Al-Azhar Moschee

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Die "Blühendste" mitten in der Millionenstadt

5  18.11.2006

Pro:
Größe, Vielfalt, Führung

Kontra:
gar nichts

Empfehlenswert: Ja 

Gaudicaesar

Über sich: Hallo aus Zell am See/Österreich. Ich bin 42 Jahre alt und komme ursprünglich aus dem Rheinland (gen...

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Während unseres Ägyptenurlaubs im September standen auch mehrere Tage Kairo mit ausreichend Zeit für zahlreiche Besichtigungen der Stadt und Umgebung auf dem Programm. Zu den Haupt-Sehenswürdigkeiten in der Nähe, wie den Pyramiden von Gizeh und Saqqara gibt es separate Berichte. Auch über die Stadt allgemein werde ich noch was schreiben.

Da diese Moschee aber hier bei Ciao eigens aufgeführt ist und ich sie auch vor Ort jedenfalls besonders sehenswert fand, hier jetzt also ein separater Bericht zu einer von hunderten Moscheen in der Millionenmetropole Kairo:

Allgemeines
Die Moschee wurde 972 als "El Ashar"- oder "Al Azhar"-Moschee, was übersetzt "die Blühendste" bedeutet, mitten in Kairo erbaut und zählt zu den wichtigsten Baudenkmälern der Fatimidenzeit. Nach einem großen Erdbeben Anfang des 14. Jahrhunderts wurde sie erneuert, und es folgten zahlreiche Restaurationen und Erweiterungen, z.B. im 18. Jahrhundert. Der ursprüngliche Bau ist aber noch sehr gut zu erkennen und die Moschee strahlt mit ihren 5 Minaretten in unterschiedlichem Stil einen ganz besonderen Charme aus.
Bei der Universitätsmoschee handelte es sich ursprünglich um ein schiitisches, jetzt um ein sunnitisches Glaubenszentrum. Es Ashar ist die älteste islamische Hochschule und ist auch heute noch tonangebend in Fragen des Islam - zwischenzeitlich allerdings mit Einschränkungen.

Lage/Erreichbarkeit:
Die Moschee liegt in Kairos Altstadt südlich des berühmten Khan El Khalili-Basars an der Hauptstraße Scharia El Ashar.

Ursprünglich hatten mein Mann und ich vorgehabt, die Sehenswürdigkeiten im Zentrum Kairos zu Fuß zu erkunden. Man unterschätzt jedoch die Entfernungen auf der Karte im Vergleich zur Realität. Außerdem kann man sich im alten Kairo nicht einfach so flanierend fortbewegen, wie in anderen Großstädten. Die Straßen sind z.T. nur kleine Gassen mit zahrleichen Geschäften, kleinen Cafes, Eseln, unzähligen Autos, Mofas und Fußgängern - das lässt sich nur vom Stadtplan her aber nicht unbedingt erkennen. Außerdem sieht man dort nur Einheimische, keine Touristen (an der Hauptstraße haben wir dann ganz vereinzelt welche gesehen). Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Straßen alle bezeichnet sind, und wenn, dann sicher nur auf arabisch - also ist

Bilder von Al-Azhar Moschee
Al-Azhar Moschee Bild 25106068 tb
Innenhof mit Arkadengang
ein Verlaufen vermutlich vorprogrammiert. Und das Überqueren von größeren Straßen ist wirklich lebensgefährlich und für "Nicht Eingeweihte" ist davon nur abzuraten - die Ägypter scheinen erkennen zu können, vor welchen Autos sich ein Versuch lohnt, Touristen würden da vermutlich scheitern.
Jedenfalls waren wir dann mit einem Taxi unterwegs, das uns bereits vom Hotel in Gizeh bis ins Kairoer Zentrum gebracht hatte. Der Fahrer hat uns dann angeboten, bei uns zu bleiben und uns zu allen gewünschten Punkten im Zentrum zu bringen - das ersparte viel Zeit, Sucherei und wunde Füße. Ausgehandelt wird dann ein Preis für den ganzen Tag und man muss sich um wesentlich weniger kümmern und sieht vermutlich dann auch mehr bzw. wirklich das, was man sehen will.

