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Cambridge für länger - Insidertipps

5 27. Aug 2003 (4. Nov 2003)

Pro:
Flair, Stadtbild, Stimmung, Vielseitigkeit

Kontra:
evt .  Kosten

Empfehlenswert: Ja 

normeier

Über sich: 11/2009: Never say never

Mitglied seit:25.08.2003

Erfahrungsberichte:63

Vertrauende:35

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 79 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo liebe Leut, gleich als Warnung, dies ist und soll auch kein klassischer Reisebericht sein, sondern eher für Leute, die vielleicht für länger nach Cam gehen oder ein paar Insiderinfos brauchen. Ich habe dort für ein (akademisches) Jahr studiert und dabei die eine oder andere Entdeckung gemacht, die mir am Anfang des Aufenthalts zu kennen geholfen hätte, und das ist das woraus der Bericht besteht. Die Stadt allerdings - soviel vorab - ist so vielfältig, dass hier nur ein Bruchteil der vorhandenen Möglichkeiten angesprochen werden kann.

Cambridge ist eine der wohl bekanntesten Universitätsstädte der Welt und liegt in der Region Anglia, etwa 80 km nord-östlich von London, direkt verbunden durch die Autobahn M11. Mit 125.000 Einwohnern ist sie relativ überschaubar, allerdings variiert das je nach Semesterstand. Außerdem ist sie nach letzten Studien die fitteste Stadt Großbritanniens, wenn das nichts wert ist :)

Aber jetzt mal rein ins Vergnügen:

- Verkehr: Cambridge liegt wie erwähnt, direkt an der M11 von London nordwärts und ist somit mit dem Auto von Süden her gut erreichbar, ansonsten bestehen ausreichend Verbindungen über Landstrassen. Das heißt allerdings nicht, dass Cambridge eine gute Autostadt ist, eher das genaue Gegenteil: die City ist für den gesamten privaten Autoverkehr gesperrt, Parkplätze Mangelware und teuer. Dafür ist das Busnetz in und um Cambridge verhältnismäßig gut ausgebaut. Von der Außenwelt erreicht man CAM auch gut mit dem Zug, es besteht halbstündige Verbindung Richtung Stansted/London, und auch Busse gehen bis zu 16 mal täglich nach London mit durchaus fairen Preisen (Rückfahrt gleich mitkaufen!). Außerdem fahren Überlandbusse, z.B. nach Oxford oder sogar Brighton. Hier gilt es sich rechtzeitig zu informieren www.go-by.coach.com oder am Reisebüro an der zentralen Busstation "Drummer Street". Ein großes Plus der Stadt ist darüber hinaus die Nähe zum Flughafen London-Stansted STN, Drehkreuz der bekanntesten Billigflieger (Ryanair, Easyjet etc.) mit Verbindungen in alle Welt (eigener Bericht). Auch hier locken regelmäßige Shuttle-Busse und Züge. Verkehrsanbindung gesamt somit: TOP! Ach ja, innerhalb der Stadt empfiehlt sich auf Dauer ein Fahrrad mit Schloss (!!)

Sightseeing: Natürlich die famosen College-Bauten an der Kings-Lane, kann man super abwandern und alle anzukucken ist schon relativ zeitintensiv. Besonders sehenswert fand ich Kings College mit seinen Gärten, aber auch die Trinity Library oder Mathematical Bridge im Queens sind "must see's". Im Stadtzentrum sonst noch den Marketplace, die Round Church und die Quay-Bridge. Wer etwas mobiler ist, der sollte die Zeit finden nach Ely zu fahren um sich die dortige Kathedrale näher zu betrachten, die sowohl durch ihre imposante Architektur als auch durch die landschaftliche Lage beeindruckt. Der Busverkehr nach Ely ist sehr regelmäßig und mit 5 GBP nicht zu teuer, allerdings relativ lang, da oft gehalten wird. Für Militär-/Luftfahrtinteressierte bietet sich noch das wenige Kilometer südlich von CAM gelegene Royal War Museum in Duxford an.

