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Erfahrungsbericht

für Bad Wildbad
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4 Sterne Wo einst die Fürsten baden gingen
119 von 119 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen

Pro ruhig, preiswert, gesundes Klima

Kontra viele Baustellen, geringes Freizeitangebot

Nachdem ich etwa dreißig Jahre in Bad Wildbad bzw. den umliegenden Orten verbracht habe, wird es jetzt mal Zeit, meine Erfahrungen in einem Bericht nieder zu schreiben. Es sind mit Sicherheit nicht nur positive Erfahrungen, doch trotzdem begebe ich mich auch heute immer wieder gerne dorthin.

Historisches
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Durch die heilende Wirkung der Bad Wildbader Thermalquellen zog es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Fürsten, Herzöge und Grafen nach Bad Wildbad. Aber auch Politiker aus jüngerer Zeit waren immer wieder zu Gast in Wildbad, wie etwa der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Durch den Wohlstand konnten zahlreiche Parkanlagen und Bäder gebaut werden, doch leider wurden durch die Einsparungen bei den Krankenkassen immer weniger Kuren verordnet und in Bad Wildbad hat man leider den Lauf der Zeit etwas verschlafen. Statt Kurgäste ins Enztal zu locken hat man sie mit ständigen Baumaßnamen und dem damit verbundenen Lärm eher vergrault.

Mit Sicherheit sind diese Misstände auch auf die Politik zurückzuführen, aber auch auf die Engstirnigkeit und nicht zuletzt auf die „Vetterleswirtschaft“, mit der man es immer wieder geschafft hat, Investoren zu vertreiben. So macht Bad Wildbad heute mehr einen etwas verschlafenen Eindruck, als durch den sonst so regen Betrieb wie er in vielen anderen Kurstädten zu finden ist aufzufallen.

Erst in den letzten Jahren wurde mehr oder weniger erfolgreich versucht, den erlittenen Schaden zu beheben.

Anreise
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Gelegen ist Bad Wildbad im nördlichen Schwarzwald, etwa 35km südlich von der Goldstadt Pforzheim gelegen. Die Anreise nach Bad Wildbad ist entweder mit der S-Bahn von Pforzheim aus möglich oder mit dem Auto entlang des Enztales. Gute Parkmöglichkeiten bieten die beiden Parkhäuser, die jedoch leider nicht so ganz zentral liegen. Zwar gibt es auch immer wieder kleinere Parkbuchten, doch die sind sehr begehrt und entsprechend zugeparkt.

Sehr verwirrend ist auch die Verkehrsführung in Bad Wildbad, nicht zuletzt wegen der ständig wechselnden Baustellen. Besonders auffallend sind immer wieder Ortsunkundige, die verzweifelt versuchen den Weg zu finden und dabei den nachfolgenden Verkehr blockieren. Zugegeben fällt es oft selbst mir schwer, mich in dem Baustellenchaos zurecht zu finden, obwohl ich dort lange Zeit zu Hause war. Dieser Zustand ist sicherlich negativ zu werten und stellt meiner Meinung nach das größte Problem in Bad Wildbad dar.

Zwar hat der inzwischen gebaute Umgehungstunnel einige Vorteile für die Durchfahrt gebracht und zweifellos auch zur Verkehrsberuhigung sehr positiv beigetragen, doch was die Orientierung angeht wirkt er sich eher nachteilig aus. So kann es einem durchaus passieren, für eine Strecke von 200 Metern einen Umweg von über 2 km in Kauf nehmen zu müssen, weil ein kleines Stück für die Durchfahrt gesperrt ist.

Die Bäder
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Wer sich in Bad Wildbad aufhält sollte es auf keinen Fall versäumen, eines der zahlreichen Bäder aufzusuchen. Auch wenn man nicht unter Rheuma oder Arthritis leidet tut ein Bad in dem Thermalwasser sehr gut.

Ganz besonders empfehlenswert ist das Palais-Thermal, welches nicht nur durch die Vielzahl der Bäder beeindrucken kann, sondern auch durch den Saunabereich auf den oberen Etagen und vor allem auch durch das bezaubernde Ambiente. Mein Tipp: In den Abendstunden ab 19:00 herrscht hier nicht mehr sehr viel Betrieb und man kann zum Abendtarif für 12,50€ volle drei Stunden auskosten. Also, erst einmal die Sauna genießen und sich danach in den Badewannen entspannen, oder vielleicht noch mit einem Getränk in der Maurischen Halle die verlorene Flüssigkeit wieder auffüllen.

