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Heruntergekommen, teuer und versifft.

1  10.08.2010

Pro:
Historisch interessant

Kontra:
Heruntergekommen, teuer und versifft .

Empfehlenswert: Nein 

heinrich_berger

Über sich:

Mitglied seit:23.12.2009

Erfahrungsberichte:14

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Ich war schon einmal vor 25 Jahren in Budapest und es war sehr preiswert und wunderschön. Jetzt - im August 2010 - war ich wieder da und es war grauenhaft:

Zum einen war das Wetter extrem schlecht: Es hat 2,5 Tage fast nur geregnet, oft sogar gewittert, und zwar gewaltig. Dafür können die Budapester nichts. Sehr wohl aber für die massenhaft Stechmücken, die sich nach den Regenfällen aus den Flussufern über die ganze Stadt verbreiten. Die gab es früher dort definitiv nicht.

Etwa 40 Minuten nach unserer Ankunft wurde in einer belebten Nebenstraße der extrem belebten Rudaj Utca - eine reinen Restaurantstrasse mitten im Zentrum - die Beifahrertür unseres Dacia aufgebrochen und ein Rucksack mit den Gameboys der Kinder aus dem Auto geklaut. Wir waren zwar vom ADAC-Reiseführer gewarnt ("Parken nur auf bewachten Parkplätzen"), so - und vor allem so schnell - hätte ich das dann aber doch nicht für möglich gehalten. Ich würde unsere ganze Familie als eher robust und großstadterfahren bezeichnen - wir wohnen immerhin mitten in Köln. In Budapest muss man sich aber inzwischen ständig um sein Portemonnaie, seine Handtasche, sein Auto sorgen und das verleidet einem einfach den Aufenthalt. Wer etwas anderes behauptet, soll seine rosa Brille absetzen. Budapest ist heute objektiv genau so sicher wie früher Moskau. Rom und Neapel sind dagegen die reinsten Hochsicherheitstrakte.

Darüber hinaus ist es dort überall teurer als hier (in Köln). Ein eher einfaches Essen im Straßenrestaurant - Gulasch zum Beispiel, hier an jeder Ecke für 6,80 Euro zu haben - kostet 8,60 Euro, ein Bier 2,50 Euro. Der Eintritt in ein Badehaus ab einem Lebensalter von 2 Jahren pro Person 12,50 Euro, für unsere vierköpfige Familie also umgerechnet 100 DM - für den einfachen Eintritt in ein Badehaus in der "Stadt der Bäder"! Das hat nichts mit Europa zu tun: Am ebenfalls ungarischen Plattensee - nicht einmal eine Autostunde von Budapest entfernt - gibt es das Gulasch nach wie vor für 3 und das Bier für 1 Euro (da sind wir dann auch schleunigst hingeflohen).

Endgültig die Nase voll hatte ich als ich in einem dieser Badehäuser - "Dagaly" oder so ähnlich - mit einer Dusche konfrontiert wurde, die 1) völlig verschmutzt (Algen / Schimmel) war, 2) übel roch und 3) statt eines Duschkopfs nur ein über Kopfhöhe abgesägtes, verrostetes Rohr bot. Hier wie überall sonst hatte ich den Eindruck, daß sich in den 25 Jahren seit meinem ersten Besuch - damals war Ungarn die Perle unter den Ostblockstaaten - nichts, aber auch überhaupt nichts mehr verändert hat: das damals sehr moderne Hiltonhotel wirkt heute altbacken und bieder, ebenso das Einkaufszentrum Mammut. Als wenn die Zeit still gestanden hätte und zwischendurch alles nur teurer und schmutziger geworden wäre. Anscheinend steckt sich eine Bande von Vettern und Funktis die Einnahmen aus dem Tourismus in die eigene Tasche, so daß kein Geld für die Dusche mehr da ist. Für die Dusche in einem öffentlichen Bad, dem Aushängeschild der Stadt! Das ist so als wenn wir hier in Köln auf der Domplatte eine Mülldeponie einrichten würden - unfassbar. Bei der Rückfahrt über München hatten wir im Novotel als vierköpfige Familie als Nebenleistung zur 80 Euro billigen Übernachtung einen tollen Spa- und Wellnessbereich mit allen möglichen hypermodernen und extrem sauberen Installationen und diese Budapester Funktis sorgen nicht mal dafür, daß ein öffentliches Bad für 50 Euro Eintritt wenigstens eine einigermaßen ordentliche Dusche vorzuweisen hat!

Und eben dieses Funktipack begegnet einem dann auch noch auf Schritt und Tritt in schwarzen Limousinen mit Standarten, blau-weißen Sonder-KFZ-Kennzeichen und Begleitschutz. Das gleiche Bild auf der Burg: Vollgeparkt und befahren von Limousinen mit Sondererlaubnissen, jeder kleine Aussichtspunkt - etwa die einzelnen Türmchen der Fischerbastei - kostet Extraeintritt, die wenigen echten Sehenswürdigkeiten wie etwa die Matthiaskirche sind baufällig und daher gesperrt, rund um die Burg werden auf anscheinend wieder besseren Wissens absichtlich unbewachten Parkplätzen die Touristenautos aufgebrochen oder gleich ganz geklaut.