Bei der El-Ashar-Moschee mussten wir dann nur ein paar Schritte von einer Parkmöglichkeit weg an der Hauptstraße entlang zu Fuß gehen und schon waren wir beim Haupteingang an der Nordwestseite des Gebäudes.

Die Moschee im Detail:
Man betritt die Moschee durch das "Bab el Musaijini", das "Tor der Babiere". Außerhalb der Gebetszeiten ist die Moschee täglich zugänglich.

Bekleidung:
In einem kleinen Vorhof muss man, wie in allen Moscheen, die Schuhe ausziehen und - natürlich gegen ein späteres Bakschisch - in dafür vorgesehenen Schränken/Regalen deponieren. Was die Bekleidung von Frauen angeht waren die zuständigen Moscheen-Wächter oder -Führer hier sehr streng. Knie und Schultern hatte ich ohnehin bedeckt - ansonsten fühlt man sich einfach unterwegs nicht wohl, weil man entsprechend angestarrt wird und in eine Moschee gehört ein Strandoutfit o.ä. schon gar nicht.
Jedenfalls wurde hier sehr penibel darauf geachtet, dass das Oberteil bis zum Hals zugeknöpft war und Kopf, Haare und auch die Unterarme mussten komplett bedeckt sein. Ich hatte ein entsprechendes Tuch dabei, ansonsten hätte ich aber auch eines bekommen können. Ein älterer Mann wurde etwas hektisch und energisch als es darum ging, mich "anständig anzuziehen", ein jüngerer, der uns dann auch durch die Moschee geführt hat, hat ihn aber gleich beruhigt und mir beim "Verhüllen" geholfen, ohne unfreundlich oder herablassend o.ä. zu werden. Dann finde ich es auch ok, sich den verlangten Gebräuchen anzupassen, auch wenn sie hier strenger waren als anderswo. Mein Mann musste natürlich nichts über Arme oder Kopf ziehen...

Rundgang:
Rechts vom Vorhof befindet sich die "El-Taibarsija-Medrese" (Medrese=Koranschule bzw. Lehranstalt im Range einer Universität) mit einer prächtigen Gebetsnische aus dem 12. Jahrhundert - gegenüber die "El-Akbugawija-Medrese" aus dem 14. Jahrhundert, die heute als Bibliothek genutzt wird. In ihr befinden sich ca. 60.000 Bände und 15.000 Handschriften.

Durch das Portal gelangt man weiter in den spektakulären Innenhof, der von den 5 sehr unterschiedlichen Minaretten aus den verschiedenen Bauphasen überragt wird.
Rundherum führt ein Arkadengang vorbei an Studentenräumen (zum Schlafen und Arbeiten, aufgeteilt nach Herkunftsländern oder Provinzen), einem Mausoleum und einer weiteren Medrese ("El-Goharija") sowie dem Hof der Waschungen. Die Fassade ist mit persischen Kielbogen, flachen Nischen und Medaillons geschmückt und wird von Zinnen überragt.

Von Richtung Portal blickt man hinter dem Hof direkt auf den gigantischen fast 3000m² (!) großen Hauptliwan an der Südostseite des Hofes (Hauptlehrsaal). 140 meist antike Marmorsäulen geben dem Raum ein ganz besonderes Ambiente. Die vorderste Hälfte gehört zum älteren Teil der Moschee (stark restauriert), die hintere Hälfte (leicht erhöht) mit 2 Gebetsnischen wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt.

Außer dem Haupteingangstor befinden sich in der Außenmauer weitere 5 Tore, die aber vermutlich nicht zugänglich sind.

