Grönland - grünes Land
Diese Namensgebung verdankt die weltgrößte Insel dem Wikinger Erik dem Roten, der sich daheim in Norwegen, mit seinen Nachbarn überworfen hatte und einen neuen Lebensraum suchte.
Der als streitsüchtig in die Annalen eingegangene junge Mann, flüchtete zunächst vor der Justiz nach Island, aber da er dort auch recht schnell dazu überging seine Nachbarn zu meucheln, landete er letztendlich auf Grönland.
Zur Zeit Eriks (950 bis 1003) war Grönland ein weitestgehend unbekannter Fleck der Welt. Als er 982 gen Westen ruderte und segelte, geschah das nur aufgrund interessanter Erzählungen des Wikinger Gunbjörn, der dieses Land zu Beginn des Jahrhunderts angeblich gesichtet hatte. Gunbjörn berichtete von einem tief verzweigten Fjordsystem mit grünen Wiesen und fischreichen Gewässern.
Klingt reizvoll, dachte auch Erik und wollte sein Glück dort versuchen.
Kalaallit Nunaat
so nannten die Einheimischen damals ihr Land und tun es auch heute noch.
Wie eine riesige Festung liegt diese Insel mit kontinentalen Außmaßen, im Osten des nordamerikanischen Kontinents. Politisch gehört Grönland, als autonomes Gebiet zu Dänemark. Innenpolitisch entscheiden die Grönländer selbst, nur außenpolitisch werden sie noch bis zum Jahre 2020 von Dänemark vertreten.
Seit 1985 ist Grönland nicht mehr Mitglied der EU. Sie gelten seither als Autonomiegebiet, wie Åland und Färöern und sind seit 2007 gleichwertiges Mitglieder des nordischen Rates.
Dies nur am Rande, denn Grönland ist für die meisten Europäer so unendlich abgeschieden, dass das Interesse an dieser kalten Landmasse, doch eher gering zu sein scheint. Nur selten kommt es als Urlaubsland in Frage und doch verirren sich immer mehr Abenteurer, Forschergeister und Neugierige auf diese faszinierende Insel, die unglaublich viel an Landschaft und Kultur zu bieten hat.
So weit weg vom warmen Europa ist Grönland allerdings gar nicht, denn ein Flug mit dem einzigen Airbus der Fluggesellschaft Air Greenland, von der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, nach Kangerlussuaq (oberhalb des nördlichen Polarkreises) dauert nicht mal 4 1/2 Stunden.
Wer Grönland nur aus Fernsehberichten, Zeitungsartikeln oder Büchern kennt, wird sich nach der Landung in Kangerlussuaq sehr wundern über diese fazinierende Welt in Eis und Schnee, die auf mich zunächst einen doch eher lebensfeindlichen Eindruck machte. Grönland ist anders, als alles, was ich bislang im Leben zu sehen bekommen habe. Es ist hart, rauh, schroff, wild und unbezähmbar. Wer dieses Land im Winter betritt, fragt sich unwillkürlich, wie Erik der Rote auf die Idee kam, hier zu siedeln. Die einzige Erklärung scheint mir, dass die klimatischen Bedingungen zu seiner Zeit noch etwas anders gewesen sein müssen oder er vielleicht, nach seinen unrühmlichen Taten, wirklich nirgendwo sonst mehr eine Heimat finden konnte.
In Kangerlussuaq endete für mich fast alles, was mir an europäischer Dekadenz in den Knochen steckt. Beglückt nehme ich Abschied von der Hirnverdrehung durch dauerhafte Werbeberieselung und werbegesteuerter Selbstfindung, von Sicherheitskontrollen und auch von europäischen Gesichtszügen. Nicht das ich etwas gegen Sicherheitskontrollen habe! Man braucht sie in Grönland bislang einfach nicht, denn Osama hat sein Betätigungsfeld hier noch nicht gefunden. Vielleicht ist selbst seinem kranken Verstand aufgefallen, dass es sinnlos ist Gletscher und harmlose Eskimos in die Luft zu sprengen. Zu hoffen bleibt nur, dass er diese Einsicht beibehält, denn das Reisen durch Grönland, ohne sich an endlosen Sicherheitsschaltern die Beine in den Bauch zu stehen, ist überaus angenehm!
Der kleine Flughafen von Kangerlussuaq gilt als internationaler Airport, was angesichts der Tatsache, dass die einzige internationale Destination nach Kopenhaben und Island besteht, leicht übertrieben wirkt.
Ab Kangerlussuaq sind die Piloten nicht mehr von den Passagieren zu unterscheiden. Ihr militärisch wirkendes Schirmmützchen weicht einer Pudelmütze und das näckische Jäckchen mit den goldenen Streifen am Ärmelchen, wird durch eine warme Felljacke ausgetauscht. Die Füße stecken nicht mehr in diesen Prima - Ballerina Tretern, sondern in gefütterten Moonboots oder Seehundstiefeln.
Kangerlussuaq, früher Kangerdlugssuaq
hat ca. 500 Einwohner, die größtenteils von der Jagd und vom Fischfang leben. Der kleine Ort hat seinen Seehafen, der allerdings nur im Sommer genutzt werden kann. Neben einem kleinen Hotel (Arctic Lodge), in dem meistens Reisende übernachten, die auf einen Weiterflug in andere Regionen warten müssen, hat Kangelussuaq auch einen Lebensmittelladen, eine Schule, den nördlichsten Golfplatz der Welt (nur Sand) und die längste Straße Grönlands, die ca. 30 km misst. Der sogenannten Arctic Circle Trails, der zur Westküste nach Sisimiut führt, findet seinen Anfang und auch seinen Endpunkt in Kangerlussuaq.
