Meinen letzten Urlaub verbrachte ich endlich einmal wieder im Ausland. Ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr in Schweden und in Stockholm noch nie. Das beschloss ich Anfang des Jahres ganz spontan zu ändern, buchte mir günstige Flüge und verbrachte im Herbst ein paar schöne und erholsame Tage in der schönen schwedischen Hauptstadt.
Hotelbuchung
Die Hotels in Stockholm sind an sich recht teuer und preiswerte Unterkünfte muss man mit der Lupe suchen. Die billigsten Unterkünfte, die man bei den Buchungsseiten finden konnte, kosteten trotz allem noch weit über fünfzig Euro und dafür durfte man auf ein eigenes Badezimmer und bei einigen auch auf Sonnenschein verzichten, da die billigsten Räumlichkeiten nicht einmal über eigene Fenster verfügten. Da diese billigen Hotels dann auch noch irgendwo abgelegen im Stadtgebiet liegen, machten die ungünstige Lage sie noch ein weiteres Stück unattraktiver. Da ich meine Flüge dank einer sehr frühzeitigen Buchung sehr günstig bekommen habe, wollte ich zumindest mit meiner Ersparnis in einem Zimmer mit relativ guter Lage in der Innenstadt und einem Mindestmaß an Komfort übernachten. Bei meiner Recherche nach günstigen Hotelzimmern fand ich das Hotel Colonial, welches für Stockholmer Verhältnisse preislich relativ preiswert war, aber auch eine verkehrstechnisch günstige Lage vorzuweisen hatte. Für eine Übernachtung zahlte ich 795 Kronen für mein Einzelzimmer, was nach dem gerade gültigen Umrechnungskurs in etwa 80 Euro waren. Zum Glück war der Kurs der Schwedischen Krone in letzter Zeit relativ schwach, so dass die recht hohen Preise in Schweden für die ausländischen Touristen etwas günstiger waren. Die Buchung des Hotelzimmers über Booking.com erfolgte wie immer ganz einfach ohne irgendwelche Probleme.
Lage
Das Colonial ist an sich noch recht günstig gelegen. Es befindet sich in der Västmannagatan 13 inmitten der Vasastaden, einem Ortsteil des Stockholmer Stadtbezirkes Norrmalm. Auch zu Fuß ist die Altstadt von Stockholm recht schnell zu erreichen, nach meiner Schätzung waren es in etwa 1,8 Kilometer vom Hoteleingang bis zum Reichstag. Zur Stockholmer Haupteinkaufsstraße Drottningsgatan, einer Parallelstraße der Västmannagatan, benötigt man etwa vier Minuten zu Fuß, zum Hauptbahnhof sind es auch nur etwa fünfzehn Minuten. Eine Bushaltestelle befindet sich in der Nähe, so dass man die öffentlichen Verkehrsmittel auch nutzen könnte. Ich habe aber alle Wege zu Fuß zurückgelegt, bei der günstigen Lage war empfand ich es als unnötig auf Busse zu warten. So kann man auch mehr von der Stadt sehen und auf dem Weg nach Gamla Stan in der Drottningsgatan etwas vor den Schaufenstern bummeln. Der Stadtteil Norrmalm ist im Norden etwas hügelig, das Colonial liegt daher auch an einer relativ stark ansteigenden Straße.
