Agra

Erfahrungsbericht über

Agra

Gesamtbewertung (9): Gesamtbewertung Agra

 

Alle Agra Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Träume in Rot und Weiß - (Indienbericht 2)

5  10.07.2007

Pro:
bestimmte Baudenkmäler muss man einfach gesehen haben !

Kontra:
für Behinderte wohl nicht geeignet

Empfehlenswert: Ja 

astly

Über sich: ist das kaaalt! ... und hier weht ein rauher Wind ... ach, wie liebe ich diese östliche Gelassenh...

Mitglied seit:24.06.2003

Erfahrungsberichte:207

Vertrauende:67

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 63 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

1.Die Fahrt nach Agra

Am 13. Juni brachen wir um 8 Uhr morgens von Delhi aus mit unserem Fahrer, der uns schon durch New-Delhi begleitet hatte, im klimatisierten PKW Richtung Agra auf, wo unter anderem das Taj Mahal zu besichtigen ist. Überlandfahrt! Spannend! Gibt sicher viel zu sehen!!!

Aber zunächst müssen wir , um Agra im Bundesstaat Uttar Pradesh zu erreichen, auch durch den Bundesstaat Haryana, das wie ein Ring um Delhi liegt. Vor allem Fahrräder, andere Zweiräder und völlig überladene Tuktuks sind um diese Zeit Richtung Delhi unterwegs, wie immer ein unglaublicher Verkehr, bis ca. 10 Uhr ist Rush Hour, alles scheint nach Delhi zu drängen.

Danach wird es auf den Straßen ruhiger, wir sehen kleine Dörfer, riesige Götterstatuen am Straßenstand, immer wieder kleine Tempel. Sobald Ortschaften auftauchen, nimmt der Verkehr schlagartig zu. Und wir sehen Frauen im Sari als Straßenbauarbeiterinnen. Im Ernst: Frauen! Im SARI! Uns wundert gar nichts mehr, zumal wir dafür als Zimmer"mädchen" und Schneider immer nur Männer erleben. Auch in Steinbrüchen, an denen wir vorbeifahren, sehen wir Frauen im Sari arbeiten, oft sogar mir Baby auf einem Arm.

Als wir an die Grenze zu Uttar Pradesh kommen, wo Autobahngebühren zu entrichten sind, warnt uns unser Fahrer schon vor, besser weder auszusteigen noch das Fenster zu öffnen. Und prompt sind wir beim Halt an der Maut-Stelle sofort von Händlern umringt, die aggressiv ans Fenster klopfen: Einer hat einen - übrigens wirklich potthässlichen! - Affen und will, dass wir uns damit fotografieren, gegen Bezahlung natürlich. Ein anderer will uns unbedingt ein Schachspiel verkaufen. Beide sind stur und hartnäckig, während wir uns im Wagen verschanzen, der Affe hämmert auch an die Scheibe und klettert auf dem Auto herum - und auch wenn wir lachen müssen, sind wir froh, als wir hier weg sind. Wir kommen vorbei an Mathura, dem Ort, wo Krishna geboren sein soll, 50 km von Agra entfernt, und weiter, etwa 10 km nördlich von Agra halten wir bei Sikandra, wo unser nächster deutschsprachiger Reiseleiter für Agra zu uns stößt.

2. Sikandra

Sikandra ist eine riesige Anlage, die im 15./16. Jhdt erbaut wurde, weil Herrscher Sikandra Lodi hier eine neue Hauptstadt gründen wollte. Unter anderem finden wir in dieser Anlage das riesige Mausoleum Kaiser Akhbars, umgeben von einer Mauer und 4 Eingangstoren. Das Haupteingangstor im Süden ist aus rotem Sandstein, verziert mit Marmorintarsien und umgeben von 4 Minaretten. Im Park spielen frei lebende Affen., eine wohltuende Ruhe herrscht hier. Auf einer Inschrift

Bilder von Agra
  • Agra Bild 72972164 tb
  • Agra Bild 72972165 tb
  • Agra Bild 72972166 tb
  • Agra Bild 72972167 tb
Agra Bild 72972164 tb
Sikandra - Eingang zum Mausoleum
auf dem Torweg heißt es: " Hier ist der Garten Eden, betritt ihn, um darin ewig zu weilen" - und tatsächlich fühlt man sich ein wenig wie im Paradies.

Und dann kommen wir in Agra an und machen uns im Hotel erst einmal frisch, um fit zu sein für die Besichtigungstouren, die wir ab 15 Uhr machen wollen.

3. Das Rote Fort in Agra

Schon von weitem sieht man es: Riesige rote Mauern, die sich um eine Anhöhe winden.

1565 war der Bau des Forts unter Akbar dem Großen begonnen worden, meist mit rotem Sandstein, in den Marmorintarsien eingelassen waren. Seine Nachfolger, besonders Shah Jahan, erweiterten dann den Bau, meist mit Marmor, der mit Gold und Edelsteinen verziert wurde. Umgeben ist das Fort von einer 21 m hohen, 2,4 km langen Mauer, im Fort befinden sich Paläste, Moscheen und Gärten. Häufig war das Fort Zentrum kriegerischer Auseinandersetzungen, und noch heute werden einige Teile militärisch genutzt und können daher nicht besichtigt werden.

