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Erfahrungsbericht

für Föhr
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5 Sterne An der Nordseeküste (Teil 1) Bericht mit Bildern
95 von 95 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro erholsames Klima, Wattwanderung, Paradies für Radtouren

Kontra nichts für Nachtschwärmer

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

TumblingDice

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Impressionen unserer Reise nach Föhr im August 2007

WARUM FÖHR?

Urlaub auf einer Nordseeinsel. Ist das nicht ein Risiko, wenn man seinen Urlaub bei schönem Wetter mit Sonnenschein verbringen möchte? Es mag zwar zutreffen, dass die Regenwahrscheinlichkeit auf Mallorca um einiges niedriger ist als auf einer Nordfriesischen Insel, dafür dürfte aber die Gefahr, dass die Insel Föhr in ein Flammenmeer aufgeht, wie wir es zur gleichen Zeit im Fernsehen auf Gran Canaria beobachten können, verschwindend gering sein. Und ein Urlaub mit 2 Wochen Regen ist für mich nicht unbedingt ein größeres Horrorszenario, als die gleiche Zeit bei Temperaturen um die 40°C verbringen zu müssen.

Umständehalber muss ich nun b.a.w. meinen Sommerurlaub im August verbringen, was ich zuletzt in meiner Jugend getan habe. Da scheidet für mich der Mittelmeerraum wegen der zu erwartenden hohen Temperaturen aus. Außerdem habe ich mich entschieden, in Zukunft auf Flugreisen zu verzichten bzw. diese auf ein geringes Maß zu reduzieren. Das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist heutzutage die Bahn, wenn auch nicht das zuverlässigste (hiermit grüße ich auch alle Lokführer in dieser Runde). Somit suchen wir uns für ein Urlaubsziel, das bequem mit dem Auto erreichbar ist. Damit würde unser urlaubsbedingter CO2-Ausstoß mindestens die Hälfte unter dem liegen, den wir uns bei einer Flugreise zuschreiben müssten (http://www.iwr.de/re/eu/co2/co2.html). Und in der Heimat, Freunde, ist es doch am schönsten (was wir dank Heino seit langem wissen). Letztes Jahr hat es uns schon auf Sylt sehr gut gefallen. Warum also nicht ein paar Häuser weiterziehen und auf der Nachbarinsel unser Glück noch einmal versuchen?


WIE KOMMT MAN DAHIN?

Bei einer Reise nach Norddeutschland bietet es sich für mich stets an, diese mit einem Familienbesuch zu verbinden. Damit wird die lange Reise etwas weniger anstrengend. Deshalb entscheiden wir uns für die Reise mit dem eigenen Auto. Da Föhr nicht sehr groß ist, kann man ohne weiteres auch mal 1-2 Wochen ohne eigenes Auto auskommen. Denn die deutsche Bahn fährt direkt bis zum Fährhafen Dagebüll an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste. Fährt man mit dem Auto bis Dagebüll, hat man immer noch zwei Möglichkeiten. Entweder man lässt es dort auf einem Langzeitparkplatz stehen (würde uns für 2 Wochen 68€ kosten), fährt samt Gepäck per Shuttle zur Fähre und zahlt nur die Personenbeförderung (Hin- und zurück 11€ pro Nase) oder man fährt mit dem Auto samt Kind und Kegel auf die Fähre (kostet uns komplett 113,10€, alle Preisangaben Stand August 2007). Wie man sieht, würden wir nur gut 20€ sparen, ließen wir unser Auto in Dagebüll stehen.

Der Vorteil bei der Schifffahrt ohne Auto liegt in der größeren Flexibilität, was den Transit auf die Insel angeht. Denn obwohl die Fähren so ziemlich jede Stunde fahren, sind sie in der Hauptsaison fast immer lange im Voraus ausgebucht. Ich nehme die Buchung für August bereits im März vor. Zur gewünschten Zeit ist nichts mehr frei. Die Buchung erfolgt telefonisch oder per Internet bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei (www.wdr-wyk.de, hat also nichts mit einer gleichnamigen Rundfunkstation zu tun). Dabei vergewissere ich mich auch telefonisch, ob zu den von mir gewünschten Zeiten wirklich nichts mehr frei ist oder ob man diese Zeiten im Internet noch nicht freigegeben hat. Eine einmal gemachte Reservierung kann man auch jederzeit ändern oder stornieren. D.h. man kann sich erstmal eine ungünstige Zeit sichern und regelmäßig nachsehen, ob zwischenzeitlich zu einer besseren Zeit etwas frei geworden ist. Letzteres gelingt mir zumindest für die Rückfahrt. Als Ticket dient die ausgedruckte Reservierung, die einen Strichcode enthält. Der Fahrpreis wird ca. 1 Monat vor der Reise vom Konto abgebucht.

