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Charlotte in Mecklenbourg (NC)

4 19. Apr 2003

Pro:
interessante schöne Gegend, nette Menschen,

Kontra:
etwas unbekannt

Empfehlenswert: Ja 

straus07

Über sich: Was ist mit der Klimaerwärmung ? Da hatte die Deutsche Bahn AG schon die Winterfestmachung eingespa...

Mitglied seit:10.10.2002

Erfahrungsberichte:313

Vertrauende:78

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 52 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vor nicht allzulanger Zeit hatte ich die Gelegenheit mehrmals Verwandte in den USA zu besuchen. Ich bilde mir damit aber nicht ein , die USA und die Amerikaner zu kennen.
Ich war in Nord- und Süd-Carolina sowie in Georgia, ich war mit keinem Reiseunternehmen unterwegs und war kaum in den großen Touristenzentren.
Ich lebte unter normalen Amerikanern der unteren und etwas gehobeneren Einkommen und hielt mich die meiste Zeit in Charlotte (NC) und Umgebung auf.
Und darüber will ich schreiben.

Die Reise begann in Berlin-Tegel über London, Chicago nach Charlotte. Der Flug war anstrengend, ich füllte meine Einreiseerklärung aus und kreuzte alles so an, das man mich auch reinließ und verschwiegt natürlich, das ich bei den „ Jungen Pionieren“ war und in der FDJ Betrag kassiert hatte in meiner Jugend.
Bei der Einreisebehörde in Chicago verstanden wir kein Wort englisch, interessierte sich doch die Dame sehr freundlich, was wir für deutsche Leute da privat besuchen wollten und warum wir maximales Gepäck mithatten.

Charlotte

Von oben eine herrliche, riesige Stadt mit vielen kleinen Häusern und viel grün und mittendrin eine Insel, vielleicht 1-2 qkm groß, eine Handvoll Wolkenkratzer wie in Chicago und ein riesiges Stadion. Ansonsten ein kleiner Flugplatz mit Verbindungen in die Zentren der USA und täglich ein Flug nach London mit British Airways. Charlotte kann man aber auch erreichen mit der Bahn über die Amtraklinie von New York aus, mit Greyhoundbussen aus allen Richtungen und natürlich mit dem PKW auf tollen Straßen.
Die Stadt hat etwa eine halbe Million Einwohner, mehr als 50 % Schwarze und gilt als aufstrebende Banken-, Kongreß- und Industriestadt in der viel Geld aus dem Nordosten der USA und aus Deutschland investiert wird.
Man findet deutsche Logos und Firmensymbole überall in den Gewerbegebieten rund um die Stadt.
Charlotte gilt als die Boomstadt des Südens und das Geld da ist, spürt man auch an allen Ecken.
Es gibt mehrere Universitäten, darunter eine für die schwarze Bevölkerung, viele Hoch- und Fachschulen und auch die allgemeinbildenden Schulen haben eine ausgezeichnete Ausstattung.
Interessant die Ausbildung der vielen Ausländerkinder, in den Schulen, in denen (2) ich mehrere Stunden war, werden 64 Muttersprachen gesprochen und schon nach einigen Monaten ist man in der Lage gemischten Unterricht durchzuführen.
Da könnte die deutsche Volksbildung bei einem Erfahrungsaustausch sehr viel lernen.
Eine Attraktion ist das Discovery Space 301.N. Tyson Street, eine Art polytechnisches Museum mit Ausstellungen und Vortragszentrum für viele Gebiete von Wissenschaft und Technik, für den Erfahrungsaustausch aber auch zum Experimentieren und das alles kostenlos für die jungen und älteren Besucher.
Beliebt ist auch ein bedeutenden Vergnügungspark in Richtung Atlanta mit tollen Karussells und angsteinflössenden Geräten. Sport und Kultur spielt eine bedeutende Rolle in der Stadt, wenn die Spitzenmannschaften in Baseball und American
Football spielen sind die Straßen leer, die einen sind im Stadion, die anderen vorm Fernseher.

