Chile - Reiseerlebnisse

Erfahrungsbericht über

Chile - Reiseerlebnisse

Gesamtbewertung (17): Gesamtbewertung Chile - Reiseerlebnisse

 

Alle Chile - Reiseerlebnisse Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Ausschnitt Reisbericht Südamerika (Chile)

5  06.11.2001 (07.11.2001)

Pro:
Abenteuer, Abwechslung, gigantisch

Kontra:
-  -  -

Empfehlenswert: Ja 

lumberjack2

Über sich:

Mitglied seit:07.04.2000

Erfahrungsberichte:13

Vertrauende:2

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 23 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

den kompletten Reisebericht findet ihr auf
www.handvest.com/reisebericht.htm

24.02.00

Nachdem wir Mama im Abflugbereich des Airports verlassen haben, sind wir zu TomTom und Jens in den Ankunftsbereich, wo wir jede Minute Bernhard erwarteten, der im Moment gelandet sein mußte. Es dauerte auch nicht lang, bis er dastand. Wir hatten noch ungefähr zwei Stunden Zeit, und so sind wir gleich mal auf einen Begrüßungs-Pisco in das Flughafenrestaurant zum Schafkopfspielen. So verging die Zeit sehr schnell bis zu unserem Flug nach Antofagasta. Der Urlaub nahm jetzt eine schöne und anstrengende Wendung. Der Flug nach Antofagasta war wiederum sehr angenehm und ruhig. Antofagasta ist die "Hauptstadt" der Atacama-Wüste, die trockenste Wüste der Welt. Es war der totale Gegensatz zum Süden, wo wir bisher waren. So grün, wie es vorher war, so braun war es jetzt. Bei der Landung war kein Baum und kein Strauch mehr zu sehen. Der Flughafen war ziemlich abgelegen und man merkte gleich, daß wir in der Wüste waren. Es war unheimlich heiß und die Bezeichnung Flughafen war mehr als geschmeichelt. Es gab ein Rollfeld, ein kleines Terminal und unser Gepäck wurde von Hand abgeladen und auf das einzigste Förderband gelegt, das es im Terminal gab. Also verlaufen konnte man sich nicht. Dann gab es schon die ersten Schwierigkeiten. Wir haben einen Leihwagen für fünf Personen mit Gepäck gebraucht, nach Möglichkeit einen Geländewagen mit Allradantrieb. Als wir die Preise gelesen haben, hat uns fast der Schlag getroffen! Über 250 DM pro Tag! Einfach eine Frechheit! Als wir nach einem 2Rad-Pickup gefragt haben, hätte der zwar nur die Hälfte gekostet, aber da hatten sie leider keinen da. Also haben wir uns entschieden, mit zwei Taxis nach Antofagasta hineinzufahren und uns dort bei den Verleihfirmen umzuschauen.

Hier im Norden waren die Verhältnisse jetzt schon ein bißchen anders. Es war deutlich dreckiger, sehr viele Geier flogen herum, und ein warmer Wüstenwind ging durch die Stadt. Die Fahrt dauerte ungefähr eine halbe Stunde, was überhaupt nicht in unseren Zeitplan gepaßt hat. Wir bekamen dann dort zwar einen Geländewagen, ein roter Toyota mit Pritsche, aber gekostet hat er doch fast genauso viel wie am Flughafen. Nachdem wir noch kurz beim Einkaufen waren und uns mit Getränken versorgt hatten, ging’s gegen 17 Uhr los nach Calamar, mitten hinein in die Atacama-Wüste. Sehr schnell wurde es sehr einsam. Kaum aus der Stadt gab es auch schon keinen Radio-Empfang mehr. Unsere Kasetten und unseren CD-Player hatten wir sicherheitshalber natürlich in Santiago gelassen. Aber die Fahrt war trotzdem sehr lustig. Allerdings war unser Biervorrat sehr schnell aufgebraucht und so mußten wir sehr lange warten, bis wir wieder in eine Stadt (kleines Dorf) kamen, in der es einen Getränkemarkt gab. Es war inzwischen nach 20 Uhr und wir hatten das Gefühl, daß wir mit Abstand die einzigsten weit und breit waren, die mit dem Auto unterwegs waren.