Allerdings stelle ich bei unseren Überfahrten fest, dass die WDR jedes Mal auch unangemeldete Fahrzeuge, die auf der Warteliste stehen, mitnimmt. Diese werden vor Fahrzeugen berücksichtigt, die wie wir eine spätere Fähre gebucht haben, aber früher an Ort und Stelle sind. Deshalb gehe ich davon aus, dass die WDR etwa 20% der Kapazität für unangemeldete Fahrzeuge freihält. Wäre dem nicht so, hätte jemand, der kurzfristig nach oder von Föhr weg muss, keine Chance. Die Fähren haben je nach Größe eine Kapazität für 30 bis 50 Autos, und es kommen jedes Mal zum Schluss noch 8-10 Autos aus der Warteschlange mit, wobei die Warteschlange nicht viel länger ist. Wer also von weiter anreist und ohnehin eine zeitliche Reserve mit einplant (wir sind bei der Anreise fast 3 Stunden früher da), kommt ohne Reservierung womöglich schneller auf die Insel als mit. Der Vorteil der Reservierung ist halt, dass man auf der sicheren Seite ist und genau weiß, wann man ankommt (es sei denn, das Wetter spielt nicht mit). Also mein Tipp: bevor man sich bei der Reservierung auf eine unchristliche Zeit (5 Uhr morgens oder ganz spät einlässt, lieber ohne Reservierung hinfahren, mehr als 3 Stunden wird man kaum warten müssen.

Unsere Fähre geht um 17Uhr45. Da wir als erste für diese Fahrt da sind, dürfen wir mit unserem Auto auch als erste auffahren. Mit dem Ticket wird auch der KfZ-Schein überprüft, da bei der Buchung auch die Länge des Fahrzeugs gemäß KfZ-Schein angegeben werden muss, da diese den Preis für den Transport des Fahrzeugs bestimmt.

Die Fahrt von Dagebüll nach Föhr dauert knapp eine Stunde und geht durch das Wattenmeer, dessen Bild bekanntlich sehr stark vom Wechselspiel zwischen Ebbe und Flut geprägt ist. Zum Glück gibt es aber eine Fahrrinne für Schiffe, die zu jeder Zeit tief genug ist, so dass der Fährverkehr nicht beeinträchtigt ist. Zu Ebbezeiten müssen die Fähren aber manchmal kleine Umwege in Kauf nehmen, die die Fahrzeit verlängern. Bei strahlendem Sonnenschein und ruhiger See erreichen wir den Hafen Wyk auf Föhr. Da wir mit dem Auto hinter einem Pfeiler stehen, können wir nicht als erste von Bord. Erst fahren drei, vier Autos, um eine Gasse frei zu machen, dann kommt erst mal das ganze Fußvolk und dann der Rest der Autos. Die Entladung geht jedoch zügig voran. Da Föhr nicht sehr groß ist, erreichen wir dank unseres Navis innerhalb von 10-15 Minuten unsere Ferienwohnung.


WOHNEN AUF FÖHR

Natürlich kann man auf Föhr auch in Hotels oder Pensionen wohnen und sich teilweise oder voll verpflegen lassen. Aber wir wohnen viel lieber in Ferienwohnungen als in Hotels. Das bietet sich auf Föhr besonders an, denn fast jedes zweite Haus dient hier als Ferienwohnung. Der Tourismus ist ganz klar die Haupteinnahmequelle der Inselbewohner.

Über www.foehr.de landen wir auf www.nieblum-urlaub.de, wo wir die Ferienwohnung am Hochstieg 4 in Nieblum für 2 Wochen im August mieten (Ferienhausvermietung Barella). Unseren Mietvertrag schließen wir schon im März ab. Zwar sind zu dieser Zeit gerade für die Hochsaison schon viele Ferienwohnungen ausgebucht, aber aufgrund des großen Angebots sind sicherlich auch für Kurzentschlossene jederzeit freie Wohnungen zu finden (während unseres Aufenthalts sehen wir so manches Schild mit der Aufschrift "Zimmer frei").

