Ciao - für Leute mit eigener Meinung
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24. Mai 1968 – hätte mich vor einiger Zeit jemand nach diesem Datum gefragt, ich hätte wohl nur mit den Schultern gezuckt. Auch der Verweis auf Dresden hätte wohl nur Bilder, wie unsere Landeshauptstadt, Frauenkirche, Zwinger und Semperoper, heraufbeschworen. Doch vor zwei Monaten kam unerwartete Post, von einem ehemaligen Kommilitonen. Er war gerade in Rente gegangen und nutzte die neu gewonnene Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie es wohl seinen ehemaligen Studiengefährten in ihrem weiteren Leben ergangen sei. Er machte sich mit bewundernswerter Akribie auf die Suche nach den Verschollenen und schlug vor, uns am 25. November am Ort unseres damaligen Bergfestes, 46 Jahre nach Studienbeginn, zu treffen und der alten Zeiten zu gedenken. Alles zwar etwas krumme Zahlen, aber wir waren damals auch ziemlich krumme Hunde. War doch interessant, einmal festzustellen, wie das Leben jeden von uns in der Zwischenzeit gebogen hatte. Die Einladung verhieß uns zuerst eine fachkundige Führung durch den neuen Campus unserer alma mater und dann einen geselligen Teil in der Bergwirtschaft „Wilder Mann“, die uns wohl allen noch in Erinnerung war. Etwas verwirrt war ich durch einen Passus in der Einladung: „Vor genau 15.889 Tagen haben wir hier unser Bergfest gefeiert. Nach unserer Feier hat man den Gasthof 2005 abgerissen und 2007 als modernes Hotel wieder eröffnet.“ Waren wir damals wirklich so wilde Kerle und warum hat der Abriss so lange gedauert? Allein das war ausreichend, um hinzufahren und den etwaigen Vorwurf abzuklären.
Bergwirtschaft – Wilder Mann
Großenhainer Straße 243
01129 Dresden
www.Bergwirtschaft-WilderMann.de
info@Bergwirtschaft-WilderMann.de
Telefon. 0351 – 20 54 54 0
Fax. 0351 – 20 54 54 15
Für PKW stehen reichlich Parkplätze am und um das Hotel zur Verfügung. Mit dem PKW ist das Zentrum, die Altstadt, in 8 Minuten zu erreichen, mit der Linie 3 in 25 Minuten.
Über den bereits erwähnten Aufzug und einen freundlich gestalteten lichtdurchfluteten Gang gelangte ich zu meinem Zimmer und öffnete es mit der Chipkarte, deren Wandhalter ich im etwas abgedunkelten Zimmer nicht gleich fand, aber dann gingen mir und danach dem Zimmer ein Licht auf. Nach dem Aufziehen der Vorhänge blickte mich die Ruhestätte für die nächste Nacht freundlich an und vom Kopfkissen grüßte ein süßer Gruß einladend. Doch noch war nicht Schlafenszeit. Generell sind die Zimmer mit zwei Betten ausgestattet, die schräg gegenüber stehen. In meinem Fall war das zweite Bett auf Couch umgerüstet. Der geräumige Schrank nahm meinen Mantel und mein Gepäck auf und ich entdeckte schnell die Beutel für die zu bügelnden Hemden, den Schuhlöffel, das Nähzeug und den Schuhputzschwamm. So sollte es auch in dieser Preisklasse sein.