Gegen 23 Uhr tauchte dann endlich Calamar von uns auf. Wir hatten schon befürchtet, daß wir kein Hotel mehr bekommen würden, aber so klein war die Stadt gar nicht. Hier in der Nähe mußten irgendwo die großen Kupferminen von Chile sein. Wir haben uns in einem kleinen Hotel einquartiert. Es war zwar recht dreckig, dafür aber schön teuer. TomTom, Jens und ich hatten dann immer noch nicht genug, und wir sind noch durch die dunklen und unheimlichen Straßen gezogen. Erst haben wir uns in einem Bordell oder Striplokal verlaufen, wo wir recht komisch gemustert wurden und dann auch gleich wieder gegangen sind, dann haben wir aber doch noch eine relativ schöne Bar gefunden, in der wir dann noch bis gegen zwei Uhr geblieben sind.

25.02.00


Der Streß traf uns gleich heute mit voller Härte! Um vier Uhr mußten wir mit unseren Brummschädeln schon wieder aufstehen! Irgendwie ging’s uns dreien noch nicht so toll. Wir wollten zu den berühmten Geysiren von El Tatio fahren, und es hieß, daß die morgens um halb sieben am besten und am schönsten sind. Marcus ist gefahren und wir sind mehr oder weniger tot hinten dringelegen. Nach 35 km kamen wir in ein Wüstendorf, und die Straße war auf einmal zu Ende. Dabei haben wir extra gefragt, wie wir fahren müssen, und es hat geheißen, daß wir da durch müßten! Wir haben gesucht und gesucht, fast einmal um das ganze Dorf geackert, aber es war keine Straße und keine Piste nach nirgendwohin. Was tun? Uns blieb nichts anderes übrig, als wieder zurückzufahren. Wir haben zwar noch einen Wegweiser gefunden, der ging aber absolut ins Leere! Bis wir wieder in Calamar waren, war es bereits sechs Uhr und wir hatten zwei Stunden verloren. Marcus verlor die Lust am Autofahren. Und der Tank war auch schon wieder halb leer. Also erst mal wieder an die Tankstelle und dann sind wir dagestanden.

Wir mußten umplanen. Also haben wir die Geysire erst einmal hinten angestellt und sind nach San Pedro de Atacama gefahren, etwa drei Stunden fahrt. Unterwegs sind wir an einem Tal vorbeigefahren, das so den Eindruck gemacht hat, als ob es das Valle de la Luna wäre. Wir haben natürlich wieder einmal fotografiert wie die Weltmeister. Erst nachher hat sich herausgestellt, daß es das gar nicht war. Den ganzen weg nach San Pedro de Atacama haben wir keinen Menschen und kein einiges Auto gesehen. Wir waren weit und breit alleine! In San Pedro war unser Tank schon wieder halb leer und eine abenteuerliche Suche begann. Wo könnte hier die Tankstelle sein? Und so groß war der Ort ja wirklich nicht. Es gab nicht einmal geteerte Straßen! Eine halbe Stunde später haben wir sie dann doch gefunden und uns auch gleich nach dem Weg zum größten Salzsee Chiles erkundigt, dem Salar de Atacama.

Eine ganz neue Straße führte dort hin, so richtig mit Teer und allem, ich setzte mich auf den Pickup und genoß die frische und auch noch recht kühle Luft. Aber es war herrlich da hinten drauf! Irgendwann kamen dann doch die obligatorischen Schotterpisten. Dafür wurde ich aber mit dem Blick auf den höchsten Vulkan der Welt entschädigt, ein über 6.000 Meter hoher Riese. Wir waren inzwischen auf 2.500 Meter Höhe, und das war noch weit unten! Wir hatten uns schon darauf eingestellt, irgendwann im Urlaub hoch hinaufzugehen, nicht aber heute schon. Ungefähr nach einer Stunde Fahrt haben wir den Salar de Atacama erreicht. Ein riesengroßer, weit abgelegener Salzsee, in dem die Flamingos noch geschlafen haben, das erste mal übrigens, daß ich Flamingos in freier Wildbahn gesehen habe. Das Gestein war hellbraun bis weiß und die Berge der Anden spiegelten sich im See. Außer uns war immer noch weit und breit kein Mensch, seit dem wir losgefahren waren, mit Ausnahme der Tankwart in San Pedro.

