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Pro ewiger Frühling, Heilklima
Kontra Tourimassen im Sommer, Verbauung der Küste
Detailbewertung
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Als ewig erfrorenes Wesen - fragen Sie meinen Mann, an dem ich immer meine Eisbeine wärme - hatte ich mir für meinen Ruhestand vorgenommen, die österreichischen Winter in gemäßigteren Zonen zu verbringen, dabei hatte ich während der vier Traumreisen auf die hawaiianischen Inseln Kauai, Lanai, Maui und Molokai schon Immobilienangebote studiert, sondiert und besichtigt, leider war der $-Kurs zu diesem Zeitpunkt nicht annähernd so günstig wie heute.
Wohnen im Winter mit Blick aufs Meer – da begann er also, mein Wunschtraum, und nach kurzem Überlegen und einer einführenden Unterhaltung mit einem Seniorenpaar aus Vorarlberg, das schon eine Wohnung im Haus erstanden und uns lang und breit über Preise, Infrastruktur, Nachbarn und die Modalitäten des spanischen Immobilienrechts aufgeklärt hatte, waren alle Bedenken meinerseits ausgeräumt und auch mein Mann, der es davor kaum an einem Fleck für längere Zeit aushielt, schien sich damit abzufinden, den Kaufvertrag über 14 Millionen Peseten - umgerechnet neunzigtausend Euro - inkl. Notar- und Grundbuchkosten sowie Devisensteuern haben wir nach ein paar Tagen Probewohnen unterzeichnet.
Die Neubauwohnungen in den „urbanizaciones" (Siedlungen) werden beim Erstbezug von spanischen Promotoren üblicher Weise voll möbliert und bis zum letzten Teelöffel ausgestattet, sodass man theoretisch am Tag der Verleihung der „Escritura“, der formellen Notariatsurkunde, einziehen kann. Wir leben jetzt genau elf Jahre darin und natürlich sind einige der originalen Rattansessel bequemeren Ledermöbeln gewichen, eine Klimaanlage (mit Inverter) und ein Marmorheizkörper wurden installiert, eine Garage dazugekauft und das Billigbesteck mit den Steinguttellern entsorgt, was leider (aus Platzgründen) fehlt ist ein Geschirrspüler, dafür habe ich ja meinen Ehemann ;-)Im Haus wohnen neben vier spanischen Eigentümern noch Deutsche, Engländer, Belgier und Österreicher. Wir haben das Glück, dass es nach wie vor ein gutes Verhältnis gibt und bei den jährlichen Eigentümerversammlungen verständigen wir uns mit einer Mischung aus Englisch, Spanisch und Deutsch.
So weit, so gut.Mi vida española, mein spanisches Leben hier am südlichen Ende der Costa Blanca – auf halbem Weg zwischen Alicante und Cartagena – beginnt jährlich Ende September und dauert bis Ende April, dann wechseln wir ins frühlingshafte Wien, damit haben wir übers Jahr gesehen acht Monate Frühling und vier Monate Sommer, nie wieder nasskaltes Nebel- und Frostwetter, wir müssen auch keine Winterreifen mehr montieren, warme Kleidung verwenden wir keine mehr und Heizkosten fallen nur für an einer Hand abzuzählende kühlere Tage (10º werden kaum je unterschritten) an.
Unser Haus hat ein Flachdach, das wir zum Sonnen und Wäscheaufhängen nützen, der 360º Rundumblick ist ebenfalls nicht zu verachten, nach Osten zum Meer sowieso nicht, landeinwärts schauen wir auf die Villensiedlung mit ihren Palmengärten und unzähligen Swimmingpools und abends auf prächtige Sonnenuntergänge, in einem halben Kilometer Entfernung sieht man den Verkehr auf der vor allem im Sommer vielbefahrenen Staatsstraße N 332, die Abfahrt Villamartin der mautpflichtigen Küstenautobahn AP 7 liegt parallel dazu einen weiteren Kilometer landeinwärts, am Horizont trüben die ausgedehnten Reihenhaussiedlungen den Gesamteindruck etwas.
In dem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Versorgung mit Restaurants, Bars und den Chiringuitos, den Strandhütten, exzellent ist, diverse centros comerçiales sind in Gehdistanz und das Angebot in den Supermärkten differiert von mitteleuropäischen durch die gigantische Auswahl und absolute Frische bei Gemüse, Obst und vor allem Fisch. Waren vor 10 Jahren hier Dinge wie Thüringer Bratwurst, Bitburger Bier oder feine belgische Schokolade unbekannt, so gibt es heute bis auf schmerzlich vermisste Laugenstangen, Kärntner Krustenbrot und frischen Wiener Apfelstrudel alles was das Konsumentenherz begehrt. Unsere Stammrestaurants sind die italienisch angehauchten „La Piazza“ und „Carmelina“ in Villamartin, das indische „Shakira“ und das asiatische Seafoodlokal „Maritao“ im nahen C.C. La Mosca, die sechs Kilometer zu unserem spanischen Fisch- und Tapaslokal „Las Cañas“ in Torrevieja fahren wir mit dem Cabrio oder wandern an den spektakulären Küstenabschnitten entlang zu den Restaurants an der Mole des Yachtclubs. Nach einer anstrengenden Runde Golf auf einem der unzähligen Plätze der Region Murçia fallen wir gern in ein Woklokal in Torre de la Horadada oder in Mil Palmeras ein, dessen original chinesischer Koch präpariert die frischen Zutaten mit Saucen nach Wahl, der Preis von € 10 für all-you-can-eat ist eine echte Mezzie, wo ich mir mit Seezunge, Scampi, Sojasprossen und Spießchen den Bauch nur so vollschlagen kann.
