Bombay

Erfahrungsbericht über

Bombay

Gesamtbewertung (18): Gesamtbewertung Bombay

 

Alle Bombay Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Ein Europäer in Indien

3 8. Jan 2007

Pro:
Freundliche Menschen, Organisiertes Chaos

Kontra:
Dreck, nichts Schönes, bittere Armut an jeder Ecke

Empfehlenswert: Nein 

Wackiboy

Über sich: Mein Motto "In jedem Unglück gibt es etwas, das positiv ist. Manchmal muß man nur lange suchen&...

Mitglied seit:03.01.2007

Erfahrungsberichte:11

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 14 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet

Hallo,

voe ein paar Jahren musste ich geschäftlich nach Indien (Bombay und Vadodara). Der Reiseeindruck konnte krasser nicht werden, aber der Reihe nach.

Die Reise begann ganz klassisch, Business Class der Lufthansa, der Flughafen in Bombay war klimatisiert, sah exotisch aus, aber ich hatte schon schlimmere (Peking Ende der 90er) gesehen. Als ich dann aber aus dem Flughafen herauskam war ich in einer anderen Welt.
Ich hatte natürlich Bilder von Indien und den Menschen dort gesehen, aber direkt unter ihnen zu sein war schon ein wenig irreal für mich.
Ich wurde vom Fahrdienst des Hotels erwartet und war auf dem Weg zu Auto (knappe 200m) klatschnass geschwitzt. Ich war im August da, es war Monsoon, die Temperatur weit jenseits der 30 Grad und die Luftfeuchtigkeit gewaltig hoch. Die Fahrt zum Hotel (ich hab den Namen vergessen) war interessant, ich fühlte mich im Wagen sicher und das Gefühl einen Film zu erleben war noch nicht geschwunden. Vorbei an Männern im Lendenschurz, Elefanten und Motorikschas war die Volvo Limousine und der Europäer mit dem blöden Gesichtsausdruck darin für die Inder sicherlich genauso exotisch wie andersherum.
Das Hotel war dann wieder eine andere Welt. Die Lobby mit Marmor ausgelegt, ein Springbrunnen mitten im Raum, Diener in Livree, ein Butlerservice, kurzum Luxus pur.
Nach einer kurzen Nacht betrachtete ich mir am nächsten Morgen den Teil der Stadt, den ich aus dem Hotelfenster sehen konnte. Alles schien moderig und schmierig, der Müll türmte sich neben den Strassen. Ich konnte nichts hören, aber der Verkehr, den ich sah, musste einen irrsinnigen Lärm machen.

Nach einem hervorragenden Frühstück (indisch, europäisch, asiatisch) mit viel zu devotem Service holte mich mein indischer Kollege ab. Mit dem Taxi machten wir zuerst einmal eine kleine Stadtrundfahrt von einer Stunde. Die Gebäude litten alle unter der hohen Luftfeuchtigkeit und schienen marode. Schöne Häuser oder andere Dinge, an denen das Auge gerne hängenbleibt gab es nicht. Mein Kollege erzählte woher die Armut der Menschen auf der Strasse rührt, erzählte von korrupten Beamten, die Bauern gefälschte Arbeitsgenehmigungen verkaufen und auch deren Besitz unter Wert aufkaufen. Diese Bauern landen dann in den grossen Städten wie Bombay, Madras, Delhi, dürfen nicht arbeiten, können nicht zurück und landen in bitterster Armut auf der Strasse. Sie leben unter Plastikfolien und in Pappkartons, in den Holzhüttenvierteln leben die, die wenigstens regelmäßig Arbeit haben, sich aber die hohen Mieten nicht leisten können.

