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Ciao, Firenze! Update 2012

4  12.10.2009 (25.05.2012)

Pro:
Schatztruhe der Renaissancekunst

Kontra:
Tourimassen

Empfehlenswert: Ja 

hubbie

Über sich: Ich hab ja schon vor Jahren übers alte Steirereck geschrieben, lest bei monja43 über das neue Spitze...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 196 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Gewisse Dinge im Leben sollte man wenigstens einmal im Leben gesehen haben, einige wenige aber so oft es geht: dazu gehört für mich die Stadt Florenz.
Warum gerade Florenz?

Weltkulturerbe

Laut UNESCO befinden sich 60% aller Kunstschätze in Italien, davon wieder die Hälfte in Florenz. Neben den Renaissancebauten sind das für mich vor allem die Skulpturen an der Piazza della Signoria und natürlich die beiden Gemälde „La Nascita della Venere“ und „Primavera“ eines gewissen Sandro B.
Anreise über Padua

Zur Einstimmung ins Rinascimento machen wir auf der Anreise in Padua Station, um dort die berühmte Scrovegni Kapelle mit Giottos Fresken, die Antoniusbasilika und den Riesenplatz Prato della Valle quasi mitzunehmen, dadurch kommen wir am nächsten Tag schon zu Mittag in Florenz an. Fast 30 Jahre sind seit unserem ersten Besuch vergangen, aber im Zentrum hat sich zum Glück wenig baulich verändert.

Anreise mit Auto problematisch

Unser Hotel „First of Florence“ - gebucht bei booking.com für € 150 NF - in der Via dei Servi 38 liegt perfekt: mitten in der Altstadt, kaum drei Gehminuten vom Duomo entfernt. Die Anreise gestaltet sich allerdings kompliziert, trotz neuester Navisoftware im Jaguar waren wir im Einbahnsystem durch einen Schilderwald von verschiedenen Fahrbeschränkungen und -verboten leicht überfordert, dennoch können wir letztendlich vor dem Eingang zum Ausladen des Gepäcks mit einer Tafel des Hotels hinter der Windschutzscheibe für 10 Minuten halten, länger würde ich nicht empfehlen das Auto abzustellen, denn Abschleppdienste kreisen permanent in der City, die im Nu von einem Parksheriff angefordert effizient wie kostenintensiv ihre Dienste versehen.
Das Hotel hat aus diesem Grund ein Valetservice in Form eines Hol- und Bringdienstes mit einer nahen Garage vereinbart, das kostet zwar € 30 pro Tag, enthebt einen dafür aller Sorgen, die der fahrbare Untersatz in verwinkelten Innenstädten so mit sich bringt...

Update: bitte unbedingt vorher mit dem Hotel abklären, wie man "ungestraft" anreisen kann, die Videoüberwachung der Altstadt ist lückenlos und die Italiener haben jüngst begonnen, astronomische Strafen (bis zu € 1750!) zu verhängen...

Wohnen wie Louis Quatorze

Die Concierge befindet sich im ersten Stock des Renaissancepalais, man wird von einer multilingualen wie effizient agierenden jungen Frau empfangen, die einen in die Suite Louis XIV begleitet, die nötige technische Unterweisung durchführt, Fragen zum geplanten Besuchsprogramm stellt und nach einem Wunsch für einen angenehmen Aufenthalt entschwebt. Die Suiten des Hauses mit Apartmentcharakter wurden kürzlich renoviert und mit Marmorbädern, bequemem Mobiliar und neuester Technik wie Flachbildschirmen und W-Lan ausgestattet, im Wohnbereich warten ein mit ein paar Delikatessen und Mineralwasser bestückter Kühlschrank, eine Flasche Rotwein aus der Toskana und ein Obstteller - alles free of charge. Wer will kann die gut ausgestattete Küche benützen, aber angesichts unzähliger Lokale in unmittelbarer Umgebung wird das wohl kaum jemand tun. Der Schlafbereich im Stockwerk darüber ist über einen Treppenaufgang zu erreichen und ist ebenso weitläufig und bequem wie das Parterre.
Bilder von Florenz
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Florenz Florenz
"Raub der Sabinerinnen" vor dem Palazzo Vecchio
Effizientes Personal

Der Engel von der Concierge hat in der Zwischenzeit den einzig möglichen Besuchsslot in den Uffizien für den nächsten Tag reserviert und den Zettel mit dem Code diskret unter die Tür geschoben, was uns nicht unwesentliche Anstellzeiten in dem vielbesuchten Museum erspart.
Das Frühstück wird in der dem Hotel gegenüberliegenden Bar eingenommen und ist im Arrangement inkludiert, man präsentiert dem Cameriere einfach den ausgestellten Voucher.

