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Erfahrungsbericht

für Dogenpalast, Venedig
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5 Sterne Avanti Popolo!*
54 von 54 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro DAS Museum schlechthin, zumindest in Venedig.

Kontra DER Besuchermagnet schlechthin, zumindest in Venedig.

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Öffnungszeiten
Spaßfaktor

Der Autor

Mr_Andrew Seit 2 Mrz 2008

Studierter Meteorologe (= Wetterfrosch) und damit natürlich prädestiniert für fachmännische... mehr

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Bevor ich hier zum großen Rundumschlag aushole und versuche, meine Erfahrungen über das facettenreiche Traumziel Venedig in einen einzigen Bericht zu pressen, werfe ich quasi als Appetizer noch ein oder zwei Spezial-Berichte über touristische Attraktionen in den Ring, die aus meiner Sicht eine gesonderte Aufmerksamkeit verdient haben.

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Da wäre an allererster Stelle der Dogenpalast (Palazzo dei dogi / Palazzo Ducale) zu nennen. Selbiger befindet sich an Venedigs erster Adresse, dem Markusplatz (Piazza San Marco). Und dort steht er, der Palazzo Prozzo der Venezianer, das Sinnbild für die Macht und Pracht der Stadtrepublik, der Ort, von dem aus die Stadt 1000 Jahre lang regiert wurde und der das Stadtbild Venedigs auch heute noch bestimmt.

Ich bin der Meinung, es gibt kaum eine gute Entschuldigung, als Venedig Besucher nicht wenigstens einmal den Dogenpalast und das entsprechende Museum besucht zu haben. Warum ich das so sehe, lest ihr in den folgenden Abschnitten:

Historische Informationen

(ausführlicher nachzulesen auf Wikipedia - wo sonst?)

Ein erstes Castello an der Stelle des heutigen Dogenpalastes wurde im 9. Jahrhundert errichtet, bestand komplett aus Holz und brannte 976 zum ersten Mal als Kollateralschaden eines Aufstand des Volkes gegen den amtierenden Dogen ab. Dieses Schicksal erlitten auch zahlreiche Nachfolgerbauten, die alle extra aufzuzählen hier eindeutig zu weit führen würde.

Um 1140 wurde der Alleinherrschaft des Dogen in Venedig ein Gremium gegenübergestellt, aus dem sich der sogenannte Große Rat entwickelte. Dieser Große Rat, der u.a. das Recht der Wahl des Dogen ausübte und zu allen Gesetzesvorlagen gehört werden musste, beschränkte sich auf eine feste Anzahl von adligen, alteingesessenen Familien bzw. deren männlichen Familienangehörigen ("It's a Man's Man's World"). Trotz dieser Beschränkung, die gegen Zahlung bestimmter, nicht unbeträchtlicher Summen auch gerne mal aufgeweicht wurde, wuchs der Große Rat von Anfang des 13. Jh. mit wenig mehr als 40 auf über 2.700 Mitglieder im Jahre 1527 an.

Da diese vielen vornehmen Leute natürlich nicht unter freiem Himmel tagen wollten und wie es sich für eine für eine funktionierende Bürokratie gehört zudem viele weitere Gremien (Senat, Rat der Vierzig, Das Kollegium, Rat der Zehn usw. usf.) zur Verwaltung der blühenden Metropole eingerichtet wurden, richtete sich der Um- und Ausbau in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wesentlich an diesen Erfordernissen aus.

Fast schon traditionsgemäß wurde der Dogenpalast auch im 15. und 16. Jahrhundert dreimal von verheerenden Bränden heimgesucht. Interessanterweise wurde der Palast danach jedes Mal nach den alten Plänen wieder aufgebaut und nur das Innere dem veränderten Zeitgeschmack angepasst.

Das vorerst letzte Mal wurde der baufällige Palast gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Veranlassung des italienischen Staates vollständig restauriert. Die im Palast befindlichen Ämter wurden in der Folgezeit größtenteils ausquartiert und an anderen Orten untergebracht. Seit 1923 gehört der Palazzo Ducale der Stadt Venedig und das ist auch gut so, hat diese denselben doch dankenswerterweise der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht.
Architektonische Informationen


Die Architektur des Dogenpalastes zu beschreiben ist ein schwieriges Unterfangen, denn er stellt sich von außen als ein Konglomerat von Bauteilen und verschiedenen Baustilen dar, die in ihrer Summe aber ein unverwechselbares und sehr ästhetisches Ganzes ergeben. Da ich die Leser meines Berichtes nicht mit Fachbegriffen quälen möchte, reicht in Verbindung mit meinen demnächst als kleine Fotogalerie veröffentlichten Fotos vielleicht folgende Kurzbeschreibung, um einen ungefähren Eindruck zu bekommen:

Es dominieren gotische Formen in die sich unverkennbar orientalische bzw. islamische Elemente mischen. Aufgrund des labilen Bauuntergrundes fehlt den Bauten des Palastes die Wucht und Höhe der mitteleuropäischen Gotik, dafür sorgen verspielte Dekore, die zweietagigen Arkadenreihen und vielfarbiges, überwiegend helles und freundliches Baumaterial (Marmor) für einen ganz venedigtypischen "märchenhaften" Zauber.