Seit 1983 ist das Rote Fort, wie auch das Taj Mahal, das man vom Eingang des Roten Forts aus sehen kann, in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Ich laufe in der Hitze herum, und sehe mir so viel an, wie es geht, dann streiken meine immer noch mit Blasen und blutigen Striemen übersäten Füße und ich setze mich auf ein Gemäuer und sehe dem Treiben zu. Wasser fließt in sehr kleinen Wasserfällen die Steine herunter, auf denen ich sitze, und so fühle ich mich herrlich gekühlt in dieser Gluthitze, da ich genau in so einem Rinnsal sitze.

Und schon geht's weiter zum Taj Mahal.

4. Das Taj Mahal

Etwa 2,5 km vom Roten Fort entfernt kommen wir zum Eingang des Taj Mahal - Geländes.
Vom Eingangstor, das schon für sich ein Prachtbau ist, aus sehe ich dieses wundervolle Gebäude, aber auch, wie weit man noch durch den Park, entlang einem Wasserbecken, laufen muss, um hinzukommen - es ist so heiß und schwül und meine Füße schmerzen und ich überlege kurz, ob ich es einfach nur von hier ansehe. Was denn: Ein paar Meter vom Taj Mahal entfernt und dann nicht hineingehen? Das geht gar nicht! Das würde ich mir hinterher nie verzeihen! Ich nehme mich zusammen: Jetzt bin ich schon am Taj, verdammt, da macht man nicht schlapp! Ich laufe also los durch den Park.

Im Park sind handzahme Streifenhörnchen, die allgegenwärtigen gefürchteten Affen, und außer uns sehe ich nur unzählige indische Touristen. Ich schleppe mich bis zum Taj Mahal, dort führt eine Treppe nach oben und man muss hier die Schuhe ausziehen oder Stoffschuhe über die Schuhe überziehen. Es würde sooo guuuut tun, die Schuhe auszuziehen, aber unser Guide warnt mich, dass der Boden verdammt heiß ist, und so streife ich über die blutenden Füße samt Schuhe die Stoffdinger. Und jetzt geht es noch mehr Treppen hoch und irgendwie sind diese Stoffüberzieher an den Füßen rutschig und nervig.

Aber es lohnt sich! Das Taj Mahal ist einfach irre! Riesig, wenn man direkt davor steht, mit seinen 58 Metern Höhe; von weitem - und auf Bildern - sieht es viel kleiner aus. Ein Traum aus weißem Marmor, unglaublich schön. Völlige Symmetrie, außer an dem Sarg des Moguls, der ja hier nicht vorgesehen war, weil er sich ja ein eigenes Mausoleum bauen wollte. Das ist es also, das berühmteste Symbol unendlicher Liebe! Jedes Detail stimmt hier, ist in höchster Vollendung erstellt. Kürzlich wurde das Taj Mahal zu einem der 7 neuen Weltwunder gewählt.

Ich werde das Taj Mahal jetzt nicht näher beschreiben, nicht seine 4 Minarette, nicht die Moscheen zu beiden Seiten, von denen eine nur Attrappe ist und der Symmetrie dient, denn wirklich jeder kennt Bilder vom Taj Mahal, und auch ich füge dem Bericht ein Foto davon bei. Was anders ist als auf den Bildern, und das ist unbeschreiblich, ist das ungeheure Strahlen und die Größe dieses Bauwerks und das Gefühl, in eine andere Realität eingetaucht zu sein.

Ich sehe mir alles an, und nun muss ich irgendwie mit meinen Füßen zurückkommen. Nachdem ich die Stoffüberzieher abgegeben habe, ziehe ich meine Schuhe doch noch aus und gehe einen möglichst wenig sonnigen Weg durch den Park zurück, um mir die Füße nicht zu verbrennen. Nein, ich bereue es nicht, diesen Gang angetreten zu sein: Ich kann es kaum fassen: Ich habe das Taj Mahal gesehen! Ich war drin!

Ein Stück fahren wir jetzt mit Fahrradrikscha, es geht bergauf, der Fahrer tut uns echt leid und muss zwischenrein absteigen und schieben wegen der Anhöhe, aber er reißt sich ja geradezu darum, uns fahren zu dürfen. Dann erklärt er uns, wirklich ganz freundlich, dass das harte Arbeit ist - das sehen wir! - und dass es nett von uns wäre, wenn wir das etwas honorierten. Für das bisschen Bezahlung von etwa umgerechnet 4 Euro bedankt er sich, als hätten wir ihm ein Vermögen vermacht, auch bei unserem Reiseleiter. Irgendwie fühlt man sich schon komisch.