Für Abenteurer gibt hier die Möglichkeit, zum ca. 25 km entfernten Inlandeis (Russels-Gletscher) zu gelangen und der Knallverrückte, kann sich im Winter eine 170 km lange Schlittenhundtour nach Sisimiut antun. Solche Touren sollte man keinesfalls unterschätzen!!!
Verbindungsstraßen - oder Wege gibt es in Kangerlussuaq, wie in ganz Grönland nicht! Jede Straße und auch jeder Weg endet, nach kurzer Zeit, im weißen Nichts!
Hoch erfreut über die unglaublich schöne Landschaft, verließ ich über eine kleine Treppe den Airbus in Kangelussuaq und stand gleich mitten auf der Landebahn, vor dem hölzernen, gemütlich wirkenden Flughafengebäude. Der Himmel was strahlend blau und die Sonne lachte so schön sie konnte, was mich ohne zu zögern dazu bewegte, einen Ausflug ans Meer machen zu wollen. Ich wollte gleich meine ersten Stunden dazu benutzen, diese wundersame Welt zu erkunden. Keine 200 m vom Flughafengebäude entfernt, blickt man direkt in die "Innenstadt", die aus ungefähr 30 kleinen, bunten Häusern, einem Grill und dem Lebensmittelladen besteht. Der Flughafen steht tatsächlich fast mitten im Ort, unweit des Meeres.
Erst als ich das Flughafengebäude verliess, konnte ich die ganze Pracht dieser Winterwelt entdecken. Riesige, tief verschneite Gebirgsketten säumten die Unfer des Søndre Strømfjordes, der rund 200 km tief ins Land ragt. Kleine, hellblaue Gletscherbrocken trieben auf dem Wasser und etwas verloren standen ein paar Moschusochsen in der Landschaft. (Vorsicht, auch diese Attraktion ist wenig menschenfreundlich und kann sich ungeahnt schnell bewegen!)
Was ich so um mich herum entdeckte, machte mich extrem neugierig und so schnallte ich meinen Rucksack auf den Buckel, zog meine warme Jacke zu, Mütze, Schal und Handschuhe an und machte mich auf den Weg ans Wasser. Als ich den Windschatten des Flughafengebäudes verließ, kam mir erstmals der Gedanke "Wow, ganz schön kalt hier". Ohne zu über - oder untertreiben, schaffte ich ca. 300 m bis ich in den Lebensmittelladen flüchten musste, um wieder aufzutauen.
Ich bin gewiss nicht zimperlich und von daheim heftige Minustemperaturen bis zu - 30 Grad gewohnt, aber was Kangerlussuaq zu bieten hat, haut den stärksten Eskimo vom Schlitten.
Die Sonne und der blaube Himmel sind für dumme Europäer wie mich, ein echtes Täuschungsmanöver.
Oft bringen sie, wie am Tag meiner Landung, ihren beißenden Freund, den Wind mit und der ist so heimtückisch, weil man ihn weder an Bäumen noch Sträuchern, die sich in ihm wiegen, erkennen kann. Es gibt keine Bäume und Sträucher!
Nachdem ich mich in dem kleinen Lebensmittelladen wieder aufgewärmt und meine Kleidung neu sortiert hatte, startete ich einen neuen Anlauf. Diesmal hatte ich meinen Schal doppelt um das Gesicht gewickelt, so dass nur noch die Augen heraus guckten. Mit dieser arabisch anmutenden Verkleidung schaffte ich dann nochmal ca. 300 m, bis mich das Gefühl, der Wind reißt mir die Gesichtshaut, in kleinen Fetzen von den Backen, zur Umkehr zwang. Meine Oberschenkel spürte ich, nach diesem eher kurzen Ausflug nicht mehr und die Nase fühlte sich an, als könnte ich sie am Stück aus dem Gesicht brechen.
Liebe Reise - und Grönlandfreunde, zieht euch warm an, wenn ihr im Winter zu einer Grönlandtour aufbrecht und vergesst auf keinen Fall die langen Unterhosen. Selbst kurze Wege können zu einer echten Herausforderung werden, wenn man falsch bekleidet ist.
Was aber ist die richtige Bekleidung?
Den ganzen massenproduzierten Modemüll von Jack Wolfskin, der sich Qutdoor schimpft, könnt ihr getrost daheim lassen, denn hier, wo er seine Qualität wirklich mal unter Beweis stellen könnte, versagt er kläglich. Eine gute, windundurchlässige und wasserabweisende Daunenjacken von C&A oder Karstadt tut ihren Dienst genauso gut, wenn nicht sogar besser, als die angeblich so belastbaren, gut durchdachten und unter extremen Bedingungen getesteten Klamotten einiger Outdoor Anbieter. Die kennt in Grönland kein Mensch, weil hier Qualität und Funktionalität gefragt ist.
Beim Kauf einer Grönlandausrüstung, sollte man seinem Verstand folgen und auf keinen Fall dem Versprechen irgendeiner hirnverbrannten Werbung.