Der Fernseher blieb während meines Aufenthaltes unbenutzt, ebenso das Telefon und das WLAN. Sehr gut fand ich eine 15seitige Informationsmappe mit Stadtplan, in der ich wirklich alle das Hotel, Restaurant und die nähere Umgebung betreffenden Informationen fand. Der Blick aus dem Fenster bestätigte mir, dass mir, wie versprochen, Dresden zu Füßen lag. Obwohl das Hotel direkt an einer vielbefahrenen Staatsstraße liegt, hörte ich nachts keinerlei Lärm und konnte bestens schlafen. Die Matratze war von sehr guter Qualität und ich fühlte mich fast wie zu Hause. Da ich anderweitig geplant hatte, nutzte ich die angebotene Möglichkeit des Frühstücks oder des Abendbrots auf dem Zimmer nicht und sparte somit die Servicegebühr von 5 € je Bestellung. Eine Minibar fand ich nicht vor, es gab hierfür eine bessere Alternative. Doch dazu später.Langsam wird es Zeit, übers Geld zu reden. Eine Übernachtung im Einzelzimmer ist ab 50,-€ zu erhalten, ich nahm eine solche wahr. Etwas verblüfft war ich über die Kostenaufgliederung auf der Rechnung. 48,10 € für das Zimmer, 1,90 € für das Frühstück. Wollte man mich hier etwa auf Diät setzen? Im Prospekt hatte ich doch etwas vom Verwöhnbuffet im Wintergarten gelesen. Doch dazu später. Wer nicht gern allein reist, kann hier für ab 35,- € pro Person im Doppelzimmer übernachten. Ob dann die Betten auch so weit auseinander stehen? Ich war brav und blieb dumm zu diesem Thema. Später las ich allerdings auf der Website des Hotels, dass man selbst als Einzelgast im Doppelbett nächtigen konnte, vermutlich in der höheren Preiskategorie. War allerdings kein Problem für mich, denn ich und mein Kater fanden ausreichend Platz.
Obwohl ich das zum Zimmer gehörige Bad erst am kommenden Morgen bei wieder vollem Bewusstsein richtig nutzte, bereits jetzt der erste Eindruck.Der erste Blick ins Bad zeigte mir ein unerwartetes Platzangebot, die sich auch auf den beigefügten Bildern nachvollziehen lässt. Eine rechteckige bodengleiche Dusche mit Ausmaßen, die auch meinem breiten Kreuz und nicht weniger breiten Bauch volle Bewegungsfreiheit garantierten, überraschte mich mehrfach. Der Boden der Dusche aus in Beton eingelassenen Flusskieseln war nicht nur eine Wohltat für das Auge, auch meine Fußsohlen baten um längeren Aufenthalt. Das im Spender enthaltene Duschbad unbekannter Marke duftete angenehm und fühlte sich gut auf der Haut an. Als sauberer Bursche verließ ich den Glaskasten.
Am geräumigen Waschbecken fand ich nicht nur einen großen Spiegel vor, auch einen schwenkbaren Rasierspiegel, einen gut funktionierenden Föhn und diverse Kleinigkeiten, wie eingeschweißte Zahnputzbecher, Seife, Duschhaube und Nagelfeile. Die Handtücher waren über einem nicht auf Sparflamme gestellten Heizkörper angenehm vorgewärmt und die Entlüftung funktionierte, ohne das etwas in Mitleidenschaft gezogene Gehör zu malträtieren.Nachdem ich mich etwas frisch gemacht hatte, begab ich mich zum Restaurant, in dem wir unser Wiedersehen feiern wollten. Auf dem Weg dahin kam ich an der zentralisierten Minibar vorbei, in die ich allerdings nur einen kurzen Blick riskierte. Wollte ja nicht beim ersten Zusammentreffen mit meinen Kommilitonen mit einer Fahne Einzug halten. Hätte zwar vielleicht alte Erinnerungen wachgerufen, aber man weiß ja nie.