Meine Reise führte mich von Bombay nach Vadodara, einem Industriezentrum nördlich. Wir nahmen die Bahn, da mein Koffer nicht in das Taxi passte, das wir zum Bahnhof nahmen, wurde es kurzerhand in ein anderes Taxi verfrachtet. "Den siehst du nie wieder" dachte ich. Auch am Bahnhof war keine Spur von meinen Sachen, im Bahnabteil fand ich ihn dann aber wieder. Ein Gepäckträger hatte vom Taxifahrer die Info bekommen, welches Abteil und welchen Platz wir gebucht hatten und hatte den Koffer dort platziert. Wer den Träger bezahlt hat weiß ich bis heute nicht.
Die Bilder der indischen Bahn, die wir aus dem TV kennen, sind in Realität nicht so. Ohne Platzkarte kommt niemand mit, die Sitze sind bequem, der Service ist klasse (Wasser aus Flaschen soviel wie man möchte, offene Kochstelle in jedem Abteil). Lustig war, daß der Zug auf freier Strecke oft hielt um den Fahrplan einzuhalten und nicht zu früh am nächsten Bahnhof zu sein. Im Bahnhof hatten die Reisenden aber nur zwei Minuten Zeit die Wagen zu verlassen :-)

Im Staat Gujarat herrscht Prohibition, nur Bombay und ein kleines Sondergebiet nahe des Ozeans sind ausgenommen. Ich habe im Leben noch nicht soviel Wasser getrunken wie in den 10 Tagen.

Von Vadodara zurück nach Bombay haben wir einen Inlandsflug genommen. Da Vadodara immer wieder Zentrum bürgerkriegsähnlicher Unruhen ist, sind die Sicherheitsbedingungen am dortigen Flughafen extrem scharf. Wir wurden unter Schutz von bewaffneten Soldaten zum Flugzeug gebracht.
Obwohl die reine Flugzeit lediglich 15 Minuten betrug schafften es die Stewardessen jedem Fluggast ein warmes Essen zu servieren :-)

Vom Inlandsflughafen zum International Airport habe ich dann noch einmal die Armut in Bombay erleben dürfen. Während der ganzen Fahrt (4km, ungefähr eine Stunde in der Rushhour) lief eine Inderin mit einem Baby auf dem Arm neben dem Taxi her und bettelte. Gegeben habe ich ihr nichts, zuerst wollte ich, aber mein Kollege hat mich zurückgehalten. Damit würde ich ihre Situation nicht wirklich verbessern sagte er.

Ich könnte über die 10 Tage, die Erlebnisse und Eindrücke (incl eines zweitägigen Aufenthaltes in einer Dschungellodge) ein halbes Buch schreiben.

Fazit: Indien ist ein Schwellenland, das in Traditionen und Religionen gefangen ist. Das Kastendenken bestimmt wer erfolgreich sein darf und wer nicht. Die Menschen ergeben sich in ihr gottgewolltes Schicksal, sind freundlich und hilfsbereit. Bombay und Vadodara strotzen vor Dreck und Ungeziefer. So grosse Ratten wie auf den dortigen Bahnhöfen habe ich zuvor und danach nie wieder gesehen.
Der Unterschied zwischen arm und reich ist erschreckend. Auf der Strasse verhungern Menschen und 100m weiter kann man für 500 EURO Seidensaris kaufen und nobel schlemmen. Das tief in den Menschen verankerte Kastensystem und die ständig und auf allen Ebenen vertretene Korruption ist Ursache für viel menschliches Leid.
Ich fühlte mich in Indien deplatziert und unwohl und würde nur wieder dorthin reisen, wenn ich geschäftlich zu tun hätte.
Ein Urlaub dort käme für mich absolut nicht in Frage 
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
aswie

aswie

08.01.2007 13:24

Schade, dass dein Resumee von Indien, "nie wieder ist". Ich war drei mal da und in wenigen Wochen wird es das vierte mal sein. Indien generell und Bombay speziel habe ich nciht so "dreckig" erlebt, dass ich nciht damit zurecht gekommen wäre. Allerdings soillte man gerade dieses Land nicht mir europäischen Maßstäben messen. Dann klappt das schon recht gut. Aber trotzden Danek für deine Impessionen. Gruß aswie

HilkMAN

HilkMAN

08.01.2007 13:18

P.S.: Nicht jeder Teil von Indien ist so.

HilkMAN

HilkMAN

08.01.2007 13:18

Da haben sich die Züge ja sehr verändert. Ich war vor elf Jahren in Indien und die Züge waren alles andere als komfortabel. Viele Grüße von HilkMAN

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 2137 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (21%):
  1. DMode
  2. Mondlicht1957
  3. HilkMAN

"hilfreich" von (79%):
  1. Pinya
  2. Saentis
  3. Mungi60
und weiteren 8 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.