Warum der Namen Charlotte?

Zwischen 1850 und 1900 wanderten durch die große Not in Deutschland mehrere Hunderttausend insbesondere aus Mecklenburg, Pommern und Norddeutschland nach Amerika aus. Viele landeten in dem heutigen Gebiet um Charlotte und nannten ihr Gebiet Mecklenburg und ihrer Hauptsiedlung gaben sie den Namen Charlotte nach einer Mecklenburger Großherzogin.
Noch heute gibt es den Verwaltungsbezirk Mecklenbourg mit der Metropole Charlotte.
Den Begriff Mecklenbourg findet man noch sehr oft und auch amerikanisierte deutsche Namen stehen oft noch in den Zeitungen und Telefonbüchern.
Deutsch als Sprache spielt aber sonst nirgends mehr eine Rolle. Es gibt eine amerikanisch-deutsche Gesellschaft, die wieder Verbindungen nach Mecklenburg-Vorpommern pflegt und auch ein Klub für Begegnungen ist vorhanden, der aber sieht man von den deutschen Industrievertretungen und Niederlassungen ab, im öffentlichen Leben für uns wenig sichtbar wurde. Auf vielen Friedhöfen in Charlotte und Umbebung findet man Grabsteine mit deutschen Namen und oft auch noch die deutschen Herkunftsorte und Gebiete.
Eine bedeutende Rolle spielen die Kirchen. Nach dem „Charlotte Observer“ das größte Regionalblatt mit dem Umfang etwa der „ Süddeutschen Zeitung“ bieten etwa 70 verschiedene Kirchengemeinschaften ihre Messen und Veranstaltungen an, darunter auch viele aus Deutschland und Böhmen stammende. Überall findet man Kirchen, Gebetshäuser, Gemeindehäuser, Altersheime, Kindergärten und Krankenhäuser.

Interessante Feststellungen

Sehr oft fühlte ich mich an zu Hause erinnert, an die Ex-DDR
und weniger die BRD und das hat auch seinen Grund, immerhin hat die Sowjetunion beim Aufbau ihrer „ neuen Gesellschaft“ nicht das bürgerliche Deutschland als Vorbild gewählt, sondern die fortschrittlichere USA.
Deshalb findet man eben manches Gebäude, das man von der Berliner „ Stalinallee“ oder Moskau kennt, in den USA in Charlotte oder Asheville wieder. Sicher ist der „ Charlotte Observer“ bunter und knalliger wie die ehemalige sowjetische „Prawda“, die Berichterstattung ist aber ähnlich. Über die Weltlage wird wöchentlich vielleicht in 100 Zeilen berichtet, davon Europa bis 50 Zeilen und Deutschland kommt bei einer Monatsanalyse wöchentlich mit bis zu 10 Zeilen weg. Ähnlich sind die Sportmeldungen, wenn bei großen Weltereignissen kein Amerikaner siegt, gibt es das Ereignis nicht, aber die Schlagzeilen, liefern der Sieg bei einem Wald- und Wiesensportfest.
Fragt man einen Amerikaner nach Deutschland, trotz mehr als 50 Jahre Stationierung amerikanischer Truppen in Deutschland, stellt man die gleiche Unkenntnis fest, wie man sie früher im Wolga-Dongebiet feststellte. Was Schüler der 5 Klasse mit Deutschland in Charlotte im Zusammenhang bringen ( nur 2 Begriffe), verschweige ich.
Viele regten sich zu DDR-Zeiten über das berühmte Kaufhaus „Gum“
in Moskau auf, sicher gibt es in Charlotte mehr Waren aber die ganze Abwicklung des Einkaufs einschließlich des Personals zum Auspacken und Einpacken der Ware in den Korb, einschließlich des Zeitaufwandes erinnert an Moskau.
Große Probleme hatten zur Wendezeit Leute mit dem Fahnenappell in der DDR-Schule. In Amerika ist es Gang und Gebe mit Fahne hoch, Losung der Woche, Hymne und Hand aufs Herz, eine große Auszeichnung für diejenigen, welche die Fahne hochziehen dürfen.
Vieles, was in den USA abgeschaut und kopiert wurde kam mit der Sowjetunion, „...von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen... „ in die DDR und wurde nach der Wende abgeschafft.
Interessant sind auch meine amerikanischen Biererfahrungen, sicher ist es Geschmacksache- Tatsache ist es aber, das amerikanisches Bier, ob mit oder ohne europäischen Markennamen“ ähnlich wie das ehemalige sowjetische Bier gewöhnungsbedürftig ist und eigentlich nur zum Durststillen getrunken wird und keins mehr.
Amerika ist auch ein Land der Autos, wie man sagt, Tatsache ist aber auch, das ich außer in der ehemaligen Sowjetunion bisher noch keine Gegend kennengelernt habe, wo einfache Leute mit solchen verbeulten, großen Rostlauben unterwegs waren. Mit zu den Sternenstunden gehörten Aufenthalte in Tankstellen, es machte schon Spaß bei den billigen Spritpreisen einen verbrauchsarmen Japaner aufzutanken.
Ansonsten sind die Menschen mit denen ich zu tun hatte, aufmerksam und freundlich. Sie strahlen Optimismus und Geschäftstüchtigkeit aus. Sicher ist manches, wie überall mehr Schein als Sein, aber dazu braucht man nicht in die USA fahren.

