Ciao - für Leute mit eigener Meinung
Neueste Erfahrungsberichte
|
Neue Fragen
|
Erfahrungsbericht schreiben
|
Produktvideos
|
Pro meist dichter Takt, schöne Landschaft
Kontra die meisten Fahrzeuge nicht behindertengerecht
Detailbewertung
| Preis-/Leistungsverhältnis | |
|---|---|
| Anbindung | |
| Sehenswürdigkeiten | |
| Sicherheit | |
| Gastfreundlichkeit |
Die Appenzeller Bahnen sind sowohl für Einwohner als auch für Touristen interessant. Dabei fahren sie nicht nur im Appenzeller Land, sondern auch im Umkreis von St. Gallen und am Bodensee. Der Takt ist bedarfsorientiert - in den Ballungszentren und den Umlandgemeinden meist im 30-Minuten-Takt, sonst alle 60 Minuten. In kleineren Dörfern gibt es Bedarfshalte ("Halt auf Verlangen"). Im Fahrzeug drückt man praktisch nach der Ansage/Durchsage die Haltewunschtaste, am Bahnsteig befindet sich auch ein Haltewunsch-Knopf für jede Richtung. Drückt man diesen wird dem Triebfahrzeugführer kurz vor dem Einfahren in die Haltestelle mittels eines speziellen Signals angezeigt dass jemand mit will und er bremsen muss. Bei Regenwetter eine klasse Sache, da man hier noch im Wartehaus auf den Zug warten kann und sich nicht mit Regenschirm winkend bemerkbar machen muss ;-)
Es werden folgende Strecken bedient, Spurweite jeweils 1.000 mm (Meterspur):
- Gossau SG - Herisau - Appenzell - Wasserauen
- St. Gallen - Gais - Appenzell (S11 des S-Bahn-Netzes St. Gallen)
- Gais - Altstätten Stadt (überwiegender Streckenabschnitt mit Zahnstange)
Zu den Appenzeller Bahnen gehören auch folgende Strecken, wenn die Betreiber auch laut Eisenbahn-Atlas Schweiz andere sind:
- St. Gallen - Speicher - Trogen (S12 des S-Bahn-Netzes St. Gallen, ist eher ne Straßenbahn, 1.000 mm Spurweite)
- Rorschach - Heiden (Bergbahn mit der Normalspur 1.435 mm)
- Rheineck - Walzenhausen (Bergbahn mit 1.200 mm Spurweite)
Zum Vergleich: Die ganz normale Eisenbahn fährt mit der Normalspur 1.435 mm, diese Spurweite haben auch einige Stadtbahnnetze wie zum Beispiel Stuttgart (DT8-Stadtbahnen). Die meisten Straßenbahnbetriebe haben 1.000 mm Spurweite.
Das Streckennetz der Appenzeller Bahnen selbst ist ist recht kurvenreich und teilweise recht steigungsreich, an manchen Stellen geht es nicht ohne Zahnrad. Überwiegend Zahnstange System Riggenbach. Spitzenreiter sind die Steilstreckenabschnitte
- 75 o/oo auf dem 2 km langen Abschnitt Schwarzer Bären (855 m) - Vögelinsegg (938 m), hier verkehren Straßenbahnwagen
- 90 o/oo auf 1 von insgesamt 5,7 km zwischen Rorschach (399 m) und Heiden (794 m)
- 100 o/oo auf dem 2,2 km langen Abschnitt Riethüsli (749 m) - St. Gallen (670 m)
- 160 o/oo auf dem 1,7 km langen Abschnitt Altstätten Stadt (469 m) - Alter Zoll (617 m)
- 252 o/oo auf dem 1,9 km langen Abschnitt Rheineck (400 m) - Walzenhausen (672 m)
Höchster Punkt ist der Haltepunkt Hebrig auf 971 m Seehöhe. Er befindet sich zwischen Gais und Altstätten Stadt. Der Ausblick aus den Bahnen ist meist atemberaubend, dafür sorgen auch die großen Panoramafenster. Je schöner das Wetter um so besser natürlich der Ausblick, aber auch bei nicht so ganz tollem Wetter gibt es einiges zu entdecken. Von Gossau kommend kurz vor Appenzell zum Beispiel stiegen Nebelfetzen auf während sich die Sonne langsam durch die Wolken kämpfte. Kurz darauf bietet sich in Fahrtrichtung links ein schöner Blick auf Appenzell. Einen besonders schönen Blick auf St. Gallen hat man von Gais kommend zwischen Lustmühle und St. Gallen. Die Stadt taucht auf dem kurvenreichen Streckenabschnitt mal links, mal rechts auf. Hier auf dem sehr kurvenreichen Abschnitt sieht man auch deutlich ober- bzw. unterhalb (je nachdem ob man bergwärts oder talwärts fährt) immer wieder das in Kürze zu befahrende Gleis. Auf dem Streckennetz gelten die Tarife des Ostwind Verkehrsverbundes und die Tageskarte Euregio Bodensee (Zone E).