Wir haben unsere Pflichtfotos gemacht und sind dann auch schon wieder aufgebrochen, um zu den Geysiren zu fahren. Zurück in San Pedro erfuhren wir aber, daß wir das Valle de la Luna noch gar nicht gesehen hatten und begannen es zu suchen. Und das war gar nicht so einfach. Zwei mal haben wir unterwegs das Tal schon fotografiert, weil wir dachten, daß es das ist, bis wir dann wirklich einen Wegweiser gefunden haben. Allerdings war das Tal wegen "Bauarbeiten" gesperrt. Was die gebaut haben und warum man da das Tal sperren mußte, haben wir nie erfahren. Es hat uns nicht groß gestört, wir sind einfach weitergefahren. Wir hatten ja Allrad! Also alles halb so wild. Aber schon nach kurzer Zeit kam uns ein Auto entgegen, in dem jemand war, der meinte, daß er was zu sagen hat. Wir haben natürlich überhaupt nichts verstanden. Aber er hat uns irgendwie angedeutet, daß wir ausnahmsweise fahren dürften, wenn wir ganz langsam fahren, und daß er uns beobachten würde.

Kurze Zeit später erreichten wir dann wirklich das Valle de la Luna. Es war einfach unbeschreiblich, und wir wußten jetzt ganz genau, daß es das war. So etwas hatten wir noch nie gesehen! Es war ein recht großes Tal, und die Berge und Ebenen, die vorher noch ganz braun waren, waren auf einen Schlag schneeweiß! Wir sind auf dem Pickup auf der Pritsche gestanden und konnten es gar nicht glauben. Ganz beeindruckt haben wir sogar das Auto mitten auf der Straße geparkt, aber es war ja sowieso wieder mal keiner weit und breit, außer uns Touris. Wir haben das Auto auf die Seite gestellte und haben erst einmal ganz wild fotografiert, haben die Steine angeschaut, warum die so weiß sind, und jeder ist für sich ein bißchen herumgelaufen. Es war alles Salz, was da so weiß glänzte, teilweise wirklich weiß, und teilweise durchsichtige Salzkristalle. Irgendwie war der Anblick wirklich seltsam und komisch. Wirklich wie auf dem Mond. Noch einmal ein paar Fotos, dann mußten wir aber auch schon weiter, weil wir ja noch unbedingt zu den Geysiren wollten.

In San Pedro de Atacama tankten wir noch einmal voll, weil el Tatio es schon ein gutes Stück abseits war. Aber wir hätten doch ein bißchen genauer schauen sollen. Zwei Stunden lang ging es bergauf, zwar nicht arg steil, dafür aber wirklich stetig. Wir merkten schon, wie wir langsam Schwierigkeiten mit dem Atmen bekamen. Die "Piste" war ab und zu von kleineren Bächen und Flüssen durchquert, was aber unheimlich Spaß gemacht hat, mit unserem Allradler da durchzufahren. Unsere Probleme mit der Luft wurden immer gravierender, und Bernhard beklagte sich schon über starke Kopfschmerzen! Auch Marcus hatte langsam größere Probleme, als ihm lieb war. Aber das Ziel kurz vor Augen wollte natürlich keiner umdrehen. Nachdem wir die Karte jetzt auch ein bißchen genauer angeschaut hatten, haben wir gewußt, daß wir in ca. 5.000 Meter Höhe waren, also noch ein bißchen über den Geysiren, die waren nämlich nur in 4.800 Meter Höhe. Kurz danach haben wir die Geisterstadt El Tatio erreicht und ein paar Minuten später auch das Geysirfeld. Doch wir hatten mehr mit unserer Höhenkrankheit zu kämpfen, als daß wir den Anblick der dampfenden und kochenden Geysire genießen konnten. Bernhard ist nicht einmal mehr ausgestiegen, und wir spürten jeden Schritt, den wir gelaufen sind. Trotzdem war der Anblick irr! Obwohl wir so weit oben waren, waren die Berge rundrum immer noch viel höher, außerdem war der Himmel richtig schwarz und dunkel, weil eine dicke Wolke in den Bergen hing. Der Boden war vom Schwefel gelblich und der Dampf tat sein Übriges, um das ganze in einer seltsamen Stimmung erscheinen zu lassen. Wir wagten uns recht nahe an die Geysire heran, um auch schöne Fotos einzufangen, sind dann aber gleich wieder "weggesprungen", so schnell wir halt in der dünnen Luft uns überhaupt noch bewegen konnten.

