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Pro herrliche Natur, nicht so überlaufen, tolle Wasserwege
Kontra nichts gefunden
Bei diesem Winterwetter denkt man gern an den Sommer zurück und freut sich auf den nächsten. Wegen unserer Enkelin haben wir uns ein wenig auf Kurzurlaube spezialisiert, um ihr, wenn sie nicht mit den Eltern in Ägypten oder Griechenland unterwegs ist, zu zeigen, dass es auch in Deutschland schöne Gegenden gibt und selbst wieder einmal dort vorbei zu schauen, wo wir schon lang nicht mehr waren. Diesmal hatte es uns der Spreewald angetan. Diese alte Kulturlandschaft im Südosten des Bundeslandes Brandenburg ist mit ihrer weiträumigen Flusslaufverzweigung der Spree und dem umfangreichen Kanalsystem ein herrliches Erholungsgebiet, in dem man Wald, Wasser, Ruhe und viel mehr findet. Da wir uns nicht gern in den großen Trubel stürzen, verzichteten wir auf namhafte Orte, wie Lübbenau, und suchten uns im Internet eine passende Ferienwohnung in Burg im Spreewald. Wir hatten sehr schnell herausgefunden, dass dieser Ort in einer der romantischsten Ecken des Spreewaldes liegt und Bootstouren in Gebiete ermöglicht, wo man nicht ständig von Touristenkähnen gerammt wird.
Obwohl man vor allem in Burg-Dorf viele neue und sanierte Häuser findet, gibt es noch zahlreiche Zeitzeugen der Vergangenheit, insbesondere in Burg-Kolonie. Urkundlich wurde Burg erstmals 1315 erwähnt, wie auch in dieser Zeit der Begriff „Spreewald“ entstand, geprägt von den zahlreichen Erlen, Eichen und Eschenwäldern, die heute teilweise an Urwald erinnern. Burg-Kauper wurde erstmals als selbständige Streugemeinde 1725 erwähnt. Zwischen den zahlreichen Spreearmen lagen und liegen z. T. erhöhte Landgebiete wie Inseln, im Sorbischen Kupa genannt. Auf eine solche Insel geht auch der Ortsname Burg-Kauper zurück. Da die zahlreichen Wasserarme nicht nur die größtenteils einzigen Verbindungswege zwischen den Inseln und dem „Festland“ waren, sondern auch bei Hochwasser das umliegende Land bedrohten, wurden nur höher gelegene Gebiete besiedelte und großer Wert auf die Befestigung der Ufer gelegt.
Interessant auch die Geschichte des Ortsteils Burg-Kolonie. Zu Zeiten Friedrichs II., etwa um1750, wurden ca. 200 Hugenotten-Familien, vorwiegend Handwerker und Landarbeiter, dort angesiedelt. Es bestand lange Zeit das Recht, dort zu siedeln, wo man von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang sein Wohnhaus errichtete, und so wurde fast jede Kaupe (Insel) besiedelt. Diese Ansiedlung brachte viel Handwerk und Gewerbe in den damals nur von Landwirtschaft geprägten Raum. Heute finden wir vor allem dort noch zahlreiche der traditionellen Blockhäuser, an den Giebeln meist ein Paar gekreuzter Schlangenköpfe. Diese Tradition geht auf eine alte Sage zurück.Ein fremder Graf war aus Italien in die Lausitz gekommen. Er erfuhr von den Leuten, dass es im Spreewald einen Schlangenkönig gäbe; der spiele mit den übrigen Schlangen oft auf der Waldwiese und lege dabei seine Krone an einer sonnigen Stelle ab. Der Graf war habgierig und beschloss, die Krone des Schlangenkönigs zu rauben. Er suchte daher bis er die Wiese gefunden hatte und beobachtete, wie die Schlange ihre Krone auf einen sauberen Fleck, am liebsten auf etwas Weißes ablegte, um dann mit den übrigen zu spielen und sich in der Sonne zu tummeln. Eines schönen Tages ritt der Graf zu den Schlangen, breitete ein weißes Tuch auf der Wiese aus und versteckte sich hinter einem Strauch. Die Tiere kamen auch bald, und der Schlangenkönig legte seine Krone auf das Tuch. Dann spielten sie etwas abseits in der Sonne. Gerade das hatte der habsüchtige Graf erhofft. Schnell schlich er zu dem Tuch, erfasste es mitsamt der Krone, schwang sich aufs Pferd und ritt im Galopp davon. Im Nu jagte eine große Schar Schlangen hinter dem Dieb her. Er ritt, soviel das Pferd hergab, übersprang eine hohe Mauer und entging den Verfolgern. Mit der Krone wurde der Graf reich und ließ sich ein Schloss bauen. Zum Wappenschild erwählte er eine Mauer und eine gekrönte Schlange.
