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Alfred-Nobel-Museum in Karlskoga
Pro spannend, interessant, vielfältig
Kontra keins
Vom Bombenspezialisten zum Förderer von Kultur und Wissenschaft
Wer in Värmlands Süden Urlaub macht, kommt um einen Besuch der Stadt Karlskoga mit dem bekannten Alfred-Nobel-Museum (Industriemuseum Bofors und Herrensitz Alfred NobelsAlfred-Nobel-Museum (Industriemuseum Bofors und Herrensitz Alfred Nobels) nicht herum. Das weitläufige Gelände am Rande der schwedischen Kleinstadt ist Anziehungspunkt für viele Touristen schwedischer und ausländischer Herkunft, die in diesem Museum interessante Aspekte des Lebens von Alfred Nobel kennenlernen können.Wenn ich etwas von „viele Touristen“ schreibe, dann ist das aus Sicht schwedischer Verhältnisse gemeint, denn auch in den touristisch vorrangig genutzten Sommermonaten trifft man nur sehr wenige Besucher, die sich auf einer großen Fläche des Industriemuseums und des mehr privaten Bereichs des Herrenhauses von Alfred Nobel verteilen. Im Herrenhaus selbst zum Beispiel waren außer uns dreien noch weitere zwei Familien unterwegs, so dass man kaum von einem Massenansturm reden kann (ich glaube, dieser Begriff fehlt im schwedischen Wortschatz).
Nun ist Karlskoga nicht der Mittelpunkt der Nobelschen Welt gewesen (er hat hier nur die letzten beiden Jahre seines Lebens verbracht), aber er wird als einer der weltberühmten Söhne der Stadt angesehen und sein Wirken in der und für die Stadt durch das nach ihm benannte Museum gewürdigt.Wie kommt man hin?
Karlskoga liegt östlich von Karlstad am Vänernsee und nördlich des Vätternsees. Von Göteborg erreicht man die Stadt über die E20 nach etwa 250 Kilometern. Dazu biegt man von der E6 bei Göteborg ab auf die Straße E20 in Richtung Värgärda ab. Im weiteren Verlauf geht es über Skara in Richtung Mariestad (dort lohnt es sich vor allem für Angler einen Stop einzulegen, denn in den bekannten Schären vor Mariestad sollen die Chancen auf Kapitale recht groß sein – für die Nichtangler: Kapitale sind die jeweils großen Exemplare einer Fischart, hier Lachse, Meerforellen, Hechte, Zander).Von Mariestad geht es weiter über die Reichsstraße 68 und sind es nur noch wenige Kilometer bis zur Abzweigung der RV 204, die dann direkt nach Karlskoga hinein führt. Man kann auch die E20 weiterfahren und biegt dann bei Laxä in Richtung Karlskoga auf die RV 205 ab. Das ist weder landschaftlich noch entfernungstechnisch ein großer Unterschied. Im Karlskoga gibt es Hinweisschilder auf Bofors und die Industrieanlagen, die auch heute noch sehr aktiv sind und zu den größten Arbeitgebern in der Region zählen.
Zur Person Alfred NobelVon den Nobel-Preisen hat wohl jeder schon gehört, was aber hinter dem Namen Nobel steht, ist den meisten sicher nur bedingt bekannt. Alfred Nobel wurde als Sohn des Immanuel Nobel am 21.10.1833 in Stockholm geboren. Die Genialität Alfreds lag wohl in der Familie, denn bei seinen Vorfahren findet sich auch Olof Rudbeck, Schwedens bekanntester Techniker des 17. Jahrhunderts. Immanuel Nobel besaß dort in Stockholm eine Gummifabrik, die allerdings zu dieser Zeit gerade in Konkurs ging. Der Vater floh vor seinen Gläubigern nach St. Petersburg. Dort konnte er mit Duldung und Unterstützung der russischen Militärbehörde mit den durch Immanuel Nobel entwickelten Seeminen eine gutgehende Rüstungsfabrik aufbauten.
Bis anno 1842 warf diese Fabrik in St. Petersburg große Gewinne ab und Nobel ließ seine Familie aus Schweden nach St. Petersburg umziehen. Der junge Alfred Nobel, der in seiner schwedischen Heimat nur ein Jahr die Schule besuchte, wurde in Russland nun von Privatlehrern in Sachen Literatur, in diversen Sprachen und natürlich in den Naturwissenschaften erfolgreich unterrichtet, wobei der junge Alfred Nobel sich vorrangig und gegen die Vorstellungen seines Vaters mehr für die Literatur interessierte und erste Gedichte selbst verfasste. Um den naturwissenschaftlichen Aspekt im Leben Alfreds zu priorisieren, schickte der Vater den 17jährigen Alfred Nobel auf längere Reisen in die USA, nach Deutschland, Schweden und Frankreich.In Paris fungierte er als Laborgehilfe bei dem damals bekannten Professor Pelouze. Dort sammelte er erste Erfahrungen mit der angewandten Chemie und er lernte den Turiner Arzt Ascanio Sobrero kennen, eine wichtige Begegnung, denn Sobrero hatte 1847 das Nitroglyzerin (explosives Öl) erfunden. Dieser Stoff war ursprünglich wegen seiner gefäßerweiternden und somit blutdrucksenkenden Eigenschaften als Herzmedikament verwendet worden. Nun fand der junge Nobel großes Interesse an diesem hochexplosiven Stoff und er lernte den Umgang damit.