Hotel
Das
Bilder von Colonial Hotel, Stockholm
Hotel befindet sich in einem 1880 errichteten Gebäude, welches früher einmal ein reines Wohnhaus war und zu einem Hotel mit fünfzig Zimmern umgebaut wurde. Die Lage in einem fast reinen Wohngebiet war während der Woche sehr ruhig, am Wochenende aber leider etwas unruhiger während des Abends und der frühen Nachtstunden. Das Hotel ist nicht als behindertengerecht zu bezeichnen. Der Eingang verfügt nur über eine Stufe und der vorhandene Fahrstuhl ist auch recht klein und eng. Dieser Fahrstuhl ist zudem auch recht antik was das Alter und die Handhabung betrifft. Ich bin mit ihm nur einmal gefahren und habe anschließend nur noch die Treppe benutzt, da die Geschwindigkeit, mit der Fahrstuhl die Höhenunterschiede zu verringern versuchte, als alles andere als berauschend schnell zu bezeichnen war. Zudem benutzten ihn manchmal einige Gäste nicht so richtig wie verlangt, sondern schlossen die Fahrstuhltür nicht vorschriftgemäß, so dass andere Besucher eine Etage höher vor der Fahrstuhltür standen und warteten ... und warteten ... und warteten.
Im Foyer befand sich ein Getränkeautomat, in dem man verschiedene alkoholfreie Getränke in 0,33-Liter-Dosen kaufen konnte, sowie einen Computer, mit dem man gratis ins Internet konnte. So hatte ich wenigstens die Möglichkeit mich zuverlässig über das Wetter des Tages zu informieren. Ein paar Flyer und Broschüren lagen dort auch aus, so dass man als unvorbereiteter Urlauber ein paar Informationen bekommen konnte. Das Gebäude an sich war recht hellhörig, so dass man einige Geräusche der anderen Gäste mitbekommen konnte. So konnte man die Türen des Nachbarzimmers und das Wasserrauschen des darüber liegenden Bades vernehmen. Das Personal empfand ich als etwas zurückhaltend und kühl, das Einchecken verlief problemlos und relativ schnell, da ich der einzige Gast war, der zu der späten Zeit angekommen ist. Da ich erst gegen Mitternacht in Arlanda gelandet bin, traf ich im Hotel erst nach ein Uhr nachts ein. Da das Hotel eine durchgehend besetzte Rezeption besitzt, war das späte Eintreffen auch kein Problem, zudem ich dem Hotel schon ein paar Tage vorher bescheid gegeben hatte.
Zimmer
Das Hotel beschreibt sich auf den Buchungsseiten im Internet
unter anderem folgendermaßen: „Das charmante Colonial, das von einem Gebäude aus dem Jahr 1880 beherbergt wird, bietet schöne Zimmer, die in Erdtönen gestaltet und mit bequemen Möbeln und modernem Komfort ausgestattet sind.“
Diese Beschreibung klingt so recht schön und gut, aber völlig kann ich diese Selbstdarstellung des Hotels nicht nachvollziehen. Entweder habe ich keinen guten Geschmackssinn, so dass ich schöne Zimmer von weniger schönen unterscheiden kann, oder bin aus der Zukunft angereist, so dass ich eine falsche Vorstellung von dem habe, was heutzutage als modern zu bezeichnen wäre.
Das Zimmer, welches ich bei meinem Aufenthalt in diesem Hotel bewohnt habe, war nicht unbedingt als groß zu bezeichnen. Der Platz zwischen Bett und Wand war recht eng bemessen, so dass man relativ schlecht zum Fenster gelangen konnte. Das Zimmer verfügte über ein sehr kleines Bad, welches wie ich immer so schön sage, recht eng um die Hüften war. Mein Bad war auch in etwa 20 Zentimeter höher gelegen, so dass ich am ersten Abend fast unglücklich gestolpert wäre, da ich mit einer solchen baulichen Besonderheit nicht gerechnet hatte. Es waren mehrere weiße Handtücher vorhanden, von denen die benutzten Exemplare auch jeden Tag gewechselt wurden. Eine größere Ablage für beispielsweise einen Kulturbeutel gab es nicht, was ich als recht unpraktisch empfand. Die Temperatur des heißen Wassers war soweit in Ordnung, das Wasser roch nur etwas merkwürdig. Die Duschwanne war recht schlecht gefliest, da das Wasser nicht richtig ablief, zumindest war die Duschwand dicht.
