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Erfahrungsbericht

für Christopher Street Day, Köln
Nächsten Bericht ansehen " Keine Demonstration..."
4 Sterne Vergnügung oder Demo? CSD in Deutschland (Köln)
37 von 38 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Informativ, gesellig und unterhaltend

Kontra kann empfindliche Menschen verletzen

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

Romanow

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Hallo Leute, ich wage mich es mal ein eigentlich immer noch heikles Thema anzufassen. Das Thema CSD "Christopher Street Day" .

Erst einmal schnell einleitend, woher stammt eigentlich der Begriff oder die Bezeichnung CSD?

Hier die Definition die ich eins zu eins aus dem Wikipedia kopiert habe:
Der CSD erinnert an den ersten, bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit homosexuellem Zielpublikum. Es kam in der Folge zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei. Um dem ersten Jahrestag des Aufstands zu gedenken, wurde das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet. Seit dem wird in New York am letzten Samstag des Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug an dieses Ereignis erinnert. Daraus ist eine internationale Tradition geworden, im Sommer eine Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben abzuhalten. In Berlin, Köln und anderen deutschen Großstädten werden diese Demonstrationen jedes Jahr als Christopher Street Day oder kurz "CSD" abgehalten.

In Deutschland fanden im Jahre 1979 in Bremen und Berlin die ersten CSDs unter dieser Bezeichnung statt. Größere Lesben- und Schwulendemonstrationen gab es schon seit dem Jahre 1972 (die erste in der Bundesrepublik Deutschland am 29. April 1972 in Münster). Der erste CSD in der Schweiz fand am 24. Juni 1978 in Zürich unter dem Namen Christopher-Street-Liberation-Memorial Day statt.

In beinahe jeder größeren Stadt in Deutschland gibt es heute CSDs, die größten in Köln und Berlin. Die Paraden und Demonstrationen während des CSDs stellen mittlerweile ähnliche Attraktionen dar, wie beispielsweise Karnevalsumzüge oder die wesentlich neueren Technoparaden. In Köln hatte der CSD im Jahre 2002 (als Europride) mit 1,2 Millionen Beteiligten (Teilnehmende und Zuschauer) zum ersten Mal mehr Besucher in die Stadt gelockt, als der Rosenmontagszug und war damit der bisher größte CSD in Europa.

Die CSDs in Deutschland finden nicht genau am historischen Datum, dem 28. Juni statt, sondern an den Wochenenden von Juni bis August. Geplant, als Demonstration angemeldet und durchgeführt werden die CSDs von unterschiedlich strukturiertenen Organisationen oder Einzelpersonen vor Ort, häufig ehrenamtlich und in Vereinen organisiert. Als politische Demonstration, oft mit einem politik-bezogenen Motto, zeigen sich die CSDs meist in Form von Demonstrationsparaden und einer anschließenden Kundgebung. Oftmals wird die Kundgebung von Künstlern mit Auftritten auf der Bühne unterstützt. Zusätzlich zur politischen Botschaft der CSDs wird dort gefeiert. Dieses Feiern des eigenen Lebensstils begründet sich aus dem Ursprung des CSDs: die Beteiligten zeigen oft demonstrativ, dass sie stolz auf sich, ihr Leben und ihre sexuelle Identität sind (daher die Bezeichnung Gay Pride (= "homosexueller Stolz") für CSDs in englisch-sprachigen Ländern).

ENDE DER DEFINITION AUS WIKIPEDIA

Da ich nun sehr nahe bei der Stadt Köln wohne, ergibt es sich von selbst, dass ich zu diesem Spektakel jedes Jahr gehe. Zum einen ist es schön zu erleben wie sich unsere Gesellschaftliche Sozialisation verändert, zum anderen gibt es mir aber auch immer wieder zu denken, dass es immer noch viele Menschen gibt, die sich nicht trauen öffentlich zu ihrer sexuellen Veranlagung zu stehen. Erst letztens habe ich wieder durch Zufall Kenntnis von einer Kollegin erhalten, dass diese mit ihrer Partnerin zusammen lebt aber sich nicht traut, sich dazu zu bekennen aus Angst vor einigen Kolleginnen und Kollegen. Das finde ich schade.

Was ich auch sehr interessant finde, dass bei diesem Straßenfest jede Menge heterosexueller Menschen als Paar oder auch einzeln mitfeiern (denn es ist wirklich wie Karneval im Sommer) jedoch dann im Alltag sich deutlich davon distanzieren und teilweise sogar intolerant sind.

