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Pro hier gibt es einfach alles: Farbe, Leben, Kultur...
Kontra ... und auch Armut und zu viel Verkehr
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… ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber der Reihe nach:
1. Vorgeschichte und Beschluss, nach Delhi zu fliegenAls ich den Bericht über das Indien-Buch von Sarah MacDonald schrieb, ahnte ich nicht im geringsten, dass ich Indien jemals besuchen würde - und schon gar nicht so bald. Indien stand eigentlich gar nicht auf meiner Liste. Nun wurde ich aber mit einem Freund zur Hochzeit meiner Nichte eingeladen, die bei ihren zukünftigen Schwiegereltern in Pune nach hinduistischem Ritus gefeiert werden sollte. Und wenn wir schon dazu in Indien weilen würden, beschlossen wir, wenigstens eine kleine Rundfahrt anzuschließen, um etwas von Indien zu sehen.
Die Hochzeit sollte am 23. Juni stattfinden, und jeder Indienkenner weiß, dass um diese Zeit der Monsun in Teilen Indiens wütet, es in den noch nicht vom Monsun betroffenen Gebieten dafür unerträglich heiß ist. Nun, wir haben uns den Hochzeitstermin ja nicht ausgesucht, und bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung. Strandurlaub in Goa schied um diese Zeit aber wohl aus, und so beschlossen wir, vor der Hochzeit das goldene Dreieck zu bereisen, wo es wohl sehr heiß sein würde, aber der Monsun erst später einsetzen würde. Über Ciao-Reisefee Schneeweißchen ließen wir uns eine Rundreise zusammenstellen nach folgenden Vorgaben: Abflug 10. Juni nach Delhi, dort einen Tag zum akklimatisieren, dann eine 8-tägige Rundfahrt durch das goldene Dreieck, anschließend Flug nach Pune zur Hochzeit, wo wir bis zum 25. Juni bleiben würden, am 25. Juni Flug von Pune nach Bombay (Mumbai), das wir einen Tag ansehen würden, um am 26.Juni nach Berlin zurückzufliegen.Ich kenne eine Menge Menschen, die Indien bereist hatten, aber sie alle waren wesentlich länger geblieben, mindestens 4 Monate, manche 1 Jahr und länger. Und natürlich bekam ich von ihnen zu hören: 16 Tage ist Unsinn, man brauche 4 bis 6 Wochen alleine um anzukommen. Ich glaub es ja! Aber ich habe eben nur diese 16 Tage, ich habe diesmal auch keinen Späthippy-Rucksacktripp als Möglichkeit - ich reise zu einer Hochzeit und gucke mir vorher halt an, was zu machen ist in der Kürze der Zeit. Ich erhebe nicht den Anspruch für mich, danach Indien zu kennen, aber ich möchte, verdammt noch mal, das Beste aus diesen 16 Tagen machen, die ich in Indien zur Verfügung habe.
Und zu viel haben wir gesehen und erlebt und zu weit sind wir herumgekommen, um alles in einem Bericht unterzubringen, weshalb ich Euch meinen Reisebericht auf die unterschiedlichen regionalen Themen aufsplitte. Und so beginnt mein Reisebericht in New Delhi, unserer ersten Station.New Delhi diente in der Planung eigentlich nur als Ausgangspunkt für die Rundreise und zum Akklimatisieren. Man warnte mich vor einem Kulturschock, vor Dreck und Armut, vor der Hitze und dem Gestank. Und dann würden da zu dieser Zeit 46 - 48 ° im Schatten herrschen. Ich erwartete also eine hässliche, arme, ausgedörrte und stinkende Steinwüste, bestenfalls noch interessant, keinesfalls aber eine liebenswerte schöne Stadt. Ich habe mein Vorurteil mächtig revidieren müssen.
2. Ankunft und erste EindrückeDer Anflug erfolgt am 10.Juni 2007 mit der Lufthansa über München. Trotz Verspätung des Abflugs in Berlin nach München erwischen wir noch die völlig ausgebuchte Maschine nach Delhi, die pünktlich um 20:25 Uhr deutscher Zeit abhebt. Es wird ein Nachtflug in einer sehr engen, unbequemen Maschine, wegen der Enge ist trotz des durch das Flugpersonal verteilte Kissen und die Decke an Schlaf nicht zu denken. In der Armlehne ist der eingebaute Radio, mit den ebenfalls verteilten Kopfhörern können wir uns durch die Hitparaden ganz Süd - und Südostasiens hören. Zwischenrein werden Fragebogen verteilt, die wir zwecks Einreise in Indien ausfüllen müssen.