Wer eine strickende Oma daheim hat, sollte sie um warme, schöne lange Socken aus Wolle bitten. Die sind besser als das, was es in der Regel zu kaufen gibt. Beim Kauf einer Jacke ist zu bedenken, dass der arktische Wind immer eine Ritze findet, in die er kriechen kann. Die Jackenärmel sollten dicht verschließbar sein und auch der untere Jackenabschluß sollte ein breites Gummiband, das dicht am Körper anliegt, haben. Lange Jacken, die bis über das Hinterteil reichen, wärmen den Allerwertesten nicht und sind unzweckmäßig, weil sie nicht dicht am Körper abschließen. Sinnvoll ist eine Jacke mit einer größeren Kaputze, damit der Kopf mit Mütze darauf, unter die Kaputze passt. Ungedingt darauf achten, dass die Kaputze mit einem Band o.ä. zugezogen werden kann! Die Jacke, die vor der Kälte des grönländischen Winters schützen soll, sollte auch einige verschließbare Taschen haben, in denen man etwas verstauen kann.
Wer in Grönland längere Zeit etwas in der Hand tragen muss (selbst mit warmen Handschuhen), wird diesen Aspekt gut verstehen können.
Empfehlen kann ich aus eigener Erfahrung die Jacken von Canada Goose. Die muss man allerdings nicht teuer vor der Arbeise kaufen, sondern findet sie in in vielen grönländischen Touristinformationen zu einem wesentlich günstigeren Preis.
Ich habe in Grönland, zum ersten Mal im meinem Leben, den Sinn von Unterhemden erkannt.
Beim Kauf der Unterwäsche ist zu beachten, dass es äußerst angenehm ist, wenn sie, auch nach einigen Stunden des Tragens, nicht ausbeult und wie ein Sack um die Beine baumelt. Baumwolle, mit ein paar Prozent Elastan ist eine sehr komfortable und gut zu waschende Lösung. Besonders angenehm ist Frottee!
Was das Schuhwerk betrifft, da sollte man wirklich nicht sparen. Die Wege und Straßen Grönlands sind im Winter nicht vereist, sie bestehen aus Eis! Sinnvoll sind Schuhe mit Spikes, die gleichzeitig eine warme Fellfütterung haben. Auch hier kann ich, aus eigener Erfahrung, die Schuhe des französischen Outdoorausrüster Merrell, wärmstens empfehlen. Ein gut wintertauglicher, warmer und sehr bequemer Damenschuh, ist bei Merrell ab rund 200 Euro zu bekommen. Ich bin allerdings sicher, dass es auch gute und günstigere Lösungen gibt - also Augen auf, denn Preisvergleiche lohnen sich!
Wer seine warmen Schuhe vergessen hat, bekommt hervorragende Modelle in Grönland, wie man sie in Europa nur selten findet. Robben - oder Eisbärenstiefel sind nicht unbedingt günstig, aber sie sind die wärmesten Modelle, die ich je kennengelernt habe. (Ein paar Gedanken zu diesen Fellen findet ihr weiter unten)
Zu empfehlen ist auch eine Mütze, die man über das Gesicht ziehen kann. Sowas, wie die Bankräuber tragen!
Wer solch eine Mütze trägt, wird sich freuen, dass nur noch die Augenbrauen einfrieren. Die kann man allerdings mit einer passenden Fettcreme (besser in Grönland kaufen, weil es ist Europa wirklich nichts gibt, was den nordgrönländischen Temperaturen die Stirn bieten könnte) schützen.
Von Kangerlussuaq ging mein Flug weiter mit einer Dash-8, nach Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Die recht kleine Propellermaschine wird nicht nur zur Beförderrung von Passagieren eingesetzt. Sie ist gleichzeitig Transportflugzeug für alle möglichen Gebrauchsgüter, wie Medikamente, Lebensmittel oder Ersatzteile. Der Sitznachbar kann schonmal ein Schlittenhund oder eine Gemüsekiste sein.
Die Dash-8 fliegt in einer maximalen Flughöhe von ca. 6500m und während des kurzen Fluges (ca. 45 Minuten), zwischen Kangerlussuaq und Nuuk, erreicht sie nur ganz kurz diese Flughöhe. Das ermöglicht dem Reisenden, Grönland mal etwas näher zu betrachten. Der Ausblick ist überwältigend und so langsam wird dem Reisenden bewußt, in welch gewaltiger Abgeschiedenheit er sich befindet. Hunderte von Kilometern, schneereiche Gebirgszüge, riesige Schluchten, auf deren Grund ein Fluß zu Eis erstart ist, endlos scheinende Fjorde, Gletscher, deren Ränder hellblau schimmern und gewaltige Eisbrocken, die im offenen Wasser treiben.
Ich bin nicht nur tief beeindruckt, ich ahne auch langsam, worauf ich mich eingelassen habe und was mich die nächsten 4 Monate so erwarten wird.
Nuuk mit nur ein paar Sätzen zu beschreiben, wäre wirklich Frevel. Dieser hinreißenden, kleinen Hauptstadt, werde ich einen eigenen Bericht widmen. Ich konnte mir Nuuk 2 Tage anschauen, bevor mein nächster Flug mich zurück in den Norden führte.
Die Flugplanung ist in Grönland nicht immer ganz einfach oder verständlich. Man muss nicht immer über Nuuk fliegen, wenn man schon oberhalb des Polarkreises ist. Ich hätte nur länger in Kangerlusuaq auf den Weiterflug warten müssen, als in Nuuk. Darum dieser kleine Umweg über Nuuk, den ich keinesfalls bedauere!
