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Thommy in der Grube
Pro schöne Stadt, tolle Gegend
Kontra nix
Wer so wie ich den Jahreswechsel im schönen Erzgebirge in Nähe des Fichtelberges verbringen möchte und von Leipzig (oder Chemnitz) aus anreist, der kommt an der alten Bergstadt Annaberg-Buchholz nicht vorbei.
Allerdings ist es nicht nur eine Bergstadt, sondern sie trägt auch den Namen Adam-Ries-Stadt, also den Namen des größten Sohnes der Stadt. Hier lebte und arbeitete er mehr als 30 Jahre und hat seine Spuren hinterlassen. Nun sage mir bloß einer, dass er noch etwas vom größten deutschen Rechenmeister gehört hat?? Selbst diejenigen unter der erlauchten Leserschaft, die außer Wegnehmen und Teilen keine Rechenoperation beherrschen, dürften doch den Namen schon irgendwann einmal gehört haben.
In Annaberg-Buchholz gibt es eine Reihe von Sehenswürdigkeiten, an erster Stelle sei hier die in Marktnähe gelegene St.Annen Kirche genannt, erbaut in der Zeit von 1499 bis 1525 und ihres Zeichens die größte spätgotische Hallenkirche Sachsens, in der unter anderem der Bergaltar, das Schlingrippengewölbe, 100 Emporenreliefs und die ,,Schöne Tür" aus dem 16. Jahrhundert zu bewundern ist. Zu empfehlen ist unbedingt eine Führung, da einem sonst viele hochinteressante Details entgehen. Ich selbst bin zwar überzeugter Heide, aber Kirchen sehe ich mir immer sehr gern an.
Unbedingt sehenswert sind auch die Abgründe des Erzgebirges, die sich in Form von immer zahlreicher werdenden Besucherbergwerken erschließen. So befindet sich direkt gegenüber der Kirche das Erzgebirgsmuseum mit angeschlossenem Besucherbergwerk, durch das man unter der Bergstadt quasi hindurchwandert. Das einzig wirklich Besondere ist die Tatsache, dass der Einstieg inmitten der Stadt liegt, ansonsten aber bietet eine Tour hier nicht besonders viel.
Ganz anders sieht das im Stadtteil Frohnau im Markus-Röhling-Stollen aus, in den wir schon zweimal eingefahren sind (der Bergarbeiter fährt immer ein, auch wenn er läuft). Hierbei handelt es sich um einen alten Stollen (nicht der zum Essen...), der ursprünglich von der Wismut (die Bergbaugesellschaft, die eigentlich der Sowjetunion gehörte, aber die Bodenschätze der Deutschen Demokratischen DDR ausplünderte) verfüllt (also geschlossen) wurde, aber von Hobbybergwerker wieder geöffnet wurde und heute ein absoluter Besuchermagnet ist. Man erfährt sehr viel wissenswertes über alle Epochen des Bergbaus und kann sich ein Bild von den furchtbaren Bedingungen machen, unten denen die Kumpel aller Epochen arbeiten mussten.
Nun gibt es eine alte Tradition, die aus dieser Gegend stammt, nämlich die der sogenannten Mettenschicht, das ist die letzte Schicht vor Weihnachten. Nachdem bei einer solchen Schicht ein Unglück geschah, dem zahlreiche Kumpel zum Opfer fielen, wurde diese letzte Schicht dazu benutzt, im Berg selbst eine Art Weihnachtsfeier zu veranstalten. Jeder Bergarbeiter brachte bescheidene Gaben wie Dünnbier, Schnaps (den berüchtigten Kumpeltod), Speckfett, Brot oder Schinken mit und alles wurde geteilt.
Diese Tradition wurde wieder belebt und auch für Besucher zugänglich gemacht und da die Nachfrage bei weitem das Angebot übersteigt, steigt auch die Zahl dieser Schichten jährlich an. Wir hatten nun das große Glück, im letzten Jahr an einer solchen Mettenschicht teilnehmen zu können. Dazu muss man wissen, Bestellungen für diese Ereignisse werden erst ab 02. Januar entgegengenommen und spätestens 3 Tage später sind alle Veranstaltungen ausverkauft.
Nach einem Rundgang durch den Berg versammelten sich alle Gäste im Festsaal, der größten Höhle im Berg, die früher als Materiallager genutzt wurde. Alles wird nur durch Kerzen erleuchtet, was dem Raum eine unvergleichliche Atmosphäre verleiht. Und zu erzgebirgischer Folklore und Mundartgedichten gibt es einfache Speisen wie Speckfettbemmen, Linsensuppe und Schinken, Bier und Glühwein satt, sowie zum Abschluss einen echten Schnaps aus der Gegend (äußerst lecker).
Je mehr Glühwein man trinkt, umso besser versteht man auch den Dialekt. Nun mag mancher sagen, das Erzgebirge liegt in Sachsen, also sprechen die doch auch sächsisch, das stimmt nur im Prinzip. Mal ein ganz kleines Beispiel:
Wu es Raachermanndl nabelt un de Peremett sich draht.....
Das heißt auf gut hochdeutsch: Wo das Räuchermännchen nebelt (also raucht) und sich die Pyramide dreht. Ganz einfach, nicht wahr???
Weitere Sehenswürdigkeiten, die ich nur empfehlen kann, sind das Adam-Ries-Museum, das Technische Denkmal Frohnauer Hammer, das Rathaus und der Pöhlberg mit einer besonderen Steinformation, Butterfässer genannt.
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Gummifloh 07.05.2004 18:20
Schlumpf-_1 28.12.2003 19:54
Sehr guter Bericht, warst du zufällig auch im "Kartoffelkeller" unten am Marktplatz neben dem "Hotel Wilder Mann?". Ich war zwei mal dort - kann dir sagen ein fabelhaftes Ambiente dort. Das man so viel aus einem ehemaligen Kartoffelkeller machen kann - einfach Wahnsinn. Guten Rutsch.
Schmunzelchen 01.07.2003 18:41
PeterPan2 03.05.2001 12:48
nicoll 13.02.2001 23:03