Erste Stadtrunde

Wir machen inzwischen einen ersten Stadtspaziergang, der uns natürlich zum prächtigen Dom Santa Maria del Fiore, dem Meisterwerk der Renaissancearchitektur führt, es ist ein Montag und wegen der vielen geschlossenen Museen immenser Betrieb rund um die Piazza. Eine halbe Stunde müssen wir auf den Eintritt (8 €) zur Kuppel warten, dann geht es anstrengende 426 Stufen hinauf, die sich angesichts der Nähe zu den teils skurrilen Fresken des „Jüngsten Gerichts“ von Vasari und dem herrlichen Blick über die Stadt lohnen. (Von unten könnte man nur mit einem Fernglas Details ausmachen). Die Kuppel selbst ist das unvergleichliche Meisterwerk des Filippo Brunelleschi, der dafür in einer revolutionär freitragenden Konstruktion 4000000 Ziegel verarbeiten liess. Wieder unten angekommen bestaunen wir Giottos Campanile, das Baptisterium und die prächtige, erst im 19. Jahrhundert fertiggestellte Fassade des Doms, die unter anderem auch aus Carraramarmor gefertigt wurde. Das gotische Kirchenschiff aber stellt durch seine bewusste und vom Religionsrevoluzzer und Bilderstürmer Savonarola geforderte Einfachheit und Schmucklosigkeit einen totalen Kontrast zur Pracht von Kuppel und Fassade dar. Vom Domplatz fährt auch ein Bus direkt nach Fiesole, dem Aussichtspunkt im Norden der Stadt mit der berühmten Villa Medici, südlich des Arno fahre man auf die Piazzale Michelangelo, von wo man ebenfalls eine schöne Rundumsicht über Fluss und Stadt hat.
Stärkung mit birra und funghi

Nach dieser geballten Ladung an Kunst ist der Durst nach einem birra a la spina gewaltig, daher fallen wir in eines der vielen Lokale rund um die Piazza ein und entdecken auf dem Nebentisch herrlich duftende Ravioli mit Steinpilzen, welche wir ungeplant ebenfalls ordern und dazu noch eine Pizza quattro stagioni. Das Bier reicht ob der warmen Spätsommertemperatur natürlich nicht und daher müssen noch zwei Glas trockenen San Gimignanos auf den Tisch, damit sind wir um halbvier nachmittags einmal satt und kaufen auf dem Heimweg in einem Laden ein paar Delikatessen wie Parmaschinken, Gorgonzola, Oliven und ein Ciabatta, die wir dann abends zum gratis Gallo Nero Chianti in unserer Suite konsumieren...

David, Ponte und Boboli

Am nächsten Morgen händigen wir dem Ober der Bar gegenüber unseren Prima Colazione Gutschein für diesen Tag aus, dafür bringt er uns zwei riesige Ham & Eggs Portionen, frisch gepressten Orangensaft und danach herrlich schmeckenden Capuccino zu frischen Croissants, ein gelungener Start in einen langen und anstrengenden Besuchstag. Die Piazze Annunziata und San Marco sehen wir zuerst, pilgern an den Besucherschlangen vor der Accademia mit der originalen Davidsstatue Michelangelos vorbei zum Mercato Centrale, über die Piazza della Repubblica zur Ponte Vecchio mit ihren feinen Goldschmiedeläden, über den Arno zum Palazzo Pitti und den Boboligärten. Zurück in die Altstadt geht es wieder über die alte Brücke, die von wild knipsenden Söhnen und Töchtern Nippons geradezu belagert wird, das ändert sich auch nicht an den Uffizien und vor dem Palazzo Vecchio mit den Kopien von „David“ und „Judith und Holofernes“.
Eigentlich herrscht in der angrenzenden Glyptothek der Landsknechthalle mit dem „Raub der Sabinerinnen“ von Giambologna und „Perseus mit dem Medusenhaupt“ von Cellini striktes Fotografierverbot, der Dienst tuende Beamte ist offenbar überfordert und weist nur alle fünf Minuten resignierend auf die entsprechende Hinweistafel.
Basilica Santa Croce