Weiter mit dem Hubschrauber
Als ich mein vorläufiges Endziel Qaanaaq erreiche, bin ich fest davon überzeugt, dass schon ein Wunder geschehen muss, damit ich die nächsten Wochen an diesem Ort bleibe! Einfach nur zu sagen, es wäre kalt, wäre heftig untertrieben. Außerdem fehlt mir schon am ersten Tag das Tageslicht.
Qaanaaq bzw. der zu dieser Region gehörende Ort Siorapaluk, ist die nördlichste, menschliche Ansiedlung dieser Erde und liegt an der Westküste Grönlands, in der Baffin Bay, auf der Hayes-Halbinsel am Inglefield-Fjord. Von hier aus sind es noch ca. 200 km zum geomagnetischen Nordpol.
Qaanaaq hat eine recht unschöne Geschichte.
Die Amerikaner begannen 1951, in diesem Gebiet eine Militärbasis zu bauen, die Thule Airbase (auf Inuit: Pituffik). Die Thule Airbase entwickelte sich schnell zu einer der größten amerikanischen Stützpunkte außerhalb der Vereinigten Staaten. Während des Kalten Krieges erlangte sie eine noch größere Bedeutung. Man brauchte mehr Platz und drängte die einheimische Bevölkerung, binnen weniger Tage, zur Zwangsumsiedlung. Die Inuit verloren ihr Zuhause und ihre Jagdgebiete. Sie hatten kaum Zeit ihre Sachen zu packen und mussten mit ihren Hundeschlitten, über das zugefrorene Meer, weiter in Richtung Norden ziehen, wo sie sich, in dem neu gegründeten Ort Qaanaaq, niederlassen konnten.
Die Thule Airbase gibt es bis heute, allerdings in kleinerem Ausmaß. All die Jahre ab 1951, braucht man für die Reise in diese Region eine Sondergenehmigung, was völlig verständlich erscheint, denn es finden sich gewiss noch viele feindliche Interessenten, die 80 verfrorene US Soldaten oder die umliegenden Eisberge ausspionieren möchten.
In der Vergangenheit bekam nicht jeder diese Genehmigung, was zur Vereinsamung der dort ansässigen Menschen führte. Sie mussten viele Jahre sehr isoliert leben und hatten kaum einen Anschluss zum Rest der Welt. Heute hat der kleine Ort mit ca. 550 Einwohnern seinen eigenen, winzigen Flughafen. Wenn ich den Erzählungen der Einheimischen trauen darf, wurde er 2002 erbaut. Obwohl fast ausschließlich immer vom Thule Bezirk gesprochen wird, ist die offizielle Bezeichnung dieser Region Avanersuaq.
Oaanaaq
Wie schon erwähnt hat dieser Ort zwischen 500 und 600 Einwohner, die allerdings nicht alle auf einem Fleck leben. Viele Menschen leben um den Ort verstreut. Genauere Zahlen habe ich leider nicht.
Es gibt eine Schule, die typischen, bunten Holzhäuser, einen kleinen Laden, Schlittenhunde, eine Klinik, manchmal Eisbären, im Winter sehr schöne Polarnächte, viel Schnee und Eis und grausamste Kälte.
Winterwanderungen sind nicht empfehlenswert! Im Sommer, habe ich mir sagen lassen, kann man eine Wanderung (ca. 14 bis 16 Stunden) zum Icecap machen, immer bergauf über steile Geröllhänge und riesige Geröllfelder. Auf dem Bergplateau angekommen, muss man eine wirklich schöne Aussicht auf die Insel Qeqertarsuaq und Qaanaaq haben. Keine 10 Pferde würden mich im Winter da hoch kriegen, da man schon im Sommer sehr trittsicher sein muss. Die Strecke gilt aber als Touristenattraktion von Qaanaaq und deshalb will ich sie euch auch nicht vorenthalten!
Über die Zeit, die ich in Qaanaaq und Siorapaluk verbracht habe, könnte ich euch noch viel erzählen, denn diese, für mich fast lebensfeindlichen Orte, liegen in einer so unglaublich anderen Welt, dass mir die Worte fehlen, um sie wirklich zu beschreiben. Diesen Orten fehlen nicht nur Bäume, Sträucher oder Straßen. In der weißen, völlig pflanzenlosen, arktischen Welt, in der alles zu Eis erstarrt zu sein scheint, heulen nachts die Schlittenhunde mit dem Wind um die Wette. Das klingt, als hätte man Wölfe vor der Tür und tatsächlich ist das Naturell es grönländischen Schlittenhundes, dem Wolf viel nährer, als unseren Schoßhunden, die wir aus Europa kennen. Schlittenhunde leben im Rudel und erkämpfen untereinander ihre Rangordnung. Unschwer erkennt man das Alphatier, dass gern auch mal seine Kräfte mit einem Menschen misst. Schafft man es nicht, dem Alphatier die Stirn zu bieten, hat man ziemlich schlechte Karten! Ich weiß nicht, ob man heute noch so vorgeht, aber früher haben die Inuit, mit ihrem überflüsigen Nachwuchs, die Schlittenhunde gefüttert.
Nordgränland ist überwältigend schön, aber sobald der Alltag einkehrt (als Tourist erlebt man das wohl weniger), beginnt das Kämpfen.
