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"Franklanta" Verwirrung, auf hohem Niveau

4  06.02.2003

Pro:
Kultur, Stadtbild, viele Parks, Geschichte und Lebensart .

Kontra:
Die leidliche Großstadtkriminalität, teilweise recht teuer .

Empfehlenswert: Ja 

JuergenGolz

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Mitglied seit:05.07.2001

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Vertrauende:87

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Ich sehe die Skyline von Atlanta und glaube die Skyline von Frankfurt zu sehen, dessen Messeturm dem Turm in Atlanta nachempfunden ist und dann ist es soweit... nach 9 Stunden und 20 Minuten, klatscht der Bomber mit der Flugnummer LH444 auf. Ich schaue aus dem Fenster nahe der Tragfläche und draußen ist es noch hell, während es in Deutschland bereits nächtelt. Der Zeitunterschied beträgt aber nur 6 Stunden und ich bin erstaunt noch ein Stück der Sonne zu sehen, denn es ist Dezember und in Deutschland sehr früh dunkel.

Auf dem Flughafen warte ich noch auf einen Kollegen, der aus New Jersey eingeflogen kommt und vertreibe mir die Zeit und genieße einen Kaffee aus dem Starbuck´s. Der amerikanische Kaffee ist ja nicht sehr berühmt, aber solche Institutionen bieten dem kaffeeverwöhnten Gaumen Abwechslung, wenngleich in einem Einweg-Styroporbecher mit Plastikdeckel und ich werde mir wieder gewahr, daß ich hier nicht nur im Land der unbeschränkten Möglichkeiten, sondern auch der (un)beschränkten Wegwerfgesellschaft ist.

Unschwer zu sehen, daß man sich mit dem in Georgia gelegenen Atlanta dem amerikanischen Süden nähert und so sieht man viele farbige Beschäftigte, die wohlgelaunt und teilweise singend ihre Arbeit verrichten.

Auf dem Boden sitzend und Ihre Laptops an den Steckdosen der Pfeiler gekoppelt, loggen sich etliche Wartende via Hotspot drahtlos in das Internet ein und vergessen das Umfeld.

Denn laut geht es hier zu und sehr beschäftigt. Ob fußlahm oder nicht, für viele ist es eine selbstverständlichkeit sich mit dem Elektroauto auch nur wenige Meter sich fahren zu lassen und das unter dem ständigen und sehr lauten Warngepiepe des Wagens. Safety first!

An etlichen Monitoren läuft in voller Laustärke American Football und etliche Wartende sitzen mit offenen Mündern davor und essen die farbfreudigsten Süßigkeiten, die ich je gesehen habe.

Mit dem Wetter ist man in den U.S.A. sehr empfindlich und streicht gerne mal Flüge und ich versuche Informationen zu bekommen, ob der Kollege aus New Jersey nun bald kommt, zumindest sind trotz schönem Wetter einige Delta-Flüge ex Atlanta gestrichen worden, aber immerhin wurde über die Lautsprecher eine Entschädigung von 400 Deltadollar ausgelobt, wieviel auch immer das sein mag, Hauptsache man hat in´s Mikrofon geplappert und versucht das Piepen und American Football zu übertönen, sowie die Aufrufe für die anderen Flüge.

Ja, der Slang ist hier schon deutlich zu hören, aber im Stimmengewirr auch das Gesprochene zu verstehen, ist eine Kunst. So liebevoll ich auch die Atmosphäre registriere, so unprofessionel benimmt sich aber das Umfeld. Lasche Kontrollen einerseits, scharfe Kontrollen anderseits. Müll liegt herum und ich entdecke keine Mülleimer.

Endlich, mein Kollege schleicht sich von hinten an und erlöst mein Warten mit einem kräftigen „Howdy“. Chris kann als Amerikaner passieren und ich muß die Einwanderungsprozedur über mich ergehen lassen. Visum ist für Deutsche keine Pflicht mehr, aber man bekommt trotzedem Ein- und Ausreisestempel in den Reisepass.

In der Warteschlange piepen die Handys. Diese haben sich auf die lokalen Provider umgestellt und einige telefonieren, da herrscht der Officer die Handys auszuschalten und schlägt heftig auf die Plexiglas-Trennscheibe.

Atlanta:

Endlich bin ich an der Luft, hier draußen ist es abends noch ca. 10 Grad Celsius und auf der Fahrt zum Hotel fällt mir wieder die Ähnlichkeit zu Frankfurt auf und spontan denke ich an eine Verquickung „Franklanta“. Nächtigen, werden wir im Marriot Marquis, etwas teuer (US$ 165,00), aber lohnend, wenn man in den oberen Geschossen der 46 Stockwerke den Ausblick über die Stadt genießen kann.