Wir verzichten auf ein Mittagsmahl, denn wir wollen am Nachmittag noch die Basilica Santa Croce und abends eben noch die geballte Kunst der Uffizien sehen, daher bereiten wir uns nach einem Bummel durch die feudalen Einkaufsmeilen mit Läden von Gucci, Prada & Co. rund um die Via dei Calzaiuoli mit einer längeren Siesta darauf vor. Erst um halbfünf spazieren wir mit neuer Energie durchs Studentenviertel am Wohnhaus von Michelangelo vorbei zur Franziskanerkirche Santa Croce, die zwar dem Duomo architektonisch nicht das Wasser reichen kann, dafür beherbergt sie eine Vielzahl von Grabmälern – einige leider in restauro - der berühmtesten Florentiner, darunter Dante, Galilei, Michelangelo und Machiavelli. Darüber hinaus befinden sich hier Meisterwerke der Maler Cimabue, Donatello und natürlich wieder von Giotto di Bondone.

Highlight Uffizien

Pünktlich zum reservierten Termin finden wir uns am speziellen Eingang der Uffizien, wo wir privilegiert das Anstehen um Karten vermeiden und nach kurzem Check die Stufen hinauf zu den Ausstellungssälen wandern dürfen. Die Medici hatten hier am rechten Arnoufer ursprünglich eine Beamtenburg (uffici=Büros) errichtet, erst später brachten sie die im Familienbesitz befindlichen Kunstschätze in den Bogengängen des Obergeschoßes (Gallerie, davon kommt unsere Galerie für eine Gemäldesammlung) unter.

Ein Auszug aus der Liste der Künstler, deren Werke hier ausgestellt sind, verdeutlicht die einzigartige Stellung dieses Urmuseums: Giotto, Piero della Francesca, Fra Angelico, Botticelli, Mantegna, Correggio, Leonardo da Vinci, Raphael, Michelangelo und Caravaggio, daneben Dürer, Holbein, Rembrandt und Rubens.

Darüber hinaus finden sich noch bedeutende Skulpturen aus dem antiken Rom wie die Mediceische Venus aus der Hadriansvilla, das Stockwerk darunter beherbergt eine Sammlung von Zeichnungen und Drucken. Im Museumsshop muss ich später ein paar Miniabbildungen auf Haftmagneten erstehen, daher strahlt mich jetzt jedesmal beim Kühlschranköffnen Botticellis Venus an, sie ist in guter Gesellschaft, neben ihr picken das Melkmeisje von Vermeer und ein Sternenhimmel von Van Gogh, leckere Mädels von Leonardo da Vinci, Schiele und Modigliani behübschen ebenfalls die sonst so spartanische Weissware...

Wie eingangs angedeutet hole ich mir meine eindrucksvollsten Impressionen in den Sälen 10-14, in denen sich die wohl bedeutendsten und schönsten Gemälde von Sandro Botticelli befinden, die“Geburt der Venus“ und der „Frühling“.

Im Grunde ist die Bezeichnung „Geburt der Venus“ unrichtig, denn es wird nach Versen Homers - („Aphrodite die schöne, die züchtige will ich besingen ... die der meerumflossenen Kypros Zinnen beherrscht, wohin sie des Zephyros schwellender Windhauch sanft hintrug auf der Woge des vielaufrauschenden Meeres im weichflockigen Schaum... und die Horen nahmen mit Freuden sie auf.“ ) - die vom Westwind Zephyr in einer Muschel an die Gestade Zyperns getriebene Göttin als nackte, aber schamhaft ätherische Schönheit mit wallendem roten Haar porträtiert.

Das Einzige, was diesmal stört, sind Lichtreflexe durch das Kunstlicht am oberen Rand, daher ist es wohl besser, das Bild bei Tageslicht zu betrachten.
Im Gegensatz zur nackten Venus zeigt Botticelli, diesmal von einem Gedicht Ovids über Zephyrs Raub einer Nymphe inspiriert, im „Frühling“ eine bekleidete, vom erwähnten Paar, von Amor, den drei Grazien und Merkur umgeben. Die Symbolik des Werks hat über die Jahrhunderte verschiedenste Kunsthistoriker entzweit, die für mich stimmigste ist die Deutung als Glorifizierung erotischer Liebe.