Abendprogramm
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Hier wären wir nun beim nächsten Schwachpunkt angelangt. Wer nicht gerade auf Kurkonzerte steht wird verzweifelt nach anderen Möglichkeiten suchen. Zwar gibt es in der Fußgängerzone einige ganz nette Restaurants, in denen man auch sehr gut essen kann. Hier findet sich so ziemlich alles was das Herz begehrt, einen guten Chinesen gibt es gleich neben der Bergbahn, für die italienische Richtung würde ich das Nudelhaus empfehlen. Gute deutsche Küche, allerdings etwas exklusiver und entsprechend teurer bekommt man im Badhotel.

Doch für ein abendfüllendes Programm ist dies einfach zu wenig. Von den in der Fußgängerzone befindlichen Kneipen, die ich bestenfalls als Spelunke bezeichnen würde kann ich nur abraten, es sei denn man fühlt sich in solch einer verrauchten Absteige wohl.

Bestenfalls das Kino im „Haus des Gastes“ ist noch erwähnenswert. Hier werden durchaus auch neuere Filme gezeigt, allerdings sollte man kein High-Tech-Kino mit Dolby Digital oder gar THX erwarten. Stattdessen findet man einen urgemütlichen Kinosaal und zudem ist es auch nicht so teuer, wie etwa in den Ufa-Filmpalästen oder Maxx-Kinos der Großstädte.

Radfahren / Wandern
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Anders als beim Abendprogramm sieht es glücklicherweise mit dem Sportprogramm aus. Hierfür sind die Berge um Bad Wildbad herum bestens geeignet. Ganz egal, ob per Pedes oder zu Fuß, hier findet jeder seine Herausforderung. Die direkt umliegenden Berge sind alle so etwa 700 bis 800 Meter hoch, von Wildbad aus dürften dies so um die 300 Höhenmeter sein. Wem dies noch nicht genügt dem kann ich einen Ausflug auf den Kaltenbronn empfehlen. Bis dort sind es etwa 18km und 500 Höhenmeter, die es zu bewältigen gilt. Das hört sich jetzt zwar nicht nach so viel an, aber die Strecke hat es ganz schön in sich. Wem dies immer noch nicht genügt kann noch über Dobel und das Eyachtal eine sehr schöne Rundtour machen.

Wer es etwas ruhiger angehen lassen möchte hat auch die Möglichkeit ganz einfach im Tal zu bleiben und entweder entlang der großen oder der kleinen Enz, die dann über Calmbach führt. Ganz besonders reizvoll fand ich immer den Radwanderweg zur Rehmühle. Dieser beginnt in Calmbach gleich hinter dem Waldfreibad und verläuft nur ganz leicht ansteigend, mit kürzeren Steigungen und Gefällen, die aber keine größeren Probleme bereiten. Die erste Etappe bildet der Kleinenzhof, ein Campingplatz mit angeschlossenem Restaurant. Weiter geht es dann immer entlang der kleinen Enz, vorbei an einem Vogellehrpfad und mehreren kleinen Tümpeln. Wer möchte kann auch noch weiter fahren und über den Meistern zurück nach Wildbad.

Ein ganz besonderes Highlight in Bad Wilbad dürfte mit Sicherheit die Sommerbergbahn sein. Dabei handelt es sich um eine Zahnradbahn, die es einem ermöglich ohne größere Anstrengungen vom Bad Wildbader Ortskern aus auf den Sommerberg zu gelangen. Dort oben gibt es zahlreiche Wander- oder Radfahrwege. Für die Einkehr kann ich dort mit bestem Gewissen die Grünhütte empfehlen. Ganz egal ob man selbst grillen möchte, oder sich lieber dem Speiseplan hingibt wir man hier mit Sicherheit fündig. Versuchen sollte man auf jeden Fall ein Glas Heidelbeerwein, aber bitte nicht zu viel, zumindest wenn man den Heimweg mit dem Fahrrad zurück legen muss.

Ebenfalls auf dem Sommerberg findet man den Bike-Park. Dieser wurde erst vor wenigen Jahren errichtet und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Wer mit seinem Mountainbike sonst nur auf befestigten Wegen unterwegs ist kann sich hier mal so richtig austoben. Doch Vorsicht, die Strecke ist nicht so ganz einfach zu bewältigen und die ersten Versuche sollte man besser etwas langsamer angehen lassen. Die Waschmaschine wird sich jedenfalls danach freuen, vor allem wenn es zuvor geregnet hat und der Boden noch aufgeweicht ist.

