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Fertig, Köln

Erfahrungsbericht

für Fertig, Köln
4 Sterne Irgendwann leider „Fertig“
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Pro Nett, gut, günstig und überraschend...

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jens_01 Seit 26 Apr 2000

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Köln. Südstadt. Es war mal wieder einer dieser Abende. Der Tag vorbei, die Nacht jung. Für 23.00 Uhr hatte sich im O’Ryans (kleiner und recht geheimer Jazz-Club in der Südstadt – Bericht folgt) eine isländische Jazz-Combo mit ganz hervorragenden Kritiken angekündigt. Wir fuhren „Inner City“, sprich Neumarkt Richtung Südstadt so gegen 18.00 Uhr, also sehr zeitig. Bis zum Start der Combo waren noch 5 Stunden zu überbrücken, also was tun? Essen ist gut und eigentlich immer. Die KVB Linie 12 läßt uns am Chlodwigplatz an der Severinstorburg raus. Dort, wo „de Zooch“, also Kölns Rosenmontagszugs Jahr für Jahr sein „Aus“ zelebriert, starten wir auf der Bonner Straße Richtung Südstadt. Wir schlendern so die Bonner entlang und ich sag’ noch „schau mal, was hat „foie gras - frisch“ auf dem Brauhaus-Steller dort an der Tür zu suchen?

Fertig.

Der Reiz war groß, denn „foie gras - frisch“ auf eben diesem Brauhaus-Schild verleitet den Leckerschmecker einfach zu Recherchen und daraus resultierenden Selbstversuchen. Man stelle sich einen dieser typischen und recht vergammelten, mit Schiefer-Imitat gefakten Wirtshausstellern vor einer ebensolchen, ein wenig Kölsch-Brauhaus-anmutenden Lokalität vor. Das muss untersucht werden, vor allem, wenn da „frisch“ steht.

Gesagt, getan. Wir stehen im „Fertig“.


1. Genügend Platz und doch kein freier?
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Nach Überwindung des Brauhaus-typischen und ein wenig vergammelten Windfangs im Eingangsbereich stehen wir in einem netten, einfachen, optisch rustikalen, im Detail verliebten und unglaublich sauberen Restaurant. Alles, was man eben nicht erwartet, trifft hier zu. Weder Brauhaus, noch Kölschkneipe, sondern eine kölsch-mediterrane Atmosphäre mit sehr sympathischen Eindruck.

Nach der Verarbeitung unserer Überraschung stehen wir in einem verwinkelten Raum mit ausschließlich leeren Tischen. Die Dame hinter der Theke verwickelt uns sehr zügig und freundlich in ein unverfängliches Gespräch über das Wetter da draussen, wie zuverlässig die KVB eigentlich ist und den EXPRESS von gestern. Nach einigen Minuten und viel Input erfahren wir, das alle Tische mehrfach geblockt sind und ohne Reservierung in den nächsten Tagen eigentlich gar nichts geht.

Der Kölner an sich ist nett, ein wenig eigen, aber durchaus verbindlich und herzlich. Meine unglaubliche Geschichte über strapaziöse Fahrten mit der KVB von A über F nach G und dem überraschenden Ende an Y, sowie die 5 zu überbrückenden Stunden haben anscheinend überzeugt. Kurzerhand wurde aus einem Sechser- ein Vierer- und unser Zweier-Tisch gemacht und wir saßen.


2. Crémant was?
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Die Redseligkeit unserer „Kontaktperson“ steigerte sich recht schnell und so folgte im Schnelldurchlauf die Story des Hauses, des Kochs und der vielen Gründe für die all-abendlichen Auslastung des Hauses. Warum die Champagner (und es waren einige große Namen dabei) auf der Getränkekarte gegen den „dritten Crémant von unten“ nur lasche Tröpfchen sind, mussten wir dann einfach selber testen. Der Apéritif war eine ganz vorzügliche Wahl. Unser Crémant (*Bezeichnung für eine besondere Champagner-Sorte, hergestellt nach der ‚Méthode Champenoise’, jedoch aufgrund der nicht klassifizierten Anbaugebiete dazu degradiert, die Klassifizierung ‚Champagner’ nicht zu tragen) war ein Grand Cru der Domain La Mirelle X im Alsace, angenehm trocken und mit wunderbarer Perle versehen. Zu einem Preis von 6,50 EUR das Glas verdammt gut und im Verhältnis sehr angemessen.


