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It's a feeling
Pro ein karibischer Traum
Kontra die vielen Touris, die vielen Händler, das Rummelplatz-Feeling
Schon kommt der 4. Teil über die Dom. Rep.
Tja, nun stehen wir also am Hafen von Samana Stadt und warten auf unser Boot für die Überfahrt zur Cayo Levantado. Niemand nennt das Inselchen so, obwohl es nun mal so heißt. Selbst die Einheimischen sagen Bacardi-Insel. Ich sehe mir alle Boote an und suche in Gedanken schon mal mein Traumboot aus. Obwohl, in ca. 15 Minuten ist man drüben, da ist es ja auch egal, welches Boot es nun sein wird.Das waren meine Illusionen und dann kam der Schock. Der Reiseleiter rödelt seine Herde zusammen, es geht jetzt los. Nee, also mit dieser Nußschale fahre ICH NICHT!!! Echt eine Nußschale mit Außenbordmotor. Der „Kapitän“, der grinsend an seinem Motor sitzt, ist der erste Dominikaner, der mir unangenehm erscheint. Was hatte Peter in seiner agencia gesagt? „barca“ – ja, barca heißt Boot oder Schiff, das weiß ich, aber nicht Nußschale! Die karibische Sonne ist wohl doch 'n bischen zu heiß für mein Denkvermögen, ich wäre nie darauf gekommen, dass er SOWAS damit meint.
Die Versuche, meinen Mann davon zu überzeugen, dass es bestimmt viel mehr Spaß macht, Samana Stadt zu erkunden, scheitern. Immerhin haben wir Mittagessen auf der Insel bestellt, wir müssen dahin. Meine Vorahnungen, dass der grinsende Nußschalenführer sadistisch veranlagt ist, bestätigten sich. Der Atlantik hat keinen ruhigen Tag, es gibt heftige, ziemlich hohe Wellen. Dieser Grinser fährt mit vollem Speed immer genau mitten in die Wellen. Ich hebe ab, denke jedesmal, das war‘s, Frau über Nußschale, verschollen im Atlantik und knalle dann wieder zurück auf diese schmale, harte Holzbank. Das tut WEH!!! Ich kralle mich rechts in meinen Mann, links in einen fremden Mann, mache die Augen zu und erlebe die längsten 15 Minuten meines Lebens.Als die Attacken auf mein Steißbein plötzlich aufhören, komme ich wieder zu mir und höre Musik. Merengue natürlich. Wir haben angelegt, mit zitternden Knien krabbele ich an Land. Das zweite „Boot“ rast weiter, das ist die Whale-Watching Truppe. Ich muß bei Peter wohl eine Vorahnung gehabt haben, als ich beschloss, ohne Wale.
Das winzige Inselchen ist unbewohnt. Es gibt nur ein Hotel, das „Cayo Levantados Beach“ mit Cabanas, die sehr gemütlich im Wald liegen. Wer nun aber glaubt, hier das Feeling einer einsamen Insel zu erleben, hat sich gewaltig gettäuscht. Es geht zu wie auf dem Rummelplatz. Nahe der Anlegestelle befindet sich der Hauptstrand mit weichem, weißen Sand. Hier gibt es diverse Grillstände. Davor stehen lange Tische mit farbigen Wachstuchtischdecken und Bänke. Wir müssen uns „unsere“ Farbe merken, denn hier werden wir später zu Mittag essen.Die ersten Händler stürmen auf uns zu. Sie wollen uns Tropenhelme aus geflochtenen grünen Palmblättern verkaufen. Ich möchte keinen Tropenhelm, ich möchte jetzt unbedingt an den „Bacardi“ Strand. Niemand weiß genau, wo der Bacardi Werbespot tatsächlich gedreht worden ist. Ob es tatsächlich hier war, ist umstritten. Doch die kleine Dschungelinsel wird nun Isla Bacardi genannt und basta.