Die Barkarte überrascht nicht nur mit einfallsreichen Kreationen, auch für die Bildung wird etwas getan. So die aktuelle Begrüßung: „Alkohol trinkt man überall auf der Welt. Es heißt ja nicht umsonst: Der blaue Planet.“ oder auch:“Als ich von dem schlimmen Folgen des Trinkens las, gab ich sofort das Lesen auf.“
Leider musste ich aus den vorgenannten Gründen auf eine Pina Colada zu 5,80 € oder einen Cuba Libre zu 6,80 € verzichten und begab mich flugs zum Restaurant, von denen es übrigens zwei im Hause gibt. Leider war es zu kühl, um den wunderschönen Blick von der Sonnenterrasse des Restaurants über Dresden länger zu genießen, so wandte ich mich dem infolge der langen Tischreihen für die Gäste der Weihnachtsfeiern entstandenen Charme eines Großraumbüros, der durch eine ansprechende Weihnachtsdeko etwas abgemildert wurde, zu und gedachte der alten Zeiten der Bergwirtschaft.Wenn man den Namen des Berggasthofs richtig verstehen will, sollte man wissen, dass der Wilde Mann Erwähnung in vielen Sagen und Märchen der mittelalterlichen Literatur findet. Er wurde als ein mit großen Kräften ausgestatteter, stark behaarter, nackter oder nur mit Moos oder Laub bekleideter Einzelgänger geschildert.
Zu Beginn der Neuzeit, in der die Menschen in unbewohnte Gebiete vordrangen, wurde der „Wilde Mann“ zum Hüter der Bodenschätze, den es zu überwinden galt, um Reichtum zu erlangen. Der „Wilde Mann“ wurde so zum Namensgeber für Flurstücke und Berge, für Einrichtungen des Bergbaus und später auch für gastronomische Einrichtungen.Wie kam nun der erste Gasthof zu seinem Namen? Nicht dadurch, dass der Silberbergbau in dieser Gegend weit verbreitet war. An den Hängen der Hellerberge entstand um 1860 das Weingut Wilder Mann und verdankt seinen Namen vermutlich der Sage, nach der das Areal am Ende des dreißigjährigen Krieges vom Kurfürsten an einen Einsiedler (Wilder Mann) verschenkt worden sein soll, nachdem dieser dem Landesherrn bei einem Raubüberfall das Leben gerettet hatte.
Erster nachgewiesener Besitzer war der Dresdener Bürgermeister Philipp Strobel. Bereits um 1690 gab es einen einfachen Bierausschank. Nach einem Umbau 1892 mit Saal und Gartenterrasse wurde der Wilde Mann zu einem beliebten Ausflugslokal. Nach dem ersten Weltkrieg wechselten mehrfach die Besitzer. Der Privatbesitz überstand Insolvenzen und Kriege, aber nicht die DDR. Bis 1991 wirtschaftete die HO den Rest in Grund und Boden. Die nach 1994 erfolgte Rückübertragung an die Erbengemeinschaft führte infolge mangelnder Investorennachfrage an dem verfallenen Gebäude zum Abriss 2005. An seiner Stelle entstand 2007 der familiengeführte Neubau eines Vier-Sterne-Hotels mit öffentlichem Restaurant.Ein wenig beruhigt, dass uns unser damaliges Bergfest wohl kaum nachgetragen wurde, betrat ich das Restaurant.
Der gute Service war offensichtlich. Als unangemeldet ein Notebook mit Beamer zur Vorführung alter Erinnerungsfotos auftauchte, waren blitzartig ein passender Tisch und Verlängerungskabel zur Hand und nach Gebrauch wieder verschwunden.
Das Buffet überraschte uns zu dem bereits genannten Preis reichlich mit:Kalten Speisen
Gemischte Aufschnittplatte mit verschiedener Wurst und Braten aus eigener HerstellungSalate
Bohnen-, Gurken- und Tomatensalat mit hauseigenem DressingSuppe
Waldpilzsuppe mit knusprigen CroutonsWarme Speisen
Pangasiusfilet auf Blattspinat mit Sauce Mornay gratiniertDesserts
Saisonaler ObstkorbEine leckere Auswahl in reichlicher Menge. Der Service blieb seinem Standard treu. Besteck war entsprechend der möglichen Speisenfolge eingedeckt, Teller ausreichend am Buffet. Kaum war ein Teller am Platz geleert und das Besteck aufgelegt, schon wurde gefragt, ob abserviert werden darf. Das ging blitzartig. Auch neues Besteck wurde bei Bedarf sofort nachgelegt. Die Aufmerksamkeit des Personals beeindruckte. Zum Dessert bestellte ich mir einen Espresso zu 1,80 €, das schien hier wohl der Standardpreis zu sein.
