DB - ICE/ICE-Sprinter

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Mit Tempo 300 von Frankfurt nach Köln

4  13.08.2002

Pro:
Die schnellste und bequemste Verbindung zwischen Frankfurt und Köln

Kontra:
Der Preis ist etwas höher .

Empfehlenswert: Ja 

giovanna

Über sich:

Mitglied seit:12.03.2000

Erfahrungsberichte:215

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Oder: Die Bahn schenkte mir 1 Stunde.

Am 1. August 2002 wurde die ICE-3-Neubaustrecke Frankfurt am Main Hbf – Köln Hbf nach mehrjähriger Bauzeit und zahllosen Probefahrten für den Linienverkehr in Betrieb genommen.

Schon im Vorfeld dieses Ereignisses hatte die Deutsche Bahn kräftig die Werbetrommel gerührt und u.a. im Frankfurter Hauptbahnhof riesige Transparente und Hinweistafeln mit der Aufschrift „DIE BAHN SCHENKT IHNEN 1 STUNDE“ anbringen lassen, um auf den superschnellen Frankfurt-Köln-Transfer über die neu errichtete Schnelltrasse aufmerksam zu machen.

Diese Aussage ist korrekt. Die Bahn schenkt ihren Fahrgästen tatsächlich 1 Stunde Zeit für ihre Reise. --- Aber Zeit ist ja bekanntlich Geld und so ist dieser Zeitgewinn durchaus nicht zum Nulltarif zu haben. Doch dazu später.


Da ich am vergangenen Samstag ohnehin eine eintägige Blitzreise in den Kölner Raum plante, bot es sich an, von diesem neuen Angebot der Deutschen Bahn Gebrauch zu machen. Ich habe also für meinen Kurztrip den ICE 3 „Shuttle“ gebucht und bereue diese Entscheidung durchaus nicht.

Hier meine Eindrücke und Beobachtungen, oder, treffender ausgedrückt, meine Er-„fahrungen“:


____Der Zug______


Rein äußerlich unterscheidet sich der ICE 3 kaum von den ICE-Zügen der ersten und zweiten Generation: eine „weiße Schlange“, die funkelnd und spiegelblank, fast geräuschlos, in die Bahnhöfe einrollt, ans Ziel gekommene Fahrgäste entläßt und neue Fahrgäste aufnimmt und den Bahnhof ebenso geräuscharm wieder verläßt. Kaum dem Bahnhofsbereich entkommen, bemerkt der Fahrgast eine enorme Beschleunigung, die in kürzester Zeit hohe Spitzengeschwindigkeiten erreicht.

Laut Angaben der Bahn sind die Antriebskräfte des ICE der dritten Generation über den ganzen Zug verteilt, wobei „die Achsen eines jeden zweiten Wagens angetrieben werden. Diese gleichmäßige Verteilung der Kraft ermöglicht es dem Fahrzeug, Abschnitte mit bis zu 40 Promille Steigung zu bewältigen“ (Zitat übernommen von www.bahn.de).

Der Fahrgast ist über diese technischen Details meist nicht informiert, wenn er sich denn überhaupt dafür interessiert, sondern vor allem darauf bedacht, sein Ziel möglichst schnell, sicher und bequem zu erreichen, wobei für ihn ein angenehmer Fahrgastraum mit einer komfortablen Sitzgelegenheit und ausreichendem Stauraum für sein Gepäck fast von ebenso großer Bedeutung sind wie die technische Ausstattung des Zuges.

Ich bilde in diesem Punkt keine Ausnahme und muß sagen, daß mich das Intérieur des ICE 3 mehr als angenehm überrascht hat. Im Prinzip gleicht es dem der seit Jahren einführten ICE-Züge der ersten und zweiten Generation, wurde jedoch insofern aufgewertet und verbessert, als die Sitzreihen des ICE 3 ein wenig weiter voneinander entfernt sind und damit mehr Beinfreiheit gewähren.

Die Farbgebung des Fahrgastraums besticht durch ein geschmackvolles Ensemble von Blau-, Grau- und Weißtönen. Wände und Tische sind mit hellem Holzfurnier verkleidet, die Gepäckregale glänzen sehr dezent in mattem, weißem Acrylglas.

Die Aus- und Einstiegszonen am Anfang und Ende der einzelnen Waggons wurden verbreitert und mit zusätzlichen Haltegriffen versehen, so daß einem zügigen und problemlosen Betreten und Verlassen des Zuges keine Hindernisse mehr im Wege stehen.

Die Toiletten sind – wie in allen mir bislang bekannten Zügen – nach wie vor klein und eng, aber sie sind blitzsauber und darüber hinaus weitgehend mit großflächigen Spiegeln versehen, die den winzigen Raum größer und anmutiger erscheinen lassen.

