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Erfahrungsbericht

für Camping Manor Farm
5 Sterne Camping, Gipfel, Paraglider Bericht mit Bildern
19 von 19 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Lage, Ausflugsziele, Platzorganisation und -pflege

Kontra nicht ganz billig

Der Autor

koeter1097 Seit 11 Sep 2003

Wenig Lust zu lesen, noch weniger Zeit zu schreiben. mehr

35 Mitglieder vertrauen mir

Da man mit einem Wohnwagengespann bekanntlich nicht besonders zügig voran kommt und drei Monate alte Töchter auf zu viel Autoluft schon mal etwas zickig reagieren, bietet es sich an, bei einer Tour wie z.B. Ruhrpott - Gardasee einen Zwischenstop einzuplanen. Da man es im Urlaub gerne etwas nett hat, sollte man sich hierzu nicht unbedingt den nächsten Rastplatz aussuchen. Unsere Wahl fiel daher auf die Schweiz, genauer das Berner Oberland zwischen Thuner und Brienzer See, noch genauer den Campingplatz „Manor Farm“, 3800 Interlaken-Thunersee.

1. Reservierung, An- und Abreise

Wir haben den Platz Anfang Oktober 2002 aufgesucht, eine Reservierung erübrigt sich natürlich um diese Zeit. In der Hauptsaison empfiehlt es sich wohl, davon Gebrauch zu machen – jedenfalls schließen wir das aus dem Tatbestand, dass Reservierungen nur dann mit 30 CHF (19,20 EUR) berechnet werden. Man bedient sich hierzu entweder den Klassikern Telefon bzw. Fax oder nutzt etwas moderner das Internet.

Der Campingplatz ist über die A6/A8, Ausfahrt Gunten/Unterseen, zu erreichen. Von dort fährt man weiter Richtung Gunten und folgt im weiteren Verlauf der Beschilderung Richtung „Camping 1“. Die Campingplätze rund um Thuner und Brienzer See haben sich offensichtlich vermarktungstechnisch zusammengetan und nicht nur einen einheitlichen Internetauftritt, sondern auch eine hervorragende Beschilderung auf die Beine gestellt – Verfahren ist ausgeschlossen.

Die Einfahrt zum Campinggelände ist großzügig genug, um bequem auch größere Gespanne rangieren und abstellen zu können. Die Platzsuche gestaltet sich unkompliziert, indem man sich einen Lageplan greift und sich – natürlich erst mal zu Fuß – was geeignetes sucht. Jeder Platz verfügt über einen kleinen Metallständer, der neben der Platznummer ein Schubfach für ein Plastikkärtchen enthält. Ist ein Kärtchen eingesteckt, ist der Platz belegt, sonst eben nicht. Was auf den ersten Blick etwas bürokratisch anmutet, dürfte schon so manchen Wohnmobilfahrer, der erschöpft vom Tagesausflug heimkehrte, vor Platzverlust und Herzkasper bewahrt haben.

Hat man einen Platz gefunden, stellt man sich erst hin und meldet sich dann an der Info. Wir sind übrigens während der Mittagszeit eingetroffen, die Info war unbesetzt. Das ganze Verfahren ist aber mehrsprachig beschrieben, die erforderlichen Zettel liegen griffbereit aus, so dass man sich einfach nach der Pause anmelden kann. Unkomplizierter geht’s wohl kaum, oder?

Bei der „offiziellen“ Anmeldung erhält man dann ein paar allgemeine Infos zum Platz, die besagte Plastikkarte und gegen Pfand auch einen Adapter für die merkwürdigen schweizerischen Stromanschlüsse.

Das Auschecken und Bezahlen verläuft erwartungsgemäß ebenfalls problemlos, nicht zuletzt dank des weiter unten beschriebenen „Fränkliservice“.

Noch ein Tip zur Weiterfahrt: Wer sich wie wir weiter Richtung Italien und Gotthard-Tunnel bewegen möchte, sollte sich unbedingt an der schon hinter Interlaken beginnenden Ausschilderung orientieren und seine Karte zur Seite legen. Folgt man der Ausschilderung, bedeutet das zwar einen Umweg von geschätzten 80 km, der vermeintlich kürzere Weg bedeutet aber Passfahrten mit Steigungen von deutlich über 10% - ein Todesurteil auch für besser motorisierte Gespanne als unseres.

2. Der Platz

Der Platz hat mit einer Seite direkten Zugang zum Thuner See, die restlichen Seiten sind von mehr oder weniger hoch aufragenden Bergen umgeben. Ein idyllisches Panorama, so wie „man“ sich die Schweiz eben vorstellt. Es scheint außerdem ein Paradies für Paraglider zu sein, jedenfalls sehen wir sie schon unmittelbar nach dem Aussteigen, und sie sollen uns bis zu unserer Abreise zwei Tage später begleiten.

