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Erfahrungsbericht

für Die Gräber der Bataker, Sumatra
5 Sterne beeindruckende Gräber heidnischer Christen (5) Bericht mit Bildern
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Empfehlenswert: Ja

Pro beeindruckende Grabmale

Kontra die grausamen Riten

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

Leo56 Seit 6 Feb 2006

lasst euch überraschen.......... mehr

92 Mitglieder vertrauen mir

Dieser Reisebericht ist Teil 5 von 31 Einzelberichten über eine faszinierende Indonesienreise, die uns im Jahre 2002 zunächst nach Nordsumatra inkl. eines Abstechers ins Orang Utan Rehabilitationscenter nach Aceh, dann auf die Insel Nias inkl. 3- Tagesausflug zur Insel Bawa im Westen von Nias und schließlich nach Westsumatra führt.

Eine Zusammenfassung und Auflistung der einzelnen Etappen findet ihr unter: http://reisen.ciao.de/Sumatra__Test_3109​953 Abenteuerreise zu Batakern und Kopfjägern


Die beeindruckenden Gräber heidnischer Christen
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Auf dem Weg zum Tobasee sehen wir sehr beeindruckende Grabmale (Foto 01) und halten an, um sie zu besichtigen.

Wir befinden uns auf dem Gebiet der Toba-Bataker, die ebenso wie die Karo-Bataker eigentlich zum Christentum bekehrt wurden. Aber wie die Karo-Bataker haben auch die Toba-Bataker für sich einen Kompromiss zwischen ihren alten Traditionen und dem Christentum gefunden.

Wir sind sehr froh, dass wir unsere Reise bei Bernd gebucht haben und nun mit ihm gemeinsam unternehmen; denn er hat sich in den 20 Jahren, die er bereits in Indonesien lebt, sehr viel Wissen über die vielschichtigen Völker und die unterschiedliche Kultur angeeignet, von dem wir nun profitieren.

Die Informationen über die geschilderten Grausamkeiten erhielten wir ergänzend hierzu bei einem Besuch in einem Bataker-Museum am Tobasee.

Im Folgenden spreche ich in der Vergangenheitsform, wenn ich die fürchterlichen alten Traditionen beschreibe. Die grausamen Riten sind mittlerweile in Indonesien bei strengster Strafe verboten, aber was in den Köpfen noch besteht, weiß Keiner so genau, der nicht selbst Toba-Bataker ist.

Im Glauben der Bataker spielten die Lebensseele ("tondi") und die Totenseele ("begu") eine überaus wichtige Rolle. Verlässt die tondi den Menschen, so stirbt er und die unheilstiftende begu wird freigesetzt.

Die begu galt es daher unbedingt zu beschwichtigen bzw. zu neutralisieren. Diese Aufgabe oblag hauptsächlich dem Zauberpriester ("datu").

Mit Hilfe magischer Bücher ("pustaha laklak"), des Batak-Kalenders ("porhalaan"),des Zauberstabs ("tunggal panaluan") u.a. versuchte er negative Einflüsse im Zaum zu halten.

Leider wurden hierfür sogar Kinder geopfert!!!

Die Kinder wurden so weit in die Erde eingegraben, dass nur noch der Kopf heraus schaute; dann goss man dem Kind Blei in den Mund. Man wollte so verhindern, dass die Lebensseele den Körper verlassen konnte. Die Hirnmasse des Kindes wurde vom Zauberer anschließend zu Brei gestoßen und oben in den Zauberstab gefüllt.

Auch die gewaltigen Steinmonumente dienen dazu, zu verhindern, dass die Seelen der Toten entweichen können. Der älteste Sohn ist dafür verantwortlich, dass die Seele des Toten mit Zauberritualen gebannt wird, bevor er in das Grab gelegt wird.

Wer keinen Sohn hat, benutzt eine Puppe, um die Seele des Toten hierein zu verbannen. Die Puppe wird anschließend im Tobasee versenkt oder (wenn die Entfernung zu groß ist) vergraben.

Nach 1-2 Jahren werden die Leichen wieder aus dem Grabmal genommen, um das Fleisch der Toten abzulösen. Nur die Schädel und die großen Knochen kommen zurück in das Grabmal, in dem alle Mitglieder eines Familienclans gemeinsam untergebracht werden, selbst wenn sie inzwischen nach Jakarta oder andere Großstädte verzogen waren. Diese Grabmale werden Geriten genannt.

Bezahlt werden solch beeindruckende Monumente meist von den erfolgreichen Mitgliedern eines Familienclans.
Die Grabmale auf Foto 01 oder 02 gehören zweifellos jeweils dem Clan eines ehemals sehr einflussreichen Mannes.

Fehlt der Platz in einem solchen Grabmal und sind die Toten nicht wohlhabend, so werden die frischen Leichen irgendwo (z.B. unter Steinplatten) "zwischengelagert, bis sich die Knochen ablösen lassen.

Für wohlhabende Tote schnitzten die Bataker oft einen Sarg in der Gestalt eines Bootes und verzierten ihn am Bug mit einem geschnitzten Nashornvogelkopf.

Der Deckel wurde mit Harz abgedichtet und dann stellte man den Sarg an der Außenseite des Hauses unterhalb der Dachtraufe auf.

