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Pro l¨art de vivre
Kontra der Komplex, eine grande nation sein zu müssen
Detailbewertung
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Eingefleischte Pedalritter mögen meinen Titel als Rosstäuscherei – ja sogar als Sakrileg - gegenüber ihrem heiligen Gral des Radsports empfinden, aber in meinem fortgeschrittenen Alter erübrigt sich die wild strampelnde Jagd nach dem „maillot jaune“, ich toure la France lieber bequem im offenen Jaguar, rieche eher salzige Meeresluft, Lavendel und frisches Heu als den mit Clenbuterol verseuchten Schweiss eines Domestiken....
Über das Elsass mit seinen schmucken Winzerdörfern wie Reichenweiher und Kaysersberg kommen wir ins ländliche Departement Aube, wo wir im historischen Zentrum der Stadt Troyes einfallen, engste Gässchen zwischen malerischen Fachwerkhäusern aus dem 16.-18. Jahrhundert finden sich hier, an den Plätzen viele Einheimische und Touristen in den Gastgärten der Lokale, es ist ein wunderbarer Tag im Frühherbst, wir spazieren in die älteste Apotheke der Welt im Hotel Dieu, die jetzt ein Pharmaziemuseum beherbergt, danach steht die Besichtigung der Peter & Paul Kathedrale mit ihren beeindruckenden Glasfenstern an. Nach einem ausgezeichneten Wok-Diner mit herrlichem belgischem Affligem und Grimbergen fallen wir in unsere upgegradeten Betten im Hotel Le Relais.Mit einer neuen keramischen Füllung fahre ich mittags frohgemut in die Périphérique, die stark befahrene Ringautobahn um Paris ein und nur 15 Minuten später queren wir schon die Seine, die enge Gasse namens Faubourg St. Honoré im 1º arrondissement mit unserem HAPIMAG Timeshare-Quartier für die nächsten vier Tage ist mithilfe der Naviinstruktionen schnell gefunden, die Katze wird unterirdisch für € 20 pro Tag verstaut, dann besorgen wir bei der Touristeninfo in der Avenue de l´Opera unsere per Internet vorreservierten Unterlagen wie Fahrausweise, Eintrittskarten und Museumspässe, spazieren durch unser Viertel auf der Suche nach brauchbaren (= leistbaren) Restaurants und warten nur noch auf das Eintreffen unserer Vorarlberger Freunde mit dem TGV am Ostbahnhof.
Morgens starten wir das Besichtigungsprogramm „Paris für Anfänger“, da es für unsere Freunde die erste Reise in die französische Metropole ist, uns hat ja schon 1976 die Hochzeitssreise hierher geführt, seitdem kamen noch vier weitere Besuche dazu. Wir beginnen mit einer der vier Rundfahrten im offenen Doppeldeckerbus nach Besichtung der Kathedrale Notre Dame, die Parisneulinge sind begeistert, dass sie einem Audioguide in Deutsch folgen können und die Aussicht an einem traumhaften Tag aus dem 1. Stock direkt hinter der Windschutzscheibe ist atemberaubend.Der einzig neue Trick, mit dem wir diesmal konfrontiert werden, stammt ebenfalls von einer jungen Südosteuropäerin, die sich unversehens vor einen hinkniet und einen offenbar verlorenen Goldehering eines Mannes aufhebt und übergeben will, selbst wenn man dann auf den ohnehin vorhandenen zeigt, steckt sie ihn sich selbst an, um zu demonstrieren, dass sie damit nichts anfangen könne und überreicht den Ring. Ein kurzer Blick auf die echt erscheinende Punze mit einem Datum daneben überzeugt selbst den misstrauischen Touristen und er nimmt den Ring an. Sie geht kurz weg, kommt aber dann zurück und bittet um eine Spende, wer jetzt meint, sie mit ein paar Münzen abfertigen zu können ist aber auf dem Holzweg, sie will Scheine sehen und ist sehr hartnäckig, daher reicht man ihr den Ring zurück - offen bleibt die Antwort auf die Frage nach der Effizienz dieses Geschäftsmodells.