Schade ist das, ganz furchtbar schade. Ich kann jedem nur dringend abraten. Lasst Euch nicht von sentimentalen Beschreibungen der Schönheit dieser Stadt blenden. Von den aktuell 128 Berichten hier über Budapest sind nur 6 aus den letzten 5 Jahren und außer diesem keiner aus 2010. Das war alles einmal und hat mit dem heutigen, real existierenden Budapest nichts mehr zu tun. Das muss auch mal öffentlich gesagt werden und es wäre schön, wenn sich möglichst viele dann auch entsprechend verhalten würden. Vielleicht wachen die Funktis ja dann irgendwann mal auf und kümmern sich um die Sicherheit - etwa durch bewachte Parkplätze wie in Rom, um die Baudenkmäler - etwa durch Sanierung statt durch Absperrungen und um die Bäder - etwa durch Senkung und Reinvestition der Eintrittspreise :-(

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
FeliceChiara

FeliceChiara

28.04.2011 23:37

Um den Zustand, dass es keine aktuellen Berichte gibt, zu heilen, habe ich einen neuen Bericht gepostet. Aus meiner Sicht ist Budapest, obwohl bei weitem nicht so stressig wie viele anderen Hauptstädte, trotzdem auf eine andere Art und Weise (s. meinen Bericht) anstrengend und keine wirkliche Urlaubsstadt. Es sei denn, man hat genügend Zeit, sich einzugewöhnen und ein bisschen anzupassen. Bei der Reiseplanung sollte beachtet werden, dass das Klima in Budapest und Ungarn sehr kontinental geprägt ist. Von daher ist Mai die beste Reisezeit. Und was Sicherheit angeht: Budapest ist verhältnismäßig sicher. Wer vor Budapest kapituliert, sollte auf gar keinen Fall nach Barcelona wagen!!! Aber wenn man Verhaltensregeln durchliest, versteht und verinnerlicht, dem passiert auch nichts.

FeliceChiara

FeliceChiara

28.04.2011 23:36

Es scheint so, dass viele, die nach 20 Jahren wieder mal nach Budapest kommen, wirklich enttäuscht sind. Meistens, weil alles nach der Wende viel teuerer geworden ist. Und vermutlich vermiest das sofort die Stimmung. So eine enttäuschende Reaktion konnte ich bei einer fröhlichen Männergruppe so um die 50 beobachten, die im Gerbaud-Pub speisen wollten. In freudiger Erwartung schlugen sie die Speisekarte auf und bekamen lange Gesichter. Am Ende teilten manche eine Portion zu zweit. Die Stimmung sank merklich. Natürlich war früher immer besser, könnte man meinen, aber die Stadt ist ja nicht stehen geblieben. Ja, Essen gehen ist in Budapest teuer bzw. nicht viel günstiger als in Deutschland, aber die normalen Lebenshaltungskosten sind trotzdem verhältnismäßig niedrig. Und wegen des Autos tut es mir leid. Da kann jeder nachvollziehen, dass die Stimmung völlig im Eimer ist. Trotzdem werden Warnungen nicht umsonst herausgegeben. Zu glauben, dass es einem schon nicht passieren wird, ist doch ein bisschen leichtsinnig. Die Jungs dort sind doch PROFIES! Wegen der Preise in den Bädern ist bei Ihnen irgendetwas völlig falsch gelaufen. Außerdem ist zu vermerken, dass in Deutschland manche Bäder für Kinder ab 2 Jahren bereits den vollen Erwachsenen-Preis verlangen und zwar so um die 25 EUR pro Tag. In Budapest gibt es sehr wohl Kinderermäßigungen für 6-14 J. Außerdem muss differenziert werden, ob man das Thermalbad oder Schwimmbad (im April wohl weniger sinnvoll) oder beides nutzen möchte. Weiterhin haben viele Bäder an manchen Wochentagen 50%-Nachlass auf alle Preise. Hier ist eine sorgfältige Vorbereitung, vor allem für Touristen, alles. Die Internetseite http://www.heilbaderbudapest.com/tartalom.php ist sehr gut.

jansdarling2002

jansdarling2002

11.08.2010 13:16

Nun Stechmücken sind nach Regenphasen immer normal, vor allem wenn Gewässer in der Nähe sind, das ist nun mal Mutter Natur, da kann die Stadt ja auch nichts für ;-) Deine Preisbeispiele empfinde ich als normales Niveau... in HH bezahlt man für Gulasch noch mehr, und bIer ist hier auch teurer, vor allem wenn man etwas anständiges haben möchte und keine Plörre, selbst der Eintritt ins Badehaus kommt mir noch human vor, leider kann ich aufgrund Deiner mageren Details nicht einschätzen, was das Badehaus alles beinhaltet(hierzulande bezahlt man für 2 Std Therme & Saune 14,50Euro) Es wird in Reiseführern über Ostblockstaaten immer wieder vor kriminalität gewarnt, das schließt auch ein, das nichts aber auch rein gar nichts in den Autos liegen bleiben soll, letztens las ich sogar man soll sein Auto in der Garage des Hotels sicher stehen lassen und alles entweder zu Fuß oder mit den Offentlichen Verkehren bestreiten..ich denke mal, es ist auch alles eine Einstellungssache, was man von einer Stadt erwartet, was mich hier ein wenig misslich stimmt, das ich so wenig über Sehenswürdigkeiten vorfinde, was die Kategorie ja m.E. verspricht, ebenso wenig zu kulturellem, ich erwarte keine Auflistung von Museen oder penibel genau die Sehenswürdigkeiten, aber so die Erwähnung des einen oder anderen schon irgendwie...ebenso auch praktische Sachen wie Öffentlicher Transport oder auch Hinweise in Sachen Promillegrenze etc.LG

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