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Isola del Sole - mal kein l/ONELY i/SLAND
Pro Ruhe, Stand, Kultur, schönes Hinterland
Kontra Nix für Partylöwen - oder ist das ein Pro?
Wie denn, was denn, ein Reiseziel, das ich gut kenne und trotz allem liebe, hat eine eigene Kategorie, aber noch keinen Bericht? Da muß ich ganz schnell was gegen tun... (gerade jetzt, wo Ciao im Italien- und Inselfieber ist ;)) Trotz allem? Naja, stell Dir mal vor, Du wärest vom 7. Lebensmonat bis zum 15. Lebensjahr jedes Jahr mindestens ein-, wenn nicht gar zweimal pro Jahr von Deinen Eltern in dasselbe olle kleine Kaff geschleppt worden. Wäre Dir das nicht auch irgendwann fad geworden?
Nun, mein olles kleines Kaff heißt Grado. Es liegt am Nordende der Adria, im Kreis Gorizia, Provinz Friaul-Julisch Venetien, nur 6 Autostunden von München, an der Adriaküste zwischen Triest und Venedig. Am anderen Ende der von schilfbewachsenen, verträumten Inseln durchzogenen Lagune ist das viel jüngere, aber ungleich bekanntere und lebhaftere Lignano, ein für den Tourismus aus dem Boden gestampfter Strandbadeort mit ebensolchem Charme. Grado hingegen ist so um die 2000 Jahre alt und war schon in römischer Zeit eine Hafenstadt. Davon Zeugen die zwei ältesten Kirchen am Ort, die Basilika Sant'Eufemia (579 geweiht) und Sta Maria delle Grazie (4./5. Jh.), beide über den Fundamenten noch älterer Kirchen errichtet. Die größere, jüngere hat einen wunderschönen, großen Mosaikboden zu bieten.Um die beiden Kirchen und das Hafenbecken herum wurde die Altstadt erbaut, die in den letzten zwei Jahrzehnten löblicherweise der Baufälligkeit entrissen wurde. Dadurch hat sie zwar viel von dem malerischen Charme eingebüßt, an den ich mich aus meiner Kindheit erinnere, aber wenigstens steht sie noch. Die verwinkelten Gassen und Gäßchen sind noch immer verwinkelt und zwar neu, aber nach wie vor uneben gepflastert. Die Zahl der Restaurants, die vor allem Touristen anlocken wollen, scheint gestiegen zu sein, während die Galerien ortsansässiger und zuagroaster Künstler weniger geworden sind.
Wenn man die Altstadt Richtung Strand verläßt, kommt man auf eine in den 80er Jahren neu gepflasterte und aufgehübschte Einkaufsmeile (Viale Europa Unita), die irgendwann nach links abknickt (Viale Dante), um dem Strandverlauf zu folgen. Hier gibt es noch mehr Lokale, dazu Eisdielen, Bars, Boutiquen und erfreulich wenig Souvenirgeraffel. An einem lauen Sommerabend in der Saison geht es hier hoch her - natürlich sind vor allem Urlaubsgäste unterwegs und irgendwo mittendrin die eingeborene Jugend.Folgt man dem Strandverlauf weiter, kommt man in die "Gartenstadt". Der Übergang ist recht plötzlich: Ein Kongreßzentrum und Tennisplätze rechts, ein Park links, und schon steht man mitten zwischen Häusern, die in den 60er und 70er Jahren hochgezogen wurden. Hier haben die Triestiner, Udinesen und Gorizianer ihre Wochenend- und Ferienwohnungen, dazwischen ein paar Hotels. Der Bauboom hat nicht aufgehört, im Gegenteil: Die Neustadt wächst immer weiter in die Richtung, in die wir schon die ganze Zeit gelaufen sind. Aber irgendwann stehen wir doch im Schilf, das sich bis nach Grado Pineta ersteckt, dem abgelegenen Ortsteil, der in den 60ern aus dem Boden gestampft wurde - erfreulicherweise mit Rücksicht auf den Pinienwald, der die Hochhäuser im Béton-brut-Stil gnädig verdeckt.
