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Pro Sahnig-cremiges, frisches Eis aus Naturprodukten, viele Sorten und Spezialitäten
Kontra Preis, überlaufen, kitschiger Eispalast, keine Angaben über die Herkunft der Eis-Zutaten
Detailbewertung
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„Davon könnte ich mich ernähren – nur von diesem Eis“, schwärmt das blonde Mädchen mit dem Eisbecher zu seiner Freundin, die ebenfalls einen dieser rot-weiß-blauen Eisbecher in der Hand hält, die hier geradezu das Stadtbild bestimmen. Der Park am Reumannplatz scheint längst zu einer Art erweitertem Gastgarten des Eissalons Tichy geworden zu sein. Alt und Jung, In- und Ausländer sieht man hier friedlich vereint auf Parkbänken sitzen und – hingebungsvoll Eis essen …
Mit dieser Eigenkreation wurde Kurt Tichy auch Ende der sechziger Jahre berühmt. Der legendäre Eisbaron war gelernter Konditor und fuhr mit einem mobilen Eiswagen – auf einem dreirädrigen Fahrrad montiert – durch die Gartensiedlungen von Wien-Simmering und Favoriten, wo er Eis verkaufte. Wer jetzt glaubt, ich hätte diese „Weisheiten“ aus dem Internet, irrt. Dort sind sie zwar auch zu finden. Doch ein guter Freund von mir war damals ein kleines Kind und hat den Aufstieg des Eisbarons live miterlebt – vom „Eiswagerl“ an, das seine Urlaube im großelterlichen Schrebergarten am Laaerberg in Wien 10 oft versüßt hat. Dieser Freund hat mir auch erzählt, dass „der Tichy“ sich später, als er schon seinen eigenen kleinen Eissalon am Reumannplatz hatte, als erster Wiener begonnen hatte, dieses spezielle sahnig-cremige Eis zu erzeugen, das in den USA so populär ist, wo man das Eis ja auch Icecream nennt. Angeblich war er sogar in den USA, um dort dem Geheimnis des Creme-Eises auf die Spur zu kommen. Darüber hab ich allerdings nichts im Internet gelesen. Vielleicht handelt es sich daher auch nur um eine Favoritner Legende. Fact ist, dass das Tichy-Eis – als erstes in Wien – der Icecream, wie man sie in den USA bevorzugt, nahe kam und kommt. Eis war damals in Wien meist eher von der wässrigen Sorte. Bei Tichy war es supersoft und mollig-cremig. Selbst die Fruchteissorten, die ansonsten immer eher etwas wässrig sind, waren dort sahnig und weich und verwöhnten die WienerInnen mit einem relativ neuen Eisgeschmack, der ihnen durchaus mundete.
Tichy war und blieb immer sehr findig und innovativ. Mit seiner Idee der „Eismarillenknödel“ gelang ihm der endgültige Durchbruch zum Eisbaron von Wien. Ich glaube, es gibt kaum autochthone WienerInnen, denen diese Spezialität aus Vanilleoberscreme, Marillen und gerösteten Haselnüssen kein Begriff ist. Teilweise werden die Tichy Eismarillenknödel auch in der gehobenen Gastronomie angeboten. Eis in Form anderer Speisen – etwa Spaghetti - zu servieren, war damals noch eine recht ungewöhnliche Idee. Heute erhält man eine Portion, bestehend aus drei dieser leckeren Knödel um € 5,70 im Eissalon.Eine Zeitlang überraschte der kreative Konditormeister jährlich mit einer neuen Innovation – süße Eisbusserln etwa, duftige Schneebällen oder vanillige Himbeereisknödeln. Alle sind heute noch vernaschbar.
Nun ja, von wegen wenige Sorten – bei unserem letzten Besuch beim Tichy, der vor wenigen Tagen stattfand, wurden immerhin an die 15 Sorten angeboten. Da findet jeder etwas, das ihm zusagt.
