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SALAAM BOMBAY- BOLLYWOOD zum greifen nah

4  07.11.2004

Pro:
einer der aufregendsen Städte des Subkontinents, ein Leben wie im Bienenkorb

Kontra:
offene Kloaken, tote Ratten liegen im Dreck, nervige Händler

Empfehlenswert: Ja 

Linsenrainer

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Mitglied seit:04.03.2001

Erfahrungsberichte:95

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 52 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vorwort
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Die Stadt heißt alle willkommen. An die tausend Menschen ziehen jeden Tag nach Bombay, einfach unglaublich. Wir landeten am Ende unserer Reise durch Indien auch in Bombay. Die Fahrt mit dem Nachbus aus Goa war nicht gerade bequem, verschlafen kamen wir mitten in der Stadt früh um 6 Uhr an und kümmerten uns um eine Unterkunft. Schon wurden wir von einer „Agentin“ angesprochen, der noch Statisten für eine Soap-Geschichte suchte, für heute um 9 Uhr soll es losgehen. „Was soll’s, komm das gönnen wir uns“, sagte ich zu meinem Kumpel. So erlebten wir Bollywood live und ungeschminkt. Doch zunächst zu Bombay.

Die Geschichte von Bombay
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Nicht die Briten sondern persische Kaufleute haben Bombay sein Gesicht gegeben. Lumpige zehn Pfund Jahresgebühr waren der britischen Regierung die sieben moskitoverseuchten Inseln wert, die sie 1668 an die „East India Companie“ vermieteten. Auf ihnen steht Bombay, bzw. Mumbai, wie es jetzt hochoffiziell heiß. Der Aufstieg der heutigen Hauptstadt Maharashtras vom Fischerdorf zum Finanz und Industriezentrum ist tatsächlich so märchenhaft, wie einer der 150 abendfüllenden Kinofilme die in Mumbai produziert werden. 1885 gründeten hier 72 Rechtsanwälte, Journalisten und Kaufleite den „Indian National Congress die Partei, die das Land in die Unabhängigkeit führte. Durch den „Gateway of India“ verließen die letzten britischen Truppen das Land.
Als Glücksfall für Mumbai sollte sich der amerikanische Bürgerkrieg erweisen. Da die britische Textilindustrie ihren Bedarf in Indien statt in Amerika deckte, steig die bis dahin noch am Anfang stehende Baumwollindustrie Mumbais innerhalb kürzester Zeit zur größten Indien auf. So ist Mumbai heute eines der bedeutendsten Textilzentren der Erde


Wir sind in Mumbai
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„Ein Leben wie im Bienenkorb“, schrieb ich in mein Tagebuch, „denn hier warten die Menschen nicht aufs Glück, sondern arbeiten daran: täglich bis zu 14 Stunden. Das gibt der Stadt ihren Drive. Menschenmassen, gekleidet in allen Regenbogenfarben, schieben sich durch die Straßen. Taxis quetschen sich zwischen rote Doppeldeckerbusse. Manche schlafen noch auf der Straße oder direkt unter ihrem Straßenladen. Am Tag ist die Stadt ein großer lauter Basar und wir mitten drin. Über 14 Millionen Menschen leben heute in der größten Stadt des Subkoninents, 2010 werden es 24 Million sein. Tausend Menschen zeihen jeden Tag zu, für uns ist dies unglaublich. Im Mumbais Slums drängen sich allerdings auch Hunderttausende pro Quadratkilometer, während es im Zentrum auch großzügige Parks- für die Reichen sogar zum Kricketspielen – gibt. Während unseres dreitägigen Aufenthalts waren wir vorwiegend im Zentrum unterwegs. „Hier im Bombay“, sagte unsere hübsche Agentin“, sprechen alle eine Sprache: Geld.... ihr bekommt für Eure Rolle 15 Dollar“. „Hm, ganz schön viel“, dachte ich, „wenn man bedenkt, dass wir für unser „Doppelzimmer“ nur 10 Dollar zu zahlen hatten. Doch was wir als „Statisten“ in Bollywood erlebten, dazu später

Sehenswertes in Mumbai
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Das steht ganz klar an erster Stelle der „Gateway of India“. Die ist die geschichtsträchtige Stelle, an der 1911 mit König Georg V. zum ersten Mal ein britischer Monarch den Boden des indischen Kaiserreiches betrat. Das heutige Wahrzeichen Indiens, ein 26 Meter hoher Triumphbogen strahlt immer noch viel vom imperialen Selbstbewusstsein jener Tage aus. Inzwischen ist der „Gateway of India“ längst zu einem der beliebtesten Treffpunkte Mumbais geworden. Man muss hier schon etwas aufpassen, denn auch für die Taschendiebe ist dies ein kurativer Platz.

Fast gegenüber ist das Taj Mahal Intercontinental, eines der renommiertesten Hotels Indiens. Wir gönnten es uns ein paar Mal dem Intercontinental einen Besuch abzustatten, nicht nur um in dem guten Buchladen zu schmökern, sondern einfach um mal durchzuschnaufen, etwas zu relaxen und frische Luft zu schnappen ..)

Der „Wellington Circle“ und die „Colaba Causeway“, darf ich nicht vergessen. Nicht weit entfernt vom Intercontinental liegen die beiden Plätze, bzw. die „Colaba Causeway“. Hier schlagen nicht nur nach Sonnenuntergang unzählige Straßenhändler ihre Verkaufsstände zu einem viel besuchten „Night Market“ auf.