Grado ist eine langgezogene Insel, die zum Teil erst im 20. Jh. der Lagune abgetrotzt wurde, liegt max. 2-3 m über dem Meeresspiegel und besteht fast vollständig aus Sand. Deshalb stehen die meisten neueren Gebäude auf Betonsäulen, die tief in den Grund gehämmert wurden. Das Tourismusbüro nennt Grado "Isola del Sole" (Sonneninsel), weil der mehrere Kilometer lange Strand Südlage hat und folglich den ganzen Tag von der Sonne beschienen wird. Der Sand ist so recht sandfarben und fein und im Sommer ab Mittag kochend heiß. Noch heute ist Grado ein Kurort, in dem man sich Sandbäder verabreichen lassen kann. Sogar eine vulkanische Quelle gibt es, deren Wasser in meiner Kindheit lauwarm und leicht schweflig aus den Wasserleitungen der Haushalte sprudelte. Damals fand ich das eklig; heute, wo ich es schätzen würde, gönnt man das den Leuten nicht mehr. Das Trinkwasser wird nun - kalt und kalkig - vom Festland hergepumpt.Teile des Strandes kosten Eintritt und werden von Hotels mit Beschlag belegt, wovon ganze Batallione uniformierter, in Reih' und Glied stehender Sonnenschirme zeugen. In der Hochsaison kann man dort kaum über den Sand laufen, ohne auf etwas zu treten - auf Handtücher, Touris, auf Kinder oder Hunde. Der Strandabschnitt, der der Altstadt am nächsten liegt, sowie der zwischen Gartenstadt und Pineta sind frei. Je weiter man Richtung Pineta geht, desto geringer wird die Bevölkerungsdichte auf dem Sand. Dafür muß man kurz vor Pineta mit besonders weichem, schlickigem Sand rechnen, der manchen vielleicht etwas ekelicht erscheint. Von wegen! Da wachsen die besten Herzmuscheln drin. Ich habe früher Stunden damit zugebracht, dort das Abendessen zu fangen.
Da der Strand nur sehr allmählich in Meer abfällt (man muß bei Ebbe mehrere hundert Meter laufen, wenn man schwimmen will), kann man die Zäune zwischen den Strandabschnitten locker umgehen. Egal ob frei oder kostenpflichtig, der Strand ist sehr sauber - fast schon zu sauber. Nur frühmorgens oder nach einem Sturm kann man noch Seetanghaufen, allerlei interessantes Treibgut und angeschwemmte Quallen entdecken. Letztere sollte man nicht mit dem Treibgut einer vorangegangenen Strandparty verwechseln: Quallen haben keine Fahnen!
Wenn die Ebbe harten, von der Dünung gewellten Sand freilegt, versammeln sich die Erwachsenen und größeren Kinder zu einer Runde Hindernis-Boccia: Man spielt die Bälle an den Sandwellen entlang und läßt sich davon überraschen, wie sie abgelenkt werden. Oder Hindernis-Kegeln: Man buddelt in die geneigte Flutwassergrenze neun Löcher, zu einem auf der Spitze stehenden Quadrat angeordnet, und versucht, quer zu den Sandwellen (und gegen die Neigung) Boccia-Kugeln darin zu versenken. Beides ist ganz schön kniffelig und hat mir damals viel Spaß gemacht.
Kulturfans sind nicht auf die Altstadt und ihre zwei Kirchen beschränkt, sofern sie ein wenig mobil sind: Mehrere Kilometer landeinwärts liegt das Städtchen Aquileia, das zu römischen Zeiten eine recht bedeutende Rolle spielte. Man kann die Reste des Hafens (zu römischen Zeiten lag Aquileia noch am Meer) und diverse Ausgrabungen besichtigen oder das Museum und den Dom besuchen, der auch schon sehr alt ist. Als Kind hat mich der von einer Zypressenalle umgebene Hafen besonders fasziniert: Ich konnte nach Lust und Laune auf den alten Steinen herumspringen und wäre fast auf einen hellgrünen Fußboden getreten, hätte ich nicht just in diesem Moment einen Frosch aufgescheucht, der in den vermeintlichen Fußboden hineinsprang - es war nur Wasser mit einer dichten Decke von Wasserlinsen darauf.Furuike ya
kawazu tobikomu
mizu no oto *
Auch empfehlenswert: Mit dem eigenen, einem gemieteten Boot oder einem der vielen Ausflugsdampfer durch die malerische Lagune tuckern, das Kloster Sta Barbana (16. Jh.; bitte auf italienisch-katholische Bekleidungsregeln Rücksicht nehmen) besichtigen und unterwegs in Porto Chiuso auf ein Meeresfrüchte-Essen einkehren. Unter eigener Regie kann man mit dem Boot auf Kanälen recht tief ins Landesinnere fahren, z.B. nach Aquileia. Unbedingt etwas gegen Mücken mitehmen! Die sind in der Lagune auch tagsüber recht angriffslustig. Die Ausflugsdampfer legen am Canale della Schiusa ab.