Und am 11. Juni pünktlich um 7:20 Uhr indischer Zeit (MEZ + 3,5 Stunden) landen wir in New-Delhi. Entgegen allem bisher über die Einreise Gehörten geht die Passkontrolle, das Aufpicken des Gepäcks vom Gepäckband, das Organisieren eines Gepäckwagens und die Zollkontrolle recht zügig und schnell vonstatten. Im Flughafen ist es angenehm kühl, mein Reisebegleiter begibt sich erst einmal an einen Wechselschalter (Faustregel zur Preisermittlung in Indien: Rupien x 2 und dann 2 Nullen abstreichen, also Beispiel: 200 Rupien = 200 x2 weniger 2 Nullen= etwa 4 Euro), während ich nach unserer Reiseleitung Ausschau halte, die schon im Flughafen bereit steht. Von einem klimatisierten Wagen werden wir abgeholt, der Fahrer, der neben seiner Landessprache nur englisch spricht, wird uns die ganze kommende Woche auf unserer Tour begleiten, bis wir nach Pune weiterfliegen. Und ab heute Mittag wird sich uns für Stadtbesichtigungen ein deutschsprachiger Guide anschließen.In New Delhi ist es zwar bewölkt, aber heiß (42 - 46 ° im Schatten)! Nach klimatisiertem Flugzeug und Flughafen bricht die Hitze draußen über uns herein, aber schon sitzen wir im klimatisierten Auto und fahren zum Hotel. Es herrscht ein mörderischer Verkehr auf den Straßen: Autos, Zweiräder, Tuktuks, Fahrradrikschas, Fußgänger, alles kneuelt auf der Straße unter permanentem Gehupe, viele Fahrzeuge völlig überladen.
Kurz zum Sprachgebrauch: In Delhi und im sonstigen Norden Indiens heißen diese 3-rädrigen "Autotaxis" für normalerweise 2 Fahrgäste Tuktuks, in Pune und Mumbai, wo es keine Fahrradrikschas gibt, heißen sie Autorikscha. Rikscha ist also im Norden ein Fahrrad mit Anhänger, in dem Menschen befördert werden, in Pune und Mumbai eben dieses 3rädrige Tuktuk.Wir sehen dem Gewühle aus unserem Wagen fasziniert zu: Auf vielen Zweirädern sitzen hinter dem Fahrer Frauen im Sari, seitlich im Frauensitz, oft haben diese wiederum ein Kind auf dem Arm. - Ja, die Frauen tragen wirklich Sari! - Oft sind bis zu 4 Personen auf einem Moped. In manchen Tuktuks sitzen 8 Menschen und weitere hängen hinten dran oder sitzen auf dem Dach. Es ist unglaublich bunt, laut und stinkig, aber faszinierend. Wir fahren durch verstopfte Straßen, vorbei an Tempeln, Parks, immer wieder grünen und blühenden Flächen, Wellblechhütten, Läden, Hochhäusern - viel zu viele Eindrücke, um sie nach der durchflogenen Nacht zu sortieren. Wir wundern uns, wie grün die Stadt trotz der Hitze ist und erfahren, dass der Staat viel dafür tut. Und dass man versucht, irgendwie den Umweltschutz in den Griff zu kriegen: Taxis und Tuktuks fahren hier nur mit Gas. Dann sind wir am Hotel (über das Hans Plaza habe ich getrennt geschrieben).