Einen Speisewagen gibt es im ICE 3 nicht mehr, wohl aber ein geräumiges BISTRO, in dem kalte und warme Getränke sowie Kleinigkeiten zur unmittelbaren Stillung des Hungers, wie belegte Brötchen, Croissants und heiße Würstchen angeboten werden. Das Bord-Bistro kann sich ebenfalls sehen lassen mit seiner modernen und aristokratisch-dezenten Ausstattung.

Als besonders positiv zu erwähnen wäre noch, daß der Zug zwei Wagen mit sich führt, die explizit als RUHEZONEN ausgewiesen sind. In diesen Wagen dürfen weder Musikgeräte jeglicher Art noch Handys betrieben werden.


____Service______


Nach meinen Eindrücken ist der Service im ICE 3 Shuttle von Frankfurt nach Köln und retour optimal: Im gesamten Zug „wimmelt“ es geradezu von Personal! Für jeden Wagen gibt es einen eigenen Fahrkartenschaffner; darüber hinaus halten sich zahlreiche Techniker und Handwerker an Bord des Zuges für den Einsatz bei etwaigen technischen Defekten bereit, und sei es auch nur, um die mangelhafte Wasserzufuhr am Waschbecken eines WCs zu reparieren.

Des Weiteren ist unermüdlich eine freundliche „Stewardess“ im Einsatz, die, mit einem formschönen und praktischen Caddy bewehrt, den Reisenden beinahe pausenlos kalte und warme Getränke sowie frische Backwaren offeriert. Ich habe auf meiner Fahr bei dieser freundlichen Dame einen Kaffee bestellt und mich über den Preis gewundert, denn er liegt deutlich UNTER dem normalerweise üblichen Preis, den man/frau bei der Deutschen Bahn für Kaffee zu entrichten hat. Auch das – frische! - Gebäck und weitere kleine Snacks sind ausgesprochen preisgünstig.


____Trasse und Streckenführung_______


Schöne Aussicht ade!!

Vorbei die Zeiten, da der Zug in Richtung Köln noch eine der schönsten Bahnstrecken Deutschlands, den Rheinabschnitt zwischen Bingen und Koblenz, einschließlich des sentimentalen Gratisblicks auf die Loreley, befuhr.

Der ICE 3 folgt einer anderen Trasse, nämlich im Wesentlichen der Autobahn A3, die durch den Westerwald und durch das Siegerland, das Teil des Bergischen Landes ist, führt und keinerlei Panoramablick auf den Rhein zuläßt. Diese Trasse wurde von der Deutschen Bahn aus Gründen des Umweltschutzes und zur Vermeidung einer weiteren Zerschneidung der Landschaft mit großem Bedacht und sehr behutsam ausgewählt. Eine sehr begrüßenswerte und völlig korrekte Entscheidung, wie ich finde.

Die neue Streckenführung ist wesentlich kürzer und weit weniger kurvenreich als die vertraute Panoramatrasse, die unmittelbar am Rhein entlang führt.

Durch die neue Trassenführung konnte die Entfernung Frankfurt-Köln von 222 Kilometern auf 177 Kilometer verkürzt werden – inklusive des damit verbundenen Zeitgewinns.

Von schöner Aussicht und Panoramablick kann im ICE 3 keine Rede mehr sein. Ich hatte auf meiner Reise zwar einen Fensterplatz und war ständig bemüht, einen Blick auf die Gegend zu erhaschen; der Zug fuhr jedoch mit einer solch atemberaubend hohen Geschwindigkeit, daß die Landschaft nurmehr im Zeitraffertempo an mir vorbeisauste und fortgesetztes Hinausschauen mir leichten Schwindel verursachte.

Außerdem ist die neu errichtete Trasse sehr stark mit Tunneln versehen, so daß über weite Strecken nur Dunkelheit ohne jegliche Aussicht auf eine Aussicht vorherrscht.


_____Pünktlichkeit_______


Der ICE 3 Shuttle von Frankfurt nach Köln und zurück ist zur Zeit noch sehr pünktlich! Ja, mehr noch, er scheint sogar überpünktlich zu sein, denn er hat auf meiner Reise die auf 1 Stunde und 14 Minuten veranschlagte Reisezeit vom Frankfurter Hauptbahnhof bis zum Kölner Hauptbahnhof gar in einer kürzeren, dem Fahrplan nicht entsprechenden Zeit zurückgelegt, nämlich in sage und schreibe 1 Stunde und 9 Minuten! Das Gleiche gilt für die Rückfahrt. Auch hier kam der Zug in Frankfurt Hauptbahnhof etwa 4-5 Minuten vor der im Fahrplan ausgewiesenen Zeit an. Ich denke, daß die „unverbrauchten“ 4 Minuten als Sicherheitsmarge eingebaut wurden, um eventuelle Verspätungen abzufedern.


_____Taktzeiten und Haltepunkte______


Der ICE 3 von Frankfurt nach Köln und zurück verkehrt momentan noch im 2-Stunden-Takt. Für den Winterfahrplan 2002/2003 ist eine Erweiterung des Angebots auf einen 1-Stunden-Takt vorgesehen. Auch soll im kommenden Winter die Strecke erweitert werden, so daß im Endeffekt auch Amsterdam und Brüssel mit diesem Superschnellzug erreicht werden können.

