Cannstatter Volksfest, Stuttgart

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Cannstatter Volksfest, Stuttgart

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D'r Wasen

4  01.10.2004

Pro:
abwechslungsreich, macht einfach Spaß

Kontra:
teilweise etwas veraltet, Parkplatzsituation

Empfehlenswert: Ja 

JediCassio

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:79

Vertrauende:1

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 107 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Gestern Abend war ich mal wieder bei einem Spiel meines Vereins, des VfB und dank der etwas bescheuerten Ansetzung von 18 Uhr an einem Wochentag war der Abend nach dem glorreichen 4:0 gegen die Ungarn gerade einmal angebrochen. Also was tun? Da ist es nur klar, dass der Wasen lockte, so liegt er schließlich direkt neben dem Stadion und so sahen das auch etliche andere Stadionbesuche und sorgten für Hochstimmung auf dem zweitgrößten deutschen Volksfest neben dem Oktoberfest. Da ich jetzt innerhalb einer Woche beide Feste besucht habe, möchte ich einen kleinen Vergleich anstellen. Also nicht wundern, wenn ich öfters auch einmal bezug zur Wies’n nehme.


••••• die Anreise mit allem drum herum •••••

Grundsätzlich gilt, dass man sich per Zug oder S-Bahn den Wasen nähern sollte. Denn die Parksituation und auch der Verkehr in Stuttgart ist zur Wasen-Zeit immer eine Katastrophe. Und wenn man doch einen Parkplatz in Aussicht gestellt bekommt, ist man meistens locker einmal 5 Euro los. Für das Geld kann man sich locker ein S-Bahn Ticket kaufen und auf dem Wasen erst mal einen Paradiesapfel zu sich nehmen. Die ÖPNV Anschlüsse in Stuttgart sind sehr gut. Vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus fährt etwa jede 10 Minuten eine S-Bahn nach Cannstatt. Dort steigt man entweder am Cannstatter Bahnhof oder am Gottlieb-Daimler Stadion aus. Von beiden Stationen ist der Wasen schon sichtbar. Wenn man nicht auf gedrängte S-Bahnen (Linien 1-3) steht kann man auch per Zug nach Cannstatt fahren, das hat sich bei den meisten Touris noch nicht so rumgesprochen. Leider halten nur die Züge in Cannstatt, die wirklich ansonsten in jedem Kaff halten. So dass man schon einmal 15 Minuten warten muss.

Wer sich dennoch traut mit dem Auto die Reise anzutreten, dem empfehle ich auf der A8 irgendwo auf die B10 zu wechseln. Die B10 schneidet sich sowohl von Karlsruhe kommend wie auch aus Richtung Ulm, München mehrmals mit der A8 und führt ein wenig um den Stadtkern herum fast direkt vorbei am Wasen. Parkmöglichkeiten gibt es in Stuttgart grundsätzlich nur gegen Gebühr, weswegen ich wie gesamt grundsätzlich per Zug hinfahre. Direkt am Wasen sind Parkplätze nur schwerlich zu bekommen und auch nur gegen ordentlich Knete. Deswegen empfiehl es sich auf den Parkplatz der Wilhelma auszuweichen. Doch seit gewarnt, das Parkhaus ist wirklich furchtbar eng und nichts für Fahranfänger. Mir selbst wurde als ich an einer der scharfen Ecken parken musste einmal mein gesamtes rechtes Heck mit Lackspuren verschönert. Von dort ist es ein Fußweg von etwa 15 Minuten über eine Neckerbrücke zum Wasen. Nur immer den Menschenmassen nach.

Für die Wenigen, die wirklich zum Wasen fliegen wollen - soll es ja geben... die können vom Flughafen Leinenfeld-Echterdingen mit der S2 oder S3 zum Ziel. Die Fahrtzeit beträgt etwa eine halbe Stunde.


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Bilder von Cannstatter Volksfest, Stuttgart
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die Wasen Karte
der erste Eindruck vom Wasen •••••

So, genug der Reiserei. Kommen wir zum Wesentlichen. Und das ist der Wasen, der auf dem ersten Blick irgendwie eher nicht so viel hermacht. Klar, das Riesenrad und der „Freefall“ Tower fallen einen sofort ins Auge. Aber wo zum Geier sind die hohen Zelte und die Achterbahn? Tja, da muss man schon ein wenig die Gassen durchsuchen, bis man da fündig wird. Auch das Umfeld sieht nicht gerade einladend aus. Vom Bahnhof kommend läuft man vorbei an grauen Wohnhäuser und Graffiti verschmierten Unterführung. Also ne, dolle ist der erste Eindruck wirklich nicht. Außerdem merkt schon recht bald, dass der Wasen doch schon um einiges kleiner ist als das Oktoberfest. Das soll aber nicht heißen, dass er auch weniger zu bieten hat. Der Wasen kann eindeutig gegen die Theresienwiese nicht anstinken. Zumindest vom Platzangebot und der Gegend her.