Und um 13 Uhr werden wir zu einer ersten Stadtbesichtigung abgeholt.3. Erste Stadtbesichtigung
Als Erstes geht es zum India Gate am östlichen Ende des Rajpath, der Prachtstraße, die sich durch die Mitte New Delhis windet. Eigentlich heißt das India Gate All India War Memorial und soll an die 90.000 indischen Soldaten erinnern, die im Ersten Weltkrieg fielen. 3.000 Namen von Soldaten sind in die Steine des 42 m hohen Tores eingraviert. Gleich als wir am India Gate aussteigen, stürzen sich Händler auf uns: Hüte, Bücher, Ansichtskarten, Kitsch, alles versuchen sie einem aufzudrängen. Und tatsächlich kaufe ich mir für umgerechnet wenige Cents einen Hut, da die Sonne unerbittlich herniedersticht. Unser Reiseleiter findet das wohl nicht so gut, da es weitere Scharen von Händlern und Bettlern anlockt, aber von denen sind wir jetzt eh immer umgeben, da ich wohl einfach zu leicht als Ausländerin auszumachen bin.Weiter geht es zum nicht weit entfernten Rashtrapati Bhawan, dem Präsidentenpalast. Nur durch das Gittertor können wir hineinlugen und fahren dann nordöstlich vorbei am Sansad Bhavan, dem Parlamentsgebäude, zum eigentlichen Wahrzeichen Delhis, dem Qutab Minar Complex.
Diese Anlage verfügt über das höchste und größte Minarett Indiens, den Qutab Minar, der 73 m hoch ist und einen Durchmesser von bis zu 15 m hat. Der Qutab Minar gilt als vollkommenster Turm der Welt. Außerdem befindet sich hier die erste Moschee Indiens, die Quwwat-Islam-Moschee, und ein 2000 Jahre alter, 7,3 m hoher eiserner Pfeiler aus nichtrostendem Eisen, der mehr als 6 Tonnen wiegt und einer Inschrift zufolge Vishnu gewidmet ist. Es ist ein recht großes Gelände, auf dem es sehr viel zu sehen gibt. Laut indischer Presse ist es heute atypisch heiß, ich habe mir massig Blasen und offene Stellen gelaufen, die Sonne knallt auf uns hernieder, aber es ist toll. Und unser Guide erklärt uns alles, was hier zu sehen ist, so unglaublich interessant, dass sich jeder Schweißtropfen lohnt.Mittlerweile geht es auf den Abend zu, und in Delhi wird es ziemlich schlagartig um 19:30 dunkel. Wir genießen die Rückfahrt im klimatisierten Wagen, bestaunen wieder den Verkehr, verabreden uns zur nächsten Stadtrundfahrt am nächsten Morgen um 9 Uhr.
4. Zweite StadtrundfahrtAus dem Wetterbericht der "Hindustan Times" erfahren wir am nächsten Tag, dass es für diese Zeit in Delhi und Umgebung zu heiß ist und es schon mehrere Hitzetote gab, dass der Monsun Mumbai und Poona noch nicht erreicht hat, aber weiter südlich schon Opfer forderte.
Um 9 Uhr werden wir von Fahrer und Guide zur 2. Stadtrundfahrt abgeholt. Zum Glück ist es draußen leicht windig, so dass die Hitze etwas erträglicher ist. Komischerweise habe ich weder Sonnenbrand noch Sonnenallergie, obwohl ich gestern versäumt hatte, mich einzucremen. Obwohl ich extrem empfindliche Haut habe, bleibt das auch weiter so: Ich bekomme kaum Farbe, aber eben auch keine Verbrennungen und Allergien.Schon gestern mussten wir feststellen, dass Ansichtskarten nicht gerade leicht zu bekommen waren. Eigentlich fanden wir sie in Delhi nur in Büchlein-Form geheftet bei Straßenhändlern, so dass einzelne Karten gar nicht ausgesucht werden konnten. Ab jetzt organisierten wir aber immer 2 - 3 solcher Büchlein bei irgendwelchen aufdringlichen Händlern:
Als Erstes geht es heute zur sog. Freitagsmoschee, der Jama Masjid. Es ist die größte Moschee Indiens und eine der größten der Erde, über 20.000 Menschen können hier im Hof beten. Der Komplex ist echt riesig! Mein Reisebegleiter fragt irgendwann, ob wir nicht hineingehen können. Ein Fragezeichen erscheint auf dem Gesicht des Guide: "Wo rein?" - "Na, in die Moschee". - "Wir sind doch in der Moschee!" - "Ich meine, in den Innenraum". - "Äh… es gibt keinen. Der offene Gang an der Moschee ist schon das Innerste." - Ach so!!! Die Freitagsmoschee ist praktisch so etwas wie eine Freiluftmoschee. Oben im Gemäuer sehe ich Adler brüten. Irgendwie ist hier eine tolle Stimmung. Um 1650 erbaut heißt die Moschee eigentlich Masjid-i Jahan Numa, die Moschee, die auf die Welt blickt. Für den Bau war roter Sandstein und weißer und schwarzer Marmor verwendet worden. Natürlich müssen zur Besichtigung in der ganzen Anlage die Schuhe ausgezogen werden.Weiter geht es, vorbei am Roten Fort, zum Raj Ghat, einer Mahatma Gandhi-Gedächtnisstätte. Hier wurde Gandhi eingeäschert und seine Asche verstreut. Auf einer schwarzen Marmorplatte eine Flamme, die nie erlischt, darum herum eine Gartenanlage, in der eine unglaubliche Ruhe herrscht, eine Oase in dieser wahnsinnslauten Stadt. Rauchen, essen und jede Art von Verunreinigungen ist in der ganzen Anlage verboten. Ein wirklich friedlicher Ort.