Als die Zeit zum Auffahren auf die über 300 Meter hohe Eisenkonstruktion gekommen ist, werden wir nach Vorzeigen unserer Reservierung schnell durchgewunken und sind nach einmaligem Umsteigen bald auf der obersten Plattform in 276 m Höhe, die Aussicht ist besonders gut, da kein Smog oder tiefliegende Wolken herrschen, die Fotos davon sehen durch die schräge Abendsonne jedenfalls spektakulär aus. Wir hatten für danach einen Platz auf der Warteliste des Jules Verne Restaurants, waren dann aber irgendwie erleichtert, dass ob der exorbitanten Preise ohnehin kein Tisch frei wurde.Tag zwei sieht uns wieder im Oberstock des Sightseeingbusses, diesmal auf einer Route von der Madeleine Richtung Montmatre mit der Basilika Sacre Coeur, viele steile Stiegen sind für ältere Herrschaften zu steigen und weil es heiss ist nehmen wir lieber den Schrägaufzug. Nach der Kirchenbesichtigung wandern wir zum nahegelegenen Place du Tertre, wo traditionell Porträtisten, Maler und Kleinkünstler für Flair sorgen. Mit unserem Bus fahren wir jetzt eine neue Route, die an den Bahnhöfen vorbei zum Obelisken am Bastille Platz führt und wandern dann nach abermaliger Querung der Seine durch den prächtigen Jardin des Plantes. Hier gibt es auch wieder eine Anlegestelle unseres Batobus, der uns an den Seineinseln vorbei noch einmal Louvre und Eiffelturm vom Wasser aus besichtigen lässt, bevor wir am Quai d´Orsay aussteigen, um im ehemaligen Bahnhof bedeutende Werke von Impressionisten wie Monet, Manet, Sisley, Gauguin und van Gogh zu bestaunen.
Nach einer erfrischenden wie teuren Bierpause spazieren wir zum Invalidendom, besichtigen noch das kleine, aber feine Rodin-Museum mit dem „Denker“ und den Bürgern von Calais“, bevor wir den marmornen Kenotaph Bonapartes, die ebenfalls marmorne Windrose mit seinen siegreichen Schlachtenorten und den Rest der pompösen Heldenverehrungsstätte in Augenschein nehmen. Als wir wieder mit dem Bus Richtung Place Vendome weiterfahren entdecken wir das Besichtungsmodell 2.0 - eine behelmte Truppe auf Segways, deren Guide während des Rollens über Funk seine Geschichten erzählt, kreuzt unsere Route auf einem Zebrastreifen, ich würde die gerne einmal zur Stosszeit in den endlosen Stiegengängen der Metro sehen...An diesem Abend haben wir nur mehr wenig Energie und bereiten uns ein schlichtes Essen für vier in der Küche unseres Apartements, die Kosten inklusive Wein liegen bei 31 Euro, dafür hätte man im Jules Verne gerade 1 (in Worten: einen) Vorspeisenteller bekommen!
Am dritten Tag sind wir am Louvre mit unseren Spezialpässen ebenfalls schnell im Haus, müssen aber wegen eines Streiks – ja, einer dieser unzähligen wegen der anstehenden Pensionsreform – auf Teile der Sammlung verzichten, so entgehen uns zwar Vermeer, Rembrandt und Rubens, die anderen Klassiker aber wie die „Nike von Samothrake“, die „Gioconda“, „Gilles“ von Watteau und die „Liberté“ von Delacroix können wir angemessen bewundern.Während die anderen genug Kultur getankt haben und zum Shopping in die Konsumtempel „Printemps“ und „Galeries Lafayette“ pilgern, absolviere ich noch das mir bisher verwehrt gebliebene Musée de l´Orangerie (u. a. mit Manets Seerosen) am Ende der Tuilerien und statte danach noch dem Centre Pompidou eine Kurzvisite ab, die sich auf die Werke von Leger, Malevitch, Gris, Miró und Picasso beschränkt, diverse „Installationen“ aus Fetzen oder Müll, minimalistische Rauschenbergs, Rothkos und weitere Werke anderer abstrakter Expressionisten lassen mich mit der Frage, ob Kunst von Können komme, verständnislos zurück.