Das Gelände ist weitläufig angelegt und verfügt über insgesamt 400 Stellplätze. Unterschiedliche Wege winden sich mal hierhin, mal dorthin, letztlich aber immer Richtung Wasser. Einige Parzellen sind offensichtlich von Dauercampern belegt, auf anderen stehen zum Platz gehörende Mietcaravans bzw. -mobilheime mit professionell aufgebauten, robusten Vorzelten.

Die einzelnen Parzellen sind großzügig bemessen. Wohnwagen mit Vorzelt und PKW passen problemlos drauf und lassen so viel Luft zum Nachbarn, dass künstliche Abtrennungen nicht vermisst werden. Stromanschlüsse, bei einigen Plätzen auch Fernsehanschlüsse, sind immer in unmittelbarer Nähe, die große Kabeltrommel kann eingepackt bleiben. Es handelt sich bei den meisten Parzellen um Wiesengrundstücke, am Wasser herrschen dagegen Kiesuntergründe vor. Wir haben im Oktober freie Auswahl und stellen uns 30m vom Seeufer auf Kies, zumal wir wegen unseres Kurzaufenthaltes ohnehin nicht geplant hatten, das Vorzelt aufzubauen. Ich vermute mal, dass die Heringe hier dem Einschlagen einen gewissen Wiederstand entgegensetzen würden. Ohne Vorzelt bleibt der Blick dafür frei auf Berge, Wasser und Sonnenuntergang.

Der Platz verfügt über einen ausreichend großen Kiesstrand, wie bequem es sich darauf liegen mag, ist uns um diese Jahreszeit ziemlich egal. Die Enten jedenfalls ziehen es vor, den Platz über den asphaltierten Bootsanlieger aufzusuchen, der sich unmittelbar an unserem Fahrzeug sachte Richtung Wasser neigt.

Ebenfalls in Sichtweite ist das massive, im schweizerischen Baustil errichtete Sanitärgebäude. Die untere Etage ist für die männlichen, die obere für die weiblichen Gäste reserviert. Da der Platz ganzjährig geöffnet ist, kommen wir in den Genuss beheizter Dusch- und Toilettenanlagen. Viele Plätze schließen um diese Jahreszeit und verzichten aus Kostengründen auf eine Beheizung. Wer dort jemals zu Saisonbeginn oder –ende duschen gegangen ist, weiß, wie schweinkalt es werden kann, hat man den wärmenden Duschstrahl erst verlassen. Für die ganz Kleinen gibt’s einen Wickelraum, natürlich ebenfalls beheizt und zusätzlich mit Infrarotstrahler versehen. Selbstverständlich gibt es Bereiche zum Geschirrspülen und Wäschewaschen, hier ergänzt um Waschmaschinen und Trockner. Dass die gesamte Einrichtung einen gepflegten und sauberen Eindruck macht, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Neben dem Sanitärgebäude findet man Platz für seinen kleinen Bootstrailer, daneben eine Vorrichtung, die für mich als Laie nach einer ganzjährigen Aufbewahrungsmöglichkeit für Bötchen aussieht. Zwischen unserem Wagen und Sanitärgebäude dann nochmals Schweizer Baukunst in Form eines kleinen Häuschens, aufgeteilt in zwei Ferienwohnungen.

Vorn am Eingang gibt es neben der Rezeption noch einen Souvenirshop sowie einen kleinen Kiosk für den täglichen Bedarf. In der Rezeption wechselt man übrigens zu fairen Kursen in Schweizer Fränkli. Als besonders entgegenkommend empfand ich bei der Abreise, dass man zum Bezahlen alle übriggebliebenen Franken samt Münzgeld auf dem Tresen entleeren kann, was dann noch fehlt, wird per Kreditkarte bezahlt. Fehlen dürfte hier im übrigen meist einiges...

3. Die Preise

Wie fast immer bei Campingplätzen, so gibt es auch hier eine nahezu unüberschaubare Anzahl unterschiedlicher Tarife. Ich beschränke mich an dieser Stelle deshalb darauf, kurz die mögliche Preisspanne zu beschreiben.

Für einen Stellplatz sind pro Übernachtung zwischen 6,50 CHF (4,20 EUR) für einen weniger attraktiven Platz in der Nebensaison und bis zu 38 CHF (24,50 EUR) für einen Platz am Seeufer in der Hauptsaison zu entrichten. Die Preise pro erwachsener Nase schwanken zwischen 5 (3,20) und 10 CHF (6,40 EUR), Kindernasen sind mit 2,35 (1,52) bis 4,70 CHF (3,04 EUR) erwartungsgemäß günstiger. Die Sache mit den Strompauschalen kannte ich in dieser Form noch nicht, hier wird nämlich danach unterschieden, mit welchem Wiederstand die Anschlüsse abgesichert werden – wohl um zu vermeiden, dass im Winter ganztägig die Heizlüfter laufen. Man kann von 0,5 bis 6 A wählen und wird dafür mit 0,80 (0,52) bis 5 CHF (3,20 EUR) zur Kasse gebeten. Auch Kurtaxen werden von den Schweizer Behörden nicht verschmäht, Kinder sind zwar befreit, Erwachsene zahlen aber weitere 1,60 CHF (1 EUR). Eine vierköpfige Familie kann also pro Tag auch mal 40 EUR loswerden.

