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Erfahrungsbericht

für Berlin
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5 Sterne Berlin 2010 : lila Blumenkohl oder wat ? Bericht mit Bildern
99 von 99 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Unglaublich großes Angebot, Preise überwiegend ok

Kontra Stadt zeigt deutlich soziale Probleme

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

thomas_kretschmer Seit 17 Dez 2003

Email : Pferdefreund1966@gmx.de Tel. 0157-774 99 143 ( Ausland : +49157-774 99 143 ) mehr

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Mit Berlin hat unser Land seit 1990 endlich wieder eine Weltstadt als Hauptstadt. Berlin ist immer eine Reise wert und bietet unendliche Events und Sehenswürdigkeiten, zeigt als Abbild unserer Republik aber auch die Probleme unserer Gesellschaft auf.

Unterkunft

Im 4-Sterne-Holiday Inn (Rohrdamm 80) zahlt man ab 44€ pro Übernachtung OHNE Frühstück, was gemessen an der zentralen Lage, den geräumigen und sauberen Zimmern durchaus angemessen ist. Ein Abendessen unter 20€ ist undenkbar, da Schnitzel mit Pommes schon 18€ und ein Bier 0,5L + Wasser 0,2L zusammen schon 8,20€ kosten. Die schallschluckenden Fenster sorgen trotz der belebten Lage für die innere Ruhe und der Service ist prima. Ärgerlich war allerdings das lauwarme Abendbuffet.
Hauptbahnhof, Brandenburger Tor, Unter den Linden und Kurfürstendamm…

…sind selbstredend Pflichttermine bei jeder Berlinbesichtigung. Am Brandenburger Tor ließ ich mir für 50 Cent ein Visum von einem „Volkspolizisten“ ausstellen. Das stellt ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis dar. Früher waren die Dinger jedenfalls teurer ïŠ. Der neue Hauptbahnhof mit seinen riesigen Glasfassaden ist total beeindruckend und ein Inferno an Zügen, Menschen und Läden.

Reichstag und Regierungsviertel…

…befinden sich direkt neben dem berühmten Tor.
Kostenlos war die Reichstagsbesichtigung, dabei aber leider beschränkt auf einen halbstündigen und sehr professionellen Informationsvortrag im Plenarsaal und einen Besuch der Glaskuppel. Der Glaskuppelrundgang mit kostenlosem Audioguide war äußerst informativ. Die Sicherheitsmaßnahmen am Reichstagseingang sind die SELBEN wie auf einem Flughafen…pardon : die GLEICHEN.
Das Bundeskanzleramt polarisiert in seiner architektonischen Bewertung. Ich fand, seine Hässlichkeit wird nur noch vom Anbau der daneben liegenden Schweizer Botschaft übertroffen. Ich fordere die Todesstrafe für Architekten !!!
Berliner Dom : so ein Treppenhaus will ich aaa-hauch !!!

Zunächst waren wir verärgert, dass der Zutritt 5€ (ermäßigt : 3€) kostete. Die fantastische Innenausstattung versöhnte aber. Dass auch noch Dom-Museum und nach endlosen Treppenaufgängen ein Kuppel-Rundgang geboten wurden rechtfertigte den Preis gänzlich. Weiterhin besichtigten wir die Gruft mit unzähligen „adligen“ Metal- oder Steinsärgen – nach einigen Minuten drehten sich die „Wilhelms“ und „Von und Zus“ „Graffürsten“ und „Friedrich die Soundsovielten“ in unseren Köpfen.
Pervers schließlich das „Kaiserliche Treppenhaus“ : Kaiser Wilhelm II. ließ es aufwändig bauen, um ohne mit der Bevölkerung in Berührung zu kommen in seine Loge zu gelangen. Doof nur, dass er lediglich zweimal da war. Also dieses Treppenhaus würde mir in meinem Häuschen auch gefallen. Aber erstens habe ich einen Bungalow und zweitens wäre dann für’s Wohnzimmer kein Platz mehr geblieben…Im zweiten Weltkrieg wurde der Dom stark beschädigt.

