Bukit Lawang, Sumatra

Erfahrungsbericht über

Bukit Lawang, Sumatra

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Bukit Lawang, Sumatra

 

Alle Bukit Lawang, Sumatra Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


REHA für Orang Utans (2)

5  14.07.2006 (17.10.2006)

Pro:
wunderschön gelegen, Tiere hautnah erleben

Kontra:
gar nichts

Empfehlenswert: Ja 

Leo56

Über sich: Der erste Südafrikabericht ist online, weitere folgen.... Danke für die vielen BH von euch!!!!!...

Mitglied seit:06.02.2006

Erfahrungsberichte:128

Vertrauende:94

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 105 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Dieser Reisebericht ist Teil 2 von 31 Einzelberichten über eine faszinierende Indonesienreise, die uns im Jahre 2002 zunächst nach Nordsumatra inkl. eines Abstechers ins Orang Utan Rehabilitationscenter nach Aceh, dann auf die Insel Nias inkl. 3- Tagesausflug zur Insel Bawa im Westen von Nias und schließlich nach Westsumatra führt.

Eine Zusammenfassung und Auflistung der einzelnen Etappen findet ihr unter: http://reisen.ciao.de/Sumatra__Test_3109953 Abenteuerreise zu Batakern und Kopfjägern


REHA für Orang Utans
----------------------------------

Heute fahren wir von Medan nach Bohorok und von dort werden wir zu Fuß bei Bukit Lawang eine Pflegestation für Orang Utans besuchen.

Diese wurde Anfang der 1970-er Jahre für Orang Utan -Waisenkinder eingerichtet, die hier auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden. Heute werden hier aber auch kranke Tiere gepflegt.

Wir fahren von Medan westlich über Binjai und durchqueren dabei einen großen und wunderschönen Palmenwald. Bis Binjai ist die Straße erträglich, aber anschließend müssen wir eine Nebenstraße befahren und haben nun sehr schlechte Straßenverhältnisse. Während der insgesamt etwa 3 -stündigen Autofahrt haben wir nur etwa 45 Minuten erträgliche Straßen.

Von Medan geht es zunächst über eine erstaunlich gut ausgebaute Straße bis Binjai. Wir fahren im Linksverkehr durch einen wunderschönen, uns endlos erscheinenden Wald, voller Palmen. Ab und zu kommen uns voll beladene LKW entgegen.

Auf einem Großteil der dreistündigen Autofahrt haben wir jedoch sehr schlechte Straßenverhältnisse. Ab Binjai befahren wir eine Nebenstrasse.
Irgendwann verfahren wir uns total und sind für ein kleines Entgelt auf die Hilfe zweier junger Burschen angewiesen, die uns mit ihrem Moped den Weg bis nach Bohorok zeigen.

Uns erwartet hier ein Hotel mit schönen Zimmern inkl. Terrasse direkt am Fluss. Gegen 13:00 kommen wir hier im Rindu- Alam-Hotel *** an und essen kurz zu Mittag.

Po. Box: 20774 Bukit-Lawang,
North Sumatera
Tel. (061) 4145015-4575370
Fax (061) 4145015

Die Preise liegen hier aktuell bei 30€ pro Person, ab 2 Personen nur noch 16€ pro Person mit Frühstück.

14:30 Uhr gehen wir los, um die Fütterung der Orang Utan (15:00 bis 16:00 Uhr) nicht zu verpassen.

Wir laufen nach rechts am Fluss Bohorok entlang, nach dem auch der kleine Ort benannt ist, überqueren den Fluss und sehen auf der linken Fluss-Seite einige über Treppen

Bilder von Bukit Lawang, Sumatra
  • Bukit Lawang, Sumatra Bild 19041608 tb
  • Bukit Lawang, Sumatra Bild 19041802 tb
  • Bukit Lawang, Sumatra Bild 19041974 tb
  • Bukit Lawang, Sumatra Bild 19042080 tb
Bukit Lawang, Sumatra Bild 19041608 tb
Meine Karte- nur eine Zeichnung von mir
erreichbare Hütten für Rucksacktouristen, bevor wir den Fluss wieder nach rechts überqueren.
Dort erwarten uns einige Verkaufsstände und einfache Warongs.

Junge Holzschnitzer sind hier dabei, hübschen Schmuck aus Kokosnüssen zu fertigen.
Am Ende des Weges werden wir mit einem kleinen Kanu über den Fluss gesetzt und anschließend geht es mehrere hundert Meter teilweise steil bergauf.