Da wir relativ spät ankommen, haben wir uns mit unserem Vermieter um 19Uhr verabredet. Er überreicht uns die Schlüssel und weist uns, so weit nötig, in die Wohnung ein. Wir füllen nur noch die Kurkarten aus. Damit sind schon alle Formalitäten erledigt. Am Abreisetag sollen wir die Wohnung besenrein verlassen und den Schlüssel einfach in den Briefkasten werfen.

Unser Apartment ist eine im Parterre gelegene Wohnung in einem reetgedeckten Haus mit insgesamt 8 Wohnungen. Die Einzimmerwohnung mit Küche und Bad ist nicht riesig, bietet aber wesentlich mehr Platz als die Wohnung, die wie vor einem Jahr auf Sylt hatten. Für zwei Wochen können wir uns hier gewiss sehr wohl fühlen, zumal wir auch eine Terrasse mit Garten haben. Die Kosten betragen 60€ pro Tag, die Endreinigung ist dabei schon inklusive. Wie üblich, überweisen wir 20% der Gesamtmiete bei Vertragsabschluss, den Rest inklusive der Kurtaxe von 2€ pro Person und Tag 2 Wochen vor Reiseantritt. Bettwäsche und Handtücher haben wir vereinbarungsgemäß dabei. Wer mit weniger Gepäck anreisen möchte, kann diese auch gegen nicht allzu hohe Kosten mieten. Der kombinierte Wohn/Schlafraum verfügt über ein Doppelbett, einen ausreichend großen Kleiderschrank mit jeder Menge Kleiderbügeln, eine Sitzecke mit Fernseher sowie eine Essecke. Ein Telefon, das wir nicht benötigen, und ein Radio sind auch vorhanden. Das Doppelbett ist für unsere Gewohnheiten etwas klein. Für die Terrasse stehen Gartenmöbel und Sonnenschirm zur Verfügung. Die Rasenfläche im Garten steht allen Bewohnern (natürlich auch denen aus dem Obergeschoss ohne direkten Gartenzugang) zur Verfügung, auch wenn eine Eigentümerin unseren Nachbarn etwas anderes weis machen möchte, weil es ihr missfällt, dass Herr und Hund über "ihren" Rasen laufen. Dagegen sind die Hunde unserer Nachbarn bei uns immer sehr willkommen, wovon diese auch gerne Gebrauch machen. Die Küche ist für Selbstversorger gut eingerichtet. Neben Herd und Kühlschrank gibt es auch eine Mikrowelle und reichlich Küchengeräte. Wir benötigen das wenigste davon, da wir hier nicht zu kochen gedenken, sondern uns nur zum Frühstück selbst verpflegen. Aber heimische Schlachter und Fischhändler laden durchaus zur kostengünstigeren Selbstversorgung ein. Insgesamt bietet die Wohnung ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis. Ich würde sie jederzeit wieder nehmen.


LIVING ON AN ISLAND

Was stellt man nun 2 Wochen lang auf Föhr an? Ist diese Zeit für eine kleine Insel womöglich zu lang? Wie wohl man sich auf Föhr fühlt, hängt sicher zum großen Teil auch vom Wetter ab. Doch wer einen Urlaub an der Nordsee verbringen möchte, kalkuliert sicher ein, dass nicht jeden Tag eitel Sonnenschein und Strandwetter herrscht. Aber wie bereits erwähnt, bedeuten für mich Dauertemperaturen um die 40°C mindestens genau so schlechtes Wetter wie Dauerregen. Aber um es vorwegzunehmen, letzteren treffen wir auf Föhr nicht an. Vielleicht haben wir (mal wieder) ausgesprochenes Glück, denn Fernsehbilder, die wir in den Wochen vor unserem Urlaub von der deutschen Küste sahen, zeigten ein ganz anderes Bild, als wir es vorfinden. Während der 2 Wochen unseres Aufenthalts haben wir lediglich in den beiden letzten Tagen etwas durchwachsenes Wetter, wo wir auch mal nass werden, ohne dass es jedoch in Dauerregen ausartet. Vorher erleben wir 12 Tage sehr viel Sonnenschein mit Temperaturen bis zu 30°C, so dass es mir an manchen Tagen schon fast zu heiß ist. Oft ist der Himmel morgens etwas bedeckt, im Laufe des Tages kommt die Sonne meist mehr und mehr durch.