Als wir dann zur Unterhaltung übergingen, schaute ich in die Weinkarte und wählte einen Schoppen Merlot aus dem Languedoc zu 3,80 €, bei dem ich auch blieb. Interessiert warf ich einen Blick in die Speisekarte, um für meinen Bericht ein paar Informationen zu gewinnen, denn nicht jeder wird gleich ein Buffet bestellen wollen. Hier einige Beispiele für das preiswerte Angebot:Sächsische Kartoffelsuppe mit Scheiben von hausgemachten Knackern 1,80 €
Folienkartoffel mit Lachstartar, Sauerrahm und kleinem Salat 6,80 €
Schweineschnitzel Wiener Art mit Pommes und Salat 5,80 €
Rindersauerbraten an Apfelrotkohl und Kartoffelklöße 7,80 €.
Interessant die Feststellung am Rande, das das große Restaurant rappelvoll war. Auf dem Parkplatz hatte ich zuvor zwei große Reisebusse gesichtet. Alle schienen sich ziemlich wohl zu fühlen. Die der Diashow unterlegte Musik mit anschließender Texteinblendung zu Gaudeamus igitur genossen wir ohne eigene Beteiligung, wir hatten nicht das Bedürfnis, das gesamte Restaurant für uns allein zu beanspruchen. Es wurde es ziemlich langer angenehmer Abend, nach den vielen Jahren hatten wir uns viel zu erzählen. Als wir dann feststellten, dass bis zum Frühstück nicht mehr allzu viel Zeit verblieb, beschlossen wir, die einmal bezahlten Betten wenigstens kurzzeitig zu nutzen.
Mit bescheidenem Interesse nahm ich noch zur Kenntnis, dass der Wintergarten nicht nur als Frühstücksraum dient, sondern freitags ab 20.00 Uhr in ihm das Tanzbein geschwungen werden kann. Der Eintritt beträgt sagenhafte 3,00 €. Man zieht hier eben den Gästen das Geld nicht schon vor der Tür aus der Tasche. Mit Sonderveranstaltungen ist man hier generell rege, jeden Mittwoch ist Haxen- und Maßbiertag, wo die Haxe mit Sauerkraut, Klößen und Senf für 5,80 € zu haben ist, die passende Maß Bier dazu für 3,40 €. Wer davon noch nicht satt ist, kann dienstags zum Schnitzeltag anreisen, wo wöchentlich die Schnitzelvariationen wechseln. Ich kann nur noch einmal feststellen, ein sehr geschäftstüchtiges Haus, das auch für Tagungen bestens gerüstet ist..
Das Studientreffen wie auch die Wahl des Veranstaltungsortes waren ein Volltreffer und ich kann sowohl dem Ausrichter, der Euch weniger interessieren dürfte, als auch der „Bergwirtschaft Wilder Mann“ fünf Sterne verleihen. Gerne wieder!
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geistreich 10.01.2012 18:30
Gut, dann wurde diese Bildungslücke bezüglich des Ursprungs des Namens "Wilder Mann" - ergänzend zu dem sonst ebenfalls einwandfreien Bericht - auch geschlossen. ;-) LG Karin
Antonia007 06.01.2012 12:50
TOP
chipad 01.01.2012 10:00
BH!
Finetta12 29.12.2011 12:38
dresden ist als reiszeile nächstes jahr geplant-für den wertvollen tipp ein bh
Toller Bericht, für den ich nur BH vergeben kann :))! LG Helmut