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ein Hauch Melancholie südlich des Tejo

5  16.12.2001

Pro:
die landschaft

Kontra:
find ich nicht

Empfehlenswert: Ja 

otto0816

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Ich kam von meiner neuesten Lieblingsstadt Lissabon. Nachdem ich von Spanien kommend, schon etwas vom Alentejo erleben konnte, ging es nun erneut durch diese Landschaft. Er ist recht dünn besiedelt. Ich war von der Region allgemein und einem der kleineren Orte so begeistert, daß ich hier diese Zeilen tippe.

Als Alentejo wird der Teil Portugals bezeichnet, der sich südlich des Tejo erstreckt. Er reicht also vom Atlantik bis zur Spanischen Grenze. Die Südküste hat aber einen eigenen Namen. Es ist die bekannte Algarve. Die Küste des Atlantiks trägt in diesem Bereich auch einen Namen Es ist die Costa Azul. Die Masse des südlichen Portugals, das ist aber der Alentejo. Das Land ist hier ein welliges Tafelland. Es ist karg. Trotzdem oder auch deshalb dominiert in dem dünn besiedelten Gebiet die Landwirtschaft. Die Region umfaßt ein knappes Drittel von Portugal. Zugleich ist es auch die ärmste Region. Es bedarf harter Arbeit, dem oft ausgedörrten Böden die Ernten abzuringen.

Olivenhaine säumen die Wege. Oft ziehen sich parallele Reihen der alten, eigentümlichen Bäume bis über die nächste Hügelkuppe. Die Hügel sind eigentlich keine Berge, eher laufen sie wie Wellen durch die Landschaft. Dort wo es lohnt wird Getreide angebaut. Der rötliche Boden zwischen den Olivenbäumen verschwindet dann kurzzeitig. Manchmal sorgen auch Sonnenblumenfelder für andere Farbflächen. Wenn es mal keine Olivenbäume sind, die vom Straßenrand oder bei Wanderungen zu sehen sind, sind es die Korkeichen. Portugal liefert die Hälfte der Weltproduktion. Etwa ein Viertel steuert der Nachbar Spanien bei. In den Rest teilen sich vorwiegend andere Mittelmeeranlieger.

Auch wer vorher noch keine Korkeichen gesehen hat, wird sie hier sofort erkennen. Die bereits geschälten Bäume erscheinen oft mit einer rostbraunen, glatten Außenhaut am Stamm. Direkt nach dem Abnehmen der Rinde wirkt der Stamm wesentlich heller, in einem Ton zwischen Rosa und Gelb. Erstmals geschält werden die Korkeichen etwa im Alter von 20 Jahren. Bei sachgemäßer Behandlung werden sie über 150 Jahre alt. Dabei werden sie etwa alle 15 Jahre einem neuen Schälprozeß unterzogen. Ihre Blätter erinnern nur sehr entfernt an die, der uns bekannten Eichen. Die Einbuchtungen sind kleiner und mehr gezackt. Auf der Oberseite glänzt ein dunkles Grün. Leicht ins Grau geht die filzige Unterseite. Die Eicheln lassen die Verwandtschaft aber besser erkennen. Nicht geschälte Stämme oder Äste sind silbergrau. Zeit der Korkernte sind die Sommermonate Juni bis August.

Weinreben sind in diesen Breiten nicht auf sonnige Südhänge angewiesen. Vereinzelte Bauernhöfe wirken fast etwas verloren in der Landschaft. Sie fallen aber auf. Weiß sind sie getüncht. Bunt zusammengewürfelt sind die paar Gebäude von flachen Dächern mit hellen roten Ziegeln gedeckt.

Der kleine Fluß mit dem Namen Sado ist auf dem Weg in Richtung Süden zu überqueren. Die Straße führt deshalb leicht abschüssig in den Ort hinein. Schon bevor das Ortsschild zu sehen ist, fielen am Himmel kreisende Störche auf. Etwa ein Dutzend nutzte die Thermik, um kraftschonend Futter zu suchen. Auf der anderen Seite des Flusses gab es grüne Wiesen. Für die Störche muß dies ein Paradies sein. Vor der den Fluß überquerenden Brücke bog ich nach rechts ab.

Ich war in Alcacer do Sal angekommen. Der von einer Burg gekrönte Berg schob die zwei oder drei Häuserreihen fast in den Fluß. In der parallel zur schmalen Uferstraße verlaufenden Gasse, lief ich in Richtung Brücke zurück. In der Gasse war es schattig.

Vor der Kirche machte sich ein kleiner Platz breit. Die beiden Glockentürme der Kirche hatten jeweils ein flaches, in der Mitte aber zu einer Spitze geschwungenes Dach. Dies hatte noch einen Absatz, bevor gußeiserne Kreuze in den Himmel ragen konnten. Nutznießer dieser Dachform waren die Störche. Auf jedem der beiden Glockentürme hatten fünf oder sechs Nester Platz gefunden. Aber auch an anderen Kanten und Dachübergängen des Kirchenschiffs fanden noch Nester Platz. In einigen warteten die Jungvögel stehend auf Futternachschub. Ein Storch hatte sich den Platz auf dem Kreuz ausgewählt. Ich sah schon öfters Störche. Noch nie waren sie mir in dieser Konzentration begegnet.