@ Rote Säulen

Einen etwas morbiden Reiz üben zwei benachbarte, etwas rötlicher gefärbte Säulen im ersten Geschoss des Palastes aus, die man von der Piazetta aus sieht. Zwischen ihnen wurden nämlich die Todesurteile verkündet.

Hat man sich an den baulichen Vorzügen satt gesehen, sollte man nicht zögern auch dem phantastischen Museum im Inneren einen Besuch abzustatten. Denn hier wird der geschichtsinteressierte Kunstliebhaber wahrlich verwöhnt.

@ Innenräume

Nachdem man sich zu Beginn noch durch etliche Gewölbe mit darin ausgestellten originalen Bauteilen (Säulen mit reich geschmückten Kapiteln, Bauschmuck etc.) gekämpft hat, erreicht man über den großzügigen und schmucken Innenhof über mehrere Treppenanlagen die Räume des Dogen und der Ämter und Gerichte, die dort ihren Sitz hatten.

Als besonders prächtig ist mir dort der Kartenraum in Erinnerung geblieben. Der nimmt die gesamte Breite des Gebäudes ein und ist auch aufgrund der großen Fenster der hellste Raum im ganzen Palast. Die Wände sind anstatt mit den üblichen Gemälden von riesigen, künstlerisch wertvollen Landkarten bedeckt, die nebenbei einen sehr interessanten Einblick auf die Kartographie jener Epoche erlauben. Der Innenraum wird von zwei überdimensionalen Globen (also ein Globus und noch ein Globus) dominiert, die für sich genommen schon alleine das Kommen wert gewesen sind.

Auch ansonsten sind die Innenräume nahezu durchweg prächtig anzusehen. Der obere Teil der Wände und vor allem die Decken sind mit einem ungeheueren Prunk ausgestattet. Die Gemälde stammen überwiegend von führenden venezianischen Künstlern und thematisieren bevorzugt bedeutende Ereignisse aus der Geschichte der Stadt und glorifizieren die offenbar zahllosen Großtaten ihrer Repräsentanten.

Ich muss sagen, dass nach den durchweg streng christlichen Motiven in den Räumen der Kunstakademie (L'Accademia) und noch mehr der für mich überwiegend unzugänglichen modernen Kunst aus der Peggy Guggenheim Collection der Anblick realistisch gemalter Szenerien mit interessanten Ereignissen (u.a. Seeschlachten, Volksfeste, Dogen beim Tun unerhört wichtiger Dinge ...) eine regelrechte Wohltat war. Hinzu kam, dass in jedem Raum mehrsprachige (deutsch inkl.) Prospekte auslagen, die das Gesehene in den richtigen geschichtlichen Kontext brachten. Sehr vorbildlich!

Der Oberhammer - salopp formuliert - ist sicherlich der Saal des Großen Rates. Mit seinen 54 Metern Kantenlänge der größte Saal im Palast und einer der größten überhaupt, die ich bis dato gesehen habe. Hier versammelten sich die etwa 1.000 Adligen, die das Recht hatten, den Dogen zu wählen. Die hintere Wand wird in voller Breite von Tintorettos Gemälde "Das Paradies" eingenommen, welches als eines der flächenmäßig größten Ölgemälde der Kunstgeschichte gilt.

Ansonsten herrschen in diesem Raum, der eigentlich wenn nicht der Demokratie, so doch Recht und Gesetz gewidmet war, Darstellungen kriegerischer Szenen vor, die allerdings sehr bildgewaltig und imposant ausfallen.

Man betritt noch viele weitere Räume, die jeder für sich erwähnenswert wären, so beispielsweise ein gut bestücktes Waffenarsenal, aber die zu beschreiben, würde den Rahmen hier sprengen. Leider herrscht im gesamten Museum strengstes Fotografierverbot, so dass ich euch bildliche Darstellungen der erlebten Pracht leider schuldig bleiben muss und auf eure Gutgläubigkeit baue, wenn ich zusammenfassend feststelle: Es fetzt einfach! :o)

Nicht verheimlichen möchte ich euch aber noch zwei bemerkenswerte Baulichkeiten, die man am Ende seines Rundganges durch das Museum betritt:

@ Die Seufzerbrücke

... verbindet den Dogenpalast mit den zugehörigen Gefängnissen und ist vermutlich eine der meist fotografiertesten Brücken der Welt. Davon zeugt zumindest das bemerkenswerte Gedränge der Touristen mit dem entsprechenden Equipment im Anschlag davor. Von außen war uns leider kein so toller Anblick vergönnt, da hier gerade wieder eine umfangreiche Sanierungsmaßnahme im Gange war.