Momentan beschränkt sich der Verkehr des ICE 3 auf den reinen Shuttle-Betrieb zwischen Frankfurt und Köln. In dem Bestreben, die vorgeschriebene Fahrzeit einhalten zu können, werden dabei nur sehr wenige Stationen alternierend angefahren:

Stets angefahren wird der Fernbahnhof im Frankfurter Flughafen, von dem aus die Reisezeit nach Köln nur knapp 60 Minuten beträgt.

Weitere Haltepunkte sind: Limburg, Montabaur und Siegburg, die nur alternierend angefahren werden. Diese Städte werden zur Zeit 4 Mal am Tag bedient.

Das bedeutet, daß der ICE 3 auf seinem Weg zwischen Frankfurt und Köln nur 2 Haltepunkte besitzt: Der erste ist Frankfurt/Main Flughafen und danach folgt noch 1 (!) anderer der oben erwähnten Bahnhöfe.

___PREISE_______


Normalerweise kostet eine einfache Zugfahrt (2. Klasse) von Frankfurt nach Köln mit dem „herrkömmlichen“ ICE der 1. oder 2. Generation 39,00 EUR.

Auch der ICE 3 ist in dieser Hinsicht nicht teurer. ABER: Es werden gewisse Aufschläge gefordert!

Für den ICE 3 ist ein so genannter „Shuttle-Zuschlag“ erforderlich, der sich zur Zeit auf EUR 12,00 beläuft. Des Weiteren darf niemand diesen Zug ohne eine gültige Platzreservierung besteigen, für die wiederum EUR 2,60 fällig werden.

Sollte ein Fahrgast seinen Zug verpassen, so ist eine erneute Platzreservierung fällig, die abermals EUR 2,60 kostet.

Diese Preise gelten für die EINFACHE Strecke. Für den Rückweg sind wiederum der Shuttle-Zuschlag sowie die Gebühren für die Platzreservierung zu entrichten.

Die einfache Fahrt in der 1. Klasse kostet EUR 58,00. Die Zuschläge sind dieselben.

Für Besitzer von Netzkarten entfallen die Zuschläge.


___FAZIT______


Trotz des relativ hohen Fahrpreises stellt der ICE 3 Shuttle die momentan kürzeste und bequemste Verbindung zwischen den beiden deutschen Metropolen Frankfurt und Köln dar.

Für Blitztrips und Kurzbesuche der beiden Städte scheint mir die Wahl dieses Verkehrsmittels ganz besonders geeignet zu sein.

Im Übrigen sehe ich in dieser Expreß-Städteverbindung für Geschäftsreisende eine durchaus attraktive Alternative zum Flugangebot. Wer die ermüdenden Eincheck-Zeiten an Flughäfen kennt, die auch für Kurzstreckenflüge aufzuwenden sind, wird mir gewiß dahingehend zustimmen, daß die Bahn in diesem Falle allemal das schnellere und günstigere Beförderungsmittel ist.


4 Sterne für den neuen ICE 3 Shuttle Frankfurt-Köln-Frankfurt. 1 Stern Abzug gibt es wegen des hohen Preises. (Danke, larshermanns, für Deinen entspr. Hinweis im Kommentar).


Gute Fahrt im neuesten Prestigeobjekt der Deutschen Bahn wünscht


Copyright giovanna, 12. August 2002


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Zerni

Zerni

25.06.2003 16:41

Hab es bislang noch nicht geschafft, eine Tour im ICE 3 zu machen, aber der Zug ist allein schon von außen eine Schau. Naja, vielleicht klappt´s ja demnächst, mittlerweile kann man seine Lufthansa-Meilen auch für Bahnfahrten verbraten :-) Gruß zerni

Travelwriter

Travelwriter

12.02.2003 00:42

Ich bin die Strecke inzwischen 4x gefahren aber dir sind noch immer Details aufgefallen, die ich übersehen habe. Gratuliere! Es ist übrigens schon bemerkenswert, das diese Superzüge in Ortschaften wie Montabaur halten. Angeblich hat das betroffene Bundesland einen Zwischenstopp als Bedingung für die Baugenehmigung gemacht.

Seneca_X1

Seneca_X1

24.09.2002 18:08

Ein sehr ausführlicher und gut geschriebener Bericht! Die Werbekampagne der Bahn ist allerdings schlichtweg gelogen - der Slogan müsste demnach heissen: die Bahn VERKAUFT Ihnen eine Stunde, denn der Mehrpreis zur früheren Fahrt am Rhein entlang ist schon erheblich. Richtig deprimierend wird es, wenn Du nach einer Fahrt im ICE3 in die gammelige Regionalbahn steigen musst, um die paar Kilometer bis ins Heimatdorf zu überbrücken... Gruß, Thomas

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