Nach einiger Zeit lief ich weiter. Die Straße schlängelte sich nun zur Burg hinauf. Oben angekommen sah ich unten, hinter den alten Häusern des Ortes den Fluß. Links gab es noch eine Besonderheit. Etwa zehn Betonmasten waren speziell in einer Reihe aufgestellt worden, um die Wohnungsnot unter den Störchen zu mindern. Das obere Ende hatte entsprechende Nisthilfen. Die Störche zogen aber die Kirche vor, denn von den Masten waren einige noch frei.

Die alte Burganlage dient inzwischen als eine Unterkunft für Gäste. Unterkunft ist natürlich maßlos untertrieben. Man kann sich. auch übers Internet einmieten. Wer es vorhat hier eine Zeit zu wohnen, hat dann als Adresse:

POUSADA
D. ALFONSO II
CASTELO DE ALCACER

Auf dem Fluß schipperte ein Kahn flußaufwärts vorbei. Die das Ufer säumenden Häuser trugen rote Ziegeldächer. Einige Dächer wirkten so, als ob jede Dachziegel ein anderes Ziegelrot aufweist. Alle Wände und Mauern wirkten natürlich frisch geweißt, besonders in der jetzt schon tiefer stehenden Sonne. Der Fernsehempfang war schwierig im Schatten der Burg. Davon zeugten die Antennen der Häuser.

Um wieder nach unten zu gelangen wählte ich jetzt einen anderen Weg. Eine kleine Turmspitze aus Beton war von einer überdimensionalen Wetterfahne gekrönt. Ein in die Jahre gekommener Amor sollte nebenbei auch noch die Windrichtung anzeigen.

Treppen führten zu einer Straße hinab. Es war nicht weit. Ein Hund bewachte die auf einer Dachterrasse zum Trocknen aufgehängte Wäsche. Aufmerksam musterte er jeden Passanten. Ein anderer schmaler Treppenweg brachte mich wieder in die bekannte Gasse in Nähe der Kirche. Hier gab es auch eine nette Pension.

Ein anderes Dorf wurde nicht von einer Burg überragt. Eine Straße schlängelte sich einen Hang hinauf. Es sind keine Reihenhäuser, die an der Straße stehen. Sie sehen wieder bunt zusammengewürfelt aus. Regelmäßige Häuser wären hier auch völlig unpassend. Die Straße führt als besserer Weg auf den höchsten Punkt der Erhebung.

Hier steht eine stolze Windmühle. Ein massiger, sich leicht verjüngender Kegelstumpf trägt einen kleineren Kegel als Dach. Dieser schwarze Kegel trug das Windrad. Acht kräftige Rundhölzer bildeten ein Windrad, das leider nicht mehr bespannt war. Sonst sah aber alles bestens renoviert aus. Der Kegelstumpf war weiß. Ein Sockel war in einem kräftigen Blau gehalten. Ein kleines Fenster bot dem Müller Ausblick auf das Dorf. Das Fenster war natürlich in der Farbe des Sockels abgesetzt.

Der Müller hatte einen schönen Ausblick auf ein Stück Alentejo.

Danke fürs Interesse, Jörg
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
bestshop

bestshop

18.12.2001 16:19

hi otto0816, dein alentejo-bericht hat viele erinnerungen in mir wach gerufen und so manches bild vor meinen augen neu erstehen lassen. wie du vielleicht aus meinen berichten weisst, habe ich u.a. auch einige jahre im alentejo (evora und umgebung) gewohnt. portugal ist für mich mehr als eine heimat geworden. in vieler hinsicht denke und fühle ich wie ein echter portugiese. na ja, ich bin auch mehr oder weniger in portugal aufgewachsen. wünsche dir ein frohes weihnachtsfest und einen guten rutsch. liebe grüsse - bestshop

Schlawinchen

Schlawinchen

18.12.2001 01:53

Auch ein klasse Bericht! Man hört ja gerade zu die Grillen zierpen! Besonders gefallen hat mir der in die Jahre gekommene Amor. Übrigens ist der Alentejo meine derzeitige Liebe, gleich danach kommt der Minho. Adios.

blackserver

blackserver

18.12.2001 01:18

Hallo Jörg, im Alentejo waren wir auch. In Richtung Algarve fuhren wir dort die entlegensten Wege, manchmal schon Feldwege. Da wir im Juli unterwegs waren sahen wir auch wie der Kork von den Bäumen geschält wurde. Einer der Bauern machte gerade im Schatten der Bäume seine Mitagssiesta und wir setzten uns zu ihm um gleichfalls etwas zu essen und zu trinken. Er schenkte mir ein Stück Korkeiche als Andenken, welches jetzt unsere bescheidene Kellerbar ziert. Aber portugiesisch ist eine grausame Sprache, ich verstehe da kaum ein Wort, obwohl ich in Sprachen eigentlich ein wenig Talent habe. LG und viel unterm Weihnachtsbaum, wünscht Tom

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