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Pro viele gutgelaunte Menschen, viel Musik und Tanz, viel Kultur
Kontra drei Tage sind anstrengend
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Das die Spanier gern tanzen, singen und feiern ist wohl allgemein bekannt. Sie lassen ja auch keine Gelegenheit aus. Es gibt aber ein Fest, darauf freuen sie sich das ganze Jahr. Es ist eigentlich ein religiöses Fest, doch gefeiert wird Tage lang mit viel Musik und Festzelten. Es ist die Feria.
Jede Stadt in Andalusien feiert dieses Fest an einem anderen Wochenende. So kann man eigentlich von April bis September jedes Wochenende irgendwo mitfeiern. Da ich dieses Fest über 10 Jahre in Nuevo Castellar miterlebt habe, möchte ich heute mal versuchen, etwas von dieser Stimmung rüber zu bringen.Und auch die Zeremonien zu erklären.Jedes Dorf und jede Stadt feiert auf seine Art. In Sevilla ist das Fest riesig und dauert 10 Tage. Doch einiges haben sie alle gemeinsam. Sie ehren ihren kirchlichen Patron, sie danken und beten für Regen, eine gute Ernte und den Schutz Gottes. Ich schreibe über das Fest in einem kleinen Dorf. So wie es hier verläuft, wird es in den meisten Dörfern gefeiert.
.Am Donnerstag geht es dann los. Zurückgelassen wird ein kleines Dorf in dem nichts mehr geöffnet ist. Die 3 Kneipen sind geschlossen und auch das kleine Lädchen schließt seine Tür. Zurück bleiben einige der Alten und Ansässige, aus anderen Ländern. Das Dorf wirkt fast wie ausgestorben.
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Am ersten Abend
wird einfach nur gefeiert. Aber mit Würde. Jeder Bewohner trägt seine schönsten Kleider. Die Bauern tragen saubere Hosen, Hemden und ihre besten Schuhe. Die Frauen sind hübsch frisiert, tragen ihren schönsten Schmuck und ihr bestes Kleid. So schlendert man die Straße auf und ab. In jedes Zelt wird hineingeschaut und ein Bier oder ein Sekt getrunken. Gegen Abend wird dann auch gegessen. Dabei ist es fast Pflicht einmal auch ins offene Zelt des Marokkaners (der jedes Jahr vor Ort ist) einzukehren und einen Lammspieß oder ein Couscous zu essen. In einem anderen Zelt gibt es zum Beispiel die besten Brathähnchen die ich je gegessen habe. Irgendwann wird dann getanzt. Für die Jugend ist ein großes Discozelt, das immer fast überfüllt ist. Traditioneller geht es in den anderen Zelten ab. Viel Flamenco Musik ist zu hören und kaum ein Spanier tanzt nicht mindestens einen Tanz.
Der Sonntag
ist der Heilige Tag. Die Spanier sind sehr gläubige Katholiken und jedes Dorf hat seinen eigenen Schutzpatron. Geehrt wird an diesem Tag Cristo de La Almoraima. Am ersten Sonntag im Mai verlässt der Cristus den Altar der Kirche und marschiert durch die Straßen von Castellar. Nach einem Gottesdienst wird die Figur des Cristus am Kreuz von auserwählten Bürgern durch das Dorf getragen. Die Bürger folgen ihnen oder erwarten in auf den Bürgersteigen. Hinter den Trägern folgen kleine geschmückte Wagen, die von Traktoren gezogen werden. Häufig sitzen Kinder in den Wagen, die Spaß daran haben Bonbons, Eicheln und Nüsse in die Menschenmenge zu werfen.
Nachdem der Cristus die Kirche wieder erreicht hat wird nach einer Pause das schönste Pferd gekürt. Hierbei geht es aber nicht nur ums Aussehen, sondern auch um ihre Kunststücke, die sie eingeübt haben. Erwischt man einen guten Platz kann man die Verbeugungen, die rhythmischen Schrittfolgen und andere Kommandofolgen wunderbar beobachten. Aber auch die Reiter sind herrlich anzuschauen. Ihre stolze Haltung, ihre Tracht und ihre Konzentrationen sind schon einmalig.
Der Nachmittag wird dann noch mal mit einem Besuch der Festmeile gestaltet. Doch am frühen Abend kehrt dann doch so langsam Ruhe ein. Ein paar Touristen und feierfreudige Spanier wagen noch mal einen Tanz, doch ab 10°° Uhr gehen so langsam die Lichter aus.
Viel Spaß haben natürlich die Kinder. Nicht nur weil sie bis tief in die Nacht aufbleiben dürfen, sondern weil sie ganz selten die Möglichkeit haben Karussell zu fahren oder Lose an einer Bude zu ziehen. Da die Spanier ihre Kinder sehr verwöhnen, sieht man die Kleinen mit Bergen an Gewinnen rumlaufen. Das Eis, die Zuckerwatte, die Crepes und andere Süßigkeiten, die ihnen fast fremd sind, ist für sie ein Geschenk aus dem Schlaraffenland.