1853 kehrte er nach St. Petersburg zurück. In seiner Abwesenheit hatte der Krimkrieg die Rüstungsfabrik seines Vaters zu einer sprudelnden Geldquelle gemacht und der Familie einen gewissen Reichtum beschert. Der verflog aber sehr schnell wieder mit dem Ende des Krieges und der Niederlage Russlands. Nobels Rüstungsfabrik ging wieder pleite.Nach dieser erneuten wirtschaftlichen Niederlage der Nobels zogen sie wieder nach Stockholm, wo ein kleines Labor zur Erforschung der Sprengstoffchemie Grundstock des späteren Reichtums der Nobels wurde, und in dem 1862 zum ersten Mal Nitroglycerin auf schwedischem Boden hergestellt wurde. Bei diversen experimentellen Sprengversuchen um 1864 zeigte sich die Unkontrollierbarkeit des Nitroglycerins. Als es bei einem solchen Experiment mit 150 kg dieses Sprengstoffes ungewollt zu einer Explosion kam, kamen fünf Menschen ums Leben und das Labor wurde völlig zerstört.
Die schwedische Regierung beschloss daraufhin ein Verbot für die Produktion und die Erforschung von Sprengstoffen in bewohnten Gebieten. 1985 baute Alfred Nobel eine eigene Produktionsstätte außerhalb von Stockholms auf, mit der der finanzielle Aufstieg des patenten Schweden begann. Bis 1895 baue Nobel ein ganzes Imperium von etwa 80 kleinen und größeren Unternehmen verteilt auf alle Kontinente auf, die ihm ein für damalige Verhältnisse riesiges Vermögen bescherten.Nobel wird als ruheloser und ständig herumreisender Unternehmer beschrieben, der sich in der Öffentlichkeit immer wieder Angriffen gegen seine Person ausgesetzt sah, wenn es zu großen Explosionsunglücken gekommen war
1864 stirbt Alfreds Bruder Emil bei einer Explosion im eigenen Werk
1866 explodiert das englische Schiff European im amerikanischen Hafen Aspinwall
1875 geht das Schiff Mosel bei der Ausfahrt aus Bremerhaven durch Explosion verloren
1877 detonieren Sprengstoff-Fässer in Joux und töten mehr als 10 Menschen
(Zitat) Auszug aus dem Testament von Alfred Nobel :
"Das Kapital [...] soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben. Die Zinsen werden in fünf gleiche Teile geteilt, von denen zufällt: ein Teil dem, der auf dem Gebiet der Physik die wichtigste Entdeckung oder Erfindung gemacht hat; ein Teil dem, der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat; ein Teil dem, der die wichtigste Entdeckung auf dem Gebiet der Physiologie oder der Medizin gemacht hat; ein Teil dem, der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealer Richtung hervorgebracht hat; ein Teil dem, der am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat." (Zitatende)
Berühmte Preisträger sind so bekannte Wissenschaftler wie Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis in Physik 1901), Madame Marie Curie (Nobelpreis in Physik 1903 und in Chemie 1911), Robert Koch (1905 in Medizin), Max Planck (1918 in Physik), Albert Einstein (1921 in Physik), Thomas Mann (für Literatur 1929) und Willy Brandt (Friedensnobelpreis 1971)
Zum MuseumDer Herrensitz
Das Museum in Karlskoga besteht aus dem Bereich des Bofors Industrie Museums und des daran angrenzenden Bereiches des privaten Herren-Hauses Alfred Nobels und der unmittelbaren gärtnerisch gestalteten Umgebung.Der Herrensitz Björkborn liegt fast direkt am Wasser und ist umgeben von einer parkähnlichen Gartenanlage, die einen sehr gepflegten Eindruck machte. In einem kreisrunden Beet direkt vor dem Herrenhaus ist eine Metallbüste des Alfred Nobel mit Blick auf sein Haus aufgestellt, rings herum um das Haus sorgen hohe, alte Bäume für eine friedliche und geschützte Atmosphäre, die wie schon erwähnt nur von wenigen Touris wie uns genutzt wird.
Das Herrenhaus selbst kann und sollte besichtig werden, denn es enthält sehr viele interessante Möbelstücke, Wandbehänge, Tapeten, Bücherregale, Jagdtrophäen und Bilder aus der Zeit Nobels, also dem ausgehenden 19. Jahrhunderts. Es gab bereits (wie sollte es im Hause eines so begabten Technikers auch anders sein) elektrisches Licht und fließendes Wasser und besonderer Luxus war die Entwässerung des Hauses, zu dieser Zeit eine echte Rarität in der Hausausstattung.
