Ciao - für Leute mit eigener Meinung
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Pro Sonne, Palmen, Strand zum Schleuderpreis...
Kontra die Strände sind voller Verkäufer und Hunde...
Detailbewertung
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Als ich heute - auf der Toilette eines Restaurants - seit Tagen mal wieder in den Spiegel schau, erkenn ich mich kaum wieder. Seit Wochen hab ich mich nicht rasiert, seit Tagen nicht mehr richtig gewaschen. Die Haare zerzaust, das Gesicht braun gebrannt (wenigstens das Gesicht!). Welch ein Unterschied zu der Zeit vor einem Monat, als ich frisch rasiert, mit gegelten Haaren und im schicken Sakko meine Diplomurkunde empfing! Wenn ich die Zeit noch ein wenig weiter zurückdrehe und meinen immer gleichen Tagesablauf zur Examenszeit mit denen von dieser Woche vergleiche, so bleibt nicht viel Gemeinsames. Pflichtbewusstes Lesen unendlicher Fachartikel wird abgelöst vom lustvollen Lesen eines Romans. Gespräche mit Freunden und Komillitonen, die fast ausschlißlich dem Zweck dienten, auch nur die kleinsten Informationen zur Verbesserng der Prüfungsvorbereitung aufzuspüren, werden abgelöst von einfachem Schweigen. Ich liebe es, im Moment mit niemanden sprechen zu müssen. An einigen Tagen verlassen nicht mehr als 10 Wörter meinen Mund...
Wenn du mich fragst, was ich den ganzen Tag so mache, ich kann's dir nicht genau sagen.Oft lieg ich nur am Strand und lasse einfach meine Augen wandern. Stundenlang schau ich auf das Zittern der Palmenblätter oder auf das Kreisen des Adlers am Himmel. Ja, ich verfolg sogar den Stand der Sonne und das Verändern des Wolkenbildes. Manchmal lasse ich endlos Sand durch meine Finger rieseln. Und im Hintergrund das ewige Rauschen des Meeres. Einfach herrlich, mal nicht Sinnvolles tun zu müssen!!Mein Tagesrhytmus wird dabei von meiner inneren Uhr bestimmt, nicht von der tickenden. Die hab ich gleich zu Hause gelassen. So geh ich z.B. schlafen, wann mir gerade danach ist. Oder wie mein Kumpel Schubi es ausdrückt: "Ich schlaf immer so lange, wie mein Körper sich den Schlaf nimmt." Jetzt versteh ich ihn endlich. Mal geh ich also früh abends, mal mitten in der Nacht ins Bett. Manchmal steh ich mitten in der Nacht auf und geh am Strand spazieren. Diese Ruhe. Einmal steh ich um sieben Uhr auf und will schwimmen gehen. Kein Mensch am Strand. Ich geh ins Wasser und seh unzählige Krebse, die ihre Heimat gleich mitgebracht haben: 15 cm grosse Spiralmuscheln. Faszinierend. Aber scheinbar bin ich nicht der einzige, der sie entdeckt hat. Nur 10 Meter vor mir taucht auf einmal ein Delfin auf und ich glaube, wir erschrecken uns beide ein bißchen. Ok, die Aufregung hat sich schnell gelegt und ich will mehr von den Delfinen. So arrangier ich mit einem schwedischen Paar (meinen Nachbarn) einen Fischer, der uns aufs offene Meer fährt, wo es auch mehr von den Delfinen geben soll. Und tatsächlich. Überall tauchen die plötzlich auf. Einige machen sogar ein paar Kunststücke. Salti inklusive. Leider schwer zu fotografieren. Sind sie oben, sind sie auch schon wieder weg. War trotzdem schön anzuschauen. Ich hab übrigens auch ein schwedischer Wort gelernt: "Besserwisser". Bleibt nur die Frage: Warum nehmen die gerade solche Wörter von den Deutschen??