3. Huhn killt Loup...
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Die Karte an sich ist nicht umfangreich, aber sehr durchdacht. Kleine Leckereien zu Beginn, welche sich dann im nachhinein als eher groß darstellten, werden ergänzt durch Fisch, Fleisch und vegetarischen Köstlichkeiten im Hauptgang. Abgerundet durch Käse und süße Versuchungen – alles in allem eine runde und ausgewogene Karte.

Eine ‚frische’ Foie Gras konnte mich als Vorspeise dann doch nicht so begeistern wie die „Boudin“, die französische Antwort auf „Himmel-un-Äad“. Getrüffeltes Bresse Huhn killt Loup de Mer und geschmorten Kaninchenrücken in Parmesanschaum. Die obligatorische Cremé Bruleé verliert dann letztendlich gegen Karamellisierte Mirabellen mit einem Schaum aus gepfefferter Sahne und wird durch die Auswahl an Rohmilch-Käse perfekt abgerundet.

Die „Boudin“, vier gestapelte Stücke gebratener Blutwurst, ummantelt mit leichtem, crossen Brickteig waren ein Gedicht können kölschem „Himmel-un-Äad“ absolut die Stirn bieten. Gebettet auf frischen Kartoffel-Sellerie-Pürree und mit einigen Stückchen glasierter Chalotten war die „Boudin“ als Vorspeise ein wenig überdimensioniert aber ihren Preis von 11,00 EUR unbedingt wert. Ein Muscat aus dem Alsace hat den Genuss dann vollendet. Das Bresse-Huhn auf einem Bett von Kaiserschoten und Reis war in Ordnung, doch ein wenig zu viel Honig am Huhn sowie meine geteilte Meinung zu Reis erfordert hier einen kleinen Punktabzug. 13,00 EUR waren auch hier durchaus angemessen. Begeistern konnte ich mich absolut für die karamellisierten Mirabellen, welche im Wechselspiel mit dem gepfefferten Sahne-Schaum ein geschmackliches Feuerwerk lieferten – für faire 8,00 EUR. Zum Abschluss die Variation vom Rohmilchkäse, mit fünf Sorten gut vertreten, ist mit 8,00 EUR und warmen Scheiben Brioche (*ein wenig süßliches Brot aus Hefeteig gebacken) und gesalzener Butter ein perfekter Abschluss.


4. Wein muss sein
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Ohne Wein kann nicht sein, deshalb auch hier ein Blick in die Weinkarte. Die Auswahl ist übersichtlich, allerdings recht gut. Die wichtigen Regionen im Bordeaux werden ebenso berücksichtigt wie nie gehörte Appelationen der Provence oder spekulative Chateaux im Burgund. Ein wunderbarer Talbot 1990 begleitete uns vom Bresse-Huhn bis zum Käse.


5. Wie war’s?
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Lassen wir den Wein mal aussen vor, haben wir 40,00 EUR pro Person bezahlt und die sehr gerne. Die Portionen waren großzügig bemessen, so dass während dem Hauptgang schön erste Völlegefühle zum Vorschein kamen. Trotz voll besetztem Restaurant etwa eine Stunde später, hat sich Madame nach wie vor perfekt um uns gekümmert und kontinuierlich Brot, Butter und Wasser nachgereicht.

Der Abend endete dann in entspannter Geselligkeit so gegen 3.00 Uhr, ohne eigentlich geplanten Jazz aber mit sehr viel Wein, neuen Eindrücken und unglaublich spannenden Menschen.

Das einzig Bedauerliche: Irgendwann ist alles eben „Fertig“

Ich wünsche sehr viel Spaß :-)Restaurant Fertig
Ingo Fertig
Bonner Straße 26
50677 Köln
(0221) 8017340

Küche: Mo-So 12.00-15.00, 18.00-23.00

Reservierung empfohlen, EC, Eurocard

KVB (Kölner Verkehrs Betriebe) u.a. Linie 12 bis Chlodwigplatz, dann Bonner Straße ca. 200 Meter, rechte Seite am kleinen Platz

PS. Flirtfaktor & Happy-Hour muss hier angeklickt werden :-)

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Kommentare

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  • seacat 25.02.2005 22:48
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Heiwing 25.02.2005 11:19
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • The-Wishmaster 31.12.2004 00:39
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • DottiGross 22.12.2004 18:37
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • zeberus 05.12.2004 19:57
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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