Äthiopien - Allgemeines

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5-Sterne-Trekking unter 500 000 Sternen

5  21.12.2003

Pro:
schöne Landschaft, nette Menschen, preiswert, sinnvolle Verwendung der erzielten Gewinns, seltene und spektakuläre Natur

Kontra:
nur schwer zu erreichen

Empfehlenswert: Ja 

mansaneh

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:22

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Als ich 2002 in Äthiopien zu tun hatte, kam ich in den Genuß einer Trekkingtour in den Bale-Bergen. Kurz zur Orientierung: Die Bale-Berge liegen etwa 300 km südöstlich von der Hauptstadt Addis Abeba und sind über eine gut ausgebaute Hauptstraße nach Sashemane gut zu erreichen. Die höchsten Gipfel sind 3750 m hoch. Um die Gipfel herum und dann südlich zieht sich der Bale Mountains National Park. Über diesen Nationalpark schreibe ich hier nicht! Ich war vielmehr auf den Nordhängen der Bale-Berge unterwegs, im Gebiet zwischen Adaba und Dodola. Gleich vorneweg: Es gibt eine prima Internet-Seite, www.baletrek.com, wo das ganze gut beschrieben ist mit allen Links und Hintergrundinformationen. Daher beschränke ich mich hier auf die wichtigsten Infos und eben auf meine persönliche Meinung dazu.

Ersteinmal muß man dorthinkommen. Die Straße Sashemene-Dodola besteht aus 80 km staubiger, schlechter Piste. Man kann mit Fernbussen aus Addis in einem halben Tag bis Dodola kommen, aber ein richtiger Spaß ist das nicht unbedingt, auf der o.g. Website ist eine Liste mit Links zu Reiseveranstaltern, die man stattdessen ansprechen könnte. Derzeit (Sommer 2003) gibt es Pläne, bei Dodola eine Touristenlodge zu bauen als festes Startquartier für Touren in den Bale-Bergen. Das dahinter stehende Unternehmen heißt Greenlandtours; die bieten bisher auch schon Trekking im Bale Nationalpark an, sehen aber im Tourismusprojekt Adaba-Dodola bessere Entwicklungs-Chancen.

Tatsächlich beruht Trekking in Adaba-Dodola auf einem erfolgreich verlaufenden Entwicklungshilfeprojekt der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die dort in geduldiger und enger Zusammenarbeit mit lokaler Bevölkerung und Forstverwaltung ein Modell zur nachhaltigen Bewirtschaftung der äthiopischen Bergwälder erarbeitet hat. Man kann sich also sicher sein, dass man mit der Teilnahme am Trekking eine sinnvolle Sache unterstützt.

Nun reicht es selten, hehre Absichten vorzuweisen, um damit auch Erfolg bei Touristen zu haben. In diesem Fall geht es auch um mehr: Nämlich um ein spärlich besiedeltes, weites, wunderschönes Bergland!

Nachdem man die staubige Kleinstadt Dodola - nach den nötigen Arrangements für die Tour, im Büro des Forstprojekts an der Hauptstraße - hinter sich gelassen hat, trifft man schon am Waldrand auf eine echte Alpenidylle. Auf grünen Wiesen neben kleinen Rundhütten-Dörfern weiden seidig schimmernde Pferde mit Decken und buntem Bänderschmuck. Das sind die Gefährten für die Tour! Man muß nicht reiten können, um sich von den kleinen, ruhigen Pferden tragen zu lassen. Ich hab mich, gegen langes Zureden, als Fußwanderer durchgesetzt, aber den schwereren Teil vom Rucksack hat trotzdem ein Packpferd getragen. Was auch gut war, immerhin sollte von 2500 auf 3500 m hoch gehen - da wird die Luft schon dünn, und der Puls heftig. Ohne einheimischen Führer geht nichts: Der zeigt nicht nur den Weg, sondern führt tatsächlich durch die Ökologie der Wälder und ist Kontaktperson zu den Dörflern, die einem unterwegs begegnen (und meist kein englisch reden). Die Führer werden vom Projekt fortgebildet und sind ?hauptberuflich? Waldbauern - sehr zuverlässige, sympatische Leute, denen man den Spaß und den Stolz anmerkt, Fremden ihr Land zu zeigen.