Es ist der tägliche Weg zur Arbeit, der bei Schneesturm schon zur gewaltigen Herausforderung werden kann.
Die Versorgung mit Lebensmitteln (kein Bus, kein Auto, keine Straßen und windige -31 Grad) vom 1000 m entfernten Laden, wird zur Kraftprobe, wenn man bei jedem Schritt im tiefen Schnee einsackt.
Der Heimweg mit vollen Einkaufstaschen ist einfacher, weil man von der Schlepperei warm bleibt. Zu empfehlen ist allerdings ein Rucksack, weil man sonst daheim seine Finger kaum noch spürt.
Nordgrönland allgemein
In den kleinen grönländischen Dorfläden bekommt man eigentlich alles, was man zum Leben braucht.
Auch der Biertrinker muss nicht dursten, denn es gibt grönländsches Eisbier, dass mit 2000 Jahre altem Geltscherwasser gebraut wurde. Wäre ich Biertrinker, hätte ich es bestimmt schon probiert, obwohl der Preis mit 6-7 Euro für 500 ml nicht gerade günstig ist.
In den Obstregalen der Läden findet man oft nur die Dörrobstvariante und auch das Gemüse hat gewiss schon bessere Zeiten gesehen. Brot gibt es fast täglich frisch und auch auf dänischen Kuchen muss man nicht verzichten. Die Frische der grönländischen Lebensmittel kann man mit dem deutschen Wahnsinn nicht vergleichen. Hier hat man keine Not mit der Überschussvernichtung, aber es muss auch niemand hungern.
Aus der Kühltruhe der Minisupermärkte, glotzen einen manchmal ganze Schafe, durch die Plastikverpackung an und wer die grau-weißen Fettstücke vom Narwal nicht mag, der kann sich am ebenso fetten Finwal bedienen. Die traditionelle Küche der Eskimo ist (vorsichtig ausgedrückt) nicht jedermanns Sache! Es kann schonmal vorkommen, dass man beim Anblick des unzubereiteten Essens grün im Gesicht wird und sich in die nächste McDonalds Filiale wünscht, obwohl McDonalds an schlechtem Essen kaum zu überbieten ist.
Das traditionelle Essen der Eskimios ist gesund, aber extrem gewöhnungsbedürftig!
Es ist den klimatischen Lebensbedingungen angepasst und besteht zum größten Teil aus dem, was das Meer zu bieten hat. Manchmal schien es mir, als verspeisten die Inuit alles, was nicht schnell genug auf die Bäume kommt. Selbst die drolligen Papageientaucher oder Möven gehören zu ihrem Speiseplan.
Die Inuit sind ein Volk von Jägern, weil der Anbau irgendwelcher Nahrungsmittel am Klima scheitert.
Für einen europäischen Kopf ist es nicht einfach, sich in das Leben der Einheimischen hineinzuversetzen. Wir sind es gewohnt, nach Herzenslust einkaufen zu gehen und zwischen allen möglichen Sorten Fleisch, Obst, Gemüse auswählen zu können. Brauchen wir Schuhe, Jacke oder eine warme Decke, dann bieten unzählige Kaufhäuser, was wir benötigen. So mancher Europäer kann seine Gurken oder Tomaten aus dem eigenen Garten ernten und was er selbst nicht anbaut, das baut irgendein Bauer für ihn an. Grönland hat keine Gemüse - oder Getreidebauern und auch keine Gärten, in denen Gurken und Tomaten wachsen. Es hat noch nichtmal Holz, mit dem man eine Feuerstelle betreiben könnte.
In der Vergangenheit mussten die Inuit wirklich alles, was sie zum Leben und Überleben brauchten, in der Natur finden! Jedes erlegte Tier, ob Robbe, Eisbär, Fuchs, Seehund oder Schneehase, diente dem Jäger nicht nur als Nahrungsquelle. Das Fell war wichtiges Material zur Herstellung von Bekleidung, wärmenden Decken oder auch zum Zeltbau. Die Frauen der Inuit kauten das Fell weich und gerbten es mit ihrem Speichel. Getrocknete Sehnen wurden als Nähgarn verwendet.
Kauft man sich heute irgendein Fellprodukt in Nordgrönland, dann stammt das Fell nicht von einer Pelztierfarm oder dient als Statussymbol für Leute, die sich gern mit anderer Wesen Pelze schmücken, sondern es ist ein traditionelles Jagdprodukt, dass den Einheimischen zur Sicherung ihres Überlebens dient. Kein Inuit erschlägt einen Seehund oder eine Robbe, zieht ihm das Fell ab und läßt den Rest liegen! Es wird immer soviel gejagt, wie zur Selbstversorgung nötig ist. Mit den Robbenjägern, gegen die Green Peace vor Jahren einmal, nicht zu Unrecht protestiert hat, hat das nichts zu tun!
Der Mangel an Holz sorgte in Grönland dafür, dass die Inuitküche immer kalt blieb. Viele Fleisch - oder Fischgerichte werden roh gegessen.
Glauben und Aberglauben
Die meisten Inuit sind Christen.
Weit verbreitet ist in Nordgrönland, aber auch im Süden, der Aberglaube an den Krivitoq.
Was für die Christen der Teufel ist, ist für die Eskimos der Krivitoq.