Abends pilgern wir ins Fressviertel zu den nahen „Halles“, finden ein Restaurant mit gerade noch akzeptablen Menüpreisen, müssen uns aber nachträglich doch ärgern, dass die angekündigten „halben“ Bierpreise nur für „plein air“ gelten, wo wir zwar auch sitzen, aber eben eine Stufe zu hoch, wäre ich nicht so gerädert gewesen, hätte ich mich mit dem blasierten Patron noch auf eine prinzipielle Diskussion eingelassen, der Ärger über den allgegenwärtigen Paris-Nepp bleibt.Unsere Freunde waren jedenfalls vom gebotenen Programm begeistert, bedauerten nur, nicht noch etwas mehr Zeit für Lachaisefriedhof, Versailles, Trianon und Fontainebleau gehabt zu haben, ich tröste sie, dass man die Stadt ohnehin in mehreren Anläufen entdecken müsse.....ergo - mission accomplished. Während diese von Orly nach Alicante ins gemeinsame Winterexil fliegen, fahren wir einen Riesenumweg dahin, das erste Ziel ist nach 34 Jahren wieder einmal Mont Saint Michel, dann geht es über Calance, wo wir "chez Victor" hervorragende Austern und Doraden bekommen, die noch dazu direkt vor unseren Augen aus dem Meer geholt werden. In St. Malo wohnen wir im Manoir Cunningham und umwandern per pedes die Altstadt auf der umlaufenden Mauer, um dann in einer speziellen Patisserie auf unsere geliebten Makronen zu treffen, in Heidelbeer hatten wir noch nie welche...
Frühmorgens fahren wir mit einer Schnellfähre der Condor auf die Kanalinsel Jersey, der Jaguar Convertible kehrt erstmals wieder in seine weitere Heimat zurück und wird noch dazu standesgemäss am Hafen von einer Rotte älterer Brüder empfangen, die gerade auf dem Weg zu einer Oldtimerrallye auf dem Kontinent sind. Unser Hotel Savoy liegt zehn Minuten vom Zentrum St. Heliers und bietet trotz ansprechender Fassade wenig Qualität, das Zimmer war winzig und schlecht schallisoliert, enttäuschend aber vor allem das typisch englische Abendessen mit einem wenig schmeckenden, fixen Menü, von dem wir uns erst tags darauf im Bistro Rosa in der Markthalle bei französisch inspirierten Jakobsmuscheln und Seezunge erholen.Jersey liegt nur 20 km von der Cotentin-Halbinsel entfernt, ist 118 km² klein, in nur zwei halben Tagen hat man die Insel komplett abgefahren, am schönsten sind die Küstenstrassen im Westen und Norden, teils mit einem langen Sandstrand wie dem von St Ouen, der ideal für Wind- und Kitesurfer ist, teils wildromantisch mit einspurigen Zufahrten zu verschwiegenen Buchten. Wir begegnen Reitern und Radfahrern mit absoluter Vorfahrt auf den engen „Green Lanes“, wir besuchen Dolmen und Menhire sowie die ausgedehnten „Jersey War Tunnels“, eine ursprünglich als Militärspital des deutschen Heeres konzipierte unterirdische Anlage, in der heute museal einmalig in Multimediashows die Besatzungszeit präsentiert wird, der Eintritt ist mit umgerechnet € 13 happig, aber das Gebotene rechtfertigt den Preis.
Interessant sind die Fakten rund um Jersey: jeder Fünfte der 90000 Einwohner arbeitet im Finanzsektor des so genannten offshore paradise, politisch ist es eine crown dependency, Staatschefin ist Elizabeth II als Duchess of Normandy, das Territorium gehört also nicht unmittelbar zum Staat Grossbritannien und zur EU. Der mit 20% extrem niedrige Einkommensteuerhöchstsatz lockt noch immer viele ausländische Investoren, darunter auch einen berüchtigten österreichischen Teflon-Finanzminister der jüngeren Geschichte.Zurück auf dem Festland fahren wir auf Nebenstrassen durch die Bretagne, das Ziel ist die Region um Vannes, wo wir die kilometerlangen Menhirreihen (alignements) von Carnac und die Dolmen von Locmariaquer besuchen, zur Nacht betten wir uns nach einem hervorragenden Abendessen im Hotel Europa in Quiberon, dessen Küche unser übliches Vorurteil gegen Hotelessen aufs Angenehmste widerlegt.