••••• der Krämermarkt •••••

Die meisten Besucher werden sich auf der entgegengesetzten Seite des Stadions Zutritt zum Volksfest verschaffen. So das ich auch hier anfangen möchte das Innenleben zu beschreiben. Kommt man durch den Eingang zum Fest wird man zu aller erst den recht liegenden Krämermarkt bemerken. Dabei handelt es sich grob gesagt um einen riesigen Trödelmarkt. Hier findet man wirklich alles Mögliche und Unmögliche. Ich wundere mich immer wieder was man den Touris alles für Kitsch und Plunder andrehen kann. Hier findet man alles von Wasen-Shirts über Lamadecken bis hin zu einem Pferdemetzger. Wirklich eine interessante Mischung. Ich finde es immer wieder interessant über den Markt zu laufen und Jahr für Jahr zu sehen, was es so alles neues gibt. Kaufen von dem Schrott würde ich kaum was, da das meiste einfach minderwertig ist. Die Preise hingegen sind noch akzeptabel. Der Markt ist auf jeden Fall einen Besuch wert und ist das einzige Wirkliche, was der Wasen der Wies’n voraus hat. Da gibt es so was nämlich nicht.


••••• Fahrgeschäfte und sonstige Features •••••

Im Punkto Fahrgeschäft hat man auf der Wasen zum Teil ein wenig den Eindruck, dass man sich in einem Museum befindet. Eine schmucklose Achterbahn ohne großartige Loopings oder Korkenzieher drin gesellt sich neben einem etwas unseriös wirkenden Autoscooter und einem Kettenkarussell. So ganz modern wirkt das alles nicht. Aber die Auswahl an Attraktion dieser Kategorie ist schon gewaltig. So dass die Kiddies und alle anderen bestimmt auf ihre Kosten kommen. Man wird einfach in jede Richtung geschleudert, die man sich so wünscht. Obwohl ich mit den Fahrgeschäften nicht viel am Hut habe, habe ich den Eindruck, dass jeder hier fündig werden kann. Ebenso sind die Fahrgeschäfte überall gut verteilt, so dass man überall nach Lust und Laune was unternehmen kann. Man geht in Stuttgart damit einen ganz anderen Weg als auf dem Oktoberfest, wo eher Klasse vor Masse geht. Aber mich überzeugt der Wasen in diesem Punkt mehr.


••••• die Zelte und das große Fressen •••••

Im Gegensatz zum Zentrum des Suffs München gibt es in Stuttgart eher weniger Zelte, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Wer unbedingt die unverwechselbare Zeltstimmung beim „Holzmichl“ und „Anton aus Tirol“ genießen möchte, dem kann ich nur das Stuttgart Hofbräu Zelt nahe legen. Es ist nicht nur das größte, sondern auch das Schmackhafteste was Bier, Fresschen und Co. angeht. Außerdem sind die „schwabischen Madel“ irgendwie auch nicht zu verachten :-)
Meine Kumpels sagen mir immer, dass es recht interessant ist wie sich meine Stimmung an solche Abende immer wandelt. Die Musik finde ich grausam, aber nach zwei Maß (die gibt’s auch hier, ja) ändert sich das bei mir schlagartig. Ansonsten muss man trotz allem sagen, dass ein gewisser Alkoholleichengestank auch hier wie überall in den Zelten in Deutschland in der Luft liegt. Also ein weniger angenehmes Gemisch aus vergossenen Bier, ein leichter Uringeruch und eine halbe Tabakplantage schwirrt auch durch die Luft. Irgendwie so ähnlich wie ein paar Stunden zuvor auf der Stadiontoilette im Daimlerstadion. Aber wen das stört, der darf eben nicht in so ein Zelt gehen. Ich mag das sogar irgendwie, weil das eine klasse Atmosphäre andeutet. Trotzdem soll es erwähnt sein. Und wer ein bisschen Glück hat kann hier auch die Stuttgart Prominenz sehen wie etwas der Fußball Kader vom VfB, den ich schon einmal medienwirksam geschlossen an einer Bank habe sitzen sehen. Schade nur, dass das Stuttgarter Hofbräu Zelt auch das Beste mangels Alternativen ist. Die anderen wirken wie kleine Hundehütten. Schade drum.

Wer einmal so richtig lecker ein halbes schwäbisches Hendl (zu deutsch sagt man auch Hähnchen) zu sich nehmen will, den empfehle ich das Göckelesmaier Zelt. Hier gibt es natürlich passend zum Hendl auch ordentlich was zu bechern. Der Göckelesmaier ist ein Anbieter mit Tradition der schon seit einer Ewigkeit ein Zelt auf dem Wasen hat. Die Jungs machen einfach das beste Geflügel auf der Welt. Einfach perfekt. Aus knusprig, innen weich und saftig. Ich habe gestern zwei halbe Hendl alleine verdrückt und bekomme jetzt beim Schreiben schon wieder Appetit. Der Göckelesmaier ist ein Muss.