Der arme Krivitoq ist für alles Übel dieser Welt verantwortlich - dabei war er früher mal ein ganz Netter.
Seinen Ursprung findet man in alten Geschichten.
In den Dorf - oder Familienverbänden gab es an der Westküste, immer einen, der das Sagen hatte. Das er, mit dem was er sagte, nicht immer ins Schwarze traf, enthob ihn nicht seines Amtes, sondern machte ihn weise und mächtig. Manchmal verliebte sich ein junger Jäger, in eine, nicht für ihn bestimmte Frau und der Dorfguru lehnte die Zustimmung zur Hochzeit ab.
Die Ablehnung der Hochzeit hatte allerdings auch zur Folge, dass der Jüngling des Weges ziehen musste, damit er keinen weiteren Schaden anrichten konnte. Unglücklich Verliebte scheinen in Grönland, wie im Rest der Welt wohl unberechenbar zu sein. Tja, und wohin geht man in Grönland, wenn man von der Gemeinschaft ausgeschlossen wird? Der junge Jäger musste irgendwo in der Eiswüste, allein auf sich gestellt, um sein Überleben kämpfen. Dem Rest der Gemeinschaft war schon klar, dass dies, für den jungen Mann, den sicheren Tod bedeutete. Andere Dorfgemeinschaften nahmen nie Fremde auf. Das war einfach nicht üblich!
Trotz aller widrigen Lebensumstände, gelang es doch einigen wenigen Jägern, im ewigen Eis, bei - 40 Grad, ein Jahr oder länger zu überleben. Um zu zeigen, welch harte Burschen und gute Jäger sie doch sind, kehrten sie zur Gemeinschaft, die sie längst tot glaubte, zurück. Die Mitglieder der Gemeinschaft waren davon überzeugt, dass es sich bei dem zerlumpten Heimkehrer nur noch um dessen Geist (Krivitoq) handelt und rannten in Panik davon. So mancher Kivitoq nahm dieses Verhalten wohl übel und benahm sich, wie von einem Zombie zu erwarten war, nicht unbedingt anständig.
Frustriert, seine gelungene Überlebensstrategie nicht allen Dorfmitgliedern präsentieren zu können, zog der Krivitoq wieder in die eisige Einöde und versuchte sein Glück zu einem späteren Zeitpunkt nochmal. Nun, um sich das Ergebnis seines 2. Auftauchens ausmalen zu können, braucht man keine große Phantasie.
Die Dorfbewohner ahnten nun, dass sie den Krivitoq nie wieder loswerden und versuchten sich zu schützen, indem sie Opfertiere auf Stöcke spießten und vor der Haustür in den Boden rammten.
Man zieht dem Tier das Fell ab und spießt es dann durch das Maul auf einen Holzstock.
Welch ein Glück für die verhungerten Krivitoqs, denn wenn die Menschen auch nichts mit ihnen zu tun haben wollten, so gab es doch wenigstens etwas zu essen.
Der weit verbreitete Aberglaube an die Krivitoqs, läßt die Eskimos 10 km und mehr an Umweg, mit ihren Schlittenhunden durch die Scheewüste fahren, bei -40 Grad und eisigem Wind, wenn ein Gebiet mit Kirvitoqs verseucht zu sein scheint. Das Opfertier für den Krivitoq bleibt einige Tage am Stock, im Garten stehen. Hat der Krivitoq das Opfer bis dahin nicht geholt, isst man es selber.
Die Art des Opfertieres finde ich überaus ungewöhnlich für unseren Kulturkreis und sie schauderte mich doch gehörig! Während die Kinder noch am Vormittag mit dem kleinen Hund spielten, fand ich ihn am Nachmittag nackt und aufgespießt im Vorgarten der Nachbarn. Mit viel Mühe und Überwindung habe ich ein Bild davon gemacht, dass ich den Gourmets unter euch nicht vorenthalten möchte.
Nordgönland habe ich als einen sehr harten, unbezähmbaren, wilden und lebensfeindlichen Lebensraum erlebt, was gewiss auch im Zusammenhang mit der Jahreszeit steht. Wunderschön sind die Polarnächte, unbeschreiblich die Landschaften und beeindruckend die Menschen, die in dieser Eiswüste ihren Platz gefunden haben.
Die Inuit erscheinen mir, wie menschliches Urgestein, was keinesfalls abschätzend gemeint ist! Sie sind härter im Nehmen als wir. Ihre Kraft, ihre Ausdauer, Kondition und Stärke ist kaum zu überbieten.
Zurück nach Südgrönland
Einen Teil der Region unterhalb des Polarkreises, habe ich ja schon auf meinem Hinflug erlebt.
Dazu kann ich nur sagen, wer in Grönland keinen Hubschrauber besteigt, hat das wichtigste Highlight dieses Landes verpasst. Alle Orte in Grönland sind nur per Hubschrauber oder Propellermaschine zu erreichen! Man erlebt auf einem längeren Hubschrauberflug die glitzernde, völlig einsam liegende Eiswelt hautnah und hat machmal das Gefühl die Gletscher mit der Hand berühren zu können. Man gleitet über die schroffen Gebirgszüge, entdeckt tiefe Schluchten, auf deren Grund ein Fluß oder ein gewaltiger Wasserfall zu Eis erstarrt ist und bekommt den Hauch einer Ahnung, weshalb noch kein Mensch, einen großen Teil dieses Landes, jemals betreten hat. Große Teile Grönlands mussten vom Hubschrauber aus kartographiert werden.