Schon zehn Minuten später traten wir wieder die Heimreise an, weil Bernhard und Marcus immer mehr Probleme bekamen. Ausgerechnet unsere zwei, die sportlich mit Sicherheit am aktivsten waren. Ein bißchen enttäuscht waren wir trotzdem, weil keiner der Geysire in der Zeit wo wir oben waren, so richtig ausgebrochen ist. Sie haben alle nur vor sich hingedampft und geblubbert. Aber wir mußten wieder runter. Die Zeit, bis es wieder deutlich bergab gegangen ist, ist uns wie eine Ewigkeit vorgekommen. Der Druck auf der Lunge wurde inzwischen bei mir auch richtig unangenehm.

Wir hätten die Landkarte doch besser anschauen sollen. Es war, nachdem wir schon wieder ungefähr zwei Stunden unterwegs waren. Seit dem Vormittag hatten wir praktisch keinen Menschen und nichts sonstiges lebensfähiges gesehen. Auch kein Auto, kein Dorf, kein nichts. Die Luft wurde wieder besser und wir waren froh, daß es in Richtung Calamar ging, zwar immer noch durch tierische Einsamkeit, aber es waren nur noch ungefähr zwei Stunden.

Wir trauten unseren Augen nicht, als uns auf einmal ein Auto entgegenkam. Ein silbergrauer Nissan Pickup, wie wir ihn im Süden gehabt haben. Wir bremsten, da der Paßfeldweg ja nur einspurig war. Irgend etwas stimmte nicht: das Auto hatte kein Kennzeichen und er stellte sich in ungefähr 100 Meter Entfernung quer vor uns auf den Weg. Ich glaub, man hat noch selten fünf Typen wie uns so blöd schauen gesehen. Wir schauten gebannt auf das Auto. Dann passierte das unvorstellbare: drei ungepflegte Typen mit Vollbart stiegen recht schnell aus dem Auto, alle drei mit Maschinenpistolen bewaffnet. Einer stellte sich vor unser Auto mit gezückter MP, einer daneben und einer dahinter. Mit der anderen Seite standen wir zum Berg. Das war’s dann wohl mit uns. Wir saßen dermaßen in der Falle, wir konnten gar nichts mehr machen. Uns fiel allen das Herz tief in die Hose. Ich hab vor lauter Schreck die Videokamera unter den Sitz geschmissen, daß sie die vielleicht nicht finden, falls sie uns "bloß" ausräubern sollten. Aber danach sah es nicht aus. Sie waren nicht einmal maskiert oder sonst irgendwas, sie schauten nur extrem grimmig in unser Auto rein, und wir mehr als entsetzt aus unserem Auto raus. Wir haben noch überlegt, was wir machen sollten. Der Nissan war deutlich kleiner als unser Auto, aber bevor wir wahrscheinlich dort gewesen wären, wären wir durchlöchert gewesen. Links ist es steil bergab gegangen, rechts steil bergauf. Und zurück hätten wir sowieso keine Chance. Ich dachte nur an das Flugzeug, das man letzte Woche in diesem Gebiet gefunden hatte, und das vor 56 Jahren abgestürzt war. Also hier würde uns kein Mensch finden, und so schnell auch mit Sicherheit keiner vermissen. Aber da standen wir nun, mutterseelenallein und fühlten uns mehr als beschissen. Einer der Typen näherte sich jetzt unserem Auto. Wir hörten innerlich schon die MP’s rattern, aber er deutete uns an, das Fenster herunterzukurbeln. Marcus gehorchte brav und es begann ein kleines Frage- und Antwortspiel. Wer wir sind, woher wir kommen, was wir hier machen, wie lang wir hier bleiben, wohin wir wollen und vor allem wem das Auto gehört! Wem das Auto gehört? Vielleicht wollten sie ja bloß unseren Jeep! Aber dann wären wir hier im Niemandsland auch hoffnungslos verloren, weil hier gab es ja weit und breit gar nichts außer ein Paar große Kakteen und viel Steine und Sand. Ihre finsteren Mienen hatten die komischen Typen immer noch, obwohl ihnen Marcus inzwischen schon alles erzählt hat. Dann sagte auf einmal einer der Typen, daß wir keine Angst haben bräuchten, daß sie Polizei sind. Polizei mit Vollbart? Hier in der Wildnis? Ohne Kennzeichen? Kann nicht sein! Wir glaubten ihnen nicht! Erst als sie sagten, daß sie Grenzpolizei ist und daß wir hier an der Grenze zu Bolivien stehen und vor allem, daß wir jetzt wieder weiterfahren könnten, schöpften wir wieder leichte Hoffnung. Geglaubt habe ich immer noch nichts. Sie gaben uns noch den guten Tip, aus der Gegend hier ganz schnell zu verschwinden und auf jeden Fall das Auto abzugeben. Angeblich hatten wir großes Glück, daß es die Polizei war. Die Typen lächelten noch leicht, es sah eher danach aus, als ob sie uns ausgelacht haben, weil wir so erschrocken sind, und Marcus machte den Motor an. Wir haben eigentlich immer noch gewartet, daß es gleich knallt oder das irgendwas anderes passiert, daß es eine Falle war. Aber sie gingen auch an ihr Auto, stiegen ein und fuhren ein Stück zur Seite, daß wir vorbeikamen. Erst als wir außer Sichtweite waren, atmeten wir ganz ganz tief durch! Marcus gab Gas und wir fuhren erst einmal ein Stück, ohne irgendwas zu sagen. Wir waren immer noch wie gelähmt. Erst eine halbe Stunde später sagte wieder jemand etwas, weil die ersten Llamas an der Straße standen. Da haben wir dann auch angehalten und erst noch einmal durchgeatmet. Es war jetzt auch schon ziemlich eben und wir konnten ziemlich weit schauen, ob irgend jemand kommt. So nach und nach begriffen wir erst, was wir für ein Glück gehabt haben.