5. Fatehpur Sikri

Am nächsten Tag gibt es in der Zeitung wieder Berichte über Hitzetote in Nordindien. Da wir aber noch nicht dazu gehören, geht es weiter: Bevor wir Uttar Pradesh wieder verlassen, zur verlassenen Kaiserstadt Fatehpur Sikri, etwa 40 km südwestlich von Agra liegend, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Von Agra aus ist der Besuch ein Muss!

Unterwegs sehen wir viele Dörfer, Läden, Menschenmassen, Schweine, Hunde, Ziegen- und Schafsherden und die all gegenwärtigen Kühe und Wasserbüffel. Besonders die schwarzen Wasserbüffel haben es mir angetan, es sind einfach tolle Tiere. Dann sind wir in Fatehpur Sikri angekommen.

52 Stufen führen hoch zur verlassenen Kaiserstadt - puh, schon wieder Stufen! Prachtvolle Gebäude finden wir hier im Königspalast, Frauengemächer, Grabmäler und eine riesige Moschee. Besonders ist der kleine weiße Schrein in der Mitte der Anlage: Das Mausoleum von Sheikh Salim Chrishti ist das Kernstück des Sufi-Schreins (Dargah). Die Marmorschnitzerei hier gehört zu den berühmtesten und schönsten der Welt. An einer Art Fenster knoten unzählige Menschen rote Fäden: in ihnen sind ihre Bitten an Gott eingewoben. Auch wir bekommen jeder einen roten Faden, in denen wir uns einen Wunsch denken und den wir dann hier anbinden. In einem der Torgänge sitzt eine Schulklasse auf dem Boden und lernt. Auf den Stufen liegen Hunde und Ziegen; und wir haben von hier oben einen weiten Blick über das Land. Die Stimmung ist einfach toll.

Und hier verabschiedet sich unser nächster Guide und fährt mit dem Bus nach Agra zurück. Wieder ist es ein herzlicher Abschied und wir tauschen Adressen aus. Und wir fahren weiter nach Jaipur in Rajastahn.

Fazit:

Eine Bekannte, die öfters mal per Rucksack Indien bereist, hatte sich aufgeregt, dass das Taj Mahal auf unserer Routenliste steht. "Das interessiert doch niemanden, das ist doch nicht authentisches Indien!". Einer unserer Guides kennt wohl diese Einstellung, denn, obwohl wir das Thema nie anschnitten, meinte er zu uns: "Viele Touristen wollen einfach nur Armut in Indien sehen, alles andere sei nicht authentisch. Wenn man bedenkt, dass von den 10 reichsten Menschen der Welt 3 Inder sind und von den 20 reichsten Menschen der Welt 7 Inder sind, was ist denn dann authentisch?" Wie auch immer, wir wollten nun mal das Taj Mahal sehen und brauchen uns dafür nicht zu rechtfertigen, meine ich. Im Gegenteil: Es nicht zu besuchen, obwohl so nahe dran, hätte ich mir echt nie verziehen. Es hat schon etwas Magisches!

Wir hätten gerne mehr gesehen von Agra, vor allem wären wir gerne durch die Altstadt spaziert. Zwar gilt Agra, außer was die besichtigten Bauwerke betrifft, als nicht besonders sehenswert, eher als Industriestadt, aber die Stimmung hätten wir gerne mitgenommen. Die Zeit ließ es leider nicht zu - und es gibt sicher auch angenehmere Jahreszeiten dafür.

Aber wenigstens haben wir diese grandiosen Bauwerke besucht! Und das war gut so! Jedes einzelne war es wert, sich dafür die Füße wund zu laufen.

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
milabie

milabie

11.07.2012 13:39

Plane eine Reise durch Indien für 4 Monate. Aber erst nächstes Jahr. Lese jetzt schon fast alles, was vor meine Augen kommt ;-))

hubbie

hubbie

11.07.2009 11:08

authentisch hin oder her, wer dieses Denkmal der Liebe nicht sehen will muss vom Gutmenschenvirus befallen sein

thearcadefire

thearcadefire

13.10.2007 15:07

Auch das ist, und damit gehe ich quasi auf Dein Fazit ein, auch das ist Indien, auch das ist authentisch, warum also nicht auch das Taj Mahal, der Reichtum der Inder, das Silicon Valley Indiens, den Namen vergesse ich immer wieder, aber eines weiß ich gewiß, ansehen werde ich mir das Taj Mahal ganz sicher, wenn ich denn mal vor Ort bin (dann halte ich das genauso für eine Art "Sehenswürdigkeitspflicht" wie der Kölner Dom eben in Köln angesehen werden muß, auch wenn ich nicht so auf Kirchen stehe, ich war aber immerhin schon 3x drin) ... Wie auch immer, ein toller Bericht, wenn Ihr aus Zeitgründen auch nicht alles geschafft habt (und wegen dem Klima), Gruß, Sven P.S.: Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich zum "Silicon Valley" Indiens bei Dir schon mal einen Kommentar geschrieben (?) ...

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 2833 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (17%):
  1. hubbie
  2. thearcadefire
  3. Hybride
und weiteren 8 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (83%):
  1. milabie
  2. AnnaHaeberle
  3. togri
und weiteren 49 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.