Dort blieb der Sarg dann stehen, bis auch die letzte der umfangreichen Bestattungszeremonien stattfinden konnte. Es kam schon vor, so erzählt uns Bernd, dass bis dahin ein bis zehn Jahre vergingen, das richtete sich danach, wie zahlungskräftig die Hinterbliebenen waren. Denn die mit den Festen verbundenen Kosten sind enorm. Erst nach dieser Zeit wurde der Sarg geöffnet und die Überreste herausgenommen; der Schädel und die großen Knochen wurden gereinigt und in dem Clan-Grabmal (Geriten genannt) deponiert.

Auch dies geschah natürlich nicht einfach so, sondern im Rahmen eines rituellen Festes. Diese wurde Fest der Knochenumbettung »Ulaon panongkokhon saring-saring« genannt.

Oftmals wurden im Rahmen eines großen Dorffestes nach der Reisernte alle "fälligen" Knochen der Vorfahren ausgegraben und umgebettet. Nicht selten gab/gibt es dafür ein Totenhaus für alle nicht so wohlhabenden Toten eines Dorfes.

Dieses Totenhaus-Grabmal wird Tugu genannt.

Das Fest der Knochenumbettung dauert 4 Tage an. Zusammen mit den Gebeinen der in der Fremde Verstorbenen werden sie in vielen kleinen Särgen im neuen Tugu untergebracht. Die Tänze im Dorf werden von der angesehendsten Sippe eröffnet.

Anschließend passiert etwas für uns Ungewöhnliches, aber durchaus nicht Unlogisches: Es überbringen Vertreter der 'brautnehmenden' Familien tanzend ein Geldgeschenk als ihren Festbeitrag. Anschließend bringen die 'brautgebenden' Familien, wiederum tanzend, ihr Reisgeschenk ein.

Ein Wasserbüffel wird geschlachtet und sein Fleisch bei dem gemeinsamen Festessen symbolisch an die 'Brautgeber' verteilt. Im Abschlusstanz empfangen die Veranstalter den Segen der 'Brautgeber'-Familien.

Das Leben geht weiter (siehe auch "Die Tänze der Bataker").

Die ganz großen Totenfeste gehören wohl mittlerweile tatsächlich der Vergangenheit an, das letzte war wohl am Anfang des 20. Jahrhunderts, also vor 100 Jahren. Die Knochenumbettungen finden jedoch nach wie vor statt.

Während einer Fahrt über den Tobasee sehen wir am Berghang immer wieder besonders riesige Grabmale (Foto03).

Auf der Fahrt vom Tobasee nach Sibolga im Westen Sumatras geht es zunächst um den See herum, um über eine kleine Landzunge zum südlichen Festland zu gelangen. Von hier fahren wir durch das schöne Barisangebirge über Pangururan, Siborong-Borong, Sipoholon nach Sibolga.

Unterwegs sehen wir immer wieder schön gestaltete Gräber.
An zwei sehr alten Steingräbern (Fotos 04und 05) halten wir an, um sie zu photographieren. Es sind Sarkophage, die mit symbolträchtigen Figuren versehen wurden und wiederum sicherlich die sterblichen Überreste von ehemals mächtigen Personen enthalten.

Zwischen Porsea und Balige, noch immer im Tobagebiet, allerdings bereits fast im Süden des Tobasees, sehen wir ein besonders aufwendiges und noch relativ neues Grabmonument direkt gegenüber einer Reihe von 7 Batak-Traditionshäusern.

Es sieht so ungewöhnlich aus, dass wir aussteigen, um es zu betrachten. Das Ganze ähnelt einem riesigen Wespennest.

Es ist zweifellos ein Tugu. Wir stehen noch keine 5 Minuten neben diesem Grabmal, als auch schon ein Mann kommt und uns fragt, ob wir das Innere besichtigen wollen.

Natürlich wollen wir! Er erklärt uns alles:

Im oberen Teil sind (von außen erreichbar) Kisten mit Knochen Verstorbener untergebracht. Jede Kiste erhält die fortlaufende Nummer der Nische, in welcher sie untergebracht ist.

Das ganze Gebilde ist etwa 20m hoch. Es verengt sich nach oben, ist jedoch oben offen. Darüber befindet sich ein kleines Dach, wie bei einem Kamin.

Ganz unten stehen grabsteinähnliche Tafeln mit Inschriften Verstorbener. (Foto 07)

Das tugu wurde 1996 erbaut. Es ist der ernsthafte Versuch, die Toten christlich zu bestatten. Dass sie vorher vom Fleisch "befreit" werden, liegt natürlich auch am tropischen Klima und ist Ausdruck des gesunden Kompromisses zwischen Tradition und Religion.

Nach Verlassen des Barisangebirges hören diese Gräber zunächst auf.

Bilder

für Die Gräber der Bataker, Sumatra
Grabmal zwischen Berastagi und Tobasee
von Leo56 Leo56

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  • manu63 16.11.2009 16:59
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • cityqueen 28.04.2009 13:47
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • de-nada 20.08.2008 22:35
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Was Menschen sich gegenseitg im Namen von Religion und Glauben schon alles angetan haben ... ! Kaum zu glauben! Liebe Grüße Jenny

  • Leona11 22.10.2007 11:45
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Karry2000de 05.08.2007 18:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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