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"Camping" in der Toskana
Pro Wasserqualität, Klima,
Kontra teuer
Ein „Campingurlaub“ in der Toskana kann unter gewissen Umständen (wenn man nämlich auf einer als Campingplatz bezeichneten Ferienanlage wie beispielsweise „Camping Orizzonte“ landet) mit dem, was man gemeinhin mit „campieren“ assoziiert, recht wenig zu tun haben.
Das archaische Urlaubsvergnügen, die naturverbundene Ursprünglichkeit, die überzeugte Camper für eine kurze Zeit des Jahres zu „Aussteigern“ werden lässt und sie zumindest teilweise auf übertriebenen Komfort verzichten lässt, ist in solchen Bungalowsiedlungen jedenfalls nicht gegeben.Aber seien wir ehrlich, diese rustikale Urlaubsauffassung ist ja mit dem Trend des „Wohnwagen-„ und „Wohnmobilurlaubes“ ohnehin schon ein wenig verlorengegangen. Trotzdem – viele der heute mit ihrem „mobilen Zuhause“ Urlaubenden denken manchmal wehmütig an die „Zeltzeit“ zurück. Dass die Vergangenheit immer glorifiziert wird, dass das bei Schlechtwetter notwendige hektische Schaufeln von Wassergräben, das verzweifelte Verfestigen von Heringen und die anschließenden Trockenlegungsbemühungen nicht gerade angenehm waren, wird in der verklärten Erinnerung vergessen oder zumindest verdrängt.
Zurück zur Toskana, zurück zum „Camping Orizzonte. Loc. Perelli“ in Riotorto, südlich von Piombino.Im Werbeprospekt der Anlage steht:
„Der größte Reichtum unserer Ferienanlage ist das Meer; 450 m vom Grundstück entfernt, 1.000 m wom Haupteingang, mit direktem Zugang. Der feine weiße Sandstrand fällt ganz seicht ins Meer ab und garantiert so höchste Sicherheit für den Badebetrieb. Das klare Wasser läßt bis tief auf den Grund sehen. 100 m vom Ufer entfernt wird der Untergrund felsig und bietet somit auch die Möglichkeit zum Tauchen und Sportfischen.“Beim aufmerksamen Lesen fällt schon die Differenz zwischen der „Entfernung von Grundstück“ und den 1.000 Metern „wom Haupteingang“ auf. Tatsächlich liegt die Anlage einen „guten“ Kilometer (die italienischen Maßbänder dürften doch etwas länger sein) vom etwa 15 m breiten, frei zugänglich und daher vor allem an Wochenenden ziemlich überfüllten Sandstrand entfernt.
Allerdings: diesem Nachteil begegnet die findige Verwaltung mit einem kostenlosen (bei den Preisen verständlich!) Shuttlebus (leider nur bis 19.00 h).
Die „Möglichkeit des Sportfischens“ ist einerseits ohnehin nur vom Boot aus gegeben und – nach meiner Beurteilung – ziemlich beschränkt. Bei meinen vergeblichen Versuchen, den hl. Petrus als Schutzpatron der Fischer gnädig zu stimmen – übrigens, auch die einheimischen „Fischerkollegen“ konnten keinen Erfolg verbuchen – beobachtete ich das professinelle Fangergebnis einer naheliegenden Reuse mit ca. 300 m2 (!!!). Als Tagesfang von 10.00h bis 17.00 h wurden lediglich 5 (in Worten: „fünf“) Exemplare eingeholt.
Es soll nun aber nicht der Eindruck entstehen, ich wollte mein „Anglerpech“ dem „Camping Orrizonte“ anlasten und die hervorragende Wasserqualität – die umsomehr verwundert, befindet sich doch in unmittelbarer Nähe ein kalorisches Kraftwerk und schließlich ist auch der Industriebereich von Piombino mit Hafen und Hüttenwerk in Sichtweite – wäre sicher ebenfalls eher ein Grund für Fischreichtum.Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, das Konzept dieser Bungalowanlage darzustellen und erst im Anschluss daran die (natürlich subjektive) Einschätzung abzugeben.
Aus dem ursprünglichen Campingplatz mit der heute kaum mehr vorhandenen Möglichkeit zu Zelten und Stellplätzen für Wohnwagen und Wohnmobilen hat sich eine Bungalowsiedlung entwickelt, die – und das ist die „innovative“ Besonderheit – ein neues Finanzierungskonzept entwickelt hat.Die „Orizzonte S.a.s.“ eine Kommanditgesellschaft von Ticciati Giampiero & C., als Eigentümerin der Anlage bietet Gesellschaftsanteile in Form von immobilem Kapital an.
Ein Gesellschaftsanteil mit ca 22.000 € entspricht einem Stellplatz; ein theoretischer Wert, denn ein Bungalowanteil von 32 m2 (die Hälfte der ca 70 m2 großen Baueinheiten) stellt einen Investitionsbetrag von über 65.000 € dar. Auf diese Weise soll der „Camingplatz“-ausbau finanziert werden und den „Teilhabern“ die „Möglichkeit“ gegeben werden, den Nutzungszeitraum selbst zu bestimmen.