Nachdem wir jetzt schon mehr oder weniger im Flachland waren und auch weit in die Umgebung schauen konnten, fühlten wir uns ein bißchen sicherer. Trotzdem war es auf der weiteren Fahrt sehr ruhig im Auto und jeder hatte noch ein bißchen wackelige Füße. Als wir eine Stunde später das Dorf erreichten, wo wir heute früh nicht rausgefunden hatten, fiel es uns wie Schuppen von den Augen bzw. die Steine fielen nur so vom Herzen vor Erleichterung, daß wir wieder in der Zivilisation waren. Noch eine Stunde, und dann waren wir wohlbehalten und ein bißchen verstört in unserem Hotel. Es war inzwischen Abend geworden. Die Kupfermine wollten wir heute eigentlich auch noch besichtigen, aber irgendwie war uns die Lust vergangen. An dieser sind wir nämlich in ungefähr 20 km Entfernung vorbeigefahren. Wir haben nur die riesigen LKW gesehen und das große Loch im Boden, aber es hatte wirklich keiner mehr Lust auf einen Abstecher.

Im Hotel haben wir uns dann gerichtet und sind zum Abschluß von dem tollen und beschissenen Tag zum Essen gegangen. Marcus und Bernhard wollten eigentlich nicht mit, ließen sich dann aber doch noch überreden. Wir mußten ja etwas feiern. Lange Zeit haben wir nach einem Restaurant gesucht, und dann tatsächlich doch noch eins gefunden. Wir waren hier wirklich am Arsch der Welt! Und in einer Stadt mit lauter Bergarbeitern und dem ganzen Milieu, das sich da dann so rumtreibt. Das Lokal war mehr als beschissen. Es gab gerade mal zwei Gerichte zur Auswahl. Aber weitersuchen wollten wir jetzt auch nicht mehr. Wir waren gerade fertig mit dem Essen, da fiel auch noch zu allem Überfluß in der gesamten Stadt der Strom aus und draußen ging es auf einmal zu wie im Wilden Westen. Wir bezahlten schnell, weil wir noch ins Hotel wollten, solange noch überhaupt jemand auf der Straße war. Ich hatte zum Glück meine Taschenlampe dabei und so leuchteten wir langsam heim.