Checkpoint Charlie-Museum : So’n Scheiß…

Große Schlangen und unerträgliches Gedränge in dem engen Museum lassen den 12,50€-Eintritt (keinerlei Ermäßigung möglich) als Frechheit erscheinen. Dazu waren die wenigen Exponate vergammelt und heruntergekommen – genauso wie sämtliche Schautafeln. Die Waschräume waren auch indiskutabel. Ich kann das Museum aus diesen Gründen nicht empfehlen, wenngleich man einen guten Eindruck von allen möglichen Fluchtversuchen erhält.
Der Checkpoint Charlie war neben den Checkpoints Alpha und Bravo der berühmteste Grenzübergang. Dort standen sich im Krisen- und Mauerbau-Jahr 1961 amerikanische und russische Panzer schussbereit gegenüber. Auch demonstrierte die DDR-Bürgerin Jutta Gallus dort erfolgreich für die Herausgabe ihrer Kinder durch die Stasi. Man erinnere sich an die spannende Verfilmung „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ mit Veronica Ferres.
Man spricht deutsch ?

In Berlin kann man viel über das Leben lernen. Man lernt, dass bei jungen Leuten „Miteinandersprechen“ gestern war. „Heute“ ist Telefonieren und simsen aktuell. Mädchen sind bereits total erwachsen, wenn sie ein zweistelliges Alter erreichen. Sie sind zwar meist gut angezogen, haben aber leider häufig ne Flumme im Gesicht stecken und allerlei „Qualitäts-Typen“ an der Hand mit schicken (falschherum aufgesetzten) Mützen. Die Schminkerei ist auch schon recht dick geworden und hält möglicherweise schon panzerbrechender Munition stand.
Möchte man nach dem Weg fragen, dann sollte man dies bei Damen und ab einem geschätzten Alter von 60 Jahren tun. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit, eine kompetente Antwort in sauberem Deutsch zu erhalten gering. Überhaupt nahm ich unglaublich viele verschiedene Sprachen wahr. Die Beschilderung im KaDeWe ist englisch. Die Kapitulation unserer Sprache ist nur noch eine Frage von wenigen Jahren.
Im Kaufhaus des Westens entdeckte ich dann auch den lilafarbenen Blumenkohl, der meinem Bericht den Titel gab.

Spreewald-Bootstour, Schloss Sanssouci oder „Mein Baumarkt hat versagt“

Auch eine Bootstour in den landschaftlich schönen Spreewald-Kanälen (1 ½ Stunden entfernt von Berlin) kann entzücken, wenngleich die ganze Chose ziemlich touri-mäßig aufgemacht ist. Die Preise –auch für die Gastronomie dort- sind sehr familienfreundlich (Süppchen mit Getränk : 3€). Außerhalb der Saison ist es sehr ruhig und leise und U-Boot-Alarm ist selten.
Die Gartenanlage vom Hohenzollernschloss Sanssouci (Potsdam) ist schon riesengroß. Das Schloss selber -1745 von Friedrich dem Großen gebaut und später erweitert- zeigt einen beeindruckenden Rokokokokokoko-Stil oder so ähnlich. Jedenfalls sind die Räumlichkeiten innen so prunkvoll, wie es der äußere Anschein erwarten lässt und weit entfernt von den schrecklichen „Berliner Mietskasernen“, die der berühmte Fotograf und Zeichner Heinrich Zille sozialkritisch beschrieb.
Im Park befinden sich zahlreiche große Gitterpavillons, die zur gemütlichen Teestunde einladen. Gerne hätte ich mir so ein Riesenteil auch in meinen Garten gesetzt und lief mit einem Foto in den nächsten GLOBUS BAUMARKT. Dort konnte man mir jedoch kein Angebot machen…
Fernsehturm

Ein Besuch auf dem Fernsehturm wäre sicherlich auch reizvoll gewesen. Aber schon bei diesigem Wetter betragen die Wartezeiten bis zu drei Stunden : Nach dem Ticketkauf für 10,50€ darf man erstmal wieder abdampfen und später zurückkommen…Wie lange sind dann die Wartezeiten erst bei gutem Wetter und guter Sicht ?
Das Fernsehturmrestaurant ist gemäß „Berliner Spruch“ ein „Bissmark-Restaurant“ : Jeder Biss eine Mark ! Aber das ist beim Olympiaturm in München ja genauso. Fertiggestellt wurde dieser DDR-Prestigeturm 1696…äh…pardon…1969. Er ist mit 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands und sollte den Sieg des Sozialismus verkünden. Dumm nur, dass die wichtigsten Bauteile aus dem Westen importiert werden mussten, weil der Osten sie nicht herstellen konnte. Die gigantischen Devisenkosten veranlassten die Funktionäre, auf eine Kostengesamtaufstellung lieber zu verzichten…*grins*