Da es hier sehr lehmig ist, sind wir froh, dass es hier die letzten Tage nur wenig geregnet hat.
Zunächst begrüßt uns ein kleiner Javaneseraffe, dann kommen wir zur Krankenstation der Orang Utan.

Hier bleiben die Waldmenschen (Orang Utan heißt auf malaiisch: "Waldmensch") für drei Monate, bevor sie allmählich an die Freiheit gewöhnt werden. Meist handelt es sich um Orang Utan, die als Babys gefangen und illegal als "Haustiere" verkauft wurden.
In Gefangenschaft werden sie dann oft krank. Orang Utan können sich leicht mit gefährlichen menschlichen Krankheiten wie Tuberkulose und Hepatitis infizieren. Dies erschwert ihre erfolgreiche Auswilderung. Dennoch: die Wiederauswilderung hat eine gute Erfolgsquote.
Im typischen Regenwald sehen wir unterwegs zur Futterstelle bereits einen Sumatra-Orang Utan (Pongo pygmaeus abelii) über uns. Es gibt auch einen Borneo-Orang Utan (Pongo pygmaeus pygmaeus), der sich jedoch genetisch vom Sumatra-Orang Utan unterscheidet.

An der Futterstelle kommen wir gegen 15:30 Uhr an, allerdings ohne Gitta, die sich noch nicht an das tropische Klima gewöhnt und daher schon vor der Bootsfahrt aufgegeben hat.
Die aus der Station freigelassenen Orang Utan kommen regelmäßig zu ihrem Futterplatz.
Zwei Orang Utan Weibchen mit zwei Kleinen werden gerade mit Bananen und Milch gefüttert.

Orang Utan sind zwar Einzelgänger, aber die Jungen bleiben fünf bis sechs Jahre bei ihrer Mutter. Männchen haben lange herunter hängende Haare, Backenwülste und einen Schnurrbart; hier ist keiner dabei. Sumatra besitzt wegen der äquatorialen Lage einen ausgedehnten Regenwald. In der Kolonialzeit wurde jedoch mit ausgedehnten Waldrodungen begonnen, weshalb auch der Orang Utan zu den bedrohten Säugetieren gehört. Er steht auf der "Roten Liste". Dennoch unternimmt die indonesische Regierung bislang nicht viel, um die Waldrodungen aufzuhalten. Devisen sind leider noch immer wichtiger.

140 heimische Tierarten sind in Sumatra zwar gesetzlich geschützt, aber eine Kontrolle ist sehr schwer. Hinzu kommt die in ganz Indonesien verbreitete Korruption. Neben dem intensiven Abholzen von Wäldern führen die noch immer vorhandene Nachfrage nach exotischen Souvenirs, zum Beispiel aus Schildkrötenpanzern gefertigt, eine nach wie vor lukrative Jagd nach edlen Fellen sowie ein aggressives Fischen mit Dynamit dazu, dass mittlerweile ein großer Teil der Tier- und Pflanzenwelt Sumatras vom Aussterben bedroht ist.

Schutzgebiete wie der Gunung Leuser Nationalpark (benannt nach dem 3455 m hohen Berg Gunung Leuser) und beginnende Aufklärungen in den Schulen sind ein Anfang.

Der Orang Utan ist ein echter Baumbewohner. Im Blätterdach des Waldes frisst er, schläft und pflanzt sich fort. Orang Utan fressen am liebsten Früchte, aber auch Pflanzen, Honig, kleine Tiere (z.B. Echsen), Termiten, Jungvögel und Eier. Orang Utan sind sehr intelligente und auch anpassungsfähige Wesen. Während wir sie beobachten, entdecken wir einige Ähnlichkeiten zu uns Menschen:

Der größere der jungen Orang Utan versucht seinen kleinen Bruder (oder Schwester) an den Haaren nach oben zu ziehen, wofür er von der Mutter nach erfolgloser Ermahnung eine Ohrfeige erntet.

Das einzelne Orang Utan Weibchen wartet, bis die beiden Pfleger verschwinden und die kleine Familie beschäftigt ist.
Dann greift sie unter das Podest und holt aus einem Versteck eine extra Portion Bananen hervor. Diesen Orang Utan geht es hier sichtlich gut.

Sie verschwinden allmählich wieder in den dichten Baumkronen und auch wir treten den Rückweg an.

In einem der Warongs auf dem Weg zum Hotel trinken wir noch Kaffee und genießen die Landschaft um uns herum. Wir haben Zeit, über die überwältigenden Regenwälder Sumatras nachzudenken.