Kennen, tut man diese Stadt spätestens seit der Olyampiade und als Hauptstadt der Coca-Cola und man glaubt nicht, daß Atlanta über ein ausgeprägtes, kulturelles Zentrum verfügt, aber dazu später.

Man muß wissen, daß Atlanta neben seinem neueren Stadtkern auch noch einen alten Stadtkern zu bieten hat und dieses bemerkt man am besten während einer Stadtrundfahrt. Wie jede Stadt verfügt auch Atlanta über diverse Visitor Center, bei denen man kostenloses Informaterial bezieht. Chris kennt aber einen Verleih und so bezahlen wir US$ 25,00 für eine zweistündige Stadtrundfahrt. Der Fahrer ist ein schweigsamer welcher, aber Chris erläutert mir das Wichtigste.

Essen und Trinken:

Wer es luftig mag, begibt sich eben in luftige Höhen und testet die Widerstandsfähigkeit seines Magens (nicht aber wegen des Essens). Neben zahlreichen kleineren Möglichkeiten einen Snack zu vertilgen, hat man hier die Möglichkeit in dem berühmten Sun Dial Restaurant in dem höchsten Hotel der Südstaaten, das Western Peachtree Plaza, zu speisen. Auch hier überdurchschnittlich teuer, aber ich bezahle ja am Ende der Reise nur meinen Eigenanteil, es lebe die Reiseabrechnung! Verdauen kann man am Besten, wenn man die 73 Stockwerke herunterfährt und wieder heraufläuft, da sollten alle Kalorien verbraucht sein und nimmt dann wieder in dem sich drehenden Restaurant (ähnlich unseren Frankfurter Henninger-Turm) Platz. Einfacher geht es aber sich die Beine im großzügig angelegten Centennial Park zu vertreten, hier findet man genügend Ecken, für Ruhe und Besinnung und wird unterschwellig mit Olympiaresten konfrontiert.

Abends waren wir im Planet-Hollywood (gegründet von Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis) und haben in einem gut gefüllten Raum Fast-Fod vertilgt, aber dieses sehr lecker und zum selbst belegen.

Den nächste Abend verlebten wir gediegener, namlich im Pittypat´s Porch, mit typischen Südstaatenspeisen und kostümierte Kellner servieren leckeren, aber auch ziemlich süßen Eistee zu unserem Barbeque

Leute:

Die Stadt, in der heute die Schwarzen und Weißen friedlicher zusammenleben können, als in Los Angeles, hat einen berühmten Sohn, nämlich Martin Luther King jr. Und man kann in der Auburn Avenue sein Geburtshaus besichtigen.

Fragt man die Leute nach dem Weg, so erhält man freundlich und detaillierte Auskunft, wenngleich ich so manches Mal doch falsch geführt wurde und „2 Blocks“ sind als Entfernungseinheit schwer abzuschätzen.

Viele Einheimische versammeln sich unweit der Geburtsstätte von Martin Luther King jr. an seinem Grab. Dazu braucht man nur dem bezeichnenden Freedom Walk gehen. Im Martin-LutherKing Center, kann man kostenlos Bilder und Filme aus seinem Leben anschauen.

Einkaufen und Kultur:

Hat man keinen Fahrer, so kann man sich zu günstigen Preisen (zwischen 1 und 2 US$) mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. Bus und Bahn bieten ausreichende Verbindungen und wenn man nicht gerade in der Rush Hour fährt, kann man seine Einkäufe bequem mitführen. Empfehlenswert die Mall am Lenox-Square, ein Riesending mit unglaublicher Auswahl. Auffallend war, daß wir abends nach 21.00 Uhr hier noch einkaufen waren und das Haus noch gut gefüllt. Hier machen verlängerte Ladenschlußzeiten noch Sinn. Überall in der Mall gibt es Stände mit religiösen Büchern und tatsächlich, man ist hier sehr gläubig und das zeigen auch die zahlreichen Kirchen im Stadtbild und man nennt diese Gegenden dann zynisch „Bible Belt“

Wer das Einkaufen hinter sich hat, der kommt am Fox Theatre nicht vorbei. Nach mehr christlichen Motiven und Baustilen findet man hier eine orientalische Bauweise mit Zwiebeltürmen. Innen fliegen einem die Ohren weg, wenn die Orgel mit ca. 3600 Flöten loslegt. Das Theater soll ca. 5000 Leute fassen, für mich sah es viel mehr aus. Es gibt ein angeschlossenes Restaurant und hier verdrückte ich mich, nachdem ich einen mittleren Hörschaden erlitten habe.