Waren wir froh, wo dieser Tag zu Ende war! Wir fielen ins Bett und wollten von nichts mehr wissen. Es wurde glaube ich jedem bewußt, in was für einer Gegend wir waren und daß das Land doch nicht so ungefährlich war, wie es die letzte Zeit den Eindruck gemacht hat.


26.02.00


Heute mußten wir wieder zeitig Aufstehen, da wir wieder eine große Tour vor uns hatten. Allerdings ließ das Frühstück über eine Stunde auf sich warten. Es war richtig beschissen, dafür haben wir aber 2x5 Rühreier bekommen, aber erst, nachdem Marcus sich beschwert hatte, was die kleine Portion für uns fünf sollte. Die hatten wohl nicht damit gerechnet, daß wir frühstücken wollten. Auf jeden Fall sind wir so gegen 10 Uhr losgefahren und wir hatten ungefähr fünf Stunden Wüstenfahrt vor uns, obwohl man uns gestern davon abgeraten hat. Wir hatten uns allerdings schon lange an der größten Sternwarte der Welt, in Paranal, angemeldet.

Sehr zu unserem Leidwesen ging es halt wieder durch die Einsamkeit und wir sind bei jedem Auto erschrocken, das uns in den Stunden entgegen gekommen ist. Es waren ungefähr vier bis fünf Autos. Irgendwie war der Schreck von gestern wohl noch nicht so verdaut und wir waren wieder einmal heilfroh, als wir in Paranal angekommen sind.

Wir wurden freundlich empfangen und durften dann auf das Gelände. Es war wie eine Oase mitten in der Wüste. Auf einmal war wieder alles wie in Europa. Bei klimatisierten Räumen angefangen und den Teerstraßen um das Gelände herum aufgehört. Der Bericht, den der Meister da am Anfang hielt, war auf spanisch und daher haben wir nicht allzuviel verstanden. Von der anschließenden Besichtigung waren wir auch fast alle ziemlich enttäuscht. Außer den riesigen Parabolspiegeln in den großen Hallen sah man nämlich gar nichts, nicht einmal ein Bild von einem Stern. Man verwies uns auf die Internetseiten der ESA. Dafür hatten wir da oben einen herrlichen Blick über die Weite der Atacamawüste. Soweit wir schauen konnten, nur braune unbewachsene Berge! Kein Wunder, es hat in der Atacamawüste seit Menschengedenken noch nie geregnet!

Wir waren eigentlich ganz froh, als es wieder zurück in Richtung Antofagasta ging. Endlich mal wieder eine Stadt, die die Bezeichnung auch halbwegs verdient hatte. Am frühen Abend sind wir dort nach wiederum drei Stunden Wüstenfahrt angekommen. Wir konnten schon fast keine Wüste mehr sehen! Nachdem wir ein halbwegs akzeptables Hotel gefunden hatten, haben wir unseren Geländewagen endlich wieder abgeben können. Nie wieder einen Leihwagen! Wenn dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln! Und als allererstes haben wir unsere erste Teiletappe begossen. Wir sind auf ein paar Bier in ein Lokal und waren nur froh, wieder halbwegs in Sicherheit zu sein. Nach einem sehr reichhaltigen Essen (die Wirtin hat der Schlag getroffen, wie jemand ein ganzes Hühnchen allein essen kann) haben wir noch mal ein paar Bier bestellt (auf den Schrecken vom Vortag) und sind dann auf Tour. Aber irgendwie haben uns sämtliche Leute, die wir nach einer ganz normalen Bar gefragt haben, falsch verstanden, wir sind immer in irgendwelchen Rotlichtvierteln gelandet. Bernhard hatte irgendwann genug und dann sind wir wieder zurück ins Hotel.