Auf jeden Fall sollte so eine Veranstaltung schwerpunktmäßig einen politischen und aufklärenden Charakter haben. Nur leider ist es meiner Meinung nach inzwischen immer mehr zu einer kommerziellen Veranstaltung mutiert. Dies kann zum einen daran liegen, dass es von öffentlicher Hand kaum noch Förderungen gibt zum anderen daran liegen, dass es von Firmen gesponsert wird, da die Finanzierung in die Millionen geht.

Zu diesem Thema gibt es natürlich auch religiöse sowie ironisch oder auch sarkastische Aspekte:

Dies wieder einmal einer der herrlichen Texte, die man manchmal bekommt. Hier wird die auf der Bibel basierende Haltung guter Christenmenschen auf witzige Weise ad absurdum geführt. Eigentlich auch ein Paradebeispiel dafür, dass wir Menschen Meister darin sind, Informationen selektiv wahrzunehmen und unsere Wirklichkeit so hinzubiegen, wie es uns gerade passt und uns dabei nicht einmal über die resultierenden Inkonsistenzen wundern. Ist echt lesenswert, unabhängig davon, ob man sich für das Thema Homosexualität interessiert oder wie man dazu steht.

Laura Schlessinger ist eine US-Radio-Moderatorin vom Sender WLS Chicago's Newstalk 89, die Leuten, die in ihrer Show anrufen, Ratschläge erteilt. Kürzlich sagte sie als achtsame Christin, dass Homosexualität unter keinen Umständen befürwortet werden kann, da sie nach Leviticus 18:22 ein Greuel wäre.

Der folgende Text ist ein offener Brief eines US-Bürgers an Dr. Laura, der im Internet verbreitet wurde.
Liebe Dr. Laura

Vielen Dank, dass Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an das Buch Mose 3, Leviticus 18:22, wo klargestellt wird, dass es sich dabei um ein Greuel handelt. Ende der Debatte.

Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze und wie sie zu befolgen sind,

1. Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, dass dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev. 1:9). Das Problem sind meine Nachbarn. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?

2. Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?

3. Ich weiß, dass ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24). Das Problem ist: Wie kann ich das wissen? Ich habe versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.

4. Lev. 25:44 stellt fest, dass ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, das würde auf ex-Jugoslaven zutreffen, aber nicht auf Österreicher oder Deutsche. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Österreicher besitzen?

5. Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2 stellt deutlich fest, dass er getötet werden muss. Allerdings: Bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?

6. Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Greuel darstellt (Lev. 11:10), sei es ein geringeres Greuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?

7. In Lev. 21:20 wird dargelegt, dass ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muss zugeben, dass ich Lesebrillen trage. Muss meine Sehkraft perfekt sein oder gibt es hier ein wenig Spielraum?

8. Die meisten meiner männlichen Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Lev. 19:27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?

9. Ich weiß aus Lev. 11:16-8, dass das Berühren der Haut eines toten Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fussball spielen, wenn ich dabei Handschuhe anziehe?

10. Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Lev. 19:19 weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüber hinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle/Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, dass wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (Lev. 24:10-16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen (Lev. 20:14)?

Ihr ergebener Jünger und bewundernder Fan

Jake

Laura Schlessinger hat übrigens ihre eigene Homepage, nur falls sich jemand noch mehr Ratschläge von einer Expertin mit so beruhigend simplifizierter Weltanschauung reinziehen möchte (man berücksichtige den Unterhaltungswert).

Tja, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist (bis auf einige wenige und selektive biblische Restriktionen) doch einfach alles möglich... :-)

Auf jeden Fall war ich heute mit meinem Mann auf dem Straßenfest des CSD in Köln. Wir haben uns wieder mit unter die vielen Menschen der verschiedensten Kulturen, Nationalitäten und sexuellen Richtungen gemischt und von der enormen Stimmung einfangen und mitreißen lassen. Es war auch wie immer ein tolles Gefühl und Erlebnis.

Morgen Vormittag beginnt dann der große Umzug durch die Straßen von Köln, der die eigentliche politische Demonstration sein soll und auch hoffentlich sein wird. Es werden an die eine Million Menschen wieder dabei sein. Homosexuelle sowie auch transsexuelle und Heterosexuelle. Hoffen wir, das der Entwicklungsprozess weiter geht und wir Menschen noch toleranter und verständlicher werden als wir es bisher schon sind.

Falls sich jemand durch diesen Beitrag verletzt fühlt, versichere ich, dass dies nicht meine Absicht war und ist und entschuldige mich hiermit in aller Form im Voraus.

In diesem Sinne
Romanow

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Kommentare

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  • Stellini 13.04.2011 11:39
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • MC_Laudi 31.10.2008 11:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Dr.Claudia 05.09.2008 09:27
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • fallstrom 25.08.2008 16:01
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Wolle0509 08.08.2008 15:09
    Bewertete diesen Bericht als
    weniger hilfreich

    so richtig die Kategorie getroffen hast Du aber nicht

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