Somit verbringen wir auch so manchen Tag am Strand, ich schätze mal so knapp die Hälfte. Natürlich gibt es überall Strandkörbe zu mieten. Da wir unsere Strandmuschel vom letzten Sylturlaub dabei haben, machen wir davon keinen Gebrauch. Manchmal ist der Aufbau dieses kleinen Zeltes etwas schwierig, denn bisweilen weht auch bei schönem Wetter eine steife Brise. Da zu dieser Jahreszeit sehr viele Familien mit Kindern unterwegs sind, weichen wir gerne an die Ränder der Strände aus, damit herumtobende Kinder nicht laufend über die Befestigungen unserer Strandmuschel laufen und es womöglich einreißen. Damit landen wir meist am Hundestrand. Was hier die Kinder nicht anstellen, übernehmen dann die Hunde. Als mir mal wieder ein Hund fast das Zelt einreißt und ich genervt vor mich hinfluche, werde ich sofort von einer Oberlehrerin zurechtgewiesen, dass es sich hier um einen ausgewiesenen Hundestrand handele, wo ich mit so was rechnen müsse. Solche Leute straft man am besten mit Ignoranz.

Die Wassertemperatur steigt nicht über 18°C. Trotzdem ist die Überwindung bei schönem Wetter nicht groß, in der Nordsee zu baden. Wenn man sie findet. Denn das Wattenmeer ist dem Spiel von Ebbe und Flut sehr stark ausgesetzt. Alle 6 Stunden ist Hoch- bzw. Niedrigwasser, wobei sich die Gezeiten täglich um ca. eine Stunde nach hinten verschieben. Das höchste Hochwasser entsteht bei Neumond, da sich hier die Anziehungskräfte von Sonne und Mond auf das Wasser addieren. Wenn gegen Mittag Niedrigwasser ist, verbringt man einen Tag am Strand, wo man das Meer die meiste Zeit suchen muss. Begeisterte Schwimmer tun sich dann etwas schwer. Generell sind im Hauptort Wyk die Badebedingungen etwas günstiger, da hier das Meer auch bei Ebbe etwas tiefer ist. Andernfalls würde es auch für den Fährverkehr schlecht aussehen.

Das ausgeprägte Spiel der Gezeiten lädt natürlich zu einer Wattwanderung ein. Da das Wasser bei Flut schneller steigt als mancher denkt, sollte man so etwas nur mit einem Wattführer unternehmen. Angeboten werden z.B. Wattwanderungen aufs Festland (aber das kennen wir ja schon) oder auf die Nachbarinsel Amrum. Da sind wir gern dabei. Veranstalter sind entweder die Reederei oder alte Seebären, die privat ihre Ortskenntnisse anbieten. Diese Wattwanderungen, finden auch nicht täglich statt, sondern müssen natürlich mit dem Gezeitenkalender in Einklang gebracht werden. Eine Wanderung von Föhr nach Amrum dauert ca. zweieinhalb Stunden und geht über 8km Watt. Dazu geht man am besten barfuß oder noch besser mit Badeschuhen, denn manchmal geht es auch über Bänke mit scharfkantigen Muscheln und Gestein. Die Wanderung geht von Föhr an der Westküste in der Nähe der Ortschaft Dunsum los und endet am Nordstrand von Amrum. Das ist zwar nicht der kürzeste Weg Luftlinie, doch sind manche Priele zu tief, um sie ohne Schwierigkeiten zu überqueren. Zwar kann man denselben Weg mit dem Führer auch wieder zurückgehen, doch das ist sicher für manche(n) zu viel. So nehmen wir auf Amrum dann den Bus, der uns zum Schiffshafen Wittdün bringt, wo wir mit der Fähre nach Wyk auf Föhr zurückfahren. Man muss nur darauf achten, dass man am späten Nachmittag die letzte Fähre erwischt. Da somit Ausgangspunkt und Endpunkt des Tagesausflugs nicht identisch sind, ist es auch nicht sinnvoll mit dem Auto nach Dunsum zu fahren, denn da müsste man ja abends von Wyk aus wieder hinkommen. Es gibt zwar Busse, aber die Abfahrtzeiten sind nicht so bemessen, dass jede halbe Stunde ein Bus fährt. Wir fahren deshalb bei unserer Wattwanderung mit dem Auto nach Wyk, lassen es am Hafen stehen, fahren dann mit dem Bus nach Dunsum. Auf diese Weise sind wir abends auf der sicheren Seite. So eine Wattwanderung sollte natürlich jeder Nordseeurlauber mal gemacht haben. Sie kostet nur ein paar Euro. Neben dem sicheren Geleit zum Ziel erzählt der Wattführer auch manch Wissenswertes zum Watt und seinen Lebewesen. Mrs. Dice ist mit dem Wattführer zwar nicht ganz zufrieden, weil er nach seiner Gruppe nicht hinreichend Ausschau hält, dennoch versuchen wir ihm stets wie Moses durch die Wüste zu folgen. Verlaufen können wir uns ohnehin nicht. An diesem herrlichen Tag sind ganze Hundertschaften durch das Watt unterwegs.