Kultur: Hier macht sich die Stadtgröße doch bemerkbar, Bühnen oder Museen von Weltformat vermisst man größtenteils. Es gibt mehrere kleinere Theater, hiervon zu erwähnen wäre das ADC Theatre in der Jesus Lane. Wichtig zu kennen ist auch noch das Kulturforum „Corn Exchange“ in der gleichnamigen Strasse südlich des Marktplatzes. Hier gibt es regelmäßig Theateraufführungen, Konzerte oder auch Motto-Partys. Was der Szene etwas hilft sind kostenlose Stadtmagazine, wie der Explorer. Kinos gibt es zwei, eins in der Regent Street und eins, das Warner Movieworld im Grafton Center an der East Road. Hier laufen eigentlich alle aktuellen Filme und das zu soliden Preisen, etwa 5 GBP, variiert nach Uhrzeit und Wochentag. Ansonsten ist natürlich London mit seinen weltberühmten Museen, Galerien und Bühnen nicht weit. Deshalb auch in dieser Kategorie gute Noten

Natur/Landschaft: Das ist im flachen England natürlich schwierig. Landschaftlich ist die Gegend nicht besonders anspruchsvoll, aber gerade an der Cam entlang gibt es wunderbare Plätze, so eben die „Backs“, Parkflächen an der Rückseite der Colleges oder die Greens, hier vor allem das Jesus Green, östlich des Zentrums. Auf dem Carlton Hill gibt’s einen „scenic view point“, der eine sehr gute Aussicht über die Stadt bietet. Ein wirklicher Knaller ist der botanische Garten der Universität in der Hills Road/Trumpington Road südlich der City. Das Stadtbild ist generell sehr angenehm, gerade durch die vielen aufwendigen alten Bauten der Colleges.

Shopping: Ebenfalls äußerst zufriedenstellend, gibt es hier hauptsächlich 2 Möglichkeiten, zum einen das Stadtzentrum Sidney St/Market St/Marketplace und Petty Cury wo alle wichtigen Ketten und auch kleinere Shops Platz finden. Als Startpunkt eignet sich die Lions Yard-Ladenpassage am Südende der Fußgängerzone. Zweite und vielleicht praktischere Lösung ist das Grafton Center, ein größeres Einkaufszentrum zwischen East Road und Burleigh Street. Das Center hat eine gute Mischung von großen Ketten (H&M, Next), kleineren Spezialshops (Krawatten, Grußkarten etc) und Gastronomie.
Wer Souvenirs braucht, ist in der Kings Lane gut beraten, auch die eigentlich täglich auf dem Marktplatz stattfindenden Märkte bieten ein Sortiment mit besonders günstigen Preisen (v.a. Textilien). Der rockigste Shop überhaupt ist der All:Sports am Marktplatz, weil ich da gearbeitet habe :)
Wer shoppt muss auch zu Essen haben, und das kriegt man am besten bei z.B. Aldi in der Histon Road im Norden der Stadt, im Aufbau und Sortiment sehr „deutsch“, direkt nebenan der Iceland mit guten Ergänzungen zu Aldi und einer Spezialisierung in TK-Kost. Beide sind übrigens sehr günstig. In der City gibt es am Nordende der Sidney St einen Sainsbury’s, der allerdings recht teuer ist. Im Osten der Stadt, in der Newmarket Road liegt ein Tesco, in Groesse und Auswahl unübertroffen, auch hier kann man gute Schnäppchen machen.

Somit kann man CAM auch hier ein gutes Zeugnis ausstellen, zwar ist es kein Shopping-Mekka, bietet aber trotzdem (mehr?) alles was man braucht.

Gastronomie/Nachtleben: Auch hier erstaunlich viel Auswahl, Dank der Internationalität gibt es ausreichend Alternativen zum (eigentlich gar nicht so schlechten) englischen Pubfood, meine „heißester“ Tipp ist das Nandos in Ecke Regent/Downing Street, das Grillhähnchen in vielen Variationen bringt (Vorsicht: hot ist echt hot!!) und auch preislich nicht aus dem Rahmen fällt. Was selbstverständlich nicht fehlt sind die bekannten Food-Chains McDo, Burger King, Pizza Hut (Mittagsbüffet: 5,50 GBP) oder Pizza Express, die meisten hiervon zu finden in der Regent Street, eigentlich der Pub/Restaurantmeile. Ein wichtiger Hinweis in vielen Restaurants werden Softdrinks kostenfrei nachgefüllt, solange man will.