So, und nun komme ich nicht dran vorbei: Wer kennt nicht das Buch „Vom Winde verweht“? Man findet im Norden der Stadt das Haus der Autorin Margaret Mitchell, allerdings hat diese nach einem Besuch des Fox-Theaters nicht ihr Gehör verloren, sondern ihr Leben, sie wurde schlichtweg überfahren. Ich spare mir Plattheiten im Bezug zum Buchtitel.

Das oben vollmundig erwähnte kulurelle Zentrum findet sich im Colony Sqare. O.K., lassen wir mal das Coca-Cola Museum außen vor, beherbergt das Woodruff Art Center verschiedene Theater, Symphonierchester, eine Kunsthochschule sowie ein eigens eingerichtetes Kindertheater.

Weiteres, kulurelles Schmankerl, die Freiluftkunst im angeschlossenen Piedmont Park, Austragungsort des Montreaux-Festivals und Treffpunkt Menschen aller coleur. Auch die Gartenkunst kommt nicht zu kurz und man hat direkt an dem Park angeschlossen den Atlanta Botanischen Garten mit seinen herrlichen Rosen- und Japanischen Gärten angelegt. Wunderbar zum Spazieren geeignet, dem Treiben der Menschen schauend und lauschend, während süßer Blütenduft die nicht mehr so milde Luft füllt.

Was Parks allgemein anbelangt, so überrascht Atlanta an der Vielzahl seiner Einrichtungen. Vielfach kommt man so auch mit den älteren Stadtteilen in Berührung und sieht einfach herrliche und wunderbar gepflegte Wohnhäuser umsäumt von Galerien, zahlreichen Läden mit Antiquitäten und für die Damen auch Boutiquen. Das Ganze in einer ruhigen Atmosphäre, daß man sich nicht mehr in einer amerikanischen Großstadt wähnt. Abends wird es lebhafter und Freiluftmusiker mit Südstatten-Touch füllen das Szenario.

Der Vollständigkeit halber, seien auch Virginia Highland erwähnt, ebenfalls mit historischem und gut erhaltenen Stadtteil, sowie der Ansley Park mit seine Antebellum Häusern.

Bleibt zum Abschluß noch der modernere und mondänere Teil Atlantas zu erwähnen. Die West Paces Ferry Road bietet Einblick in das Leben der Superreichen, mit prachtvollen Villen, alten Baumbeständen und auch im Dezember üppigen Magnolienpracht. Muß man mal gesehen haben, vielleicht dreht hier ja mal jemand die Georgia-Version von Dallas oder Denver.


Fazit:

Diese Stadt hatte ich total unterschätzt. Bislang dachte ich nur an Hochhäuser und wußte entfernt, daß unser Frankfurter Messeturm sein Vorbild irgendwo in den U.S.A. hat. Jetzt weiß ich es besser und habe einen Einblick in Kultur, Land und Leute bekommen, den ich so nicht erwartet hätte und ein ungeheures Lebensgefühl vermittelt. Stolz kann man auf diese Stadt sein, sollte aber nie vergessen, daß jede Großstadt auch ihre diversen kriminellen Eigenheiten hat und sollte sich bei abendlichen Exkurs nicht zu leichtsinnig und alleine in die abgelegenen Teile der Stadt verirren. Ich selbst habe von einer solchen Kriminalität nichts mitbekommen, aber Chris Hinweise sind immer unmißverständlich.

Daß hier soviel Kultur und Lebenskunst zu finden ist, begeistert mich auch noch heute, beim Schreiben dieses Berichtes und wird mir den Aufenthalt dort unvergesslich werden lassen.

Man lasse sich treiben und wird mit einer ungeahnten Leichtigkeit die Tücken einer Großstadt leichtfüßig und inspiriert überwinden und nebenbei Dinge entdecken, die den Horizont weiten und die Sinne schärfen.

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Ciao-Ranitzki

Ciao-Ranitzki

10.06.2003 14:27

Ich werde Ende Juli fliegen und auch in Georgia sein. Später mehr. Rosemarie

gabi37

gabi37

02.04.2003 18:04

Tja, diese Gegend würde ich auch gern mal erkunden. Aber für einen Wochenendtrip ist Atlanta leider ein bisschen weit weg. Schöne Grüße, Gabi

kein_Blatt_vorm_Mund

kein_Blatt_vorm_Mund

29.03.2003 02:04

Howdy, Jürgen! Unser Frankfurt ist also auch da drüben anzutreffen, Du bildest uns echt weiter... Liebe Grüße, Stefan

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