Goa ist vielen ja als Hippie-Land bekannt. Das war früher vielleicht so. Jetzt sind hier Touris aus der ganzen Welt. Am Strand hab ich alle Sprachen gehört: Englisch, Spanisch, Hebräisch, Portugiesisch, Holländisch, Russisch, Chinesisch und noch viel mehr. Einige wie die Skandinavischen kann ich auch nicht unterscheiden. Dementsprechend ist das Angebot. Hier gibt's alles was der Touri will. Ich wollte eigentlich nur Ruhe und so hatte ich überlegt, an einen Strand mit weniger Trubel zu ziehen. Aber erstens war ich zu faul. Und zweitens bekommt man natürlich durch den ganzen Touriauflauf alles serviert, wovon der Tori träumt. So gibt's Restaurants, die sich auf die mexikanische oder auf die italienische Küche spezialisiert haben. Ein Restaurant um die Ecke ist gleich besonders clever: "Spezialised in chinese, italian, isrealin, continantal, indian and seafood. Spezialisten für alles also. Es gibt sogar eine "German bakery". Ich geh rein und finde nur Chinesen. Für die Hippies war das alles wohl ein bisschen viel. Viele sind nicht geblieben. Vielleicht 'ne handvoll. Einer rennt jeden Abend nur mit einem String bekleidet den Strand runter. Weiße Haare bis zum Arsch und einen Rauschelbart, der jeden Weihnachtsmann erblassen lassen würde. Wer hier auch den ganzen Tag am Strand patrouliert sind drei Polizisten. Allerdings sehen sie in ihren grünen Tarnanzügen eher wie Elite-Soldaten aus. So ein Tarnanzug macht ja auch Sinn am schneeweißen Strand. Trotzdem haben die Jungs offensichtlich ziemlich viel Spaß an ihrem Job. Sie lächeln unentwegt. Vielleicht auch wegen ihrer 1,50 Meter langen Gewehre auf dem Rücken. Vorne smile, hinten Peng. Nur fotografieren darf man sie nicht. Ich tu's trotzdem und werde von einem erwischt. Das gibt bischen Schimpfe und ich soll den Film rausgeben. Ich sag: "Geht nicht, das ist ne digitale Kamera." "Na ja, dann soll ich das Foto löschen!" "Ok, kein Problem." Nur gut, dass ich gleich zwei gemacht hab...Außerdem laufen hier noch andere komische Gestalten rum. Eines Tages läuft mir der Claude Oliver Rudolph übern Weg. Ich bin mir zumindest ziemlich sicher. Gefragt hab ich ihn nicht. Hab nen heiden Respekt vor dem Typen. Dann gibt's hier einen, der wohl mal ordentlich Probleme mit seinem Oberschenkel hatte. Der ist zumindest nicht mehr da. Jetzt haben sie dem armen Kerl den Unterschenkel an die Hüfte genäht. Jetzt hängt der eine Fuß auf Höhe des anderen Knies. Ich weiss echt nicht was das bringen soll und spar mir den Witz mit dem Deich... Dann kam hier mal einer, der ist noch weißer als ich. Ich weiß, es fällt dir schwer das zu glauben (wenn das mal nicht doppeldeutig ist!). Aber ich hatte ja auch ein paar Tage Vorsprung. Beim Rückeneincremen verrenkt er sich ordentlich. Am Ende hilft es nichts: IAm Abend hat er in der Mitte ist ein roter Fleck wie er roter nicht sein kann. Du siehst, richtige Action hier...
Und es kommt noch besser: Als Nachbarn hab ich 'ne schwedische Familie. Vater, Mutter, und 3 Kinder. Nur der Hund fehlt noch. Zum Glück gibt's davon am Strand zuhauf. Bestimmt 50. Leider sind die nicht so, wie man sich so einen kuscheligen Familienhund vorstellt. Ne, die am Strand sind ziemlich verlaust. Dazu sind tagtäglich Revierkämpfe und so hat jeder der Hunde auch einen Haufen Narben. Je älter, desto mehr davon. Na ja, die Kinder haben sich trotzdem in die Hunde verliebt. Vielleicht aus Mitleid. So versorgen sie diese wie sie nur können. Richtig mit drei festen Mahlzeiten und Limo aus der Flasche. Laufen brachen die Hunde auch nicht mehr. Sie werden nur noch getragen. Nach ein paar Tagen wollen sie von den Eltern sogar Medizin für die Hunde abquatschen. Lucky, der Liebelingshund der Kinder hat's am besten. Er bekommt wirklich alles und darf sogar mit in ihrer Hütte schlafen. Schlaraffenland für Lucky. Für die Inder ist das alles nur schwer