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Die blaue Reise Teil 1

5  15.09.2000

Pro:
w . o .

Kontra:
w . o .

Empfehlenswert: Ja 

brixi

Über sich:

Mitglied seit:28.06.2000

Erfahrungsberichte:170

Vertrauende:103

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 73 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Diesen Titel habe nicht ich erfunden, er hat auch nichts, oder vielleicht doch etwas mit Alkohol, aber bestimmt mit tiefblauem Meer und unbekanntem Ziel zu tun. Er ist vielmehr der Slogan geschäftstüchtiger Schiffcharteragenturen in der Türkei.

Aber mal von vorne:

Eigentlich hatte ich gemeinsam mit einer Freundin einen 3-wöchigen Kuba Trip gebucht.
Wie es das Schicksal so will, wurde einer ihrer Knirpse krank - Absage. Nun stand ich schön da. Die Stornogebühren übernahm aber netterweise meine Freundin bzw. deren Versicherung.

Also machte ich mich auf ins nächste Reisebüro. Restplätze, stand schon in der Auslage zu lesen. Zuerst nicht so begeistert vom Urlaubsziel Türkei machte mir die Angestellte den Mund wässrig.

1 Woche auf See all inklusive. 1 Woche Hotel am Meer. Obendrein ein wirkliches Preisschnäppchen. Da die Zeit drängte stimmte ich zu. Schon 3 Tage später saß ich im Flugzeug nach Dalaman.(neuerdings wurde ja ein neuer Flughafen Milas-Bodrum eröffnet, eine auf eine ½ Std. verkürzte Transferzeit.)

Schreckliche Schwüle, hektische Menschen, Anstellen beim Zoll wegen der Einreisegebühr, schreiende Kinder, eine entnervte brixi. Na das fängt ja gut an, dachte ich.

Dann begann der Kampf um die Busse. Der türkischen Sprache nicht mächtig stand ich mit meinem Köfferchen sprachlos da mitten im nächtlichen Flughafengewühl und beschloss mich einfach fallen zu lassen. Ich gehe weder auf Busjagd noch sonst was. Doch da kam schon ein Junge und schrie lauthals Bodrum. Er war meine Rettung.

Ich klammerte mich förmlich an ihn. Völlig verschwitzt kam ich bei einem schon fast voll besetzten Bus an. Gepäck verstaut und ehe brixi saß begann schon eine wilde Zickzackfahrt. Brixi knüpfte erste Kontakte, da sie links und rechts geschleudert wurde. Bis heute ist es mir ein Rätsel, warum der Chauffeur dermaßen aufs Tempo drückte. Dann wurde auch das entsetzliche Durstgefühl gestillt. Es gab lauwarme Colabüchsen zu Wucherpreisen. (brixi hatte vorsorglich ein paar Lira zu Hause gewechselt. Dieser heimische Umtausch war zwar eklatant teurer als hier, erwies sich aber in dieser Situation als fast lebensrettend).

Die Ankunft in dieser entzückenden Hafenstadt Bodrum konnte brixi nur kurz genießen. Jacht an Jacht, bzw. Boot an Boot reihten sich in einem Halbkreis, um die hell beleuchtete Bucht.
Mehr an Eindrücken um Mitternacht konnte brixi nicht gewinnen. Außer dass immer noch reges Treiben und ein Verkehr wie bei uns zur Rush-hour herrschte. Links konnte ich kurz einen Blick in einen Basar werfen. Dann hielt der Bus auch schon.

Schon begann wieder der Stress. Die „Expeditionsteilnehmer“ krallten sich rasch ihre Siebensachen und im Laufschritt ging es quer über den Hafen zu einem bereits wartenden kleinen Schiffchen.

brixi konnte es sich allerdings nicht verkneifen, sich rasch eine Tüte frischer Pistazien bei einem Stand zu kaufen. Dabei fiel ihr auf, dass im Verhältnis der nächsten Fahrgelegenheit und der aus dem Bus herausströmenden Menge ein ziemliches Missverhältnis bestand. Besorgt versuchte Brixi wieder die Spitze des Trosses zu erreichen. Mutig ließ sie die hysterischen Eltern mit quengeligen Kindern, alte Opas und mit zuviel Gepäck beladene Mitreisende hinter sich.