Wer noch mehr Zeit und Mobilität (sprich: ein Auto) hat, mag einen Tagesausflug nach Triest oder Venedig ins Auge fassen. Ohne Frage ist Triest weniger spannend als Venedig, hat aber durchaus seine Meriten. Auf dem Weg dorthin liegt Monfalcone, eine recht häßliche Industriestadt, die mir aber durch ihre Marina positiv im Gedächtnis geblieben ist: Dort lagen Millionärsyachten, ach was sage ich: Schiffe! vor Anker, die nicht nur mich als Frühteenie faszinierten, sondern auch meine Großeltern. Eine der Yachten durften wir sogar innen wie außen besichtigen.Auch das Grenzgebiet zu Slowenien von Triest bis Udine verdient Aufmerksamkeit: Neben schönen Wanderrouten (z.B. im Val Rosandra) bietet der Karst auch eine sehr schöne und große Tropfsteinhöhle, Grotta Gigante genannt. Das alles - Triest, die Marina, Wandern im Karst und Grotte - müßte für größere Kinder geeignet sein, war ich doch damals auch nur irgendwo zwischen 10 und 14 Jahre alt und restlos begeistert. Selbst die Winzereien, die unter der DOC "Colli Orientali del Friuli" zwischen Triest und Udine hochwertige Weine produzieren, fand ich ebenso interessant wie meine Eltern bzw. Großeltern, wenn auch aus anderen Gründen: Ich mochte die Weinberge, und die Technik der Weinherstellung faszinierte mich. Während die Oldies die fertigen Weine verkosteten, hängte ich meinen Zinken in einen großen Bottich mit Maische - einmal und nie wieder! Die Dämpfe des frisch zugesetzten Schwefels verätzten mir fast die Riechnerven.
Ein Stück nach Slowenien hinein liegt das Gestüt Lipica, wo die Lipizzaner herkommen, also genau das richtige für pferdegebeisterte Teenies. Das weiß ich so genau, weil ich meine Eltern damals so lange bequengelt habe, bis wir hinfuhren, allen zu Titos Zeiten noch relativ komplizierten Einreiseformalitäten zum Trotz. Ich fand es etwas enttäuschend - weil ich nicht selber reiten durfte. ;)
(Das geht nicht ohne extra Überschrift!)
Einer der ersten Begriffe, die mir zu Grado in den Sinn kommen, ist: Ruhig. Nicht Friedhof-ruhig, sondern Hängematte-und-Vogelgezwitscher-ruhig. (Klar gibt es auch den üblichen Touri-Strandbetrieb, aber den kann man leicht umgehen.) Was zum Abhängen, Bummeln, Sonnenanbeten und zwischendrin mal ein bißchen Kultur, aber bitte ohne Hetze. Der nächste Begriff ist "gediegen" und nach Aussage meiner Großeltern, die zuletzt (Sommer 2004) dort waren, neuerdings auch "mondän". Das Nachtleben besteht eher aus einer Flasche Rotem zum Essen als aus Feigling zum HipHop. Genießer, Faulenzer, Rentner und Familien mit Kindern können sich hier wohlfühlen. Aber bitte, hockt nicht nur auf Eurer Strandmatte, sondern macht Ausflüge ins Hinterland!Lesetip: http://www.grado.it/tedesco.htm
*) Haiku von Bashô:
Der alte Teich / das Geräusch des Wassers / wenn ein Frosch hineinspringt
Ein alter Teich fürwahr!
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genailer ebricht, ich bin durch zufall draufgestossen....*************************************+ich war in meiner kindheit auch jedes jahr in grado, ich habe jetztt selbst einen sohn und werde ihm dieses tolle ziel wohl auch mal zeigen******************************** meinem mann hat es auch super dort gefallen, mein letzter besuch in grado war vor 6 jahren...... grado ist eine reise wert. ciao. ***************************************************ps. das kontra ist echt ein pro......bedengt man das grado ja auch ein kurort ist.**********+man kann sich auch von seinem arzt eine kur nach grado verschreiben lassen************+