Wir machen uns auf den Weg durch den Wald. Plötzlich ist Ruhe, wir sind alleine in dieser üppigen Vegetation, die teilweise an einen angelegten Garten erinnert und dann wieder urwaldartig ist. Der Weg nach unten ist manchmal etwas beschwerlich. Auf der letzten Palme, bevor wir den Strand erreichen, sitzt ein junger Dominikaner. Er umklammert den Stamm auf halber Höhe wie ein Äffchen und gibt uns Zeichen. Für Pesos klettert er ganz nach oben.Es wird hell, wir sind in der Bucht angekommen. Hier mischt sich Gras mit weißem Sand und ich finde einen Fächer aus schwarzer Koralle. Der Ankauf, Handel und Ausfuhr von Artikeln aus schwarzer Koralle sind nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen strengstens verboten. „Finden“ ist was anderes, hoffe ich. Jedenfalls hängt der Fächer nun bei mir zu Hause an der Wand. Es wird lauter, wir hören endlich wieder Merengue und der erste Händler mit Getränken kommt auf uns zu.
Da ist die berühmte Palme, die sich so schön über‘s Meer beugt. Ich habe gehört, inzwischen wäre sie abgeholzt. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich weiß, dass ich draufgesessen habe. Einmal rechts abbiegen und nun sind wir endlich an dem absoluten Traumstrand. Es ist ein ca. 100 Meter langer, weißer Sandstrand mit Palmen und Urwald im Hintergrund. Das Meer ist türkisfarben und das Wasser glasklar. Das reinste Paradies für Taucher und Schnorchler, man kann die buntesten Fische in allen möglichen Größen beobachten. Es gibt rötlich schimmernde und junge blaue Korallenriffe, aber auch hohes Seegras, in dem sich gerne biestige Seeigel verstecken. Wenn der nasse Sand an den Füssen trocknet, kommt man in Versuchung, daran zu lecken, denn er sieht wirklich aus wie süßer, feiner Zucker. Es wäre vollkommen, wenn die vielen Menschen, der Lärm und die vielen Händler nicht da wären.Wir möchten uns einen Moment in die Sonne legen, um trocken zu werden. Schon ist jemand da, der uns Liegen anbietet. Nein danke, wir nehmen la toalla. Wir haben eine halbe Stunde auf unseren Handtüchern gelegen und dann aufgegeben. Süßwasserperlenkette? NO! Armbanduhr, echte Rolex? NO. Schwarze Koralle, verboten und billig? NO. Cigarillo? NO! Rasta-Zöpfe flechten? Neeeiiin!!! Der karibische Traum wird zum Alptraum. Ich will sofort weg! Außerdem signalisiert mein Magen, es müsste bald Mittagessen geben.
Wir haben eine Spezialität aus Samana vorbestellt. „Pescado y moro de guandules con coco“. Fisch mit Kokosnußsoße und Reis. Inzwischen bin ich in leicht gereizter Stimmung, deshalb geht mir allerhand durch den Kopf. In bestimmten Monaten sollte man in dieser Gegend keinen Fisch essen, denn es ist zu schweren bis tödlich verlaufenden Vergiftungen gekommen. Welche Monate waren das bloß? Mir fällt‘s wieder ein, April bis September, jetzt ist Februar, also alles klar. Obwohl, wenn ich an die Wale denke... Tiere haben ja den besseren Instinkt als Menschen, oder? Die Wale fressen in der ganzen Zeit ihres Aufenthaltes hier gar nichts. Die Babys bekommen täglich 200 Liter Muttermilch und nehmen täglich bis zu 50 kg zu. Mama und Papa Wal ernähren sich nur von ihrer Fettschicht, obwohl sie zu Hause eine Tonne Fisch am Tag fressen. Na ja, ich bin kein Wal, solche Reserven habe ich nicht, ich muß was essen! Also los...Wir machen nun einen wunderschönen Spaziergang quer durch den Urwald. Wir haben so viel exotische Sträucher und Pflanzen gesehen, farbenprächtige Schmetterlinge zu Hunderten, man kann es gar nicht beschreiben. Am Aussichtspunkt Mirador hat man einen Ausblick über die ganze Bucht bis nach Samana und wir können Pelikane auf den Felsenklippen beim Fischen beobachten. Der Aussichtspunkt hatte mal eine Mauer zur Absicherung, die nun zerbröckelt ist. Familien mit Kindern sollten höllisch aufpassen. Wenn die Kinder übermütig vorlaufen, hindert sie nichts daran, auf die Klippen hinab zu stürzen. Ich hoffe, inzwischen ist wieder etwas für Sicherheit gesorgt.