Kurpark
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Am Ende der Fußgängerzone befindet sich auch gleich der Kurpark. Dieser verläuft entlang der großen Enz, mit einer Länge von etwa 2 km. Der Kurpark ist für Radfahrer gesperrt und nur per Fuß zu begehen. Ein beliebtes Spiel unter der Bad Wildbader Jugend ist jedoch die Kurparkralley, bei der es darum geht eben doch mit dem Fahrrad den Kurpark zu durchqueren, ohne sich erwischen zu lassen. Natürliche Hindernisse stellen dabei die zahlreichen Kurgäste dar. Rollstühle sind selbstverständlich erlaubt denn vor allem für Rollstuhlfahrer wurde entlang des Kurparks überall Hinweisschilder über die zu erwartenden Steigungen und Gefälle errichtet.

Besonders hervorzuheben ist der im Kurpark gelegene Barfußpark, der sich direkt an der Kneippanlage anschließt. Hier kann man barfuß über verschiedene Untergründe laufen und so deren unterschiedliche Eigenschaften sehr gut fühlen. Aber was soll ich hier viel schreiben, einfach die Schuhe ausziehen und am besten selbst erfahren.

Ende August findet hier auch die Enzbeleuchtung statt, bei der entlang des gesamten Kurparks Bilder aus Teelichtern gebaut werden. Abschluss dabei bildet das Feuerwerk, in Verbindung mit klassischer Musik. Wobei natürlich auch das Wetter eine große Rolle spielt, denn wenn Regen angesagt ist kann der Termin durchaus auch um ein oder zwei Wochen verschoben werden.

Umgebung
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Einen Ausflug auf den Kaltenbronn sollte man sich nicht entgehen lassen. Wer den Weg mit den Fahrrad oder zu Fuß scheut kann auch mit dem Auto fahren. Parkplätze gibt es dort auf jeden Fall zahlreich. Auf dem höchsten Punkt der Umgebung steht der Holohturm, der zur Jahrhundertwende erbaut wurde. Noch heute kann man diesen Turm besteigen, wobei man schon etwas schwindelfrei sein sollte. Doch nach den Anstrengungen kann man eine wunderbare Aussicht genießen.

Zwischen dem Kaltenbronn und dem Sommerberg gibt es auch einige Wildmoore, die während der Kreidezeit entstanden sind. Die abgestorbenen Pflanzen bildeten einen wasserdichten Untergrund aus Torf, so dass das Wasser nicht mehr ablaufen konnte und sich kleine Seen gebildet haben. Einen davon, den Holohsee kann man bequem erreichen. Vom Holohturm aus sind es nur wenige Meter. Der Weg am Holohsee entlang wurde mit Holzplanken befestigt, damit man nicht im Moor versinkt und als Moorleiche endet. Daher sollte man die befestigten Wege auch keinesfalls verlassen.

Zumindest für Kinder dürfte es im Poppeltal wesentlich interessanter sein. Aber auch Erwachsene haben immer wieder ihre Freude an der dort befindlichen Riesenrutschbahn. Auf einer Art Schlitten mit Rollen wird man zunächst nach oben befördert, um dann in rasanter Fahrt in der Röhre wieder ins Tal zu rasen. Doch keine Sorge, für ängstliche gibt es auch eine Bremse, um die Fahrt zu verlangsamen. Gerade in den Kurven ist die auch unbedingt notwendig, damit man nicht in den Fangnetzen landet.

Unterkünfte
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Die gibt es auf jeden Fall zahlreich und es sollte zu keiner Jahreszeit ein Problem sein, ein freies Zimmer zu bekommen. Man bekommt so ziemlich alles geboten, von der einfachen Frühstückspension ab etwa 20€, bis zum gehobenen Hotel, was sich dann aber auch entsprechend im Preis nieder schlägt. Teilweise sind die Unterkünfte auch online buchbar unter der Adresse http://www.bad-wildbad-tourismus.de

Fazit
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Wer den Trubel sucht, wird in Bad Wildbad sicherlich nicht glücklich. Doch wer einfach mal etwas entspannen und etwas Ruhe genießen möchte dem kann ich einen kurzen Urlaub oder auch ein verlängertes Wochenende in Bad Wildbad empfehlen. Zumindest in der Hoffnung, dass nach Vollendung der Bauarbeiten an der S-Bahnstrecke der Baulärm sein Ende findet.

Preislich findet man in Bad Wildbad so ziemlich alles, wer eher den Luxus liebt wird ebenso fündig, wie jemand der etwas mehr aufs Geld achten muss. Wobei ich Bad Wildbad jetzt nicht gerade als extrem günstig einstufen würde, aber im Vergleich zu anderen Kurorten ist es auf jeden Fall preiswerter.

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Kommentare

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  • innocence667 27.08.2010 21:42
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Danke bestens, wir gehen da morgen wandern!

  • Sydneysider47 31.10.2009 00:40
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • DaBaGo 29.04.2009 14:59
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • das-antiquarium 01.06.2007 21:46
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • EasyOneX 24.02.2006 02:16
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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