Doch Jens und ich hatten halt doch noch nicht genug. Wir sind wieder auf Achse und haben dann tatsächlich noch eine schöne Bar gefunden, in der wir dann ganz nett versumpft sind. Ein komischer Typ ist noch da gewesen, der uns die ganze Zeit in seinem Rausch eine Blase ans Ohr gesabbert hat, bis wir uns dann bei der Wirtin beschwert haben. Daraufhin mußte er das Lokal leider sofort verlassen. So hatten wir uns das zwar auch nicht vorgestellt, aber als Touri hat man in Südamerika noch das Narrenrecht. So gegen fünf Uhr haben wir uns eigentlich auf den Heimweg gemacht, da wir ja schon wieder früh raus mußten. Allerdings ließen wir uns wieder einmal aufhalten und sind noch bis um sieben Uhr an der Straße vor dem Hotel gesessen, wo wir uns nicht mehr losreißen konnten. Es hätte sich sowieso nicht gelohnt, noch ins Bett zu gehen, da um sieben sowieso der Wecker geklingelt hat.


27.02.00


Wir sind also ins um sieben Uhr ins Hotel zurückgekehrt und was sahen unsere müden Augen da? Marcus und TomTom waren auch noch nicht da! Wir dachten wir sehen nicht richtig! Wir gingen auf jeden Fall in die eiskalte Dusche (Warmwasser war Luxus, den gibt’s hier nicht) und haben dann den Bernhard geweckt. In der Zeit in der Dusche sind Marcus und TomTom dahergekommen! Sie sind mit dem Taxi heute Nacht in die nächste Disco gefahren und haben sich dort bis jetzt vergnügt. Scheinbar hatten die gestern Abend auch noch keine Lust, ins Bett zu gehen.

Jetzt mußten wir aber schnell unser Gepäck zusammenschmeißen, da wir ja an den Flughafen mußten. Außerdem wollten wir ja noch an dem Tor von Antofagasta vorbeifahren, das da mitten im Pazifik steht! Also wieder einmal ohne Frühstück rein in die Taxis und erst mal zum Tor. Noch mehr oder weniger blau haben wir das Tor fotografiert, das bei uns sogar zweimal zu sehen war. Auf dem Foto war nachher allerdings nur noch eins. Und dann weiter zum Flughafen (Flugplatz). Wir waren dermaßen fertig, ich hätte mich am liebsten irgendwo in die Ecke gelegt, so müde war ich. Naja, kein Wunder bei der kurzen Nacht!

Im Flugzeug war es dann in unseren Reihen sehr ruhig. Jeder hat vor sich hingedöst, aber wir hatten auch einen super Flug. Die Zwischenlandung in Iquique war so ruhig, daß ich nicht mal was gespürt habe, obwohl ich als einzigster wach war. Auch der Weiterflug nach Arica, der nördlichsten Stadt Chiles, war sehr ruhig. Der Flughafen in Arica war noch ein bißchen kleiner wie der in Antofagasta. Jetzt brauchten wir nur noch zwei Taxis, die uns nach Perú bringen sollten. Wir fanden auch tatsächlich zwei Stück und fanden, daß sie sogar recht billig waren, dafür, daß die Fahrt über eine Stunde gedauert hat und sie uns den Papierkram sogar noch erledigt haben. Wir haben nur $30 pro Taxi bezahlt. An der Grenze zu Perú hatten wir zweimal Aufenthalt bis alles erledigt war, und wir waren überzeugt, einen guten Preis ausgehandelt zu haben. Sie fuhren uns bis zum großen Busbahnhof.

Fortsetzung unter Peru


Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
bzmch

bzmch

14.12.2001 16:48

Sehr interessant. Muss mal deine Webseite lesen. Ciao, Bernd

seotirol

seotirol

06.11.2001 18:51

ich war letztes jahr in mexico - auch da sind die busse nicht gas gelbe vom ei, aber schön war's trotzdem; chile und peru würde ich schon auch gerne mal fliegen; grüße seo

schneeweisschen

schneeweisschen

06.11.2001 18:47

Gut, dass es wirklich nur die Grenzpolizei war, sonst hätte es diesen Bericht vielleicht nie gegeben... *g* Liebe Grüsse Schneeweisschen

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 860 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. hsvenson
  2. Scheykel
  3. bzmch
und weiteren 27 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
Verwandte Tags für Chile - Reiseerlebnisse