Auch für Freunde des schnellen Happens gibt es auf dem Wasen ordentlich was zu verspachteln. Natürlich gibt es hier das Übliche. Also Bratwurst und Fleichküchle im Semmel, Backfisch oder eben eine Riesenportion Pommes. Angereichert wird das im Schwäbischen eben noch mit Sauerkraut und Schupfnudeln, na ja, wem es schmeckt...
Aber wer richtig mal etwas anderes wissen will ist im französischem Dorf gut aufgehoben. Dieser Abschnitt befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Daimlerstadion und ist ein Paradies für jeden, der nicht den auf den Volksfesten üblichen fettigen Einheitsbrei in sich reinwürgen will. Hier findet man ausgefallenere Dinge wie gefüllte Champions, Scampis oder auch mal eine Bouillabaisse. Klasse, Klasse sage ich euch nur und das auch zu einem akzeptablen Preis. Da heißt es zuschlagen. Insgesamt muss ich sagen sind die Preise auf der Wasen sehr gemäßigt. Klar, draufgeschlagen wird hier auch, aber nicht so heftig wie auf dem Oktoberfest. Für ein Maß Bier habe ich im Stuttgarter Hofbräu Zelt 7,20 Euro gezahlt. Das entspricht noch dem Preisen des Hofbräuzelts zu München. Aber ein halbes Hendl kostete beim Göckelesmaier 6,20 Euro. Allerdings sind die wie gesagt wirklich bekannt für ihre Hähnchen. Der Quervergleich nach München zeigt mir 6,50 Euro in einem Stehimbiss. Tja, so was merkt man sich eben. Insgesamt hatte ich an den Buden den Eindruck in München, dass die Besitzer stärker an Abzocke aus sind. Aber darüber lasse ich mich an passender Stelle in einem anderen Bericht aus.


••••• Spaß garantiert •••••

Was mir besonders an der Wasen gefällt ist, dass hier absolut jeder auf seine Kosten kommt. Egal ob Kampftrinker, Achterbahnfreaks oder einfach Leute, die gerne durch die Gasen flanieren und sich die Buden angucken. Jeder wird hier was finden und Leute die kein Gedränge mögen, können einfach tagsüber auf das Fest gehen. Denn hier ist im Gegensatz zum Oktoberfest nicht immer Hochbetrieb. Logisch, schließlich ist es längst nicht so leicht die Touristenscharen für das zweigrößte Volksfest zu begeistern. Das bringt eben Vor –und Nachtteile mit sich. Wem also die knipsenden Japaner in Lederhosen auf den Keks gehen, der wird sich auf dem Wasen wohler fühlen. Mittwochs ist übrigens Familientag, an dem es in vielen Buden, Zelten und auch bei den Fahrgeschäften Rabatt gibt. Also los, hin!


••••• Die Vor –und Nachteile zur „bayrischen Konkurrenz“ •••••

+ mehr Auswahl bei Fahrgeschäften
+ mehr für sein Geld, weniger Abzocke als bei den Barzis
+ große Auswahl an Fressbuden, besonders im „französischem Dorf“
+ der Krämermarkt
+ hier wird Jedermann seinen Spaß haben

- Lage und Parkplatzsituation, Größe
- manche Attraktionen wirken etwas veraltert und marode
- weniger Zelte
- weniger Stimmung unter der Woche und am Tage


••••• Gesamteindruck •••••

Ich war die letzten vier Jahre jedes Jahr auf dem Wasen und mir hat es jedes Mal einen Riesenspaß gemacht. Es gibt einfach nichts besseres als nach einem VfB-Spiel den Sieg im Hofbräu Zelt zu begießen und sich ein halbes Hendl hereinzuzerren. Ich kann die Wasen nur empfehlen. Einziger Wermutstropfen ist ein wenig die furchtbare Parkplatzsituation. Ich würde Gästen von weiter her den Zug empfehlen oder den Wagen in einem Vorort abzustellen und mit der S-Bahn hinzufahren. Auch die teilweise etwas veralteten Fahrgeschäfte machen das Bild etwas kaputt. Aber nichts desto trotz ist es eine Motz Gaudi.


Mit freundlichen Grüßen
JediCassio (Ulm, den 1.10.2004 12:30; 1.803 Wörter)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
AnnaHaeberle

AnnaHaeberle

03.11.2006 19:55

Ein fantstischer Bericht, schade daß dort alles so teuer ist, kann man sich mit Familie schon gar nicht mehr erlauben. LG Sabine

Schwaben-Elch

Schwaben-Elch

13.11.2004 18:50

Ein schwäbisches Hendl heisst Göckele (deswegen Göckelesmaier), ausgesprochen wird das "Geggele" (also "Geggelesmair"). Und am meisten Atmosphäre hat's auf'm Was'n, wenn die Dämmerung einbricht und die Buden beleuchtet werden... da dann einfach nur durchlaufen und versuchen, den "Krach" zu überhören, das ist cool! :-) Achja, und vom Bahnhof kommt man auch zu Fuss gut hin - ca 20 Minuten durch den Schloßpark. Und der Neckar wird zwar "Necker" ausgesprochen, aber schreibt sich mit "a". :-) Viel Spaß bei weiteren Besuchen.

normeier

normeier

30.10.2004 18:36

Was heißtn da "Münchner Suff", das ist Kultur, Freundchen! Flo

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