Historisches Museum + Sonderausstellung „Hitler und die Deutschen“

Für 6€ Eintritt bekommt man Zweierlei geboten : Im Zeughaus sieht man zahlreiche Exponate, Bilder und Modelle aus der allgemeinen deutschen Geschichte in hervorragender Präsentation. Die Sonderausstellung „Hitler und die Deutschen“, die am letzten Freitag eröffnet und sogar in der Tagesschau erwähnt wurde empfehle ich ganz besonders. Eine Historikerin bietet eine hervorragende Führung an. Die Exponate geben einen nachvollziehbaren Einblick darin, wie und warum Hitler in den dreißiger Jahren so erfolgreich wurde. Von Richthofens und Rommels Original-Marschallstäbe zeigen, dass man der der Ausstellung Gewicht geben wollte. Original-Dokumente zum Holocaust-Thema hinterlassen große Betroffenheit. Die Ausstellung ist noch bis 06. Februar 2011 zu sehen.
Todesstreifen & Preisverleihung

Ohne Eintrittsgeld kommt man in die Mauergedenkstätte, in welcher der Todesstreifen ausschnittsweise gezeigt wird. Man sieht eine Hauptmauer, also „die Mauer“, die ja noch von Selbstschussanlagen, Stacheldraht, Sprengfallen, Hundelaufwegen, Stolperfallen, Beleuchtungen, Wachtürmen und einer zweiten hinteren Mauer ergänzt wurden. Mit perfider Brutalität und Perfektionismus war dieser „antifaschistische Schutzwall“ komischerweise aber so konstruiert, dass er DDR-Flüchtlinge aufhielt, anstatt Angriffe vom Westen her abzuwehren. Mindestens 136 Menschen ließen an der Mauer ihr Leben beim Kampf um die Freiheit. Die Todesschützen wurden vereinzelt verurteilt, weil sie ohne persönliche Nachteile ja auch hätten vorbei schießen können.
Vom Politbüro wurden wegen Anstiftung und/oder Beihilfe zum Totschlag verknackt :
Verteidigungsminister Heinz Kessler – 7 ½ Jahre ,
Minister für nationale Verteidigung Fritz Streletz – 5 ½ Jahre ,
SED-Funktionäre Hans Albrecht – 3 ½ Jahre, später vom Bundesgerichtshof auf 5 Jahre verlängert , Egon Krenz – 6 ½ Jahre und Günter Schabowski – 3 Jahre.
Ende der „Preisverleihung“. Die „Oberindianer“ Honecker und Mielke (Stasi) haben sich durch Alter und Krankheit rechtzeitig verpisst.

Fazit

Berlin ist immer eine Reise wert. Alle Sehenswürdigkeiten sind preiswert und schnell mit U- oder S-Bahn erreichbar. Die Preise sind meist günstig bzw. zumindest angemessen. Berlin erleben heißt Geschichte erleben in all ihrer Faszination, aber auch in ihrer Grausamkeit. In Berlin kann man die Befindlichkeit eines ganzen Landes komprimiert beobachten – soziale und Migrationsprobleme.
„Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ gelassen und werden daher sicher wieder kommen !


Bilder

für Berlin
BILD0332 - Berlin
Diesen lilafarbenen Blumenkohl gibt’s im Kaufhaus des Westens KaDeWe
von thomas_kretschmer thomas_kretschmer
BILD0332 - Berlin

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Kommentare

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  • Demmering 02.01.2011 13:27
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    komme wieder

  • pinkbubbles 29.11.2010 23:04
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Ich liebe Berlin ... aber die Eintrittspreise sind egal wo fast schon unverschämt :)

  • Oberlisbler 26.11.2010 15:31
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Mir fällt auf, dass einige Deiner Fotos im schräger werden! Hast Du Gleichgewichtsprobleme? LG Günter ;-)

  • Kaufi81 23.11.2010 02:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Lila-Orchidee 22.11.2010 18:32
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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