Das Zimmer an sich war recht schlicht eingerichtet. Es standen zwei einfache nebeneinandergestellte Betten darin, welche aber nicht unbedingt sehr standfest waren. Sie ließen sich recht leicht verschieben, da die Füße des Bettes auf dem im Zimmer verlegten Laminat keinen richtigen Halt finden konnten. Die Betten hatten auch keine Kopfstütze vorzuweisen, so dass ich das zweite Kissen zu Hilfe genommen habe, um etwas bequemer auf den Fernseher sehen zu können. Die Matratzen waren in Ordnung, die Kissen aber für meinen Geschmack viel zu dünn und auch zu klein geraten. An der Rückwand waren zwei einfache Leselampen und eine Stereoanlage befestigt, einen Nachttisch oder eine ähnliche Ablage konnte man in dem Zimmer aber leider nicht finden. Ein einfacher Sessel stand in der einen Zimmerecke, daneben eine truhenähnliche Ablage. Einen Schreibtisch vermisste ich aber schmerzlich, bei zwei Sternen sollte ein Tisch eigentlich Standard sein. Meine Postkarten schrieb ich daher mit einem Buch auf den Knien als eine mehr schlechte als rechte Schreibunterlage. In der Ecke stand ein Schmaler Schrank, in dem man auch einige Kleiderbügel finden konnte. Der im Zimmer vorhandene Flachbildschirmfernseher war an der Decke einer Zimmerecke befestigt und war nicht unbedingt optimal einsehbar, da wie erwähnt das Bett keine Kopfstützen hatte.
Die Fenster in dem Hotel waren recht alt und nicht unbedingt gut isoliert. Am Wochenende war es sehr schönes Wetter, so dass einige Einheimischen bis tief in die Nacht auf den Balkonen und im Hof lautstark private Partys feierten und so an ruhiges Schlafen nicht wirklich zu denken war, da die dadurch resultierende Geräuschkulisse durch die Fenster nur bedingt gedämpft wurde. Die vorhandenen Vorhänge verdunkelten das Zimmer in einer für meine Schlafgewohnheiten ausreichenden Stärke.
Frühstück
Das Frühstück gab es in einem eigens dafür eingerichteten Frühstücksraum im Erdgeschoss des Hauses. Die Einrichtung des Raumes war relativ schlicht gehalten und stimmte mit der Darstellung auf der Internetseite des Hotels überein. An der Wand hing ein großer Flachbildschirmfernseher auf dem das Programm von CNN lief. Man saß an quadratischen Tischen aus Metall, welche zu Tischgruppen gestellt waren, aber von der Größe her recht klein, da nur zwei Tabletts darauf Platz fanden, ohne rechts oder links Abstellmöglichkeiten zu lassen. Die Stühle waren aus Holz, und soweit in Ordnung.
Das Frühstück war recht überschaubar gestaltet, denn das Angebot war recht klein und variierte von Tag zu Tag überhaupt nicht. Die Wurst und der Käse befanden sich in größeren Behältern aus Edelstahl, aus der man mit Hilfe eine Zange sich etwas von dem Inhalt nehmen konnte, was aber recht viel Geschick erforderte, da sich die Wurst noch in halbierten Blöcken befand und die Scheiben noch relativ fest aneinander hafteten. Die Präsentation der Lebensmittel empfand ich als recht lieblos und hatte für mich den Charme der Auslage einer Großküche. Es gab auf dem Frühstücksbuffet eine Sorte harter Wurst und zwei Sorten, die in Richtung Kochschinken gingen, sowie einer Sorte Käse. Zwei Marmeladensorten gab es in größeren Schalen, es waren aber keine extra Behältnisse vorhanden, in welche man sich etwas davon abfüllen konnte. Die klebrige Sauerei auf dem Teller habe ich mir aber erspart und auf den süßen Brotaufstrich verzichtet. Die Butter und die Margarine hingegen gab es aber in abgepackten Behältnissen. An Backwaren war nur eine Sorte Knäckebrot und zwei Sorten von Toastbrot zu finden. Richtiges Brot habe ich dort leider schmerzlich vermisst, denn Toastbrot ist für mich ernährungstechnisch eine Zumutung, daher hab ich mich während meines Aufenthaltes in diesem Hotel an die skandinavische Spezialität Knäckebrot als Aufschnittunterlage gehalten. Für das Toastbrot standen den Gästen zwei Toaster zur Verfügung, welche recht schnell ihre Arbeit verrichteten.