Wir konnten bei unserem Rundgang mit unserem Begleiter/Führer viele Räume entlang des Haupthofes genauer besichtigen und er hat uns alles genauestens erklärt. Es war auch eine richtig angenehme Atmosphäre - manchmal habe ich beim Besuch von Moscheen etwas Bedenken, weil ich ja in den Augen der Wächter ... eine "Ungläubige" bin, aber hier haben wir uns so richtig wohl und willkommen gefühlt. Das ist uns auch in den meisten anderen Moscheen Kairos, die wir besucht haben, so gegangen. Sicher hängt das auch immer von den Einheimischen ab, die in dieser Mosche aufpassen, aber ich habe z.B. in Griechenland auch schon wesentlich negativere Erlebnisse gehabt in Kirche/Kloster.

In dieser Moschee ist uns besonders eine große Anzahl auf dem Fußboden schlafender Leute aufgefallen. Uns kam das ziemlich seltsam und für ein Gotteshaus respektlos vor. Unser Führer fand das auch gegenüber Allah nicht so unbedingt korrekt, da man ja eigentlich zum Beten in die Moschee kommt, aber man hat auch nichts direkt dagegen und lässt die Leute schlafen. Das Problem ist, dass sie draußen nirgends so ruhig sitzen/liegen können und für sie bietet sich die Moschee dann eben an zum Ausruhen...

Es war sogar möglich, sich ein wenig kritisch über den Islam bzw. die Problematik mit den Extremisten zu unterhalten. Diese werden ja vom Großteil der Anhänger des Islam nicht unterstützt und deren Taten auch nicht gutgeheißen. Zum Abschluss habe ich im Anschluss an eine Unterhaltung über die Religion selbst eine sehr informative englische Broschüre zum Thema "Die Frau im Islam" bekommen. In dieser werden Christentum, Judentum und Islam miteinander verglichen. Sicher kann man das darin Geschriebene auch nicht alles bedenkenlos hinnehmen und es ist nicht alles exakt so, aber im Christen- und Judentum gibt es auch einige sehr frauenfeindliche Lehren. Und es war interessant, z.B. zu verstehen, dass der Schleier zum Schutz der islamischen Frauen dient und nicht als Einschränkung/Diskriminierung. Allerdings gibt es auch im Islam immer diverse Auslegungsmöglichkeiten der "Regeln" und es gibt sehr traditionsbewusste Gläubige und moderner Eingestellte.

"Eintritt"
Für den Besuch dieser Moschee wird zunächst - nicht so wie bei manchen anderen der großen Moscheen - kein Eintritt verlangt. Am Schluss der Besichtigung wird man aber - wenn man nicht von selbst daran denkt - um ein entsprechendes Bakschisch gebeten. Ich weiß nicht mehr genau, wieviel wir gegeben haben, aber wenn die Höhe unpassend erscheint, wird man schon freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen. Aber man hatte sich ja auch viel Zeit für uns genommen...

Universität
Direkt neben der Moschee/ihr angegliedert befindet sich die gleichnamige "El Azhar"-Universität, ebenfalls im 10. Jahrhundert erbaut. Sie gilt als die hervorragendste Bildungsstätte des Islam. Wir haben sie allerdings nicht näher angesehen.

Fazit:
Als eine der wichtigsten Moscheen des Islam ist die Al Azhar-Moschee jedenfalls einen Besuch wert. Sicher kann man auch nicht annähernd alle größeren Moscheen Kairos besuchen - bei einer engeren Auswahl sollte sie aber auf jeden Fall dabei sein.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
carnuntum

carnuntum

11.03.2007 02:07

Ebenfalls ein toller Bericht, ich habe nur keine BH mehr. lG Joanna

iela

iela

19.11.2006 20:19

Spitzenbericht...Gruß iela

Birgit1957

Birgit1957

19.11.2006 11:52

Da bekommt man gleich Lust auf Urlaub.LG

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