Nun gibt’s noch Tarife für Hunde, Mietcaravans oder –mobilheime, die erwähnten Ferienwohnungen, Wasser- und Trockenliegeplätze für Boote undsoweiterundsofort. Wer hier ernsthaft einkehren möchte, informiert sich am besten vorher auf der Internetseite www.campinginterlaken.ch, die auch Informationen über die anderen zum erwähnten Verbund gehörenden Plätze bereithält.

Wirklich billig ist Campingurlaub bekanntlich schon lange nicht mehr, und dass die Schweiz dem deutschen Portemonnaie anständig wehtun kann, ist ebenfalls kein Geheimnis. Die Tatsache, dass der Bereich um Interlaken zu den gefragteren Regionen der Schweiz gehört, tut dann ihr übriges.

4. Die Umgebung

Vom Platz aus sind es drei Kilometer bis Interlaken, das sich selbst als Kongress- und Ferienort bewirbt, den meisten dürfte das Städtchen wohl als Basislager für den Skiurlaub etwas sagen. Bemerkenswert ist hier der Höhenweg, dessen einer Abschnitt aus einer Einkaufsstraße besteht. Der weit sehenswertere Abschnitt wird an einer Seite von zum Teil altehrwürdigen Hotels flankiert, die andere Seite präsentiert sich dagegen völlig unbebaut, es gibt nur eine schier endlos große Wiesenfläche. So bleibt der Blick frei auf das Wahrzeichen des Berner Oberlandes, nämlich das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau, ein gleichzeitig atemberaubendes wie postkartenkitschiges Bergpanorama. Die Wiesenfläche selbst hat aber ebenfalls ihre Aufgabe, wir treffen hier die Paraglider wieder, die eben noch über dem Campinggelände ihre Kreise zogen und das Wiesenplätzchen als weithin sichtbare Landefläche nutzen. Die ersten sitzen nach getaner Arbeit zusammen und lassen ein Fläschchen Rotwein kreisen – savoir vivre in der Schweiz!

Nächstes Highlight in erreichbarer Nähe ist Grindelwald, ein Bergdorf und exclusives Skigebiet. Hier ist man Eiger, Mönch und Jungfrau noch näher und hat sogar direkten Blick auf die berühmt, berüchtigte Eiger-Nordwand. Der Ort ist auch außerhalb der Skisaison ein Erlebnis, Gondelfahrten z.B. zum über 2000m hohen „Männlichen“ bieten sich ebenso an wie ausgedehnte Wandertouren.

Die Karte zeigt uns noch ein Fülle vermutlich höchst attraktiver Ziele, doch schließlich sind wir hier nur auf der Durchreise – schade!

Letztlich soll an dieser Stelle ja auch ein Campingplatz und keine Urlaubsregion beschrieben werden. Wer sich ausführlich über Sommer- oder Winteraktivitäten in und um Interlaken bzw. den Thunersee informieren möchte, dem sei hiermit die Seite http://www.thunersee.ch/index.asp ans Herz gelegt.

5. Fazit

Ein traumhaft gelegener Platz, gut organisiert und gepflegt, dazu eine Umgebung, die für die Durchreise eigentlich viel zu schade ist. Einziger Wermutstropfen ist, wie so häufig in der Schweiz, der Preis. Wer nicht auf die Hauptsaison angewiesen ist und auf direkten Seeblick verzichten kann, mag damit jedoch zurechtkommen.

Auf alle Fälle ist der Platz eine schöne Erinnerung für uns und eine Empfehlung für Euch.Danke fürs Lesen und eure Kommentare, Grüße von Köter

Bilder

für Camping Manor Farm
Blick aus dem Wohnwagen
von koeter1097 koeter1097

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Kommentare

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  • General_Lee 13.07.2004 21:03
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • ursand 22.11.2003 01:14
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    wie kannst du deine 3 monate alte tochter als zickig bezeichnen tztztz *lach*? nee, aber eines ist sicher richtig, camping ist nur was für idealisten, aber bestimmt nicht mehr zum sparen *g*, da stimme ich dir voll zu, besonders seit dem euro! in der schweiz wollten wir auch schon immer mal länger bleiben, weil es uns auf den fahrten in den süden immer gut gefiel, aber bisher haben wir es noch nicht geschafft...lg uschi

  • youngtimer-portal.de 21.11.2003 20:53
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • kikilotta 08.11.2003 12:04
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Das klingt ja richtig gut... Wir waren noch nie in der Schweiz, da fehlen uns bisher auch gute Tipps von "echten" Campern! gruß kikilotta

  • atek 06.11.2003 22:55
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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