Nachdem man sich mit den Pferden vertraut gemacht hat, gehts hinein in den Schatten der Riesen-Wacholder (Juniperus procera). Als wir loszogen, saß gleich am ersten Bach eine kleine Gruppe Paviane. Wacholder und Podocarpus falcatus sind die einzigen in Afrika heimischen Nadelbäume, sie wachsen hier bis zu 40 m hoch und sind einfach gewaltige Bäume. Ich kam zu Fuß locker mit, weil die Pferde schon sehr gemütlich vor sich hin stapfen und man an den steilsten Stücken eh absteigen sollte. Im mittleren Abschnitt der Tour passiert man die höchstgelegenen Gehöfte, um die 3000 m, die den Wald wie seit Jahrhunderten nutzen, ohne ihn zu zerstören. Bachtäler bieten sich an für eine Mittagsrast. Wenn man Glück hat, hat man bis jetzt auch schon eine Gruppe der Schwarzweißen Collobus-Affen gesehen. Die Attraktionen der Hochlagen sind der äthiopische Wolf und die Bergantilope Nyala, aber um die zu sichten, reichten bei unserer Gruppe Zeit, Geduld oder Glück nicht aus...

Oberhalb der letzten Siedlungen führt der Weg durch einen für Europäer wie ein Zauberwald anmutenden Bestand aus Heidekraut (Erica) - nur, dass es hier kein ?Kraut?, sondern knorrige, Moos- und flechtenbehangene, etwa 5 m hohe Bäume sind. Steil und schmal ist der Weg, bis auf etwa 3300-3400 m die Waldgrenze erreicht ist. Auf fast ebenen Hochlagen zwischen den felsigen Gipfeln wachsen große Lobelien (von fußballgroßen roten Blüten gekrönte, 2-3 m hohe ?Kerzen?) und auch wieder Heide, aber diesmal wie ?gewohnt? als hüfthohes Gebüsch. Zwischendrin streifen Rinder. Knapp unter der Waldgrenze liegen die Hütten Wahoro, Adele und Mololicho, knapp drüber liegen Duro und Angafo - letztere unser Ziel und die Hütte mit der spektakulärsten Sicht, auf 3460 m. Wir hatten, mit vielen kleinen Pausen, 5 Stunden für die 7 km gebraucht.

Die 5 Touristenhütten sind simple Lehmbauten, die aber gute Betten und vor allem eine perfekt eingerichtete Küche mit Ofen bieten. Wasser kommt direkt aus der Quelle und ist gesundheitlich unbedenklich. Auf 3400 m wird es nachts ganz hübsch kalt... daher war das Feuer im Ofen sofort im Gang. Auch natürlich, um für Kaffee (den unglaublich aromatischen äthiopischen Hochlagenkaffee!) und für warmes Essen zu sorgen. Lebensmittel muß der Besucher selbst mitbringen; es kann aber auch für Hammel am Spieß gesorgt werden. Dann sitzt man bei ner Flasche Bier in der kalten, klaren Stille und blickt dem Sonnenuntergang hinterher..

...und es gibt zum Glück genug Decken, um die Nacht warm zu überstehen. Die Pferde bleiben draußen, der Hüttenwirt stellt für den Rückweg dann andere zur Verfügung, damit der Verdienst durch Pferdemiete gleichmäßig über die Bewohner der Bergwälder verteilt wird.

Zum Aufbruchzeremoniell gehört auch die Bezahlung. Der Führer bekommt 30 Birr pro Tag, die Übernachtung kostet 25 Birr, die Miete pro Pferd 20 Birr - das sind umgerechnet zwischen 3 und 4 Euro, also durchaus erschwinglich. Zum Vergleich: einfache Beamte (Förster oder Lehrer) verdienen so etwa 600 Birr, knappe 100 Euro im Monat. Das Einkommen aus den Trekkingtouren ist für die Dörfer nicht fürstlich, aber doch so, dass es eine ernsthafte Alternative darstellt zum Abwandern in die Städte einerseits und zum Abholzen der Wälder andererseits.

Erst später, auf dem Rückweg (oder der Weiterfahrt) durch riesige entwaldete vertrocknete Hochebenen begreift man so richtig, in was für einer Welt man da oben war...


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Koivu

Koivu

22.09.2005 09:28

so nun ists fix gebucht... muss mich nur noch entscheiden ob bale mountains oder simiens... aber nochmals: Super Bericht :) musste ihn gleich nochmals lesen :) LG Koivu

Koivu

Koivu

11.09.2005 22:43

einfach super dieser Bericht! ich glaube, das mache ich auch! Bilder wären natürlich noch der Krösus - aber die mach ich mir nun wohl selbst. weisst du zufällig ob man gut mit dem Bus/Zug von Kenia nach Athiopien kommt? denn nach Kenia gibt's viel Flüge, aber nach athiopien habe ich noch keinen gefunden und irgend n'teuren kann ich mir als Student nicht leisten :(. Beste Grüsse Koivu

trozki

trozki

22.04.2004 22:26

hat mir sehr gut gefallen, dein Bericht. Ich war leider noch nie dort, will aber schon länger mal hin. Über Bilder hät ich mich gefreut! Wie empfandest du die Sicherheitslage dort???

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