Die meisten Fahrzeuge sind nicht behindertengerecht (zwischen Appenzell - Gais und St. Gallen mind. stündlich jedoch in der Regel ein Wagen mit Niederflurteil), es müssen beim Ein- und Aussteigen Treppen überwunden werden. Auf den meisten Strecken werden Adhäsions- und Zahnradpendelzüge BDeh 4/4 + ABt eingesetzt. Diese haben meist Vierersitze vis-a-vis mit ganz zu öffnenden Fenster die man nach unten schieben muss und einen kleinen Tisch auf dem das Streckennetz abgebildet ist. Zwischen St. Gallen und Trogen verkehren BDe 4/8 Pendelzüge, die wie eine Straßenbahn aussehen und im Stadtgebiet St. Gallen auch als solche verkehren und dort unter anderem am Marktplatz vorbeikommen. Die Trogener Bahn ist die steilste Meterspur-Straßenbahn der Schweiz. Bei der Roschach-Heiden-Bergbahn kommen niederflurige Zahnrad-Gelenktriebwagen BDeh 3/6 seit 1999 zum Einsatz. Zwischen Rheineck und Walzenhausen fährt ein Einzelstück BDeh 1/2 - fällt dieser aus (wie zum Beispiel nach einem schweren Unfall mit einem LKW im Juli 1997) so bleibt die Strecke bis zur Reparatur ohne Zug und es gibt Busersatzverkehr.
Mit entsprechend guter Planung kann man tolle Ausflüge machen. So zum Beispiel eine Tour vom Bodensee zum Säntis (Busverbindung ab St. Gallen und Urnäsch nach Schwägalp, dort weiter mit der Seilbahn). Zwischen manchen Bahnhöfen verkehren auch die Postbusse, die zum Beispiel Heiden mit Trogen oder Walzenhausen verbinden. Zwischen Heiden und Walzenhausen bietet sich aber auch eine Wanderung auf dem Witzwanderweg an. Leider ist meines Erachtens das Wegeleitsystem in den größeren SSB-Bahnhöfen nicht sehr gut was Hinweise auf die Appenzeller Bahnen betrifft, deshalb hier ein paar Tipps: In Gossau auf der anderen Seite von Gleis 1 (durch die Bahnsteigunterführung), in St. Gallen schräg gegenüber der WC-Anlage am Gleis 1. Ortsunkundige laufen hier am besten in Fahrtrichtung Zürich. Also wer kurz vor dem Aussteigen durch einen knapp 1,5 km langen Tunnel gefahren ist (von Romanshorn, Rorschach, St. Margrethen und Bregenz kommend) geht am Gleis 1 in Fahrtrichtung weiter, die anderen laufen zurück. So einfach ist das ;-)
Quellenangaben:
für die technischen Daten der Fahrzeuge: Die Bücher "Schweizer Triebfahrzeuge" und "Die Schweiz mit dem Zug entdecken"
für die Spurweite und Steigungen (in Promille angegeben): Eisenbahn-Atlas Schweiz
FAZIT
Es gibt vieles zu entdecken bei einer Fahrt mit den Appenzeller Bahnen. Ich war vor allem für die Anerkennung der Euregio Bodensee Tageskarte dankbar, für nur 29 EUR bin ich die große Tour Überlingen - Konstanz - Weinfelden - Gossau - Appenzell - St. Gallen - Romanshorn - Friedrichshafen mit Bahn und Schiff gefahren. An einem anderem Tag war ich Langenargen - Lindau - Bregenz - Altstätten Stadt - Gais - St. Gallen - Rorschach - Bregenz - Langenargen mit Bahn, Bus und Schiff unterwegs.
Andreas Loy
BILDUNTERSCHRIFTEN
Bild 1: In Altstätten Stadt
Bild 2: Kurz nach Altstätten Stadt
Bild 3: Kurvenreicher Abschnitt zwischen Riethüsli und St. Gallen
Bild 4: Blick auf St. Gallen kurz darauf
Bild 5: Landschaft zwischen Gossau und Appenzell
Bild 6: Rauchschwaden kurz vor Appenzell
Bild 7: Appenzell Bahnhofsanlagen
Bild 8: Sitze
Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors
Anstatt dem Mitglied eine negative Bewertung zu geben, bitte daran denken:

Helfe diesem Mitglied durch nützliche Tipps

Melde einen Missbrauch wegen unerlaubter Kopie oder anderer Gründe an das Ciao Support Team.
Kommentar schreiben