Auf dem Weg ins Winterexil fehlen uns noch zwei Etappen: die erste führt von Quiberon nach Pauillac, dem renommiertesten Weinbauort des Medoc. Unterwegs passieren wir La Rochelle, um dann bei Royan mit der Fähre über die breite Girondemündung zu kommen. Der erste bekanntere Weinort ist St. Estephe und ein paar Kilometer vor Pauillac biegen wir in die Zufahrtsstrasse zum wohl bekanntesten Weingut Chateau Lafite Rothschild ein. Die vendange zum Jahrgang 2010 hat eben begonnen, vor allem die Cabernet Sauvignon Rebe findet auf den kargen Kiesböden optimale Wachstumsbedingungen vor und trägt zum exzellenten Ruf dieser als premier grand cru klassierten Kreszenz bei.Wir wohnen relativ günstig im Hotel de France und holen uns zur Abwechslung von den Meeresfrüchten der letzten Tage ein Paar Pizze zu einem cru bourgeois, auch das einfache Leben kann ganz schön sein...
Da auch die echte Tour de France traditionell Abstecher in die Nachbarländer macht, tun wir es ihr nach, die Grenze zum Baskenland wird nach Irun optisch durch die halskratzerischen Ortsbezeichnungen Euskadis registriert, in Vitoria-Gasteiz verlassen wir die kühnen Autobahnen durch das Küstengebirge und halten uns südlich, auf den Hauptort des Riojaweinbaugebiets, Logroño, zu.Da unser Weingeschmack die schweren, tanninreichen Cabernet Sauvignons gegenüber samtig weichen Merlots oder Shiraz etwas vernachlässigte, wollten wir zum krönenden Abschluss unserer Tour die Weine derer von Riscal vor Ort zusammen mit einem menu de degustaçion verkosten, welches Jefe Ramón Piñeiro „Vanguardia (Avantgarde), Trends and Creation“ nennt und wenig abergläubisch in dreizehn einfallsreich komponierten Gängen servieren lässt. Von den dazu gereichten Weinen überraschten frische Ruedas blancos aus dem Schwesterweingut, ein herrlicher Sauvignon blanc zu den Fischspeisen und natürlich ein gehaltvoller Reserva zum edlen Geflügel.
Ein Auszug aus der Karte:Picual Öl und Soufflé aus Idiazabal Käse
Foie gras mit Grissini in Sesam und schwarzer OliveTun mit Meloneneis und Ibericoschinken
Galizischer Hummer mit geröstetem Schweinsohr (!)
Bresse Taube
Aufgrund der zu erwartenden Promillemenge hatten wir unter dem Motto „Wohnen im Museum“ vorsorglich auch ein Zimmer im futuristisch designten Glas/Blechpalast des vom Guggenheim in Bilbao bekannten Architekten Frank Gehry reserviert, die Einrichtung vom Feinsten mit 2x2 m heavenly bed des Starwoodbetreibers, B&O Anlage, freiem WLAN, Marmorbad und flauschigen Bademänteln, von denen jeder gut zehn Kilo wog, die Aussicht durch eine 4 Meter hohe Fensterwand auf den uralten Weinort in der Abendsonne war beeindruckend, ebenso wie das Spiel der Strahlen auf den hochpolierten, wellenförmigen Blechbändern rund ums Haus.
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MarenF 15.02.2012 12:36
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ceridwen66 13.12.2011 07:53
Tja, bei dir mache ich eine Tour de BH *g* LG Kerry
campino 22.10.2011 21:30
Bill_Munny 22.08.2011 09:20
Für Paris brauchte ich noch nie ein Navi!
BH, was sonst! Das Rodinmuseum in Paris ist für mich übrigens ein echter Geheimtipp Paris, viele pilgern in den Louvre oder zu den Impressionisten, aber ich finde, zu Rodin sollte man auf jeden Fall gehen! GLG Billy