Vor dem Verlassen der Gallerie überrascht uns ein Livekonzert eines Streichquartetts im Quergang der Uffizien mit herrlichem Blick auf Ponte Vecchio und Arnoufer, entzückt lauschen wir Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, bevor wir uns auf der Piazza des lauen Abends wegen im Freien vor einer Trattoria zum Abendessen niederlassen, ich bin wie immer skeptisch bei Lokalen an touristischen Zentren, wir werden aber auch wie tags zuvor an der Piazza del Duomo nicht enttäuscht und bekommen Anständiges und nicht zu Hochpreisiges serviert: Tagliatelle con funghi porcini, Saltimbocca und Branzino schmecken exzellent, der vom Kellner empfohlene Montepulciano umrahmt diese Speisenfolge perfekt, daher finden wir die dafür verlangten € 70 inklusive Pane & Coperto und Trinkgeld in Ordnung. Wir wandern langsam durch die nächtlichen Gassen zurück zum Quartier und wissen, dass bis zum nächsten Besuch dieses Juwels einer Stadt nicht wieder Dezennien verstreichen werden...

Umgebung

Am nächsten Morgen steht unser Auto pünktlich vor der Tür und wir verlassen die toskanische Metropole Richtung Süden, besuchen noch etruskische Grabungen bei Piombino und schippern abends von Civitavecchia aus auf der Riesenfähre der Grimaldi Lines ins Winterexil nach Spanien...

Natürlich bietet Florenz wesentlich mehr als ich hier angeführt habe, dafür reichen zwei Tage aber nicht, vier würde ich als Minimum veranschlagen und wenn man etwas mehr von der umliegenden Toskana sehen will liegen noch Lucca, Pisa, Siena, San Gimignano und das Chiantigebiet im Nahbereich, dafür wird dann wohl eine Woche zu kurz sein.

Tipps

Man sollte auch nicht den Fehler begehen, an Spitzenzeiten wie um Ostern, Pfingsten oder im Hochsommer ungestört seinen Besichtigungen nachgehen zu wollen, es ist dann so voll und überlaufen, dass einem der Stress dabei in unangenehmer Erinnerung bleiben wird. Empfehlenswert sind daher die Monate Mai, Juni, sowie September und Oktober.

Wer nicht mit dem Auto anreisen will kann das per Bus oder Bahn tun, der lokale Flughafen Amerigo Vespucci am nordwestlichen Stadtrand wird u. a. von Lufthansa, Austrian, Swiss und Alitalia angeflogen, per Bus kommt man dann alle halben Stunden zum Bahnhof ins Zentrum, ein Taxi braucht dafür 15 Minuten und kostet zwischen € 20-23.

Bezüglich der Museumsbesuche habe ich schon auf die online Reservierungsmöglichkeit hingewiesen (www.polomuseale.firenze.it), oder man lässt die Concierge für sich telefonisch agieren. Freien Eintritt in die sieben wichtigsten Museen gibt es für bis 18-jährige und über 65-jährige EU-Bürger, daneben auch für Wissenschafter, Kunststudenten bzw. Schulklassen in Lehrerbegleitung.

Einen Reiseführer der besonderen Art stellt der folgende Artikel des Magazins „Fokus“ dar:

http://www.focus.de/reisen/reisefuehrer/italien/tid-7107/48-stunden-in-florenz_aid_69740.html

„Arrivederci, Firenze!“

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
masterlanguages

masterlanguages

30.04.2014 19:57

Florenz, immer eine Reise wert. SH und LG Claudete

whitebird1

whitebird1

02.12.2013 09:49

Ein wunderbarer Bericht

Cybermike1202

Cybermike1202

01.06.2013 12:54

BH. In Florenz war ich auch mal vor ein paar Jahren. Es war eine Kurzreise in die Toskana, über 5 Tage. In der kurzen Zeit habe ich einiges gesehen, San Gimignano, Carrara, Pisa, auch Florenz. Aber eben nur "oberflächlich". Schön wrs aber trotzdem.

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