Nun haben wir unsere Wachstuchdecke gefunden und es gibt Essen. Die Walgucker sind auch angekommen. Leider haben sie keine Wale beobachtet, sehen nur alle etwas blaß aus. Es wird serviert und mich trifft der Schock. Ich muß mir unbedingt angewöhnen, intensiver nachzudenken, wenn ich etwas buche. Es ist Fisch – ja, kein FILET. Kopf und Schwanz sind noch dran und ich kann nicht essen, wenn mich ein totes Fischauge anguckt. Ich schiebe den Teller zu meinem Mann, er muß Kopf und Schwanz entfernen und den Rest filetieren. Nun schmeckt es ganz lecker, wenn ich mir die vielen Fliegen wegdenke, die die Kokosnußsoße wohl besonders gerne mögen.Während wir essen, werden wir von einer „perico ripiao“ beglückt. Das ist die dreiköpfige Kapelle, die Merengue spielt, was denn sonst? Übrigens heißt perico ripiao wörtlich übersetzt Papageienfrikassee. Ich hab noch nicht herausbekommen, woher der Name für diese Band‘s stammt. Wir müssen Pesos zücken und das Essen wird kalt.
Den Rest der Zeit lege ich mich am Hauptstrand in die Sonne. Die meisten Touristen sind weg, keine Händler mehr da, ich fühle mich so gut, wenn da dieser eine Gedanke nicht wäre. Die Rückfahrt mit der Nußschale und dem grinsenden Sadisten. Wahrscheinlich hat er hoffentlich Feierabend. Hat er nicht, er grinst noch genau so dämlich wie am frühen Morgen. Wir setzen uns nach hinten (wie heißt 'n das bei 'ner Nußschale?), da soll es nicht so schlimm sein. Und wieder geht es voll in die Wellen, ich hebe nicht ab, ich werde nur von jeder Welle überspült. Nun bin ich pitschnass, habe aber keine weiteren blauen Flecke. Ohne zitternde Knie gehe ich an Land und komischerweise falle ich jetzt drauf und schlage sie mir blutig. Nun tropfe und blute ich, aber die karibische Sonne wird‘s schon richten.Plötzlich ist nicht mehr „maniana“ angesagt (nur keine Hektik), sondern wir müssen zügig in den klimatisierten Bus. Die Dominikaner lieben Klimaanlagen, ich FRIERE! Zum Glück halten wir auf dem Heimweg ins Hotel ein paar Mal an, um uns Naturereignisse anzusehen. Wir sehen Kaffee- und Kakaopflanzungen, Mango- und Papayahaine, Bananenstauden und Ananasgewächse, Reisfelder. Angeblich ist das unser Müller Reis!? An den Straßenrändern liegen Strohmatten, auf denen Kaffeebohnen ausgebreitet werden, um sie von der Sonne trocknen zu lassen. Ich lasse mich bei diesen Gelegenheiten auch von der Sonne trocknen.
Es war schön auf Cayo Levantado. Noch viel schöner ist es, wenn man diesen Ausflug in Eigeninitiative erlebt. Empfehlenswert ist der frühe Morgen, bevor die Busse in Samana Stadt ankommen oder am späten Nachmittag, wenn die Touris wieder abgefrachtet sind.Dann kommt Feeling auf. Dann erlebt man wirklich ein karibisches Paradies!
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jockel2001 15.04.2011 09:35
sandieheinrich 15.06.2008 18:12
l.x.klar 14.06.2008 23:11
HEMASCH 23.07.2005 07:37
Dr.Claudia 15.03.2005 19:54