Wann solche Wattwanderungen stattfinden, entnimmt man am besten einer Broschüre mit dem Titel "Was ist los auf Föhr?" Die kommt einmal pro Monat heraus und ist an Infoständen kostenlos erhältlich. Da unser Vermieter uns gleich ein solches Exemplar aushändigt, stelle ich auch gleich fest, dass am Tage nach unserer Ankunft der Wyker Stadtlauf stattfindet, wo man über 5 und 10km antreten kann. Da Urlaub durch erhöhte Kalorienaufnahme bei mir meist mit Gewichtszunahme endet, entschließe ich mich, dem etwas entgegenzuwirken und über 10km anzutreten. Hätte ich die Broschüre jedoch vor dem Abendessen gelesen, hätte ich vielleicht nicht eine ganze Flasche Wein fast alleine geleert. Dann wäre mein Laufergebnis sicher etwas besser ausgefallen. Nun ja, dabei sein ist alles.

Außerdem erfahren wir aus der Broschüre, dass die Sängerin Katja Ebstein in den nächsten Tagen ein Konzert auf Föhr gibt. Wir sind dabei. Über den Abend mit dieser sympathischen Frau möchte ich in einer eigenen Episode berichten. In der folgenden Woche besuchen wir noch eine öffentliche Abendveranstaltung mit dem Sylter Kabarettisten Manfred Degen. Auch hier werden wir prächtig unterhalten. Degen ist ein bisschen vergleichbar mit Harald Schmidt und plaudert als Alleinunterhalter über Gott und die Welt ("Meine Frau ist jetzt bei den Grünen. Das ist schon OK. Es hätte schlimmer kommen können.")

Der Hauptort Wyk ist auch das Einkaufszentrum der Insel. Hier gibt es viele Geschäfte und Restaurants. Wenngleich hier vergleichsweise viel touristischer Betrieb herrscht, hat Wyk seinen Charme erhalten und wirkt längst nicht so abschreckend wie Westerland auf der berühmten Nachbarinsel. Natürlich gibt es hier auch viele Unterkünfte. Zum Wohnen ziehe ich persönlich eher einen anderen Ort der Insel vor wie z.B. die Ortschaft Nieblum, wo wir wohnen und das nur ca. 4km von Wyk entfernt ist.

Wie eingangs schon erwähnt, benötigt man auf Föhr nicht unbedingt ein Auto. Am besten mietet man sich ein Fahrrad. Wir haben das gleich für 2 Wochen getan und dafür pro Rad knapp 40€ bezahlt. 5 Gänge reichen alle mal, denn große Höhenunterschiede sind auf dieser Insel nicht zu überwinden. Gelegentlich muss man halt etwas gegen den Wind ankämpfen. Für Radfahrer sind insgesamt 5 Rundfahrten mit Längen zwischen 13 und 34km ausgeschildert. So können wir die Insel und das erholsame Klima am besten genießen. Auf diese Weise können wir uns von der Schönheit der kleinen Ortschaften immer wieder überzeugen. Viele Häuser sind Hunderte von Jahren alt, die meisten haben Reetdächer und eines ist schöner als das andere. Dialog eines Ehepaares: "Guck mal, das wunderschöne Haus" (Frau) - "Mich würde mal interessieren, was hier eine Gebäudeversicherung kostet" (Mann). Jedenfalls sind fast alle reetgedeckten Häuser mit Blitzableitern versehen. Unsere Radtouren führen uns auch an vielen Windmühlen, Windkraftanlagen, einer Burg aus der Wikingerzeit (Lembecksburg mit Ringwall) und mehreren Vogelkojen vorbei. Manchmal kommen einem ganze Heerscharen von Radlern entgegen, in abgelegeneren Gegenden kann es schon mal sein, dass man auch mal 15 oder 20 Minuten keiner Menschenseele begegnet. Föhr per Fahrrad ist eigentlich ein Muss. Manch Radler kommt auch mit einem kleinen Anhänger daher, in dem er seine Sprösslinge oder auch Hunde befördert. Dabei ist Föhr eigentlich ein Paradies für Hunde. Sie haben hier viel Auslauf, egal, ob auf dem Feldweg oder am Strand. Wer kein Auto hat und wem der Weg per Fahrrad mal zu weit wird, kann auf verschiedene Buslinien zurückgreifen. Die Fahrpläne sind ausgehängt. Notfalls gibt es auch Taxis. Oder Pferdewägen, in denen man sich durch die Gegend kutschieren lassen kann.