Ein Hubschrauberflug durch die einsame Gletscherwelt, entlang der Fjorde, auf denen himmelblaue Gletscherbrocken treiben, wird jedem Reisenden gewiss ewig in Erinnerung bleiben.
Das Wetter in Südgrönland ist nicht mit dem Norden vergleichbar. Dankbar wieder ein paar Stunden Tageslicht genießen zu können, muss man sich allerdings auf neue Unwegsamkeiten umstellen.
Mein Ziel Nanortalik (Eine Insel am südlichsten Zipfel Grönlands) ist erreicht.
Ich wundere mich, weshalb hier so wenig Schnee liegt und bekomme binnen weniger Stunden eine Antwort.
Das Wetter in Nanortalik ist völlig uneinschätzbar. Während es früh morgens bei - 5 bis -6 Grad gewaltig schneit, ergießt sich um 10 Uhr ein Hagelschauer über den Ort, der seines Gleichen sucht. Begleitet wird er von einem gewaltigen Sturm, der im Fjord so hohe Wellen erzeugt, dass es an den Klippen zu einer beachtlichen Brandung kommt. Das Termometer ist plötzlich auf 5 Plusgrade geklettert, der Schnee ist selbst im Gebirge fast völlig verschwunden und große Teile der Umgebung stehen unter Wasser.
Es dauert jedoch keine halbe Stunde bis der nächste Wetterwechsel ansteht. Diesmal löst der Schneesturm den Hagelsturm ab. Wie von Geisterhand fällt das Termometer plötzlich wieder auf - 5 Grad und die dicken Schneeflocken fliegen waagerecht am Fenster vorbei. Binnen 20 Minuten ist die Landschaft wieder mit Schnee bedeckt und das Schauspiel beginnt von neuem. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht 4 Jahreszeiten, binnen weniger Stunden, erlebt.
Grönland bekommt, besonders im Süden, die Auswirkungen des El Niño-Phänomens mit voller Wucht ab.
Das Haus zu verlassen, bei Sturm, ist wenig ratsam, denn in den letzten Tagen errreichte der Wind zeitweise eine Geschwindigkeit von 180km/h. Der Untergrund des Neuschnees ist spiegelglatt und je nach Windstärke, kann man sich kaum auf den Beinen halten.
Aber, es sieht wirklich sehr lustig aus, vom Fenster eines warmen Zimmers, die Leute auf der Straße zu beobachten. Die Inuit können mit solchen Schneestürmen besser umgehen als ich. Sie führen einen herrlichen Sturmtanz auf, wie eine Ballettgruppe. Zwei Schritte vor, drei zurück und dann vorgebeugt zwei Schritte in die Richtung, aus der der Wind bläst.
Nanortalik
ist für Grönland schon eine mittelgroße Stadt, denn es gibt hier 1400 Einwohner, eine Schule, 2 Läden, eine moderne Klinik, eine Kirche, eine Volkshochschule und einen Grill!
Ich habe ein warmes, kleines Haus bezogen, gleich gegenüber der Klinik, auf einer Landzunge, direkt am Ufer des Tasermiut Fjordes, der ca. 75 km ins Inland ragt. Es wird für die nächsten 3 Monate mein zuhause sein. Fährt man, per Boot, den eisfreien Fjord gen Inland bis zum Ende, erreicht man das Inlandeis. Zu Fuß oder mit einem motorisierten Gefährt, hat man keine Chance das Inlandeis zu erreichen. Nanortalik ist eine Insel und der Ort ist von hohnen Gebirgsketten eingeschlossen.
Sommer, wie Winter gibt es von Nonortalik eine Hubschrauberverbindung nach Qaqortoq, wenn die Piloten von Air Greenland nicht streiken oder das Wetter jeglichen Flugverkehr unmöglich macht.
Vor Qaqortoq aus, kann man Bootstouren unternehmen zur Ruinenanlage der Nordmänner, dem Kirchenlanghaus Hvalsey, dass um 1300 aus dem Granit der Qaqortoq Berges erbaut wurde.
Auch Narsarsuaq liegt in erreichbarer Nähe. Eine Boots-Exkursion in den Qooroq Eisfjord zum Qooroq Gletscher, bei dem man durch einen dichten Gürtel von Eisbergen fährt, sollte man sich nicht entgehen lassen. Allerdings muss ich auch hier darauf hinweisen, dass ein solches Erlebnis im Sommer sicher etwas wärmer ist.
Von Narsarsuaq aus, erreicht man auch per Bootsfahrt (ca. eine halbe Stunde durch den Tunulliarfik Fjord) die Schaffarmen von Quassiarsuk und die alten Wikingerruinen von Brattalhid.
Entschuldigt, wenn in einem dieser Namen ein Fehler steckt. Inzwischen habe ich zwar gelernt sie auszusprechen, aber das Schreiben hat mir niemand beigebracht!
Grönland gestern und heute
Die Sprache in Grönland ist das Inuktitut (Sprache des Menschen), dass von ca. 125.000 Menschen gesprochen wird. Inuktitut killiunerususut (Inuktitut der Westregion) und Inuktitut kangilliunerusutut (Inuktitut der Ostregion) wird nochmal in drei verschiedenen Dialekte unterteilt. Ich habe mir die Unterschiede erklären lassen, aber bitte erwartet nicht, dass ich sie hier wiedergeben kann. Inuktitut ist angeblich eine sehr bildhafte Sprache mit schier endlosen Worten, die mit keiner mir bekannten Sprache, auch nur das Geringste zu tun hat. Große Zahlen gibt es in dieser Sprache nicht! Wenn eine Menge eine bestimmte Anzahl von irgendwas übersteigt, dann ist das "tualuu", sehr viel.