Als Abrundung des Frühstücksangebotes standen noch Gurken- und Tomatenscheiben, ein Müsli und hartgekochte Eier zur Verfügung. Entscheidungsunfreudigen Zeitgenossen kommt ein solches komprimiertes Angebot eventuell entgegen, ich habe aber schon gerne etwas mehr Auswahl bei meinem Frühstück. An heißen Getränken gab es verschiedene Sorten Kaffee aus einem Automaten, der auch heißes Wasser für das Aufgießen von Teebeuteln bereitstellte. Des Weiteren war ein kleinerer Automat vorhanden, aus welchem man zwei Sorten Saft und Mineralwasser bekommen konnte. Diese Säfte waren aber nur mit Wasser verdünnte Konzentrate und schmeckten leider auch recht künstlich. Das Frühstück gibt es übrigens Montag bis Freitag in der Zeit von 7.00-10.00 Uhr und Samstag und Sonntag immer von 8.00 bis 10.00 Uhr.
Bewertung
Zu bemängeln hätte ich etwas an der Einrichtung des Zimmers, welche ich als teilweise recht unpraktisch empfand, denn zumindest einen kleinen Schreibtisch hätte ich bei den zwei Sternen erwartet, den das Haus hat, sowie den baulichen Zustand des Hauses, denn der Fahrstuhl ist etwas unpraktisch in der Handhabung und die alten Fenster im Zimmer waren nicht optimal isoliert. Das Bad war etwas klein und wegen der höheren Ebene, auf der es sich befand, eine mögliche Gefahrenquelle, wenn man schlaftrunken sich achtlos dorthin bewegen sollte. Ich finde zudem Betten ohne Kopfstütze sehr unpraktisch, schließlich lesen viele Leute noch vor dem Einschlafen etwas im Bett. Das angebotene Frühstück war eher auf dem Niveau einer Jugendherberge, denn es war doch etwas sehr einfach und dann noch recht lieblos angerichtet. Ich war beispielsweise vor einiger Zeit in einem Berliner Jugendhotel, da waren sogar die Platten etwas garniert gewesen. Die Zimmer auf den Bildern auf der Internetseite des Hotels waren deutlich schöner gestaltet, als das was ich während meines Aufenthaltes bewohnte. Das Hotel war trotz der zwei verliehenen Sterne für meinen Geschmack recht schlicht eingerichtet.
Am positivsten bei diesem Hotel ist die recht zentrale Lage in der Stadt, die es vorweisen kann, weshalb es auch in meine Auswahl kam. Man kann vom Hotel aus alle wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen und wenn der Abend in der Altstadt etwas länger dauern sollte, kann man auch ohne Taxi zurück zum Hotel gelangen. Die Kosten für eine Übernachtung in diesem Hotel war mit etwa achtzig Euro für ein Einzelzimmer im unteren Bereich der Stockholmer Preisskala. Beurteilen würde ich dieses Hotel aufgrund meiner Erfahrungen mit einer durchschnittlichen Bewertung, mit mehr aber nicht.
© 2009 Matthias Hühr
27.12.2009 22:36
Bei zwei Sternen darf man eben nicht viel erwarten ... LG bongilein
22.11.2009 00:13
Würd auch gerne mal nach Schweden kommen... Kann noch ein Weilchen dauern aber werd ich bestimmt... Klasse Bericht... Alles Liebe
10.11.2009 00:25
Für mich alles drin was interessant ist - BH!