Föhr wirbt für sich selbst mit dem Slogan "Die grüne Insel", die verkehrsberuhigt und ideal zum radeln ist. Dennoch gibt es immer noch viel zu viel Autoverkehr, der aber zum Glück nicht in Raserei ausartet. Vorfahrtsschilder findet man hier relativ selten, so dass meistens rechts vor links gilt, auch wenn man sich auf der vermeintlich breiteren Straße befindet.

Wenn das Wetter doch mal nicht mitspielt, bietet sich ein Besuch des Aquawyk an. Allerdings finde ich den Besuch nicht übermäßig lohnenswert. Mit modernen Badelandschaften hält es nicht stand. Das Schwimmbecken ist sehr klein (25m-Bahnen). Die Wassertemperatur wird mit 29°C angegeben. Die gefühlte Temperatur beträgt 25°C. Nun ja, vielleicht ist um diese Tageszeit der Gehalt an wärmendem Urin noch zu niedrig. Dafür kann man das Wasser aber vielleicht gefahrlos kosten. Es schmeckt salzig. Schwimmen in Bahnen ist fast unmöglich. Weil zu flach und zu voll. Alle 30 Minuten wird die Wellenmaschine angeworfen, angekündigt per Gong, welcher ein lautes Kreischen auslöst, das auch einem Robbie Williams-Konzert alle Ehre machen würde. Im Flachbereich (ca. 2/3 des Beckens) ist kein Stehplatz mehr frei. Im Schwimmbereich lasse ich mich von den Wellen durchschunkeln. Nach 10 Minuten ist wieder Flaute, was immerhin den Vorteil hat, dass sich das Becken um mindestens die Hälfte leert.
Die Rutschbahn ist eine Bahn mit Ladehemmung. Während ich sonst eher frage, wie man bei einer Wasserrutsche den Senioren-Mode einschaltet, ist es hier so, dass ich kaum unten ankomme, weil ich während der "Fahrt" fast stecken bleibe. Die Wasserrutsche führt in einen kleinen Freibereich, wo es ein paar Wassermassageeinrichtungen gibt, die jedoch nur sporadisch für ein paar Minuten eingeschaltet werden. Wen es nicht graust, kann sich mit 20-30 Personen gemeinsam in einen Whirlpool begeben. So was nennt sich Wellness. Die Besucher teilen sich etwa so auf: 80% Kinder, 19% Eltern, 1% Rest. Die Kinder sind meist Marke "Schwimmflügler". Mrs. Dice stellt fest, dass die meisten Mütter fett sind. Viele Väter sind es auch, finde ich. Und wenn nicht, haben sie einen Schnauzbart.

Es gibt Eintrittskarten für eineinhalb, drei Stunden oder den ganzen Tag. Wir nehmen die mittlere Variante (ca. 6€ pro Person), nutzen aber die Zeit nicht voll aus. Denn im Aquawyk wird einfach zu wenig geboten. Und es ist das einzige Hallenbad auf Föhr. Zwar reise ich nicht ans Meer, um in einem Hallenbad zu schwimmen. Doch könnte es ja sein, dass man eine Alternative bei schlechtem Wetter benötigt. Z.B. für quengelnde Kinder.

Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten auf Föhr, die wir nicht nutzen, da ich immer noch nicht Golf spiele und auch dem Reitsport nicht fröne. Aber im Minigolf habe ich natürlich wieder gewonnen. Auch Rundflüge von einem kleinen Flugplatz werden angeboten. Außerdem findet sich sicher das ein oder andere Museum oder so manche Ausstellung von Künstlern, die vor 2 Jahren noch gar nicht wussten, dass sie auch malen können. An einem Wochenende während unseres Aufenthalts findet auch ein Hafenfest mit vielen Ständen statt. Es gibt Musik zur Unterhaltung und sogar einen Triathlon (an dem ich aber nicht teilnehme).

Wer in dieser Gegend ist, sollte auch mal eine Hallig besuchen. Näheres dazu in einem Extra-Report.