Deshalb benutzen die Inuit heute das dänischen Zahlensytem.
Das Nomadenleben der Inuit fand Ende der 50er bis Mitte der 60er ein Ende!
Man siedelte die Menschen aus den Lagern, in denen das Leben oft extrem hart war um, in Siedlungen mit bezeizten Häusern. Nicht immer gingen die freiheitsliebenden Eskimos freiwillig in die neu erbauten Siedlungen, in denen, für unsere Denke, alles doch viel einfacher scheint.
Tief verbunden mit ihren Traditionen, fiel vielen Menschen die Umstellung sehr schwer.
Ein weiteres Problem der Inuit war die Verweichlichung der jungen Jäger, die schon bald nicht mehr dazu in der Lage waren, ihren Lebensunterhalt durch Fischfang und Jagd zu bestreiten. Andere Arbeit gab es aber für sie nicht und so zogen erstmals Depression und Alkoholismus ins Land. Das Alkoholproblem besteht bis heute!
Ob in der Südsee oder in Afrika, China oder Südamerika, in den abgelegenen Regionen dieser Welt trifft man auf einzigartige Kulturen, die um den Erhalt ihrer Tradtitionen kämpfen. Das Verschinden von sogenannten Urvölkern und ihrer oft unglaublichen Geschichte, ihren Überlebensleistungen und den daraus entstandenen Traditionen, würde unsere Welt zu einem geistigen Armenhaus verkommen lassen.
Jeder Kontakt mit diesen einzigartigen, völlig anders denkenden Menschen, eröffnet mir manchmal den Blick darauf, wie unwissend, überheblich, bequem und dekadent wir Europäer inzwischen sind. Was der Mensch wirklich zum Leben braucht, passt in einen mittelgroßen Rucksack.
Solange der Mensch, an seinem verkorksten, durch Werbung bestimmtes Wertesystem festhält, wird er im Vergleich zu diesen anderen Kulturen immer ein Neanderthaler bleiben und maximal schemenhaft erahnen können, was Gemeinschaft, Freundschaft, Liebe und "sich gut aufgehoben fühlen" wirklich bedeutet.
Das Aufstehen für den Schwachen gehört in Grönland einfach zum Leben, wie der fortwährend singende Eskimo, der seinen Fisch am Nachmittag nach Hause schleppt. Der alte, alternde oder junge Mensch lebt in einer funktionierenden, schützenden Gemeinschaft, mit viel Spielraum für jeden. Unterschiede zwischen Mann und Frau (außer natürlich die körperlichen) gibt es in Grönland nicht. Jeder ist für alles zuständig. Frauen sind in der Politik, wie im Handwerk genauso vertreten, wie Männer im Gesundheitssystem oder in den Grundschulen.
Der Umgang mit Kindern ist auffällig liebenswert und geduldig.
Ganz allgemein muss ich sagen, dass ich selten so geduldigen und fremden Kulturen gegenüber aufgeschlossenen Menschen begegnet bin, wie in Grönland.
Man braucht hier seine Zeit zur Eingewöhnung, besonders im Winter! Läßt man sich auf die Kultur und die Lebensgewohnheiten der Inuit ein, wird man reich belohnt und ist dankbar für den kleinen Blick in eine andere, ungewohnte Richtung.
Preise und Reisekosten
Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Preise nennen, die vielleicht ganz interessant sind.
Der Flug von Kopenhagen nach Kangerlussuaq kostet zwischen 285 und 350 Euro. Je näher die Buchung am Abflugdatum liegt, desto höher ist der Flugpreis. Die Hotelkosten in Nuuk liegen zwischen 100 (1-3 Sterne) und 200 Euro (4 Sterne Hotel). Hubschrauberflüge mit kurzen Distanzen wie z.B. von Nanortalik nach Qaqortoq haben einen Preis von ca. 75 Euro pro Person. Größere Distanze schlagen ungefähr mit 140 bis 250 Euro zu Buche. Grönland ist alles andere, als ein Billigland!
Die Preise für Lebensmittel sind durchaus auf norwegischem Niveau.
Reiseandenken, die man gut in den Touristinformationen bekommt, sind wunderschön, haben aber auch ihren Preis! Handgefertigte Elfenbeinschnitzereien, aus dem Elfenbein des Narwals, sind wirkliche Künstlerarbeiten und kosten, je nach Größe, zwischen 25 und 300 Euro. Handgefertigte Fellprodukte, wie Stiefel, Hausschuhe, Mützen oder Jacken, liegen preislich noch weit darüber! Alle Produkte sind allerdings von höchster Qualität und nicht mit dem Touristenplunder vergleichbar, den man von so mach südländischem Markt gewohnt ist.
Alle Produkte sind aus grönländischem Material und in Grönland hergestellt. Trotzdem Augen auf, beim Kauf, denn auch hier wird sich sicher irgendwann "Made in China" einschleichen.
Windige Grüße aus Nanortalik!
Gudrun
ich komme immer nur bis Irland