen ist eine komplette Hauseinrichtung eines wohlhabenden Kolonialisten, daneben alte Dokumente, Waffen, Kleidungsstücke und Ähnliches.
Wir setzen unsere Fahrt um 10:40 Uhr in Richtung Port-au-Prince fort. Die Straßen sind erstaunlich gut, vergleichbar mit deutschen Landstraßen. Allerdings ist die Landschaft über weite Strecken nicht so reizvoll, geprägt von „schwarzen Bergen“. Das heißt, der Raubbau an der Natur wird hier besonders deutlich. Diese Berge sind größtenteils komplett abgeholzt worden, nur vereinzelt sieht man noch Bäume. Wir fahren auf einer Küstenstraße, das Meer schillert in den schönsten Blautönen. Die Küste wird von großen und zum Teil herrschaftlichen Anwesen und teuren Clubs gesäumt. Hier erinnert nur sehr wenig an die arme Bevölkerung auf dem Lande und in den Ballungsgebieten der Städte. Nach 25 Minuten Fahrt wird der Küstenstreifen deutlich breiter. Die meisten hier lebenden Menschen sind relativ wohlhabend. Hier sind Wasserkanäle angelegt, die Landwirtschaft blüht wieder, vor allem Bananenplantagen sind zu beobachten. Bereits nach einer weiteren Viertelstunde Fahrt wird es wieder trocken. Wir durchqueren ein weites und so gut wie unbewohntes Tal.

Wir erreichen die Hauptstadt Port-au-Prince. Hier leben ungefähr 1.000.000 Menschen. Die Stadt wurde bei einem Erdbeben 1842 teilweise zerstört. Das Leben wirkt hier wieder armselig. Der Müll liegt auf den Straßen, das Wasser fließt in provisorisch in den Asphalt gehauenen Kanälen vor den Behausungen und ist überdies sehr schmutzig. Aber natürlich gibt es auch hier einen Stadtteil, in dem sich privilegierte Bürger angesiedelt haben. Deren Villen sind durch hohe Mauern und Stahltore abgeschirmt.
Die Straßen sind in der Hauptstadt immer noch recht gut. Wir passieren den Flughafen, der unter UN-Kontrolle steht und entsprechend bewacht wird und durch Stacheldraht eingeschlossen ist. Daher wirkt die Umgebung des Flughafens sicherer und wesentlich gepflegter. Wir fahren zum Hotel „Visa Lodge“, um zu Mittag zu essen. Im Anschluß an das ausgezeichnete Essen in büfettform brechen wir zu einer Stadtrundfahrt auf. Unser Ziel ist die in einer Senke gelegene Innenstadt der Hauptstadt. Die Armut der Menschen ist hier überall unübersehbar. Unmittelbar neben den Elendshäusern erheben sich aber auch glänzende Tankstellen und Autohäuser.
Die eingesetzten Verkehrspolizisten haben ihre liebe Not, den zunehmenden und chaotischen Verkehr zu regeln. In der Hauptstadt sieht man im Gegensatz zum Lande auch viele neuwertige Autos, zum Teil auch aus Europa. Der Verkehr fließt sehr zäh. In chaotischen Zweierreihen quält sich eine unendlich lange Blechlawine in Richtung der Innenstadt. Die Straßen werden schlechter, die Lebensbedingungen der Menschen gleichermaßen. Etwas besser dagegen sehen die unter Denkmalschutz stehenden Häuser aus der Zeit um 1920 aus, aber aufgrund des Geldmangels werden auch diese über kurz oder lang größtenteils zerfallen, wie es hier und da bereits der Fall ist. Auf der Weiterfahrt sehen wir den Nationalpalast, eine Dreifaltigkeitskapelle sowie den Notre Dame von Port-au-Prince. Hier gibt es auch einen Eisernen Markt, der um ein Vielfaches größer ist als der in Cap Haïtien. Wir setzen unsere Fahrt fort und durchqueren dabei das Bankenviertel. Im Gegensatz zu den anderen Häusern wirkt es hier wesentlich ordentlicher, dennoch nur vergleichbar mit einem heruntergekommenen deutschen Hinterhof, wie man ihn aus alten Derrick-Episoden kennt.
Das Übernachtungshotel steht natürlich nicht in der Elendssenke der Innenstadt, sondern auf einer Anhöhe in dem Vorort Montrouix. Die Anhöhe ist den Reichen als Wohnraum vorbehalten. Das Hotel trägt den Namen „Moulin Sur Màre.