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So kam es, dass mir ein Schlafsack in die Hand gedrückt wurde und die Frauen meinen Kleiderschrank plünderten. In meine kleine Reistasche wurden Socken, Jeans, warmer Pullover, ein Rock, 2 T-Shirts, mein schönes Kleid. Schuhe und Wäsche gepackt. Meinen Kulturbeutel durfte ich selbst packen. Dann ging es los. Die 8 Kilometer bergab saß ich eingequetscht zwischen singenden Frauen, die strahlten, als würden sie zu ihrer eigenen Hochzeit fahren.
Auf der Wiese wurden wir schon von den Männern erwartet. Sie hatten Zelte aufgebaut und die Autos zu Betten verwandelt. Campingstühle und Tische standen in der Nähe des Grills und Musik trällerte aus dem Radio. Dann wurden die Männer weggeschickt. Nun war es an der Zeit, dass wir Frauen uns schön machen. Das war herrlich. Irgendwer zupfte immer an mir herum. Meine Haare wurden kunstvoll hochgesteckt, meine Fingernägel lackiert, Lippenstift aufgetragen. Die Haut wurde eingeölt und ein sehr starkes Parfüm umnebelte mich. Ich habe mich kaum wieder erkannt. Aber auch alle anderen Frauen sahen ganz anders aus. Sonst kannte ich sie in Kitteln, Gummistiefeln, Hosen und häufig mit Kopftüchern. Nun standen lauter Ladies vor mir.So zurechtgemacht durften nun die Männer uns zum Fest führen. Da mein Spanisch nicht besonders gut war, habe ich wenig verstanden, aber ich war mitten drin. Nachdem wir jeden gegrüßt hatten und jeder jeden bewundert hatte, wurde gefeiert. Bis in den frühen Morgen haben wir gegessen, getrunken, getanzt und sind Karussell gefahren. Völlig erschöpft bin ich tatsächlich auf meiner Matte eingeschlafen.
Doch die Ruhe hielt nicht lange. Früh wurde ich von den Kindern geweckt. Am Brunnen konnten wir uns frisch machen, um dann auf der Wiese zu frühstücken. Danach habe ich mir auf dem Liegestuhl erstmal eine Auszeit genommen um dann die Kürung des schönsten Kleides mit zu erleben. Selten habe ich so wunderschöne Menschen gesehen. Wenn sie dann noch einen Tanz (Bolero) auf die Bühne gelegt haben, war das für mich wie eine farbenfrohe, rassige Show.Der Sonntag, der mit dem Gang zur Kirche begann war schon etwas Besonderes. Ich habe kaum etwas von der Predig, die über Lautsprecher auch vor der Kirche zu verfolgen war, verstanden. Doch als die Figur des Cristus aus der Kirche getragen wurde, war auch mir ganz feierlich zu mute. Der Gang durch das Dorf war sehr beeindruckend. So stelle ich mir das Ende einer Pilgerfahrt vor. Aus allen Häusern und Straßen strömten immer mehr Menschen. Einige kamen auch aus anderen Dörfern. Jeder wollte einen Blick und einen Gruß auf die Figur werfen. Was mich aber sehr wunderte, war die Fröhlichkeit dabei. Die Menschen lachten, sangen und winkten sich, den Träger und den Wagen zu. Es war sehr lebensbejahend.
Erstaunt haben mich die vielen Pferde. Ich hatte zwar schon einige auf den „Weiden“ gesehen, doch das waren nicht diese edlen Rosse. Diese brauchen nicht arbeiten. Sie dienen nur für diesen Tag. Den Rest des Jahres werden sie trainiert, gepflegt und umsorgt. Ich weiß nur nicht wo. Aber egal, mit ihrer Aufführung haben sie das kirchliche Fest ehrenvoll beendet..
Die größte Feria wird in Sevilla gefeiert. Das ist aber ein wahnsinniger Volksauflauf. Doch egal in welchem Ort man dieses Fest feiert, es ist ein Besuch wert. Die Fröhlichkeit ist ansteckend. Aber wenn man genau hinschaut entdeckt man auch den Stolz der Andalusier. Egal ob jung oder alt, sie sehen alle wunderschön in ihren Sonntagskleidern, ihren Trachten und auf ihren Pferden aus.
Erstaunt wird man wahrscheinlich beim ersten Mal sein, wenn man nachts noch die Kinder auf den Karussells, in den Zelten oder auch in der Disco sieht. Hier feiert einfach jeder mit, der laufen kann oder geschoben wird.Wer die Möglichkeit hat, eines der Feste zu besuchen, sollte dieses unbedingt machen. Dafür bietet sich der Mai/Juni an. In dieser Zeit findet man zwischen Sevilla und Malaga jedes Wochenende irgendwo eine Stadt oder Dorf, dass seine Feria feiert.
Zu den Fotos
Ich habe nur Fotos vom Sonntag, der Ehrung Cristus eingesetzt. Auf den anderen Fotos sind immer Bekannte, die ich nicht so einfach um Erlaubnis der Veröffentlichung fragen kann. Im Internet aber findet man tolle Bilder von der riesigen Feria in Sevilla. Dagegen ist diese wirklich ein Dorffest. Aber ein schönes.
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Dana16w 23.02.2012 20:07
miss_chocolate 28.01.2012 10:15
schotterkoenig 18.12.2011 13:20
Janny18 10.11.2011 05:48
medea1978 10.10.2011 14:45