Hier leben sehr viele seltene Arten, die es sonst gar nicht gibt. Wenn diese Arten hier in Sumatra aussterben, dann sind sie insgesamt von der Erde getilgt. Dazu gehören die Sumatra-Tiger, die eine besonders intensive Färbung haben, die v.a. im Süden lebenden Sumatra-Elefanten, die Sumatra-Rhinozerosse, Schabrackentapire und die weltweit kleinsten Nashörner, die Sumatra-Nashörner ebenso wie allein acht verschiedene Primatenarten. Neben den Orang Utan leben hier die 6-8 kg schweren Weißhand-Gibbons mit einem Kranz weißen Haares um den dunklen Kopf, die ansonsten nur in Thailand und Malaysia zu finden sind, die Siamang und die Makakenarten der Schweinsaffen, Javaneraffen und Thomasmützen-Languren. Insgesamt wurden auf Sumatra 176 verschiedene Säugetierarten, 194 Reptilien-, 62 Amphibien- und 320 Vogelarten gezählt. Zu den seltenen Vogelarten gehören zum Beispiel der Nashornvogel und der Großaugenfasan. Dazu kommen immerhin 3500 Pflanzenarten, darunter etliche Orchideen.

Trotz der weltweit mittlerweile verstärkten Aktivitäten zum Schutz der Regenwälder, auch in Deutschland, sind die tatsächlichen Auswirkungen meines Erachtens den wenigsten Menschen bewusst. Die eigenen Alltagssorgen überwiegen meist. Während ich dies aufschreibe, denke ich daran, dass mein Sohn im Alter von fünf Jahren allen Leuten erzählte, er wolle "den Regenwald retten". Jetzt ist er 27 und hat ihn doch nicht gerettet, allerdings engagiert er sich wirklich sehr dafür, wird aber oft genauso belächelt wie damals.

Am Abend baden wir im Fluss, der allerdings so flach und voller spitzer Steine ist, dass es gar nicht so richtig Spaß macht. Aber es kühlt die Beine etwas ab. Unser Bungalow grenzt direkt an den unserer Freunde an und die Terrasse können wir quasi gemeinsam nutzen. Sie ist nicht sehr groß, gerade so, dass wir den Tisch und vier Stühle platzieren und Karten spielen können.

Mücken gibt es kaum, dafür jede Menge interessanter größerer Insekten: eine handtellergroße Spinne hängt im nächsten Baum und grinst uns hämisch an. Die kleinen Eidechsen und Geckos müssen sein, sie fressen schließlich die kleinen lästigen Insekten, und dann besucht uns noch eine große Heuschrecke (6-7 cm lang ohne Fühler), vielleicht eine Gottesanbeterin? Aber dafür ist sie irgendwie zu dick.

Wie auch immer: wir genießen den lauen Abend mit leichtem Wind am Flussufer und wären gern noch einen Tag länger geblieben. Aber wir haben noch viel vor. Morgen fahren wir wieder zurück bis Medan und weiter in einen kleinen Bergort, er heißt Berastagi (Brastagi gesprochen) und liegt in der Nähe von 2 Vulkanen.

Jetzt, während ich diese Erlebnisse mit Hilfe meiner Aufzeichnungen von damals noch einmal zurückhole, werde ich ein Bild nicht los: Am 2. November 2003 kam ein ganz kurzer Beitrag in den ARD-Nachrichten: "Der Fluss Bohorok ist nach langen Regenfällen über die Ufer getreten. Er wurde ganz plötzlich zu einem reißenden Strom und hat mit einer katastrophalen Sturzflut alle Häuser und Warongs am Ufer mit sich gerissen. Es gibt mehrere Hundert Tote, darunter 4 Europäer." Ich war damals wie gelähmt und wollte es nicht glauben: dieses kleine Stückchen Paradies soll zerstört sein?! Es waren letztendlich 300 Tote und mehrere Hundert Obdachlose. Ja, was denn noch?! Damals ahnte ich nicht, dass es Ende 2005 noch viel, viel, viel schlimmer kommen sollte.


Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
travelgirl

travelgirl

26.09.2013 10:18

Hier kommt das verdiente bh...

travelgirl

travelgirl

23.09.2013 17:12

Hier muss ich zum Bewerten noch einmal wiederkommen... lg tg

de-nada

de-nada

21.08.2008 00:28

Fürs Engagement und zum Aufruf des Schutzes des Regenwaldes und der Waldmenschen lasse ich gerne ein besonders hilfreich da! Liebe Grüße Jenny

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 4490 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (14%):
  1. travelgirl
  2. de-nada
  3. mathilde_de
und weiteren 12 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (86%):
  1. manu63
  2. cityqueen
  3. Leona11
und weiteren 87 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.