Wildes Gähnen

2 3. Mai 2002

Pro:
Man muss es gesehen haben .  .  .

Kontra:
.  .  .  falls man dem Prospekt glaubt

Empfehlenswert: Nein 

effjott

Über sich:

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Erfahrungsberichte:52

Vertrauende:87

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Furchtlos Aug in Auge mit der Bestie. Launische Löwen, tapsige Tiger, rauflustige Rhinos - all dies und viel, viel mehr versprach das bunte Blättchen, mit dem Busch Gardens Tampa Bay auf sich aufmerksam zu machen suchte. Pflichtbewusste Florida-Touristen, die wir waren, konnten nicht anders, als uns einen Tag des verdienten USA-Urlaubs für solch ein Abenteuer zu reservieren. Also frohgemut den Wecker gestellt (6 Uhr morgens - allein das ist mutig genug), früh aus den Kissen und flugs zum Mietwagen gestürmt.

Der Fahrwind aus der Klimaanlage wehte uns um die Nase als wir, die Atlantikküste und dann Orlando hinter uns lassend, auf der Interstate in Richtung westlicher Gestade geradewegs auf Tampa zuflitzten - soll heißen: 3 Stunden mit satten 65 mph über den glühenden Asphalt schneckten. Zwei Klostopps später und leidlich genervt bogen wir auch schon in die Zufahrt des "größten Tierparks seiner Art in den USA" ein. Der neourbane Charme eines verlassenen Industriegebietes hätte uns stutzen lassen sollen. Hat er auch. Kein allgegenwärtiges Grün, keine liebevoll gepflegten Alleen - Teerwüste satt empfing uns vor dem Eingang.

Wegelagerer früherer Zeiten warteten an dicht bereisten Waldwegen auf Kundschaft. Heute nennen sie sich Parkplatzwächter, sehen ähnlich bunt befedert aus wie ihre historischen Kumpane, dafür haben sie Kassenhäuschen. 7 US-$ fließen in die Säckel der Anheuser-Busch-Brauereien, welche neben ihrem eigentlichen Kerngeschäft der Herstellung und Distribution diverser Alkoholika auch als Hauptsponsor des Busch Gardens firmieren. Solche vermuteten Anfälle von Beutelschneiderei sind auch von den Hauptkonkurrenten aus dem Hause Disney und Universal in und um Orlando bekannt, so waren wir wenig verblüfft, als wir auf den ebenso trost- wie endlosen Abstellplatz steuerten.

Eine ratternde 70-er-Jahre-Lokomotive ratterte uns über die Straße zum Haupteingang - der Zentralkasse. Vergnügungsparks sind ein Multimillionenbusiness in Amerikas Sonnen- und Urlaubsstaat No. One. Ja, der Betrieb eines solchen Etablissements ist kostenintensiv. Ja, die lieben Tierchen wollen täglich ihr Fresschen. Und doch: 49,95 US-Dollar sind ein stolzer Preis für ... doch dazu gleich mehr.

Busch Gardens ist ein in Themenbereiche aufgeteilter Vergnügungspark, der offensichtlich vom kolonialen Afrika des vergangenen Jahrhunderts inspiriert wurde. Ob und wie der Geist jener Zeit den zahllosen afro-amerikanischen Mitarbeitern des Etablissements gefallen mag - darüber lässt sich nur spekulieren. Congo, Timbuktu, Nairobi, Morocco, Egypt sowie das Myombe Reserve und die Serengeti sind die eigentlichen Schauplätze des Interesses. Stanleyville, der letzte große Bereich, richtet sich vornehmlich an Kinder.

Überall im Park verteilt finden sich ein paar "wilde" Tiere, zumeist nicht in (sichtbaren) Gehegen, sondern in möglichst freiem Gelände. Da liegen schon mal die unvermeidlichen Aligatoren faul im Wasser umher, man kann tropische Vögel begutachten und einige Gorillas nebens äffischen Verwandten trollen sich im Busch. Eingestreut dazwischen und damit so unpassend wie irgend möglich plaziert, ragen Rollercoaster in den Himmel, leidlich lackierte Stahlungeheuer, absurd lärmend, wenn sich kreischende Fahrgäste in die Tiefe stürzen lassen. Oder in Wildwasserbahnen nassspritzen. Der erste Eindruck: mit in Gefangenschaft lebenden Wildtieren allein lässt sich offensichtlich der gemeine Fun- und Sun-Urlauber nicht locken. Thrill muss her oder wenigstens das technisierte Pendant davon.

Sie werden sich fragen: lese ich zwischen den Zeilen einen launigen Unterton? Oder auch: na, hat´s gefallen? Um ehrlich zu sein:

Nein.