Als nächstes besuchen wir Humayuns Grabmal, im 16. Jhdt. nach Entwürfen des Architekten Mirak Mirza Ghiyas errichtet. In einer riesigen Gartenanlage liegt das Grab aus rotem Sandstein und weißem Marmor. Das Mausoleum wird von einer lotusförmigen Kuppel überragt. Auch in dieser Anlage herrscht eine für die laute Stadt auffallende Ruhe, man kann sich der Schönheit der Anlage einfach nicht entziehen.Und weiter geht es zum hinduistischen Birla Tempel, dem Lakshmi Narayan-Tempel. Mitten im regen Straßengewirr liegt er, natürlich muss man die Schuhe ausziehen, um ihn zu betreten, fotografieren ist streng verboten, Fotoapparate müssen vorher abgegeben werden. Die Stimmung in hinduistischen Tempeln beeindruckt mich immer wieder: lebhaft geht es zu, es herrscht nicht das ehrfürchtige Schweigen, das man in christlichen Kirchen oft findet, sondern pralles Leben, oft Gesänge, oft Gedränge. Angeschlossen an diesen Tempel ist ein Laden mit Kunsthandwerk und Tüchern aus Kaschmir und Seide.
Damit ist die Aufgabe unsere deutschsprachigen Guide abgeschlossen und wir verabschieden uns von ihm. Weiter geht es für uns mit Besichtigungen "auf eigene Faust".5. Eigene Exkursionen
Bisher waren wir ja immer recht "elitär" unterwegs gewesen, immer im klimatisierten Wagen, und schon bei den Besichtigungen während dieser bequemen Touren hatte ich mir Blasen und blutende Füße gelaufen. Trotzdem wollten wir uns Delhi auch ein wenig "selber erobern": Herum laufen, mit dem Tuktuk fahren, eben uns "normal" durch die Stadt bewegen.Zunächst laufen wir die Straße vom Hotel nach rechts zur Freimaurer-Klinik, die ich für einen Freund fotografieren will. Mein Reisegefährte will unbedingt noch den Bahnhof besichtigen, und da uns die Händler nerven, nehmen wir kurzerhand ein Tuktuk und lassen uns zum Bahnhof fahren. Tuktuk-Fahren macht echt Spaß und ist eine billige Methode, durch den Verkehr von einem Ort zum anderen zu kommen. In der Regel bezahlen wir in New Delhi pro Fahrt um 50 Rupien ( etwa 1 Euro). Faszinierend, dass bei dem Gedränge auf den Straßen nicht mehr passiert. Der Verkehr ist einfach grausig! Und das Gehupe nervenaufreibend. Hinzu kommt, dass Straßenhändler und Bettler zu jedem Gefährt, in dem sie Nicht-Inder vermuten, sofort aufbrechen, unabhängig davon, ob fahrender Verkehr um sie herum wogt. Krüppel ohne Beine, Frauen mit Babies, Kinder, die Kunststückchen vorführen, all diese drängen sich inmitten des fließenden Verkehrs zu jedem Auto, in dem sie Touristen vermuten. Fahrradrikschas, Zweiräder, all das wie in einem Perpetuum Mobile zwischen PKWs zuckend. Ein unglaubliches Gedränge!