Faszinierend fand ich persönlich den im großen Flurraum des ersten Stocks gegenüber der Treppe gelegenen, verglasten Bücherschrank, der für jeden Bücherwurm (wie zum Beispiel mich) hohen Reiz ausübte. Wunderschön gebundene Großbände und kleine Ausgaben überwiegend wissenschaftlichen Inhaltes zierten einen uralten, massiven, dunkelfarbigen Holzschrank mit großen Verglasungen der Mittel-Front (orientalischer Stil, zu dieser Zeit in Europa gerade sehr populär). Der hatte schon was!.
Der Herrenhof (1812-1814 erbaut) ist übrigens nicht nur ein sehenswertes Museum als Zeitzeuge seiner (Alfreds) Zeit, sondern wird auch immer wieder einmal für Vorträge und kleine Konzerte genutzt. Auch Forschertreffen, eingeladen von der Nobel-Stiftung, finden hier gelegentlich statt. Das vornehme Esszimmer ist besonders elegant ausgestattet und war einer der Lieblingsräume des Erfinders. Hier empfing er die hohen Damen und Herren der damaligen Gesellschaft zum Essen.Die besondere Kutsche
Wenn nicht durch einen überdimensionierten Palast, so fiel Nobel doch auf durch seine etwas eigenwillige Kutsche auf. So kam sie zwar rein äußerlich relativ normal daher, aber glänzte schon mit einer für diese Zeit höchst ungewöhnliche Gummibereifung. Die durchaus üblichen Außenlampen neben dem Kutschersitz waren elektrisch gespeist über einen Akkumulator und der speiste auch eine höchst ungewöhnliche Innenbeleuchtung der Kutsche.Darüber hinaus hatte er eine Telefonleitung aus dem Innenraum der Kutsche zum Kutscher legen lassen, die es ihm ermöglichte, ohne einen persönlichen „Draht“ durch Zuruf oder Handbewegungen dem „Kutschenleiter“ zusätzliche Wegvorgaben zu machen. Für damalige Zeiten war diese Kutsche also schon der „Mercedes“ unter den Kutschen in seiner Umgebung um Bofors und Björkborn und keiner sonst fuhr zu Nobels Zeiten einen derart modern und gut ausgestatteten „Schlitten“, den extra aus Russland importierte Pferde zogen, die auch auf Björkborn im Stall standen.
IndustriemuseumIn der Nähe des Herrensitzes kann man in verschiedenen Häusern (Schuppen, Werkstätten) die andere Seite Nobels bewundern, nämlich die dort in stattlicher Zahl und kleinen Ausstellungen aufgebauten Waffen und Waffensysteme, die in der Waffenschmiede Bofors in früheren und noch gar nicht so lange zurückliegenden Zeiten hergestellten wurden. Das geht von der Schnellfeuerkanone kleineren Kalibers (1,5 – 3 cm) bis zum Artillerierohr mit einem Kaliber von 18-25 cm. Auch Panzer sind vertreten, Feldgeschütze und Schiffsartillerie. Man bekommt einen guten Einblick in die 350jährige Geschichte des Waffenbaus der AB Bofors, die noch heute ein großer Arbeitgeber der Stadt Karlskoga ist.
Der geistige Widerspruch zwischen Sponsor des Friedensnobelpreises und der Herstellung und höchst erfolgreichen Verkaufs von lebensvernichtenden Waffen und Sprengstoffes ist hier unmittelbar zu spüren und wird auch nicht aufgelöst. Die Person Nobels steht für diesen Widerspruch. Ich könnte mir vorstellen, dass es Nobel ähnlich ging wie Otto Hahn, der mit der von ihm erfolgreich durchgeführten Kernspaltung die Atombombe erst ermöglichte. Er wurde die Geister, die er rief, einfach nicht mehr los
Fazit
Die Persönlichkeit Alfred Nobels und sein Wirken in seiner Zeit und darüber hinaus sind in diesem sehenswerten Museumsgelände aus unserer Sicht transparent und nachvollziehbar dargestellt. Das Herrenhaus ist sehr schön möbliert, die Waffensammlungen und Ausstellungen zeigen die Geschichte des von Nobel aufgekauften Unternehmens Bofors und den Zwiespalt, der sich aus dem Spender des später so berühmten Nobelpreises und seinem aus Sprengstoff und Waffenverkauf erworbenen Wohlstand ergab und ergibt. Also unbedingt anschauen.bjlghs
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Lillavatten 21.09.2005 14:37
bolmsoe 12.08.2005 11:14
Eine langjährige gute Freundin von mir wohnt in Karlskoga, und als ich sie das erste Mal besucht habe, waren wir auch in diesem Museum. Das war allerdings vor fast 12 Jahren, so dass ich mich nicht mehr hundertprozentig daran erinnern kann.
Yolante 07.05.2005 12:59
gracie2 07.05.2005 11:24
Wie immer ein toller Bericht. Wenn ich noch mehr solche Berichte lese, packe ich meine Koffer und ziehe nach Schweden.... LG Sylvia
Cismet 26.04.2005 12:41