Berliner Unterwelten, Berlin

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Besichtigung einer Bunkeranlage

5  16.06.2002

Pro:
sehr gute Führung durch Ehrenamtliche

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

MartiLeisti

Über sich:

Mitglied seit:14.12.2000

Erfahrungsberichte:45

Vertrauende:11

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 60 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vorgeschichte

In diesem Jahr hatte ich nach langer Zeit wieder einmal Gelegenheit unsere Hauptstadt zu besuchen. Das letzte Mal war ich vor der Wende im Jahre 1988 in Berlin. Leider hatte ich nach der Wiedervereinigung keine Möglichkeit mehr, die ?Stadt ohne Mauer? zu besichtigen. Damals reiste ich noch mit dem Flugzeug über den Flughafen Tegel an. Man ?besichtigte? die Berliner Mauer, sah das ?verschlossene? Brandenburger Tor, die Grenzbefestigungen, die Soldaten der Volksarmee der DDR. Ich hatte ein sehr bedrückendes Gefühl bei diese Anblicken. Der Kurfürstendamm war der Mittelpunkt von West-Berlin. In einer Seitenstraße war mein Hotel, so dass ich nur wenige Schritte zum Ku-Damm, zur Gedächtniskirche, zu den zahlreichen Restaurants und zum Zoologischen Garten gehen musste.

Eine besondere Besichtigung

Dieses Mal fuhren wir mit einer Gruppe von 50 Personen im Intercity-Express nach Berlin. Die Reise war sehr angenehm (auch bei einer Reisegeschwindigkeit von teilweise bis zu 250 km/h) und nach rund vier Stunden schon beendet.
Im Vorfeld überlegte ich, was könnte ich einmal Besonderes in Berlin besichtigen. Eine Bekannte machte ich auf die Möglichkeit aufmerksam, den Berliner Untergrund näher kennen zu lernen. Stichwort:

?Berliner Unterwelten e.V.?

Es handelt sich dabei um einen gemeinnützigen Verein. Er nennt sich ?Gesellschaft zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten?.
Die Vereinsziele sind die Erforschung und Dokumentation der unterirdischen Anlagen Berlins. Der Verein bietet Interessierten die Möglichkeit, den sog. ?Bunker B? im U-Bahnhof ?Gesundbrunnen? zu besichtigen und sich über die frühere Nutzung dieser Baulichkeit zu informieren. Ich hatte mir vorgenommen, die Führung am Samstag um 16.00 Uhr mitzumachen. Ich fuhr daher mit der S-Bahn ab ?Unter den Linden? Richtung Norden bis zum S-Bahnhof ?Gesundbrunnen?. Die Führungen beginnen in der Badstraße / Ecke Hochstraße. Als ich dort ankam, war ich schon ein wenig überrascht, wie viele Interessenten dort schon versammelt waren. Offensichtlich hat sich diese Besichtigungsmöglichkeit herum gesprochen.

Führung

Jeden Samstag, jeweils um 14.00 und 16.00 Uhr, Dauer ca. 90 Minuten; der Eintritt kostet für Erwachsene 9 Euro (ermäßigt 7 Euro), Kinder bis zu 12 Jahren in Begleitung ihrer Eltern sind frei. Kartenvorbestellungen sind leider nicht möglich; der Verein bietet aber auf Anfrage auch Sonderführungen an.

Wir bezahlten und wurden nach unten in einen ersten Raum geführt. Dort erhielten wir erste Informationen über das Leben im Bunker während der Zeit des II. Weltkriegs. Ein erstes unangenehmes Gefühl befiel mich. Hier sollte man mehrere Tage (oder gar Wochen) leben??? Die Lüftung der Anlage wurde erläutert! Staub, Dreck und chemische Kampfstoffe durften nicht in den Bunker geraten. Der Gang durch die Anlage begann. Zahlreiche Schlafräume für mehrere hundert Menschen sind vorhanden, überall steht die Zahl der Schlafplätze. An den Wänden sind noch die Leuchtschriften erhalten, die es auch in der Nacht den Eingeschlossenen ermöglichte, sich einigermaßen zu orientieren. Als wir an den Toilettenanlagen vorbei kommen, konnte ich mir so richtig die stickige Luft vorstellen, die hier geherrscht haben muss. Diese vielen Menschen, die viel Luft verbrauchten und so eng aufeinander saßen. Kinder, die schreien, die spielen wollen, aber nicht nach draußen können. Man hörte nur das Surren der Lüftungsanlagen und das Dröhnen der anfliegenden Bombengeschwader. Es muss schrecklich gewesen sein!

Die Vereinsmitglieder, die auch die Führungen durchführen, haben mittlerweile rund 8.500 Stunden ehrenamtliche Arbeit in den Erhalt der Bunkeranlagen gesteckt, damit sie der Öffentlichkeit, besonders den Jugendlichen, die den Krieg nicht miterlebt haben, weiterhin gezeigt werden kann.

In einigen Räumen liegen noch Originale aus dem Krieg: Abzeichen, Töpfe, Schilder, Urkunden, Bestecke u.v.m. Mittlerweile werden im Bunker auch andere interessanten Exponate der Kriegszeit gezeigt und damit die Räumlichkeiten auch als ?Museum? genutzt.

Meinung

Wenn man diese Bunkeranlagen gesehen hat, wird einem wieder einmal deutlich, wie schrecklich Krieg ist. Dass man solche unterirdischen Bauten überhaupt braucht, ist an sich schon unmenschlich. Man kann nur hoffen, dass gerade durch die sinnvolle Arbeit des Berliner Unterwelten e.V. dies auch allen zukünftigen Generationen deutlich wird. Ich jedenfalls war von dieser Besichtigung sehr beeindruckt und kann sie nur allen Leserinnen und Lesern sehr empfehlen. Die Eindrücke zu beschreiben ist fast unmöglich, man muss es gesehen haben.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
amouruk

amouruk

27.08.2002 10:08

Sehr interressant geschrieben. Man bekommt schon beim Lesen eine Gänsehaut. Man kann nur hoffen, das so etwas nie wieder geschieht. Liebe Grüße Angelika

SONGWRITER187

SONGWRITER187

12.07.2002 19:57

Dieser Bericht gefällt mir sehr gut,ich hoffe du schreibst bald wieder mal einen, dann kann ich mich jetzt schon darauf freuen. Denn deine ganzen Berichte sind sehr hilfreich und ausgezeichnet verfasst!!! Mach weiter so.Ciao

GoodOldStuede

GoodOldStuede

18.06.2002 00:22

Klasse Bericht! Grüße aus Berlin Dirk

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