Es gibt mehrere Versionen dieser Sage, keiner weiß genau, welche stimmt. So, wie es auch heißt, dass der Teufel den Spreewald geschaffen hat, als er seine Höllenochsen vor den Pflug spannte und diese nicht recht vor oder zurück wollten. Der Teufel geriet in Wut und trieb die Tiere kreuz und quer über die Felder. Er konnte die Tiere bald wieder einfangen, jedoch war das Feld völlig zerstört. Die verbliebenen Rinnen füllten sich alsbald mit Wasser, woraus der Spreewald entstand.Damit genug von der Sagenwelt des Spreewaldes und zurück zum heutigen Spreewald.
Natürlich gehörte eine Kahnpartie auch zum Spreewaldprogramm. Entsprechend dem Rat unserer Vermieterin steuerten wir keinen der Häfen in Burg-Dorf an. Dort wären wir auf einem Seitenarm der Spree eine Stunde zwischen Wiesen und Feldern in die eine Richtung und dann eine Stunde die gleiche Strecke zurück gefahren. Wir fuhren in das 10 km entfernte Burg-Kauper zum hintersten Hafen, dem Waldschlößchenhafen. Der Weg dahin war zwar etwas rumplig, aber ausreichend ebensolcher Parkplatz und ein idyllischer Hafen erwarteten uns. Das Fahrtenangebot war reichlich, die Zahl der Interessenten nicht so. Wir waren eben am Ende der Welt. Wir hätten zwei Stunden, vier Stunden, 6 Stunden mit Gaststättenaufenthalt oder auch eine Mondscheinpartie buchen können. Wir folgten der Meinung der Mehrheit und fuhren 2 Stunden. Es wurden zwei erlebnisreiche Stunden. Die Kahnführerin schob uns mit ihrer langen Stakstange in die Mitte des Fließes und beruhigte ängstliche Gemüter damit , dass das Wasser nicht einmal einen Meter hoch stünde. Sie erzählte uns einiges über den Spreewald, während rings um und die Landschaft langsam urwaldähnliche Züge annahm. Die Uferbefestigungen waren zwar tiptop in Ordnung und wir sahen unterwegs auch die eine oder andere Baustelle, wo neue Pfähle eingerammt und mit Faschinen (Rutenbündel) hinterlegt wurden. Die Erlen und das Ufergebüsch hingen aber teilweise so weit in und auf das Wasser, dass wir ab und zu die Köpfe einziehen mussten. Bis auf die nicht ständigen Erklärungen und Scherze unserer Anschieberin herrschte eine wohltuende Ruhe und wir genossen sie. Dann kam die erste Schleuse. Nicht etwa Hitec, nein, wer hier durchwollte, musste aussteigen, sein Boot festmachen, das erste Schleusentor mit der Kurbel hochleiern, bei normalem Wasserstand das Boot hineinbringen, das erste Tor schließen, das zweite öffnen und so fort. Glücklicherweise verdienten sich auf den Hauptrouten ein paar Jugendliche ein kleines Taschengeld durch die Spenden der Touristen. Auf Nebenstrecken half niemand, da musste man selbst durch. Allerdings gab es neben einigen Schleusen berieselte Rutschstrecken, über die man sein Paddelboot oder Kanu ziehen konnte. Das war für den Geübten kein Problem, der Rest musste daran denken, dass hier jedes mal aus- und eingestiegen werden musste, ohne Anlegestelle. Wir merkten uns dies gut.