WO KRIEGT MAN WAS ZU ESSEN?

Restaurants gibt es auf Föhr in Hülle und Fülle und in jeder Ortschaft. Hier ein kurzer Überblick über die von uns besuchten Gaststätten:

Am ersten Abend landen wir in der "Ole Backstuv" in Nieblum. Überraschenderweise ist dieses Lokal im Vergleich zu anderen nur mäßig besucht. An diesem Abend sind wir sogar die einzigen (späten) Gäste. Mit meinem Essen (mit Schafkäse überbackener Rotbarsch auf Blattspinat mit Bratkartoffeln) bin ich sehr zufrieden. Mrs. Dice hat eine Scholle mit Garnelen und schwärmt heute noch davon. Das Personal ist sehr nett und sympathisch. Nur die Qualität des Weins (Flaschen mit Schraubverschluss) ist der des Essens nicht angemessen. Da für die folgenden Tage ein Abend mit Musik angekündigt wird, kommen wir zu dieser Gelegenheit gerne wieder. Die Band "Fief-op-Platt", eine Familie aus dem Dithmarschen, singt norddeutsche Lieder sowie bekannte Songs, die sozusagen platt gemacht wurden. Auch diesen Abend genießen wir außerordentlich, nicht nur weil die Unterhaltung gut ist, sondern weil die singende Familie auch sehr liebenswert ist.

Ein alteingesessenes Restaurant in Nieblum ist das "Alte Landhaus". Mit Glück ergattern wir bei unserem ersten Besuch den einzigen nicht reservierten Tisch. Hier ist also dringend Reservierung empfohlen. Ich bin mit meinem Essen immer sehr zufrieden (einmal Heringstopf, beim nächsten Mal Lammteller und schließlich Zander in Chili-Mango-Soße). Mrs.Dice erwischt es dagegen meist schlecht. Als sie bei unserem letzten Besuch der Bedienung auf die Frage, ob es gemundet hat, eine ehrliche Antwort gibt, fällt dieser die Kinnlade ziemlich herunter. Die Preise liegen hier etwas über dem Durchschnitt, sind aber dennoch angemessen. Die Freundlichkeit wirkt hier aber eher aufgesetzt.

Sehr beliebt bei den Besuchern ist auch das Nieblumer Lokal "Zum Schlachter". Deshalb ist auch hier eine Reservierung oder rechtzeitiges Erscheinen um 17Uhr30 ratsam. Der Grund für die starke Nachfrage dürfte in den riesigen Portionen zu günstigen Preisen liegen. Aber auch an der Qualität gibt es nichts zu mäkeln. Mehr Familien-Restaurant als Gourmet-Tempel.

In der Ortsmitte befindet sich der Imbiss "Happy Jack". Ein besserer McDonald's, wo man seinen Broiler auch mitnehmen kann. Die Speisekarte ist nicht sehr ausgefeilt. Aber hier bekommt man durchaus einen guten Brathering, eine große Currywurst oder eine Lammbratwurst. Und wer gerne Schnitzel isst, kommt hier mit Sicherheit auf seine Kosten. Die Preise sind entsprechend günstig und das Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend.

Das sind längst nicht alle Lokale in Nieblum. Es gibt mindestens noch 5-6 weitere, aber wir haben nicht alle besucht.

Aber ich habe noch zwei Restaurants in Wyk zu bieten.

Da ist zunächst das bodenständige Lokal "Bi de Pump" mit gutbürgerlicher Küche. Offenbar auch eine Gaststätte für Alteingesessene. Denn hier haben wir stets den Eindruck, dass hier keine Laufkundschaft einkehrt, sondern dass das Lokal sehr gezielt aufgesucht wird. Das Essen ist hier wirklich authentisch mit guter Seemannskost. Die Preise sind sehr moderat und das Personal wirkt sehr einheimisch.