Starbucks gibt es dreimal, am Marktplatz, an der Quayside und am Grafton Center. Pubfood (und Drinks!!) ist am günstigsten im „Regal“ (Regent Street, wo sonst), dass wie viele Pubs zu einer Kette gehört. Werdet also nicht nervös, wenn viele Pubs von außen ähnlich sind! Apropos Pubs, diese schließen um 23h, wie in ganz England üblich. Trotzdem ein paar Tipps: das Eagle, zwischen Kings Lane und Marktplatz, mit offenem Kamin, dann das Fountain, ein wenig abseits, in der Chesterton Lane, sehr nett und etwas schicker geht’s im Henry’s an der Quayside zu, dort sitzt man mit Glück mit am Fenster mit tollen Blick auf den Fluss. Als Lounge/Bar fallen mir B.Bar in Market Square und das Slugg&Lattice (Green Street) ein. Allerdings gibt’s so viele Pubs, da gibt’s keinen heißesten Tipp, aber es sollte für jeden was dabei sein.

Bei Discos ist die Auswahl etwas beschränkter, es wird aber gemunkelt, dass sich die Club-Kette „Pacha“ nach Locations umsieht. Dennoch gibt es jeden Abend eine gute Location, montags die Schoolgirl-Party im 5th Avenue im Lions Yard, Dienstag und Mittwoch im Life das in einer Gasse beim Waterstone’s Sydney, Ecke Market Street zu finden ist. Wer auf Black, Soul etc. steht, ist eigentlich immer im Fez richtig, außerdem ist der maurische Stil der Disco sehr ansprechend, Mittwoch ist hier der beste Tag. Zu finden im Market Square. Wer vorher ins Ponana (Jesus Lane) geht, kann sich Vergünstigungen und Gutscheine „ertrinken“, da beide Clubs zusammengehören. Mein Favorit war das vierstöckige Coco zwischen Corn Exchange und Lions Yard/Markplatz, hier kann man eigentlich immer hin. Eintrittspreise variieren nach Uhrzeit und Wochentag, zwischen 1-7 GBP, nicht nur deswegen lohnt sich frühes Erscheinen: zum einen machen Discos oft schon um 2, meist aber 3h zu, außerdem kann man, wenn man zur falschen Zeit kommt ganz England-typisch, ein schönes Weilchen anstehen. Wenigstens ohne Angst, umsonst zu kommen, zumindest unter der Woche kommt jeder rein der sich noch vom Fleck bewegen kann (nicht nur gehen!), am Wochenende dagegen sind zumindest gute Schuhe angesagt („no trainers“). Getränkepreise sind gewöhnungsbedürftig, aber nicht astronomisch, ab etwa 2,50 GBP fürs Pint, Alcopops à la Smirnoff Ice gibt’s in allen möglichen Variationen für etwa 3 GBP, Softdrinks sind relativ günstig, weiß aber keine Zahlen ;). Wer danach noch einen Rausch-Hunger kriegt, da empfehle ich Mr. Burgers (unter deutscher Leitung) auf dem Marktplatz und wer den Umweg nicht scheut wird
Bilder von Cambridge
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Marktplatz mit Kirche
bei Carlos Grill in der Mill Road mit großzügigen Portionen entlohnt.