Samstag, 26.06.1999: Nach dem Frühstück geht es noch höher auf den Berg hinauf. Die Fahrt mit dem Bus führt uns zu einem auf 1000 Höhenmetern gelegenen Aussichtspunkt über Port-au-Prince. Die Straße wird von exklusiven Häusern gesäumt. Überall herrscht Bautätigkeit. Beim Aussichtpunkt hat man sehr große Mühe, die Verkäufer von Andenken auf Distanz zu halten. Auf der weiteren Strecke machen wir bei einer Missionspost Station. Dort befindet sich auch eine Schule, in der Kinder kostenlos unterrichtet werden. Die Missionspost lebt vom Verkauf von Souvenirs und von Spenden. Danach geht es zurück in Richtung der Innenstadt, also talwärts. Bedingt durch einen Stau haben wir nur noch eine Viertelstunde lang Zeit, eine der exklusivsten Galerien in Haiti überhaupt zu besuchen. In der Galerie Nadler gibt es kaum ein Bild unter 700 US$ zu kaufen.
Nach dem Essen führt die Fahrt in Richtung der Grenzstadt Jimani. Dort wollen wir wieder in die Dominikanische Republik einreisen. Außerhalb von Port-au-Prince gibt es nur einzelne Häuser, Landwirtschaft ist so gut wie gar nicht möglich. Kurz vor der Grenze wird ein Steinbruch bewirtschaftet. Auf der letzten Teilstrecke fahren wir entlang des größeren Sees „Etang Saumàtre“. Zwischen Port-au-Prince und der Grenzstadt fahren sehr viele der sogenannten Tap-Taps hin und her, bunt bemalte Kleinbusse und Laster, die Menschen zu Dutzenden transportieren.
An der haitianischen Grenzstation dauert es an diesem Tag sehr lange, um eine Genehmigung einzuholen, mit dem Bus durch das Niemandsland zur dominikanischen Grenze fahren zu können. An dieser Grenzstation kann man nicht genau erkennen, wer als Grenzposten für die Regierung arbeitet und wer nicht. Einige junge Männer in bunter Zivilkleidung spielen sich am Tor auf, als ob sie etwas zu sagen hätten und werden nur gelegentlich von einem Uniformierten in ihrem Tun eingeschränkt. Als ausländischer Tourist ohne Französisch- und Landeskenntnisse wäre man hier wahrscheinlich total aufgeschmissen.
An der dominikanischen Grenzstation schließlich verlassen wir den Bus und sind gezwungen, unsere Koffer über eine enge Drehtür zu hieven, durch die sich eine unübersichtliche Menschenmenge zu drücken versucht. Nach der Drehtür erfolgt das Durchsuchen unseres Gepäcks. Außerdem versuchen die Beamten, weitere 10 US$ Grenzgebühren einzutreiben, die ihnen gar nicht zustehen. Glücklicherweise kann Moritz sich in dieser Situation durchsetzen. „Sie versuchen es immer wieder“, sagt er nur. Nachdem wir weitere 20 Minuten in unserem neuen Bus gewartet haben, kann die Fahrt endlich fortgesetzt werden. Die Uhr wird um eine Stunde vorgestellt.

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Kommentare

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  • Mungi60 02.02.2010 19:30
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Mauzerle 01.02.2010 16:44
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    BH, da sehr ausführlich, schön beschrieben und entspricht den Tatsachen! Lg

  • nicky82 28.03.2005 15:29
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    ein wirklich guter, ausführlicher bericht :-) lg nicky

  • mjk25 22.02.2004 17:06
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    super toller bericht.so sollte ein bericht sein.ich war damals auch in haiti,wo ich in der dom rep war.bin zwar nur bis cap haitien gelang,aber es war sehr interessant wie diese zwie länder auf der insel leben.grüße aus dresden mario

  • negendank 31.12.2003 22:30
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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