Aber da kam auch schon das nächste Problem auf sie zu.
Eine schwankende Nuss-Schale, dass ein noch mehr schwankendes Brett mit dem sicheren Festland verband musste bestiegen werden. Links der Koffer, rechts behangen mit dem Handgepäck gelang mir überraschenderweise dieses Manöver, da sofort helfende Hände nach mir griffen. Das Gepäck aller Reisenden musste in der Mitte verstaut werden, damit das Gleichgewicht gehalten werden konnte.

Irgendwie haben es alle geschafft,in das Schiffchen zu gelangen. Dann ging’s endlich los Richtung Hotel.Ja, denn die Hotels die diese armen „Würstchen“, mich eingeschlossen, gebucht hatten, waren über Wasser rascher erreichbar. Über Land hätte dies eine mehrstündige Serpentinenfahrt erfordert.

Endlich kam brixi etwas zur Ruhe, auch die vorher nicht zu beruhigenden Kidies wurden stiller. Teils aus Erschöpfung, teils weil es wirklich was zu sehen gab. Langsam entfernten wir uns vom Lichtermeer des Hafens, der von der impostanten Burganlage Kastell St. Peter überragt wird.

brixi besuchte diese beeindruckende Hafenstadt in der Folge natürlich auch am Tage. Die weißgetünchten Häuser schmiegen sich malerisch in die Bucht. Der Ortskern rund um den Hafen ist ursprünglich erhalten. Um Kundschaft buhlende Händler, jede Menge angeblicher Markenware zu Okkasionspreisen, ein Eldorado für Gewürztiger, sowie jede Menge angeblicher antiker Ausgrabungsstücke. „echte“ Rollex-Uhren und Schmuck, sowie zahlreiche Imbißstuben laden zum Besuch ein. Für Frühaufsteher ist der Hafen, wo noch Fisch direkt vom nächtlichen Fang zu erhaschen ist, sehenswert. Einen abendlichen Bummel vorbei an den Jachten und Restaurants am Hafen sollte man sich auch nicht entgehen lassen.

Dann waren da nur mehr der Mond die Sterne und wir.

Ähnlich wie beim Bus wurden jetzt der Reihe nach die verschiedenen Hotels angeschiffert.
Brixi war stets auf dem Sprung, da sie ja gar nicht genau wusste, wann sie an der Reihe war.
Mit dem Glück, dass sie hatte, saß sie als letzte, noch mit einer handvoll Mitreisender im Boot.

Endlich, jetzt konnte nichts mehr schief gehen (mein Hotel war offenbar der letzte Außenposten), war ich am Ziel meiner Wünsche. Mittlerweile war es bereits 2 Uhr nachts. Über einen Landungssteg, brixi musste jetzt nichts mehr tragen was sie nicht wollte, wurden wir in die Strandbar geladen.

Dort gab es ein Buffet mit kalten und warmen Leckerlies. Bloß brixi hatte ihre Magennerven noch nicht richtig im Griff. Ein Stück Weißbrot war alles was sie herunter bekam. Dafür war es an der mit vielen bunten Lämpchen geschmückten Bar viel einladender. Brixi naschte die letzten Pistazien aus der Tüte und bestellte, nein erhielt ihren ersten Uzo.(Raki)

Nach der stundenlangen Anspannung machte sich plötzlich unaufhaltsame Müdigkeit breit.

Glücklich übernahm brixi ihren Zimmerschlüssel und wollte nichts anderes mehr als schlafen.
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Update 18.9. Natürlich handelte es sich bei diesem Bargetränk um Raki, wie der an sich klare, mit Wasser vermischt, milchigtrüb werdene Anisschnaps, genannt wird.
Griechenland=Ouzo, Türkei= Raki

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Ayhan

Ayhan

19.09.2000 12:03

Sag mal, ist brixi mit Kafka verwandt? Hat mir sehr gut gefallen, wie brixi (meistens, aber nicht immer) in der 3. Person Singular geschrieben hat. brixi sollte weiter so schreiben, dann erscheint Ayhan öfter hier. Im übrigen gefiel es dem Ayhan, dass brixi so einen Tollen Bericht über Bodrum geschrieben hat. Ayhan ist auf den zweiten Teil gespannt.

aimless_sky

aimless_sky

19.09.2000 02:49

Muß auch noch was meckern, Griechenland= Ouzo, Türkei= Rake. Mit betonung auf e. Trotzdem gut beschrieben.

mikezet

mikezet

18.09.2000 10:24

Du machst es ja spannend, freue mich schon auf die Fortsetzung ciao-mikezet

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