Der Bahnhof ist NICHT sehenswert! Im Gedränge kann man fast Panik bekommen, ein Gewühle, Gerenne, Stände überall am Straßenrand, Bettler, Händler, Menschenmassen. Die Bürgersteige extrem hoch, ich ziehe mich immer an meinem Gefährten hoch, um nicht auszurutschen und hinzufallen. Nichts wie weg!Aber hier beginnt auch die Gegend, die eine Bekannte uns so nahe gelegt hatte, da, wo sie meint, dass wir besser ein Hotel nehmen sollten, weil es hier so toll sei, nämlich Pahar Ganj. O.K., hier sind unglaublich viele Läden, Gedränge, Chaos, Dreck. Wir sehen hier auch die erste heilige Kuh (in Delhi gibt es angeblich keine, war uns gesagt worden, hier sind sie aber!). Ich kaufe im Vorbeigehen im Laden rasch ein paar Latschen, weil meine Füße bluten, will etwas trinken, habe Durst, die Füße tun weh, aber wir finden kein Cafe oder ähnliches, nur Gedränge, Läden, Händler, Bettler, es schiebt und drängt und ist so unendlich laut und dazwischen auch noch Autos und Rikschas und Tuktuks. Endlich finden wir eine Art Kneipe, wo wir am Straßenrand sitzen können. Die Cola- und Wasserflaschen, aus denen die Getränke serviert werden, sehen so dreckig und versifft aus, dass wir es vorziehen, Tee zu bestellen: Da ist der Dreck wenigstens abgekocht. Lange halten wir es danach nicht mehr aus, sehen uns noch einen kleinen Hanuman-Tempel in der Straße an und springen dann in ein Tuktuk, um zum Hotel zu fahren.
Am nächsten Tag verlassen wir Delhi Richtung Agra (Bericht folgt), um eine Woche später etwa wieder nach New Delhi zurückzukehren. Mit Rückkehr nach Delhi ist eigentlich der Auftrag unseres Fahrers zu Ende, aber nach der gemeinsamen Woche haben wir uns doch so angefreundet, dass er uns zu sich nach Hause einlädt. Ein kleines Haus hat er in einem recht ärmlichen Viertel in Delhi, wir kommen an neuen Hochhaussiedlungen vorbei, abgezäunt und von Pförtnern bewacht, mit Namen wie "Sun City". Gepflegt sind diese Anlagen. Und wir fahren an chaotischen Straßen mit verfallenen Häusern vorbei, jedes Viertel ist irgendwie anders in Delhi, immer wieder Grünanlagen dazwischen, immer wieder aber auch Wellblechhütten und Planen, unter denen Menschen vegetieren. Und immer herrscht Wahnsinnsverkehr und Lärm. Und in manchen Gebieten von Delhi muss es auch geregnet haben, denn es stehen Pfützen in den Straßen und da, wo kein Straßenbelag ist, ist die Straße nur Matsch.In eine solch matschiges Straßenviertel mit niederen einfachen Häusern, viel Vieh auf der Straße, sehr engen Straßenzügen biegen wir ab, in einem dieser einfachen Häuschen/Hütten wohnt unser Fahrer. Wir werden von Mutter und Schwester begrüßt und ins Haus gebeten. In der Wiege schläft sein kleiner eineinhalb Monate alter Sohn, wir sitzen in einem kleinen engen Raum, ein Altar an der Wand, der Ventilator geht, im Fernseher läuft "Indian Idol", DSDS auf indisch mit sogar der selben Titelmelodie und Aufmachung., Mutter und Schwester unseres Fahrers reichen uns indischen Tee und Kekse. Ich darf das Baby auf den Arm nehmen, als es aufwacht, und mir wird ein großes Foto des Söhnchens aus dem Familienalbum geschenkt. Es ist gemütlich und wir fühlen uns richtig willkommen, der Abschied später ist rührend.
