Studienreisen verlaufen oftmals abseits der bekannten, touristischen Wege. Und so kann es zuweilen vorkommen, daß man sich an die sonderbarsten und somit auch ungewöhnlichsten Orte des Planeten verirrt. Im Jahre 2006 verschlug es Sowan - wie schon an anderer Stelle berichtet - in die Mongolei und so konnte ich meinen Geburtstag in einem ganz besonderen Ambiente verbringen, nämlich im buddhistischen Gandan Kloster in Ulanbaatar.
Das Gandan Kloster ist eine weitreichende Anlage inmitten der mongolischen Hauptstadt und erfüllt vielerlei Funktionen in der mongolischen Gesellschaft. Es zählt zu einer der Hauptattraktionen der Mongolei und Mongoleireisende sollten sich einen Besuch hier unter keinen Umständen entgehen lassen. Da Ulanbaatar kein wirkliches Traumziel für urlaubsreife Touristen ist besteht hier noch die Möglichkeit wirklich in die Kultur einzutauchen und am religiösen Leben der Menschen Teil zu haben.
Doch zunächst möchte ich einige historische Informationen zum Kloster geben ehe ich meine persönlichen Impressionen vermittle.
Historie:
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Zunächst fand ich keine Informationen dazu wann das Kloster ursprünglich gegründet worden ist. Es war anfänglich im Zentrum von Ulaanbatar situiert und wurde im Jahre 1838 verlegt zu seinem heutigen Standort. Somit ist auch das älteste Gebäude - nämlich der Haupttempel - Baujahr 1838.
Einhundert Jahre später - 1938 - wurde jegliche Form der Religion in der Mongolei von den Kommunisten ausgemerzt. Die meisten buddhistischen Mönche wurden hingerichtet oder fest genommen und insgesamt wurden an die 900 buddhistische Klöster niedergerissen. Insgesamt fünf Tempel des Ganan Klosters wurden vernichtet, die restlichen Gebäude wurden erhalten und dienten den Russen als Offizierskasernen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, daß der Haupttempel aus dem Jahre 1838 noch steht.
Obgleich es - unter strengen Auflagen durch die Russen - gelang das Kloster im Jahre 1944 zumindest teilweise wieder zu eröffnen konnte erst 1990 - nach der friedlichen und nach Deutschen Vorbild ausgeführten demokratischen Revolution - der vollständige Betrieb wieder aufgenommen werden. Es wurden enorme Gelder in die Anlage gesteckt und viele Bauten konnten wieder errichtet werden.
Insgesamt umfaßte die Anlage im Jahre 2006 zehn Tempelgebäude. Um die 900 Mönche leben in der Anlage, welche neben den Tempeln auch zahlreiche andere Gebäude, darunter eine Bücherei, Wohnhäuser für die Mönche, eine buddhistische Universität sowie ein Lehrhaus für traditionelle Medizin und Astrologie umfaßt.
Janraisig
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Höhepunkt und besondere Sehenswürdigkeit der Anlage ist sicherlich die komplett vergoldete Kupferstatue der Janrasig - einer Form des Boddhisatva Avalokiteshvara. Sie ist 26,5 Meter hoch und nimmt den gesamten Raum des eigens für sie errichteten Migjed Janraisig Tempels ein. Dieser Boddhisatva ist für die Mongolen von sehr großer Bedeutung, denn er symbolisiert die Unabhängigkeit der Mongolen. Ursprünglich wurde die Statue 1911 von Bogd Khan errichtet. Im Rahmen der Zerstörung religiöser Anlagen durch die Kommunisten wurde die Statue vollständig vernichtet. Erst im Jahre 1996 wurde die neue Statue fertig gestellt, sie wurde übrigens ausschließlich aus Spendengeldern finanziert. Sie ist somit auch Symbol der religiösen Unabhängigkeit und Freiheit der mongolischen Seele, die sich nicht durch den Kommunismus hat brechen lassen.
Persönliche Impressionen
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Mein 36. Geburtstag. Ich erwachte an jenem Morgen aus einem dösenden Schlaf in einem Flugzeug. Als ich aus dem Fenster hinaus sah strahlte die Venus hell und unter mir lag die Mongolei, wir waren im Landeanflug. Nur wenige Stunden später tauchte Sowan ein in eine andere Kultur, eine andere Welt.
Der erste Ausflug führte Sowan noch am selben Tag in das Gandan Kloster. Kaum war das Hotel bezogen und eine Speise zu sich genommen, schon ging es los.
Ulanbaatars Luft ist frisch und durchzogen vom Geruch nach Hammelfett, einem Geruch, welcher der Stadt anhaftet wie ein Parfüm, welches nach ein paar Tagen Aufenthalt vor Ort nur noch unterschwellig wahrnehmbar ist.
Vorbei an einigen Gebäuden und Jurten - diese traditionellen Zeltbauten gibt es überall in der Stadt - betreten wir das Gelände des Gandan Klosters. Das Gelände ist abgegrenzt durch edel gestaltete Palisaden-Mauern und beim Durchschreiten eines der Tore spürt man sofort, daß ein heiliger Bereich, eine andere Welt betreten wird. Es ist als würde mit einem Male die Müdigkeit und Erschöpfung, welche durch die Reise und die Zeitverschiebung erzeugt wurde, abgestreift. Der Geist wirkt mit einem Male hellwach und aufgeschlossen, die Sinne saugen die Eindrücke auf, die dieser Ort erzeugt.