Nähert man sich an einem sonnigen Sommertag „dem Tichy“, trifft man schon im Umkreis von vielleicht 200 Metern überall auf Eis schleckende Menschen jeder Altersgruppe. Oft bilden sich auch mehr der minder geduldig wartende Menschenschlangen vor der Theke des Lokals, wo man sich einen Eisbecher „über die Gasse“ oder eine Tüte Eis in verschiedenen Größen holen kann.Das Motto des Unternehmens „Weil Eis nicht Eis ist“, bringt es auf den Punkt: Für dieses Eis nimmt man eine (U-Bahn)Fahrt zum Reumannplatz in Kauf oder auch die kleine Schlange vor der Theke … Und vom Stephansplatz ist es wirklich nur ein paar Minuten Fahrzeit mit der Linie U1 zum Reumannplatz.
Wir mögen es zwar auch geschmackvoll und schlank, aber nicht ganz so fanatisch. Daher bestellen wir bei der rot-weiß-rot gestreiften Serviererin zwei kleine „Eis im Lokal“ (je 3,60 Euro), nachdem wir dort noch einen letzten freien Tisch gefunden haben. Die Eissorten können wir beliebig wählen.
„Welche gibt’s denn?“
Unsere Serviererin deutet auf eine beleuchtete Glastafel im Salon. Ich such mir Mango, Pistazie und Joghurt-Himbeere aus. Die Serviererin hat für jede Sorte einen Lasercode auf einer Karte bei sich, den sie mit einem Lesegerät erfasst. Praktisch und sicher. Da kann wohl nichts mehr schief gehen. Obwohl viel Personal herumschwirrt, haben die MitarbeiterInnen – es sind eigentlich nur Frauen, die servieren -, alle Hände voll zu tun, Bestellungen aufzunehmen, zu kassieren und neue Eisköstlichkeiten auszutragen.
Für Kinder gibt’s einige appetitlich aussehende Coups für je 2,80 Euro – selbst das ansonsten eher stiefmütterlich gestaltete Diabetiker-Eis sieht hier noch einigermaßen nett aus. An Getränken finden sich nur ein paar Kaffee-Spezialitäten, Fanta, Cola, Almdudler und Sodawasser. Aber es kommt sicher kaum einer zum Tichy, nur um hier ein Cola zu trinken.
Außerdem werden 12 Eistorten angeboten – darunter eine aus verschiedenen geschnittenen Tortenstücke zusammengesetzte. Ich hab eine davon einmal bei einer Geburtstagsparty meinen Gästen serviert und natürlich auch selber gegessen. Mein Cousin fuhr damals extra mit seinem Jaguar zum Tichy, um so eine herrliche Eistorte zu holen und - dank Jaguar - kam sie auch völlig „unzergangen“ bei mir daheim an, glücklicherweise sogar ohne Strafzettel … Diese Eistorte fand bei allen sehr viel Anklang – an einem heißen Tag schmeckt so ein kühler Genuss eben einfach besser als eine „normale“ Schoko- oder Nusstorte.Bei Tichy werden immer interessante neue Eiskreationen angeboten – derzeit sind etwa „Royales Geheimnis“ (€ 4,10) „Kanadischer Herbst“ (€ 4,50) und „Wiesenfest“ (€ 4,30) Newcomer auf der Eiskarte. Was sich dahinter verbirgt, blieb uns allerdings ein Geheimnis – Abbildungen gibt’s leider keine und wir haben diese großen Coups nicht bestellt.
Apropos groß – unsere Eisportion war für ein „kleines Eis im Lokal“ aus drei Sorten eigentlich sehr groß. Meinen Eisappetit hat sie voll und ganz gestillt.Auf jedem Tisch stehen übrigens Waffeln und Hohlhippen, die man sich zum Eis (gegen Aufzahlung) genehmigen kann. So ein „Eis im Lokal“ kann man auch mit Schlagobers und/oder Schokosauce bestellen.