Es regnet in Delhi, die ganze Nacht hindurch. Nein, das ist immer noch nicht der Monsun, der hat jetzt gerade Mumbai erreicht. Temperaturmäßig ist es angenehmer, aber wenn es schüttet, kann man auch nichts unternehmen. Aber wir wollen noch die Altstadt besuchen.Am nächsten Morgen warten wir, bis der Regen etwas nachlässt. Um 14:30 werden wir zum Flughafen abgeholt werden, denn um 16:45 geht unser Flug von Delhi nach Pune. Noch haben wir also etwas Zeit, noch reicht die Zeit, die Altstadt anzusehen. Wir nehmen ein Tuktuk und lassen uns in die Altstadt bringen. Straßengewirr wieder, zwischen den Läden und Wohnhäusern immer wieder Tempel. Menschenmengen auf der Straße, Gehupe, Geschrei. Laufen durch den Basar, wo es die skurrilsten Stände gibt wie einen, an dem gebrauchte Gebisse verkauft werden, Horoskopsteller, Numerologen; Friseure rasieren auf der Straße ihre Kunden, sogar Zähne werden hier auf der Straße gezogen. Und jeder will uns einen Sari verkaufen: "You go to marriage? And no Sari? Ooooh Gooood! Impossible!" Und dann stehen wir vor dem Sikh-Tempel, einer der Sikhs, die herumstehen, bittet uns in einen Informationsraum über die Sikh, holt einen weiteren Sikh, der wohl besser englisch spricht als er. Tee wird uns serviert und der Sikh erzählt uns über den Sikhismus, erzählt alles über ihre Religion und ihr Weltbild. Zeigt uns dann den Tempel von innen, wobei wir den Kopf bedecken müssen und die Schuhe draußen lassen. Wir sehen den Tempel, die anschließenden Räume, die Küche: Sikh-Tempeln ist eine Küche angeschlossen, jeder, egal welcher Konfession, kann hier kostenlos essen. Also auch eine Art Armenküche. Brote werden gerade gebacken, Frauen arbeiten in der Küche, auch ein Koch. Wir sind tief beeindruckt. Müssen aber langsam los, da wir ja noch nach Pune fliegen. Der Sikh gibt uns eine Info-Broschüre in Deutsch, mein Begleiter will ihm etwas Geld geben, aber er lehnt ab: Die ganze Welt sei Gottes Tempel, und Spenden würden woanders dringender gebraucht, wo es wirklich Elend gäbe. Ooops! Der Besuch in diesem Tempel berührt uns wirklich stark.
Und dann fahren wir mit Tuktuk zurück ins Hotel, von Bettlern bedrängt und von Händlern verfolgt wie immer, räumen zum letzten Mal in Nordindien das Zimmer. Die nächste Nacht werden wir in Pune verbringen.Mein Fazit
Ja, Delhi ist laut und stinkend, ja, es gibt viel Elend zu sehen - wir haben auch davon viel gesehen, nicht weggeguckt, weil wir kein Elend sehen wollten, sondern weil wir den Menschen nicht ihre Würde nehmen wollten. Ich maße mir nicht an, zu verstehen, zu wissen, was hier richtig ist, schon gar nicht bin ich bereit, politische Statements abzugeben. Ich habe ein paar Tage die Stadt besuchen dürfen und sie aus der Besucherperspektive gesehen, nicht mehr und nicht weniger.Aber ich habe auch eine Stadt entdeckt, die voller Schönheit ist, viele Oasen der Ruhe, der Geschichtsträchtigkeit, des Schweigens innerhalb der hektischen Stadt. Eine Stadt, die lebt, die sich bemüht, ihre Umweltprobleme in den Griff zu bekommen. Eine Stadt, unendlich bunt, unglaublich lebendig. Eine Stadt, die so vielseitig ist, so viele Facetten zeigt, dass man immer Neues sieht und erlebt. Nein, es stinkt nicht nur nach Abgasen, es liegt auch der Geruch von Gewürzen in den Straßen, der Geruch von Sandelholz in den alten Gebäuden. Delhi ist eine Symphonie der Sinne: von den leisen Tönen bis zum dröhnenden Beat.
New Delhi ist eine faszinierende Stadt. Es war gut, hier zu sein. Und vielleicht war es nicht das letzte Mal, denn noch habe ich lange nicht alle Fazetten erlebt.
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hubbie 11.07.2009 09:01
Delhi wird auch meine erste Station sein, dazwischen liegen alle Highlights bis Madras, danach brauche ich wohl eine Woche Erholung auf den Malediven
AnnaHaeberle 03.06.2009 05:01
Beindruckend...
mozarteum 01.08.2008 23:34
ach ja .... *träum .... :-) lg detlef
togri 03.11.2007 11:29
Echt Guter Bericht und angenehm zu lesen! ;-)