Vereinfacht ausgedrückt, die „Investoren“, die einen Bungalow finanzieren und ihn während ihres Urlaubs nutzen, können diesen in der übrigen Zeit vermieten. Um die Vermietung, um die Auslastung während der Zeit, in der die Immobilie nicht beansprucht wird, muss sich natürlich der Investor kümmern!!!
Nun aber endlich zum Erfahrungsbericht des „Campingurlaubs“ :- )
Die Bungalows sind – sieht man von kleinen architektonischen Mängeln wie falsche Anschlagrichtung von Türen oder unpraktischen Fensterflügelanordnungen ab – excellent ausgestattet. Das Interieur in gediegenem italienischem Design lässt keine Wünsche offen. Auch die Ausstattung (perfekte Küche, Nassräume, Kabel-TV, usw.) ist perfekt.Das Verhältnis der verbauten Fläche zum „Vorplatz“ ist aber einigermaßen ungünstig. In der lockeren Urlaubsstimmung mag es durchaus nett sein, dem zwei bis 3 m entfernten Nachbarn
nahezukommen – allein, man erkennt die Absicht, nämlich maximale Nutzung der verfügbaren Fläche ohne Rücksichtnahme auf die individuellen Bedürfnisse.
- Swimmingpools (mit Badehaubenpflicht !!! – einigermaßen pervers, angesichts der vollbärtigen Badegäste, eher eine krampfhafte Umsatzbelebung des Badeutensilienshops),
- Wasserrutsche
- Kinderspielplatz
- Tennisplatz (Beton, grün eingefärbt um „green set“ zu assoziieren) usw.
Aber das Preisniveau ist eben allgemein nicht gerade niedrig. Als Anhalt ein paar Tarife der Hauptsaison:
Bungalow (Belegung durch 2 Pers.) pro Woche 1465,- DM
Die Umsetzung des Konzept der Umwandlung vom Campingplatz zur Bungalowanlage ergibt derzeit natürlich noch kleine Unannehmlichkeiten. So ist die Orientierung noch schwierig, die Beschilderung wird aber verbessert.
Die Zufahrt zu den Bungalows ist nur am An- bzw. Abreisetag möglich, das Ein- und Ausladen sollte rasch erfolgen, weil die Durchfahrt der schmalen Zubringerstraßen sonst blockiert wird. Aber da beim „Schichtwechsel“ ohnehin jeder bemüht ist, vor 10.00 h auszuchecken (sonst wird ein zusätzlicher Tag verrechnet) und die „Neuen“ erst um 12.00 h einchecken dürfen läuft die „Ablöse“ recht problemlos ab.
Zum Abschluss noch ein paar allgemeine Informationen über Anreise, Ausflugsmöglichkeiten usw.
Anreise:Von Deutschland wird meist die Route über die Schweiz bzw über den Brenner empfohlen. Diejenigen meiner Bekannten, die sich an meinen Rat hielten, die etwas längere Strecke über Villach – Tarvis – Udine – Bologna nach Pisa zu wählen, waren mir im Nachhinein durchwegs dankbar.
Ab Livorno führt die mautfreie Schnellstraße „S.S. 1 Aurelia“ (die sich an die Trasse der historischen, nach Rom führenden „via aurelia“ hält) nach Süden. Bei der Ausfahrt „Vignale, Riotorto, Piombino Sud“ fährt man ca. 4 km Richtung Piombino und erreicht problemlos die Anlage.Der Nachteil, dass man von der Anlage (wie übrigens auch bei den übrigen Plätzen in der näheren Umgebung) keinen direkten Zugang zum Strand hat, ist darin begründet, dass vor dem schmalen Strandstreifen der Naturpark Sterpia liegt. Dieser Küstenpark ist ein wertvolles und seltenes, für die antike Küstenlandschaft der Marmennen typisches Waldgebiet, das Jahrtausende überlebt hat.
Ebenfalls nur etwas mehr als einen Kilometer entfernt liegt die WWF Oase Orti Bottagone, ein Brackwassermoor mit vielen seltenen Vogelarten wie Sumpffalken, Fischreiher, Fischadler, Purpurreiher und Flamingos.Die nahegelegenen Orte Piombino und Follonica bieten jede Menge Einkaufsmöglichkeiten. Besonders empfehlenswert sind die „Wochenmärkte“ die an verschiedenen Tagen in den umliegenden Orten abgehalten werden.
Die historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten und die kulinarischen Spezialitäten der Region habe ich auch in meinem Beitrag „Die toskanische Küste“ erwähnt.Gerade dieses reiche Angebot an Geschichte und Kultur, an landschaftlicher Schönheit und kulinarischen Genüssen macht es meiner Meinung nach notwendig, einen Urlaub an der „costa dela etruschi“ nicht als reinen Badeurlaub zu verstehen. Vielmehr sollte man in der Toskana nicht unvorbereitet urlauben, aber – genau genommen, das sollte man eigentlich nirgends.
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sternchen500 08.05.2005 21:25
nanobaer 18.04.2005 12:42
Camping in einer Bungalow-Siedlung am Swimmingpool ??? Brrrrrrr !
Dr.Claudia 02.03.2005 16:09
DottiGross 22.08.2004 10:41
Danke, du hast mir sehr weitergeholfen. Dotti
zoobremia 08.08.2003 15:41