Kennen Sie das Gefühl, dass irgend etwas fehlt, obwohl augenscheinlich alle Bestandteile des Rezeptes im Topf schmoren? Das Salz in der Suppe? Man könnte sagen: Busch Gardens wirkt freud- wenn nicht gar lieblos. Keine Frage: Tier- und (solche) Naturparks können und wollen nur eine Kopie des Originals sein. Aber Busch Gardens Tampa Bay erscheint als Kopie der Kopie, als unechte Faksimile einer perfekten Vergnügungswelt, deren Perfektion á la Disney sie jedoch nicht erreicht. Die Tiere: gelangweilt und langweilig. Die Attraktionen: alt wirkend und wenig attraktiv, weil nicht wirklich innovativ. Verblüffend allerdings, wie die Parkbetreiber es schafften, trotz nahezu unbesuchten Parks in der Nebensaison nach den Oster- jedoch vor den Pfingstferien die Wartezeiten an den Fahrgeschäften auf konstant hohem Niveau zu halten. Unter einer angedrohten Stunde ging nichts. Mit einer Ausnahme: ein "Safarizug" mitten durch den Park, bei dem man "hautnah" an Tiere herangeführt werden sollte. Wurde man zum Glück nicht. Dafür sind schließlich "geführte" und "gesondert berechnete Touren" da, welche zusätzlich angeboten werden.

Alles in allem:

Wollen Sie Tiere in Florida beobachten? Setzen Sie sich an den Wegesrand - sie brauchen nicht lange zu warten, bis allerlei interessantes Getier Ihren Pfad kreuzt. Oder falls Sie die Illusion der Wildtierhaltung bevorzugen: besuchen Sie Disney´s Animal Kingdom. Ähnlich angelegt, ähnlich teuer ein vielfaches "natürlicher".

Wollen Sie aufregende Fahrten in aufregenden Fahrgeschäften, die nicht einfach merkwürdig verloren auf versengter Erde stehen? Die Universal Island of Adventures in Orlando bietet reichlich davon. Eingebettet in ansprechender filmgerechter Kulisse.

Wollen Sie zum wirtschaftlichen Wohlstand der Anheuser-Busch-Brauereien beitragen? Genießen Sie ein spritziges Budweiser oder eine der anderen 30 Biersorten dieser weltgroßen Brauerei. Aber bitte nicht zuviel davon. Sonst kommen Sie in seliger Bierlaune noch auf die Idee, Busch Gardens Tampa Bay einen Besuch abzustatten. Und so lange dauert Ihr Urlaub im Sunshine-State dann doch nicht, oder?


Ciao und immer hübsch wild bleiben,
Effjott 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
atfopsg

atfopsg

17.08.2003 17:16

Das ist der unpassensde Bericht den ich je zu Busch Gardens gelesen habe!!! Was soll das denn? Was hast du eigentlich erwartet! Leute die keine Ahnung von gar nix haben schreiben einfach über irgendwelche Freizeitparks und amchen sie schlecht! Der Park ist neben Isalnds of Adventure der beste den es in Florida gibt und der Besuch eigentlich ein Muss. Die Achterbahnen sind Weltklasse und die Tiere bekommt man auch zu sehen(kommt auf den Tag an). Die Tiere sind nun mal nicht da um auf euch zu warten und sich dann zu präsentieren damit ihr nicht enttäuscht seid von den bösen großen Gehegen die ja für die Tiere vielleicht bequem sein könnten! Schlechter Bericht!

rolle2002

rolle2002

09.08.2003 00:12

Wir waren im Juni 2003 im Bush Gardens und können diesen negativen Bericht nicht teilen. Wir fanden den Park gerade wegen seiner Mischung von Tieren und Rides attraktiv. Ist uns jedenfalls lieber als die rein künstliche Disneywelt (Ausnahme Animal Kingdom - dort war ich allerdings enttäsucht, für den hohen Preis hatten wir in 3/4 Tag alles gesehen). Wir mussten nur bei wenigen Fahrgeschäften warten (da allerings auch bis 45 Minuten), obwohl der Park gut besucht war. Und Parkgebühren erhebt ja auch jeder "Park". Auch in Deutschland kommt dies stärker. Und den hohen Eintrittspreis von 50$ konnten wir mildern, indem wir in der Zeitung einen Voucher ausschnitten, der uns Essen (z.B. Spare Ribs), Getränke und Eis kostenlos ermöglichten.

atfopsg

atfopsg

06.04.2003 01:13

Bist du sicher dass ihr in busch Gardens wart? Das kling nämlich nicht so. Als ich da war, war es im park sehr wohl grün, und wenn man keine Achterbahnen mag sollte man es ganz lassen. Das ist nämlich ein VERGNÜGUNGSPARK das mit den Tieren nennt sich Zoo. Vielleicht solltet ihr das mal probieren, da gibts keine bösen bösen Achterbahnen!

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