Ein paar Meter weiter in "Die 13" klingt die Speisekarte verlockend und etwas außergewöhnlicher. Wir müssen etwas warten, bis ein Tisch frei wird. Leute, die uns beim Betreten des Restaurants entgegenkommen, schwärmen uns vor, wie "super-lecker" hier doch alles wäre und dass sich das Warten lohnen würde. Unsere Erfahrung ist jedoch eine andere. Bis wir unsere Vorspeisen serviert bekommen, dauert es schon mal eine dreiviertel Stunde. So etwas sehe ich nicht unbedingt als negativen Punkt, denn dahinter kann sich ja eine besonders sorgfältige Zubereitung mit frischen Zutaten verbergen. Meine Vorspeise (Rösti mit Krabben und Lachs) ist auch noch ganz OK. Mrs.Dice und ich haben beide das gleiche Hauptgericht bestellt: eine Lamm-Garnelen-Pfanne. Was sich vielversprechend anhört, entpuppt sich als eine Kasserolle, die mit ungewürzten Zucchini-undTomatenscheiben ausgelegt ist, versehen mit 3-4 Garnelen und 5-6 gebratenen Lammstückchen und zur Geschmacksgebung etwas Schafkäse on top. Das Ganze wird im heißen Ofen gegart, mit dem Ergebnis, dass die aus den Gemüsen austretende Flüssigkeit das Gericht zu einer faden Suppe werden lässt. Die einzigen Gewürze werden vom Kellner kurz vor dem Servieren mittels einer Pfeffermühle schnell darüber gestreut. Die Frage der Bedienung, ob es geschmeckt hätte, versuchen wir diplomatisch zu beantworten. Also Schicki-Micki und nichts dahinter. Dieses Restaurant war eindeutig der Flop unseres Aufenthalts auf Föhr.


SYLT ODER FÖHR?

Nachdem wir letztes Jahr unseren Sommerurlaub nebenan auf Sylt verbracht hatten, stellt sich natürlich die Frage, wo es uns besser gefallen hat.

Sylt war sicherlich sehr schön, vor allem wenn ich an seine Dünenlandschaft denke, in deren unmittelbarer Nähe wir gewohnt hatten. Sylt war einst die Insel der Reichen und Schönen. Wo die sich tummeln, möchte das gemeine Volk auch mal gerne hin, um dabei zu sein. Das veranlasst Reiseveranstalter wie TUI&Co, den Pauschaltourismus auch dort zu etablieren, und Billigflieger wie Air Berlin, die Insel direkt anzufliegen. Längst befürchtet auch die Schickeria, Sylt könnte zu einem deutschen Ballermann verkommen. In Westerland gibt es gewiss erste Anzeichen.

Auch wenn im August natürlich sehr viele Urlauber auf Föhr sind, haben wir nicht das Gefühl, dass die Insel überlaufen wäre. Wir sind zwar bei weitem nicht die einzigen Gäste, aber Massentourismus ist was anderes.

Vergleicht man die Preise zwischen Sylt und Föhr, dürfte das Preisniveau auf Föhr mindestens um 20% unter dem von Sylt liegen. Das gilt sowohl für die Unterkünfte als auch für die Preise in Restaurants. Überhaupt findet man auf Föhr viele preisgünstige Gaststätten, auch wenn es durchaus den einen oder anderen Schicki-Micki-Tempel gibt.

Wer Nightlife sucht, ist allerdings auf Föhr völlig falsch. Das Ortsverzeichnis enthält nicht eine einzige Disco. Somit werden junge Leute, die auf Unterhaltung und Party machen aus sind, sich auf Föhr eher langweilen.

Mrs. Dice und ich sind jedenfalls übereinstimmend der Meinung, dass uns Föhr besser gefallen hat.


FAZIT

Unser Urlaub auf Föhr hat uns außerordentlich gut gefallen. Es war sicher einer der schönsten und erholsamsten der letzten Jahre. Das Wetter hat uns dabei auch keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Kein Wunder, dass die Insel Föhr gerade bei Familien mit Kindern so beliebt ist. Auch Hunde sind hier gern gesehene Gäste, auch wenn diese gebeten werden, die Insel nicht an jeder beliebigen Stelle als Hundeklo zu missbrauchen.

Meine Highlights: die Wattwanderung, der Ausflug zur Hallig Hooge und unsere Radtouren.

Bilder

für Föhr
Mit der WDR nach Föhr
von TumblingDice

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Kommentare

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  • GerhardReus 15.08.2009 16:49
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Pam_und_Schroeder 24.03.2009 16:13
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Mein Mann war beruflich kürzlich auf Föhr. Als Urlaubsinsel würde sie für ihn nicht in Frage kommen, aber das lag wohl eher an dem scheußlichen Wetter.

  • fredbaer 02.02.2009 12:42
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Ein Bericht, besser als ein Reiseführer.

  • anne7539 08.01.2009 16:24
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Und eine weitere Bewertung nachgereicht. Einfach toll beschrieben... LG Anne

  • Snushi_Smusl 27.01.2008 03:56
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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