Natürlich ist im Tapasland Spanien immer und überall auch für den kleinen Hunger gesorgt, diese Kultur entwickelte sich in Granada, wo der Wirt zu jedem Gläschen Tinto jeweils ein Häppchen mit Boquerones, eins mit Serranoschinken, eins mit Albondigas, eins mit Bonito oder eins mit Oveja auf einen Deckel (tapa) übers Glas legte, in der Stadt Torrevieja gibt es jeden November einen Tapasmarathon, wo man durch zweiundzwanzig Bars ziehen kann und dort zum Preis von € 1 pro Häppchen die komplette Palette an Tapas serviert bekommt.Falls doch einmal die Lust auf mitteleuropäische Küche befriedigt werden muss finden wir im "Le Bassus" - das zwar französisch anmutet, aber ein veritabler bayrischer Braugasthof ist - exzellenten Schweinsbraten mit Sauerkraut und Erdäpfelknödeln, Pörkölt, Bratwurst, Käsespätzle und Wiener Schnitzel...
Meinen beiden Leidenschaften Shoppen und durch Gärtnereien streifen unternehme ich rund um Torrevieja, Alicante oder Cartagena, allerdings mit meiner Freundin, die ein Haus in der Nachbarschaft besitzt, mein Mann ist für sowas nicht zu haben. Die Modesachen speziell von den spanischen Ketten Zara und Mango sind topaktuell und ich finde machmal ein Teil, das es in Wien erst eine Saison später in den Boutiquen gibt.
Zu den Preisen hier ist zu sagen, dass sie sich in den letzten Jahren an die mitteleuropäischen angeglichen haben, natürlich sind Fisch, Obst und Gemüse noch immer um ein gutes Drittel billiger als im Binnenland Österreich, dafür sind manche Elektronikartikel wieder etwas teurer. Interessant zu beobachten war der Preisrückgang im Zuge der Wirtschaftskrise, die Spanien im Jahr 2007 nach dem Platzen der weltweiten Immobilienblase besonders hart getroffen hat, die Preise werden angesichts der Arbeitslosenzahl von über 23% auch nicht so schnell wieder auf das Niveau der Hochkonjunkturphase bis 2006 anziehen. Das machten wir uns vor drei Monaten zunutze, als wir auf ein nagelneues 1er BMW Cabrio satte 28% Rabatt lukrieren konnten.Für Autofahrer habe ich noch die Spritpreise: Diesel kostet zur Zeit € 1,39, Eurosuper 95 etwa € 1,47.
Für alle, die neben Braten in der Sonne noch Zeit für Ausflüge ins Landesinnere finden, empfehle ich einen Besuch des Palmengartens in Elche (siehe Foto), den schon Kaiserin Sisi genoss, wer gerne Bergwanderungen mit Meerblick absolvieren möchte ist in der Sierra Espuna oder der Montaña bei Alcoy gut aufgehoben, die kleinen Dörfer in der Region sind urig und naturbelassen, wobei die Zeit der Mandelblüte Ende Jänner ihren besonderen Reiz hat, weil die Gärten die Hänge millionenfach mit weißen oder zartrosafarbigen, wohlriechenden Blüten überziehen, wir fahren dann mit dem offenen Cabrio und schnuppern genussvoll den überwältigenden Duft.
Nichtschokoladeseiten hat die Region durch den bis vor kurzem ausufernden Bauboom genug, am schlimmsten finden wir neben den weit ins Landesinnere vorgedrungenen Reihenhaussiedlungen die Stadt Benidorm, ein Gesamt"kunst"werk an Hässlichkeit, die das andalusische Torremolinos als zubetoniertester Ort in Spanien nahtlos ersetzen kann. Leider haben wir auch kein Verständnis für das mangelnde Umweltbewusstsein der Einheimischen, denen fällt grundsätzlich alles aus der Hand was sie nicht mehr brauchen, dementsprechend sieht es dann neben den Straßen und Gehwegen auch aus, das "medio ambiente" und die Partei der "Verdes" sind hier noch unbedeutend.
Andere negative Aspekte finden sich in der schleppenden Justiz und der ausufernden Bürokratie, wenigstens in der Korruptionsbekämpfung zeigen sich erste zaghafte Erfolge.
Glossar:
Boquerones - ungesalzene SardellenAlbondigas – faschierte Fleischbällchen
Bonito – TunOveja - Schafskäse
Serrano - Alltagsschinken, der wirklich gute ist derJabugo - Schinken vom schwarzen Ibericoschwein, das in der letzten Mastphase ausschliesslich Eicheln frisst
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DIREKT4000 28.05.2012 09:20
Mir zu kalt im Winter
Anamcara1 25.04.2012 07:12
billywilder2 19.04.2012 13:22
Benidorm, das war mein erster Urlaubsaufenthalt ohne elterliche Begleitung, abends Disco und tagsüber Sonnenbaden, das fand ich dann mit 18 schon langweilig... Aber so ein Winteraufenthalt als "Snowbird", das hat schon was... BH und LG BIlly
JK2983 14.04.2012 07:13
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