Die um 1600 erbaute Seufzerbrücke verdankt ihren Namen angeblich den letzten Seufzern, die die verurteilten Delinquenten ausstießen, wenn sie durch zwei kleine Fenster das Tageslicht und die herrliche Lagune zum letzten Mal für lange Zeit, wenn nicht gar für immer erblickten. Von innen empfinde ich die Brücke nicht so sehr als der "Bringer", verblüfft hat sie mich aber mit ihrer raffinierten Konstruktion der voneinander komplett getrennten Gänge.

@ Die neuen Gefängnisse

Ganoven, vermeintliche oder echte, gab es schon zu früheren Zeiten mehr als genug. Und so nimmt es nicht wunder, dass wegen der zu knappen Zahl von Haftzellen im Dogenpalast selbst bis etwa 1610 ein neues Staatsgefängnis gebaut wurde.

Über bzw. durch die engen Gänge der oben genannten Seufzerbrücke gelangt der Besucher, so auch wir zu den Gefängniszellen, die nicht viel Interessantes bieten, aber einen guten Einblick in die Haftbedingungen der damaligen Zeit gewähren. Über ganze drei Stockwerke verteilt sind die einzelnen Zellen und angeblich höher und größer als bis dato üblich, zudem überwiegend trocken und wohl auch besser mit Tageslicht beleuchtet als vergleichbare zeitgenössische Verließe. Trotzdem wünsche ich niemanden, Bekanntschaft mit diesem tristen Ort als Gefangener machen zu müssen. :o)
Touristische Informationen


@ Eintrittspreis: 12,00 Euro / ermäßigt 6,50 Euro

Üblicherweise entwickelt sich am Dogenpalast ein heftiger Andrang, so dass sich selbst in der Nebensaison längere Schlangen bilden können (mag mir gar nicht vorstellen, was im Sommer an Wochenenden hier los ist). Also ereilt euch auch für diese Attraktion die dringende Empfehlung, das ohnehin nicht besonders reichhaltige typisch italienische Frühstück mal etwas abzukürzen und lieber zeitig am Markusplatz zu erscheinen.

@ Öffnungszeiten:
9 - 19 Uhr (April bis Oktober)
9 - 17 Uhr (November bis März)
Achtung, Kassen schließen jeweils 1 Stunde vorher!

Im Inneren gibt es eine recht großzügige öffentliche Toilettenanlage (geschätzte "Sitz"plätze: 10), die erfreulicherweise kostenlos ist, obwohl hier eine resolute Signora als Einweiserin in Erscheinung tritt und neben Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz auch dafür sorgt, dass niemand mit ungewaschenen Händen die Räumlichkeiten verlässt, denn es wird einfach ungefragt etwas Flüssigseife spendiert.

Frauen werden eindeutig bevorzugt, sowohl was die Anzahl der okkupierten Örtchen angeht als auch die Auswahl derselben (Männer bekommen schon mal ein WC ohne Brille zugewiesen). Diese Art von individueller Behandlung hat natürlich auch ihren Preis, der sich allerdings nicht monetär, sondern im Zeitbedarf niederschlägt. Zu Hochzeiten in der Saison sichert sicher auch hier zeitiges Erscheinen die besten Plätze. :o)

Warum ich diesbezüglich so gut bescheid weiß? Just am dritten Tag unseres Kurzurlaubes in Venedig erlitt ich heftige Nierenkoliken, von denen mich ein italienischer Dottore für ein nettes Bakschisch mit einer Morphiumspritze zwar nicht genesen lies, aber immerhin wieder begrenzt einsatzfähig machte. Eine unerwünschte Nebenwirkung dieser Steinchen irgendwo in meinem Alabasterkörper ist die Anzeige von heftigem Harndrang, von denen sich allerdings 95% als Fehlalarme herausstellen. Aber das nur am Rande ...

Auch ein Cafe findet sich wiederum im Inneren des Museums, welches allerdings während unseres Besuches ein weitestgehend unbeachtetes Dasein fristete.
Persönliche Meinung und Fazit


Der Dogenpalast ist völlig zu Recht DAS Museum in Venedig. Hier kann man neben den eher schlicht gehaltenen Bleikammern, in denen einst Casanova schmorte (und wieder entwischte), den beeindruckenden Prunk des Palastes bewundern und die einstige Größe und Macht der Seerepublik Venedigs spüren. Abwechslungsreich wie keine zweite Attraktion hier bietet sich ein Besuch auch an verregneten Tagen an, da man hier viele Stunden ohne direkten Witterungseinfluss verbringen kann.

Euer Reiseleiter
Mr. Andrew


*PS: "Avanti Poppolo!" heißt soviel wie: "Auf / Los / Vorwärts Volk, macht euch auf die Socken!" :o)

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Kommentare

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  • Teilsmit 05.10.2010 13:07
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • modschegibbchen 23.06.2010 15:06
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    ... ob ich mir das trotz traumhaftigkeit schlechthin aber zu vielen touris im august wirklich doch mal antun werde.... mal sehen....

  • knopfi.de 21.08.2009 07:58
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • GerhardReus 15.08.2009 17:22
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Sand38 30.06.2009 10:39
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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