Gastronomie und Hotels

Viele Einrichtungen warten auf ihre Besucher und wer denkt, es gibt nur MacDonald, der irrt gewaltig bei der Vielzahl der Konkurrenzunternehmen. Vielfalt findet man auch in einer Vielzahl Nationalitätengaststätten, besonders Chinesen, Mexikaner, Italiener, Irländer u.a.. Jeder kann je nach Brieftasche und Geschmacksrichtung sich versorgen. Da wir wenig Zeit hatten und als eine größere Familie unterwegs waren, nutzen wir oft preiswerte Fastfootbistros mit Chicken, Pizzas und Cola in allen Varianten.
Auch mit Hotels und Unterkünfte gibt es keine Probleme, die Preise sind erträglich, man muß nur wissen, dass es fast nirgends ein ordentliches Frühstück mit Kaffee im Haus gibt. In der Regel werden Zimmer mit 4 Schlafmöglichkeiten, Dusche/WC vermietet und auch die Bibel darf in keinem Zimmer fehlen.
Wer als Tourist in die Gegend reisen möchte, sollte sich vorher informieren
bei:
State of North Carolina
Wasserstr. 2
40213 Düsseldorf
Tel: 0211 32 05 33 oder 0211 13 29 54

oder
Charlotte Convention Visiters Bureau
122 Stonewall Street
Charlotte NC 28202-1838
Tel. 074 334 22 82 Fax 704 342 3972

Fazit:
Charlotte bietet bedeutend mehr wie eine Nachbar in der City, wie hier bei Ciao schon in einem Bericht behauptet wurde.
Es ist eine interessante Stadt mit einer herrlichen Umgebung, guten Verkehrsverbindungen in die Nachbarbundesstaaten, freundlichen Menschen sowie viel Kunst, Kultur und Bildung.Es gibt wenig deutsche Veranstalter, die die Gegend anbieten, das heißt aber nicht, dass man sie nicht empfehlen kann, was ich hiermit tun möchte.
 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
meinemiamaria

meinemiamaria

12.02.2010 19:05

Das ist ja wirklich interessant! --- Maria

hacker3171

hacker3171

25.10.2004 15:26

sehr informativ,, grüssle tom

telemo

telemo

19.04.2003 13:39

Das ist ja sehr interessant, dass es "mein" Mecklenburg, aich bei den Amis gibt. Also wenn es mir hier zu Bunt wird, geh ich halt nach Mecklenboorg:-)) Schönes Osterfest

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