Sport/Freizeit: Um alle angetrunkenen/angefutterten Kalorien wieder wegzubekommen, bietet sich natürlich Sport an. Das ist allerdings nicht so einfach, da der Vereinssport nicht so verbreitet ist und dort eher die Schulen einspringen. Dennoch kann man auf den Greens (Parkers Piece, Jesus Green etc.) diversen Hobbysportlern (v.a. Fußball, Rugby oder Frisbee) zusehen und meist auch einfach mitmachen. Es gibt ein privates Sportzentrum „Kelsey Kerridge“ wo man vielen Sportarten (gegen Gebühr) fröhnen kann, so gibt es ein Schwimmbad, Klettern, Fitness uvm. Wofür Cambridge natürlich berühmt ist, ist das Rudern, allerdings für „members only“. Bootshäuser findet ihr flußabwärts, Richtung Osten, ab der Victoria Bridge. Die wichtigsten Rennen sind die Spring- und May Bumps in März und Juni. Wer es etwas gemütlicher haben will, kann „Punten“ (Stechkahn fahren, wie in Venedig), gemietet werden kann an der Quayside oder in den „Backs“ in Mill Lane. Wem sogar das noch zu anstrengend ist, kann die passenden Punter gleich mit anmieten, das wird zwar teurer, erspart einem aber den peinlichen und unangenehmen Sturz in die Cam. Vor allem Asiaten machen das gerne, schaut mal zu, das ist der Hammer! Wer dagegen gerne bei Fußball zukuckt, ist bei Cambridge United, dem ortsansässigen Fußballverein (4. Liga), richtig. Echter Kick and Rush mit echter Fußballatmosphäre ab etwa 9 GBP (Infos: www.cambridge-united.co.uk). Alles in allem ist zwar einiges geboten, dennoch ist Cambridge keine Sporthauptstadt.

Kosten/Lebenshaltung: Vergleichsweise hoch, gerade Wohnen ist ein teuerer Spaß, nachdem extrem wenig gebaut werden darf und somit die Knappheit zu hohen Preisen führt. So sind sowohl Eigentums- und Mietimmobilien als auch Gastbetriebe relativ teuer. Selbst habe ich diese nicht gebraucht, gute Hotels sind das University Arms in der Regent Street und das Arrundel House Hotel mit super Blick über die Stadt. Kosten in Bed and Breakfast mindestens 20 GBP, Hotels ab 60. Auch weggehen ist nicht ganz günstig, aber eben auch nicht astronomisch teuer. Selbiges gilt für Lebensmittel, die natürlich höher liegen als in Deutschland, aber mit good ol’ Aldi niedrig gehalten werden können. Dennoch: Cambridge ist eine der teuersten britischen Städte!

Wetter/Saison: Generell gemäßigt britisch, habe erstaunlich wenig Regen zu beklagen gehabt. Im Winter halt etwas schmuddelig, dafür nicht zu kalt, im Frühling/Sommer dagegen traumhaft. Saison so gibt es nicht, dennoch sollte man, je nach Präferenz, darauf achten ob Ferien sind oder nicht, ohne Studenten ist die Stadt merklich ruhiger.

Zielgruppe: Tendenziell eher für Jüngere und Junggebliebene, für Familien ist vielleicht nicht genug geboten. Aber auch wissenschaftlich oder historisch Interessierte finden in Cambridge einiges. Für wirklich alle aber gilt: Cambridge ist eine Reise wert, nur wie lange, das hängt von den Bedürfnissen ab.

Schlusswort: Wie ihr sicher an der Länge des Berichts merkt, hängt ein Teil von mir noch in Cambridge. Mit den richtigen Leuten ist es einfach paradiesisch, ohne aber sicher auch. Wer den Bericht bewerten mag: ich habe gewarnt, dass er lang wird :)

Fazit: Durch seine Vielseitigkeit und seinen Background ist Cambridge für wirklich jeden etwas, wer dort studieren will: auf geht’s, Koffer gepackt!

Freu mich, wenn ihr noch Fragen habt!

Für mehr Touri-Infos, vor allem zu Sightseeing/Kultur:
http://de.travel.yahoo.com/trguide/europe/united_kingdom/cambridge/
 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
cantusfirmus

cantusfirmus

07.05.2005 23:54

Trotz anderslautender Einleitung ist der Artikel auch perfekt für Touristen und solche die es werden wollen geeignet. Toller Einblick in eine für mich fremde Stadt! Und das von einem Bayern-Fan :-))

gracie2

gracie2

11.11.2004 23:21

Schöner Bericht mit schönen Bildern. Ich frage mich gerade, ob du auch im englischen Ciao vertreten bist, schließlich müßten deine Englischkenntnisse ja perfekt sein. lg Sylvia

Dr.Claudia

Dr.Claudia

15.09.2004 11:06

Die College-Bauten haben mir gut gefallen, ansonsten habe ich von Cambridge nicht allzu viel gesehen. LG claudia

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