Während die meisten Eissalons ihre italienische Herkunft betonen, besinnt sich „der Tichy“ auf seine österreichischen Wurzeln und so gibt’s eben – sicher auch touristenwirksame - Coups, die nach Robert Stolz und Johann Strauss benannt sind, den bereits erwähnten Coup Ostarrichi und die Sacher Eistorte. Alles ist hübsch garniert – dem Motto entsprechend. Also etwa mit einem Marzipan-Konterfei des Walzerkönigs. Der Coup Johann Strauss – aus blauem Ascino-Eis (keine Ahnung, was das ist), Mandarinenspalten in Likör, Schlagobers und Waffeln - sieht auf der Abbildung recht ansprechend aus. Er ist sogar noch mit einem Notenschlüssel aus Schokolade verziert.Ansonsten gibt’s natürlich Frapees (€ 3,30), Cassata, Coups für zwei, Weißweineis und Rotweineis. Sehr lecker schaut die Omelette Surprise für zwei aus – eine riesige Portion mit hoch aufgetürmter Baisermasse, Biskuit und Kompottfrüchten. Da diese Spezialität überbacken wird, beträgt die Wartezeit darauf 15 Minuten. Ich hab das Ding an einem Nebentisch gesehen – es hat mich vom Aussehen her an Salzburger Nockerl erinnert.
Dieser Eissalon hat allerdings nur im Sommer geöffnet. Am letzten Öffnungstag wurden traditionell immer kleine Portionen Eis in Tüten verschenkt. Ob das heute noch der Fall ist, weiß ich nicht.
Früher hat es auch ein Glas Wasser zum Eis gegeben – von dieser schönen Sitte ist man leider auch abgekommen.
Die Toiletten sind dafür sehr sauber und ordentlich, wie ich es auch nicht anders erwartet hätte, hier.
Mit seiner "Nostalgie"-Linie und Coups Johann Strauss und Robert Stolz wird man beim Tichy eher kein junges Publikum ansprechen. Vielleicht will man das auch gar nicht. Das Publikum bestand bei unserem Besuch aus Menschen ab 30, würde ich sagen und einigen Kindern. Touristen sah ich keine - vielleicht ist denen der Tichy doch zu weit von ihren üblichen Trampelpfaden entfernt oder zu wenig bekannt. Wenn man bei Tichy - natürlich auch durch das Monarchie-Nostalgie-Ambiente - jüngere Semester vielleicht weniger anspricht, wird man sich doch wohl über kurz oder lang einer immer lauter werdenden Forderung der Konsumenten beugen müssen und genauere Angaben über die Herkunft der Eis-Zutaten geben. Schließlich soll ein Eis nicht nur gut schmecken, sondern auch ethisch vertretbar sein, also aus Produkten aus biologischer Landwirtschaft, glücklichen Tieren (Kühe, Hühner) bestehen und gegebenenfalls Fair-Trade-Produkten bei Kaffee, Schokolade usw. Nostalgie-Kitsch und Johann Strauss werden auf die Dauer nicht über derartige Informationsdefizite hinwegtäuschen können.Beim Hinausgehen müssen wir noch einmal an Kommerzialrat Kurt Tichy vorbei. Er selbst ist zwar schon vor 12 Jahren gestorben, aber sein Bildnis – in Mosaiksteinchen – erinnert an den erfolgreichen Unternehmer, der sogar zum Ehrenbürger von Wien ernannt wurde und dessen Name nun eine Gasse in seinem Heimatbezirk Favoriten trägt.
Eissalon Tichyhttp://www.gastroweb.at/tichy-eis/
Am besten erreichbar mit der U-Bahn-Linie U1, etwa ab Station Stephansplatz – Aussteigstelle: Station Reumannplatz.© DMK 8/11
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AnnaHaeberle 30.09.2011 19:38
leuchtturmwaechterin 17.09.2011 20:44
Uiiuiui, das klingt ja toll :)
Cuchulainn1981 04.09.2011 14:12
Deine Berichte machen Wien zu einem richtig interessanten Reiseziel ;) Besonders hilfreich.
duderally 29.08.2011 20:43
bh
Ja den Tichy kenn ich gut. Da schmeckt das Eis immer ur-super. VhG Andrea