Der „Victoria Terminus“. Er ist einer der schönsten Bahnhöfe der Welt: der „Victoria Terminus“, Der verzierte braune Sandsteinbau aus dem Jahr 1888 gilt als der schönste Bau viktorianischer Gotik in Indien.

Besonderer Tipp: Basarviertel
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Auch wir sind nach fünf Wochen Indien auf den Geschmack gekommen, und begaben uns an den Crawford Market anschließenden Basarviertel mit seinem Gewirr enger Gassen, wo die verschiedenen Handwerkszünfte ihren Sitz haben. Hier wird nahezu alles verscherbelt, von antiken Möbelstücken über Chinaporzellan bis zur Rolex.

Bollywood:
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In Indien ist es so , dass viele bekannte Schauspieler bei einem Dutzend Filme mitspielen, die gleichzeitig gedreht werden. Man „rast“ von einem Filmset zum anderen, wechselt Kostüm und Launen im Laufschritt. Ganz so schlimm war es bei uns nicht, bis wir nach fast zwei Stunden Fahrt durch das Gewimmel von Mumbai am „Drehort“ ankamen. Die „Soap“ mit einer ganz berühmten Schauspielerin wird wöchentlich ausgestrahlt. In einem Krankenhaus wurde gedreht. Ich wurde kurzerhand zum „Assistenzarzt“, mein Kumpel zum „Doktor“ ernannt. „Hier ist der Text“, gab der Regisseur Anweisungen, dann passierte erst mal nicht viel.

„Auch noch Text, und das ganze in Englisch, das gibt’s nicht“, schmunzelte ich zu meinem Kumpel. „Gibt’s doch“, denn schon kam der Schneider um die Ecke, nahm Maß, brachte uns „Touris“ frisch gebügelte Hemden und Hosen und Schuhe ( Wir waren ja in Teva-Latschen, unrasiert und kurzen Hosen am Set...!)

So ging es dann nach dem gemeinsamen Mittagessen los. „Kamera läuft, klappe die fünfte oder sechste oder siebte...“. Im Stil von „Emergency Room“ drehte es sich dabei um die Verletzung der „Hauptdarstellerin“, das ganz sollte dabei in einem Krankenhaus in der USA spielen, deshalb wurden die Vorhänge zugezogen. Jedenfalls ging der Tag doch irgendwie vorbei, es gab für uns genügen zum lachen (hinter den Kulissen) und genügend essen, sowie auch die 15 Dollar. Noch heute denke ich daran, dass uns stets ein junger Inder begleitet hat, der unbedingt eine „Rolle“ haben wollte, nichts bekam, und am Abend mit uns wieder zurück in die Stadt fuhr. Wir hatten unsere Gage schnell in Bier umgesetzt, denn das ist so ziemlich das Teuerste was es in Bombay gibt, aber das Angebot am nächsten Tag noch einmal in „Bollywood“ mit dabei zu sein. Natürlich bei einem anderen Film, darauf verzichteten wir großzügig und schauten uns stattdessen lieber die Stadt an.

Unterkunft
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In Colaba fanden wir recht schnell eine Unterkunft, dies früh um 6 Uhr. Das „Hotel Kishan“ (Tel. 2021534, 12 Walton Street) mit seinen sehr sauberen Zimmern Der Übernachtungspreis lag für das Doppelzimmer auch bei rund 10 €, aber ich möchte mich hier nicht genau festnageln. Viel teuerer was es dennoch nicht.


Fazit
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Mumbai ist zweifellos eine der interessantesten Städte Indiens. Für uns war es dort recht lustig, schon allein deswegen, weil wir einmal in „Bollywood“ etwas Filmluft schnuppern konnten. Mumbai ist für mich die „Zukunft Indiens“, es ist eine „Mega-Stadt“ in der verwestliche Yuppies im offenen BWM von Party zu Party sausen, während sich religiöse Fundamentalisten in den Slums bekämpfen! Schon irgendwie komisch.

Für uns war Mumbai bei der Indienreise mehr als nur der Abflughafen zurück nach Deutschland. Ich würde auch wieder kommen, „Salaam Bombay“.


Viel Spass wünscht Euch
Euer

©Linsenrainer

geschrieben am 07.11.04 für ciao


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
sevenar

sevenar

10.05.2005 17:01

Ich habe Bombay als riesigen Schmelztiegel in Erinnerung. Allein die Gerüche wenn man vom Flughafen in Stadt fährt. Die riesigen Slums und die steinreichen Geschäftsleute, die mich keines Blickes gewürdigt haben. Eine Statistenrolle hätte ich ja auch gerne übernommen. Das muss ich das nächste Mal glatt machen. Freue mich immer, wenn mal ein Bollywood-Film bei uns läuft. Viele Grüße Sven

Mel09091979

Mel09091979

23.11.2004 01:52

Super Bericht! --> bh! Indien finde ich sehr interessant. Mal sehen, ob ich es einmal dorthin schaffe. Lg, Mel. :)

Wombaer

Wombaer

09.11.2004 12:43

Mal wieder ein informativer Bericht von Dir. Meine Kollegin aus Mumbai ("Greencard-Inderin") meinte neulich: keine Angst vor Mumbai, ist zwar ein wenig mehr Trubel, als in München, aber dafür auch wärmer. Vielleicht hat sie diesen Hang zum Understatement von den Briten irgendwie "geerbt"?!

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