nachzuvollziehen. Bei ihnen stehen die Hunde nicht wirklich weit oben auf der Beliebtheitsskala. Eher im Minusbereich. Am Ende dann die große Verabschiedungsszene. Das 15-jährige Mädel muss Hund und ihrem indischem Freund "tschüß" sagen. Der Hund kriegt 10 Küsse, der Freund nur einen. Nach seinem Gesicht zu urteilen, hätte er es lieber anders rum. Als die Familie weg ist und die Putzrau kommt, ist Lucky noch in der Hütte. Sie gibt ihm einen Tritt, dass der zwei Meter durch die Luft fliegt. Dream is over...Hier in Goa lern ich außerdem die indische Küche kennen. Manchmal lass ich mir Gerichte erklären und bekomm dann doch was ganz anderes. Dann bestell ich mal einfach irgendwas aus der Karte und es schmeckt vorzüglich. Auch wenn ich nicht weiß, was ich da esse. Einmal bestell ich "Chicken Curry" und denk, da kann man ja nichts mit falsch machen. Sicherheitshalber frag ich nach, ob es scharf ist. "No, not spicy!" Schließlich steht ein Topf mit einer Curry-Sauce vor mir. Darin vier Gelenke (frag mich nicht welche), von denen ich mühsam das wenige Fleisch zieh. Die Sauce ist so scharf, dass ich sofort was Feuchtes nachorder. Mir laufen Augen und Nase wie bei einem Heulkrampf. Nach zwei Stunden und zwei weiteren Litern Wassern kann ich mich einigermaßen beruhigen. Dass aber noch nicht alles in Ordnung ist, merk ich einen Tag später. Mein Magen gluckert wie eine alte Heizung. Abends dann Durchfall. Und es fällt wirklich alles nur so durch. Nach zwei Tagen beschließe ich, mein Südamerika-Rezept anzuwenden: Nichts essen, nur trinken! Zwei weitere Tage später ist es immer noch nicht wieder ganz ok. Außerdem hab ich tierischen Kohldampf. So futter ich 7 Bananen und die Hälfte von einem Toastbrot. Am folgenden Tag ist alles wieder gut. Ein herrliches Gefuehl...
An einem Abend lern ich Bingo kennen. Ein etwa 45-jähriger Töpfermeister aus der Nähe von Hamburg. Der hat schon vor 20 Jahren die Hippie-Szene in Goa aufgemischt. Letztes Jahr hat er ein paar Fotos von Goa gesehen und "Heimweh" bekommen. Jetzt reist er für zwei Monate durchs Land. Früher war das ein richtiger Chaot. Hat immer nur 6 Monate gearbeitet ist dann 6 Monate durch die Weltgeschichte gereist. Dann kam was 9-Monatiges dazwischen und er musste diesen Rhythmus aufgeben. Jetzt wartet er bis seine Kinder erwachsen sind, um dann die Welt zu umsegeln. Sein Boot wartet schon auf ihn...Etwas spaeter sitz in einem Pub und schau Arsenal gegen ManU. Neben mir sitzt Amie, eine Engländerin und fanatischer Arsenalfan. Das Spiel läuft aus ihrer Sicht nicht besonders und sie sagt öfters 'Fuck' als so mancher Engländer an diesem Abend an seinem Bier nuckelt. Und das ist schon 'ne Leistung. Dabei sagt sie, sie sei gar nicht so schlimm. Ich solle mal ihren Vater sehen. Am Ende gewinnt Arsenal. Sie ist froh und ich brauch mein Bier nicht zu bezahlen...
So, eine Woche faulenzen ist vorbei. Aber meine Akkus sind wieder voll und freue mich auf die nächsten Ziele. Es war eine relaxte Zeit hier. Die Sonnenuntergänge waren ein Traum. Dazu war es richtig billig. An den meisten Tagen hab ich nicht mehr als 6 Euro ausgegeben. Und da sind 3 Euro fuer meine Hütte schon mit drin. Natürlich gibt's da keinen großen Luxus für. In meinem Zimmer steht eigentlich nur ein Bett (welches immer umkippt, wenn ich mich auf die Seite setze) und einen Stuhl. Das Klo ist außerhalb und ist für alle. Auf dem Klo ist übrigens ein Schild:
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ctrefz 26.01.2008 16:35
Schön geschrieben. Indien und v.a Goa zum Entspannen stehen im Moment neben Vietnam ganz oben auf meiner Liste. Dein Bericht macht auf jeden Fall Lust auf mehr .. :) Gruss Chris
Linsenrainer 22.08.2007 12:18
KRAWALLSCHACHTEL 05.05.2007 22:40
noloko 25.03.2007 20:02
Sehr schöner, launiger Bericht, bei dem ich mich bisweilen gekugelt habe vor Lachen.