Unterwegs sahen wir viele der Blockhäuser mit den gekrönten Schlangenköpfen und hörten natürlich auch die Sage. Teilweise lagen am Ufer vollgelaufene Kähne. Wir dachten natürlich, dass die hin sind. Irrtum, das waren die mal. Jetzt mussten sie sich zur völligen Abdichtung mit Wasser vollsaugen und wurden dann geleert. Zum Bootsbauer wurden wir dadurch nicht. Die Kanäle wurden immer enger und zugewachsener. Viele sahen wir, die nicht mehr passierbar sind. Aber wir sahen auch eine ausgezeichnete Beschilderung der Wasserläufe für die Paddler und Kanuten. In einem Seitenarm sonnten sich in der Uferböschung drei kleine Nutrias vor ihrem Bau. Ohne den Hinweis unserer Antreiberin hätten wir sie wohl kaum entdeckt. Wir waren so leise wie sie und konnten uns ein Weilchen an ihrem Anblick erfreuen. Als wir ausreichend weit weg waren, um sie nicht zu erschrecken, hörten wir, wie erfreulich viele Biber und Nutrias hier wieder heimisch geworden sind. Ein Stück weiter machten wir an der Anlegestelle eines Blockhauses kurze Rast. Es gab Souvenirs, Fettbemmchen und saure Gurken. Souvenirs wollte keiner, aber Fettbemmchen und Gurken gingen ab wie saure Gurken. Die Preise waren weder astronomisch noch gastronomisch, einfach solide. Dann ging es langsam zurück, aber auf einer anderen Strecke. Diese zwei Stunden waren Natur pur und wir nahmen manche Anregung für eine eigene Fahrt mit.Am nächsten Tag setzten wir dieses Vorhaben am gleichen Ort in die Tat um. Drei Ahnungslose im Dreier. Der Verleiher riet uns zwar zu zwei Zweiern, nicht wegen des Geldes, er wusste warum. Wir dann später auch. Damit solche Amateure keinen Selbstmord begehen, bekamen sie nur zwei Paddel. Ein großes für mich, ein kleines für Lara. Meine Frau saß in der Mitte und amüsierte sich, aber nicht lange. Wir bekamen noch eine laminierte Karte und den gut gemeinten Hinweis, dass das Wasser gar nicht so tief sei, aber das wussten wir ja schon. Die Wertsachen hatten wir vorsichtshalber im Auto gelassen. Ebenso gelassen versuchte ich, den schützenden Hafen zu verlassen. Nachdem Lara mir immer entgegengesetzt ruderte, bekam sie Pause verordnet. So ging es endlich los. Anfangs prüften wir jedes Ufer auf Stabilität, dann wurde ich sicherer. Da ich keine Streckenrekord aufstellen wollte und die Schleusen tunlichst mied, machte es langsam richtig Spaß. Hin und wieder ließ ich uns treiben, natürlich nur das Boot, und so verbrachten wir zwei total schöne Stunden auf dem Wasser. Wir haben nicht einmal geprüft, ob es wirklich so flach war. Im Hafen, den wir dank Karte und einer gehörigen Portion Glück nach dieser Zeit erreichten, verstand ich die Bedenken des Verleihers. Irgendwie war ich am Boot angewachsen. Meine Frau bugsierte ich mit letzter Kraft hinaus, Lara schaffte es fast allein. Aber wer half mir? Jetzt verstand ich den Hinweis des guten Mannes, dass ein Dreier für unsere Altersgruppe viel zu tief lag. Mit letzter Kraft hievte ich mich auf die Bootsumrandung und wagte einen Satz, der das Boot ohne die rettende Schnur in der Hand des Verleihers in die unendlichen Weiten des Spreewaldes abgetrieben hätte. Mich hielt erst eine entfernte Wand auf, aber beide überstanden wir dies.
Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Abstecher zum Bismarckturm, der eine schöne Aussicht auf das Umland biete und eine lange Geschichte hat. Danach entdeckten wir noch einen ökologischen Naturgarten, in dem wir viele längst totgeglaubte Pflanzen wieder entdeckten. Eine ABM-Maßnahme von glücklicher Hand. Wir unterhielten uns mit einer Gärtnerin und brachten über eine Stunde in dem weiträumigen Gelände zu. Ein Mitarbeiter sammelte gerade Fruchtstände ein, was uns darauf brachte, dass man hier vielleicht Saatgut bekommen konnte. Es war so. Für wenig Geld erstanden wir eine Tüte mit Samen von Jungfer im Grünen und anderen Sommerblumen, die man in unseren Gärten kaum noch sieht. Mal sehen, ob sie im nächsten Sommer bei uns gedeihen.Da wir mehr über den Spreewald und seine Geschichte erfahren wollten, fuhren wir nach Lehde, Das heißt, nur ganz in die Nähe, denn Lehde liegt auf einer Kupa, da kommt kein Auto hin. Also schön zu Fuß und dann über die Brücke.
Außer vielen Touristen aus Lübbenau und Lübben bekamen wir drei altwendische Bauernhöfe mit den bekannten Schlangenköniggiebeln, einen wunderschönen Obstgarten, viel mittelalterliches Handwerk, eine historische Trachtenausstellung, Kunstgalerie, Töpferei, Blaudruckwerkstatt, eine der ältesten Meerettichreibereien und den Bauerngarten mit Heil- und Färberpflanzen zu sehen. Weitere Reibereien gab es nicht, denn die vielen Menschen verteilten sich gut auf dem Gelände. Zumal etliche offensichtlich nur gekommen waren, um die hiesige Gastronomie zu testen.Wir bestaunten die wunderschönen Blaudrucke und die zahlreichen kunstvoll verzierten Ostereier. Zum so genannten Haufenhof gehört ein großes Wohn-Stall-Haus, ein Backhaus und ein Schweinestall. In dem großen Blockbau lebten Menschen und Vieh unter einem Dach. Das Wohn-Stall-Haus besitzt nur eine einzige Stube, die der Bauernfamilie, meist drei Generationen, als Wohn-, Ess- und Schlafraum diente. Dominant ist in diesem Raum das große Familienbett, in dem bis zu sechs Familienmitglieder schliefen. Wir rätselten, wie in der alten Bauernstube so viele Menschen in einem einzigen Bett nächtigen konnten. Wo andere Betten allerdings einen Bettkasten haben, konnte man da ein Unterbett herausziehen und das nach zwei Seiten. Zum Glück war Testen verboten, sie wollten die Möbel wohl noch einige Zeit ausstellen.
In einem anderen Haus erfuhren wir Interessantes über die Wohn- und Lebensweise der Spreewälder, insbesondere ihre wunderschönen Trachten.Die konnten wir auch am Wochenende quasi vor unserer Haustür bewundern, denn wir waren gerade zur Zeit des Heimat- und Trachtenfestes in Burg. Höhepunkt war der sonntägliche Festumzug. In über 60 Bildern wurde in ihm das Leben in der Region sowie die Traditionen und Bräuche des Spreewaldes dargestellt. Nach dem Eintreffen des Festzuges auf dem Festplatz wurden insbesondere von der Domowina-Jugend einige Bräuche direkt auf dem Festplatz und auf benachbarten Wiesen vorgeführt, so z.B. das Hahnrupfen, wo die jungen Männer ihre Reitkunst bewiesen.
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Mel.E 11.02.2011 05:30
BH nachgereicht!
t.schlumpf 24.01.2011 15:55
Sorry fürs Warten ;o)
Wildaz_Wip 24.01.2011 14:33
als Reiseziel war mir das zwar durchaus ein Begriff, aber ansonsten hatte ich bisher nur ein sehr vage Vorstellung von dieser Gegend. Interessanter Einblick!
tapio-maunzi 23.01.2011 08:29
BH und Gruß. Doris
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aha!!! - und noch einen tollen Bericht gefunden, der ein bh von mir bekommt - auch wenn der Bericht schon älter ist :-))) - LG gisela