Buddhistische Mönche, Jugendliche, kommen an uns vorbei und lächeln uns zu. Mongolen ziehen an den Gebetsmühlen vorbei, die hier angeordnet stehen. Sie sind golden und groß wie kleine Fässer. Man geht an ihnen vorüber, dreht sie an und sendet seine Gebete oder Wünsche los, in der Hoffnung die Geister erhören sie.
Die Klosteranlage ist riesig und voller intensiver Eindrücke. Das Erste Gebäude, welches ins Auge fällt, ist der imposante Migjed Janraisig Tempel. Er zieht zahlreiche Gläubige an und ist zugleich eine große Attraktion für die Touristen. Das Fotografieren im Inneren des Tempels ist verboten, aber es besteht die Möglichkeit günstig eine Genehmigung zum Bilder machen zu erwerben. Von Außen wirkt das Gebäude schon recht imposant, doch als Sowan ins Innere tritt ist sie regelrecht erschlagen. Janraisig erhebt sich über die Köpfe der Menschen, die vor ihr beten oder Räucherungen entzünden. Zu ihren gewaltigen, goldenen Füßen liegen Geldscheine als Opfergaben.
Einige von Euch kennen vielleicht aus Reportagen und Reiseberichten im TV die riesigen Buddhastatuetten oder Skulpturen, welche sich im asiatischen Raum finden lassen. Vor den gewaltigen Abbildern ist der Mensch verschwindend klein, nur eine Ameise zu Füßen des Boddhisatva. So beeindruckend solche Bilder auch sein mögen, sie können einen in keiner Weise auf den realen Eindruck einer solchen Begegnung mit der menschlichen Kunst vereinigt mit spirituellem Denken und Fühlen, vorbereiten. Der Eindruck ist regelrecht überwältigend und läßt sich kaum in Worte fassen. Janraisig erhebt sich über mehrere Stockwerke in die Höhe und die leblose Statue ist so erhaben und die Begegnung mit ihr so intensiv, das man vermeint tatsächlich einer Inkarnation Avalokiteshvaras zu begegnen und nicht nur einem Kunstobjekt, welches Menschen geschaffen haben. Beinahe scheint es, daß die Schöpfer dieser erhabenen Figur ihre eigene spirituelle Kraft und ihren Glauben in der Gestaltung Janraisigs Form gegeben haben. Umwoben vom Duft der überall brennenden Räucherungen und den stummen Gebeten einiger Menschen ergreift tiefe Ehrfurcht den Betrachter.
Nach diesem Eindruck fällt es Sowan sehr schwer sich aus dem Tempel zu lösen. Mein Fuß hat mich später auch noch einmal hier her geführt um einen letzten Blick auf die goldene Janraisig zu werfen.
In einer großen, runden Jurte, rechts vom Tempel des goldenen Boddhisatva auf einem großen Platz gelegen, finden Räucherungen statt und es gibt die Möglichkeit entspannt zu meditieren. Auf kleinen Altären stehen Räucherschalen und an einem kleinen Tisch werden Räucherpulver verkauft. Hier habe ich mich erst einmal eingedeckt ehe ich weiter durch die große Anlage streifte.
Alle Impressionen der Anlage hier wieder zu geben ist mir nicht möglich, denn es würde an dieser Stelle den Rahmen eines Ciao-Berichtes sprengen. Eine Sache finde ich persönlich jedoch noch erwähnenswert, denn sie hat mich sehr erstaunt. In der Anlage selbst gibt es auch Geschäfte, in denen die Menschen sich mit Devotionalien eindecken können. Neben Räucherwerk, Glocken, Gebetsmühlen für die Hand oder Tüchern und Büchern gab es hier auch einen kleinen Raum, in dem einige Menschen darauf warteten ,vorgelassen' zu werden. Die Situation wirkte wie ein Wartezimmer, in dem Patienten auf einen Arzt warteten. Ich fragte sogleich meine mongolische Begleitung - ich habe die Reise zusammen mit dem Musiker Hosoo und seiner Familie unternommen - worauf die Menschen dort warteten und erfuhr, daß dies die Räumlichkeiten des Astrologen seien. Menschen mit Kummer, Sorgen oder Wünschen gehen hierher um mit der Astrologin oder dem Astrologen über die Situation zu sprechen. Sodann kann die Astrologie - die im übrigen ganz anders ist als die Astrologie und Horoskoperstellung, die wir kennen, ist - Hilfestellung und Hinweise liefern wie die Situationen in Zukunft gelöst werden können und sich weiter entwickeln. Man kann diese Beratungsformen als eine Mischung aus esoterischer Zukunftsvoraussage und Lebenshilfe sehen. Es war für mich bemerkenswert festzustellen welchen hohen Stellenwert diese Form der Lebensberatung in der Mongolei hat. Die Astrologen dort sind gut ausgebildete Menschen mit einem guten Ruf in ihrer Gesellschaft. Das Aufsuchen eines Zukunftsdeuters ist in der mongolischen Kultur fest verankert - in der Stadt sind es die Astrologen, auf dem Land sind es die Schamanen, die diese Rolle erfüllen.
Resümee
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Wer in die Mongolei reist und Ulaanbatar besucht sollte unbedingt das Gandan Kloster aufsuchen! Es ist die einmalige Chance in die Religiosität und Gefühlswelt der hier lebenden Menschen einzutauchen, ohne von touristischen und kommerziellen Einflüssen bedrängt zu werden.
Anschrift:
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Gandantegchenling Monastry
Ulanbaatar-38, Mongolia
Tel: 976-11-360164 oder 360337 oder 365573
Email:
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mbcgandan@magicnet.mn
Website:
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http ://www.gandan.mn
(die Website hat auch vereinzelte Informationen in englischer Sprache)
Schneemond 2008, Sowan