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Erfahrungsbericht

für Abu Simbel, Ägypten
Nächsten Bericht ansehen "In Stein gehauen für die..."
5 Sterne Hut ab vor den alten Ägyptern.
132 von 132 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Ein faszinierendes bauwerk.

Kontra Kein kontra

Der Autor

Huwie Seit 29 Sep 2000

Nach langer Zeit wieder mal ein Bericht von mir. Gruß Huwie mehr

122 Mitglieder vertrauen mir

Wer in Ägypten war und Abu Simbel nicht gesehen hat, war nicht wirklich in Ägypten. Der Besuch sollte der Höhepunkt jeder Reise in das Land der Pharaonen sein.
Auf unserem Nil-Schiff, das in Assuan vor Anker lag, wurden wir bereits um 3:00 Uhr in der Nacht aus den Träumen gerissen, um die Fahrt zum Tempel der Tempel anzutreten.
Die 280 km lange Fahr durch die Wüste, in der Nähe der sudanesischen Grenze, war in modernen, klimatisierten Reisebussen kein Problem, und wir waren schon vor 7:00 Uhr an Ort und Stelle.
Im Laufe der Jahrhunderte waren die Tempel unter Sand und Schlamm vergraben. Erst 1813 wurden sie von einem Schweizer Archäologen wieder entdeckt und ausgegraben.
Die Tempel, die ursprünglich an einer anderen Stelle standen, musste in den sechziger Jahren komplett umgesetzt werden, um sie vor der Überflutung durch den Nasser-Stausee zu retten.

Die UNESCO half unter großen Anstrengungen und mit viel Geld, Abu Simbel zu demontieren und 64 Meter höher wieder aufzubauen.

Der große Re-Harachte Tempel und der kleinere Hathor-Tempel wurden im mehr als eintausend Stücke gesägt, katalogisiert, behutsam transportiert und 250 Meter weiter originalgetreu wieder aufgebaut. Sie liegen jetzt fast 70 Meter über dem Wasserspiegel.
In einer großen Halle am Eingang, kann man diese enorme technologische Leistung Schritt für Schritt auf Videowänden und auf Wandtafeln rund um die Halle nachvollziehen.

Nach der Einlass- und Sicherheitskontrolle, sieht man zunächst nur einen Berg, unter dem sich die Tempelanlagen verbergen.
Das Ganze ist eingefasst von hohen Mauern aus Nilschlammsteinen, die dem Zahn der Zeit über 2200 Jahre widerstanden.

Auf der anderen Seite kommt man zu den gewaltigen Eingangsportalen der Tempel. Begrüßt wird man von den riesengroßen Statuen von Ramses des II, der diese und andere gigantische Tempelbauten Ägyptens errichten ließ.
Die Statuen sind 22 Meter hoch, bei der zweiten von links fehlt der Kopf.
Das abgebrochene Stück, liegt vor der Statue und vermittelt so einen direkten Eindruck von der Gesamtgröße der Figur und der Winzigkeit der eigenen Person.
Direkt hinter dem Eingang befinden sich die reich verzierten Osiris – Pfeiler.
Alle Bildnisse und Hieroglyphen sowie deren farbliche Gestaltung haben die Jahrtausende sehr gut überstanden. Jeder Quadratzentimeter ist kunstvoll gestaltet.
Auf in Stein gehauenen Bildern werden vorwiegend Kriegszenen, Militärlager, Gerichtszenen, Pferde mit Streitwagen, Soldaten, gefangene Sklaven sowie die Überlegenheit ägyptischer Herrscher über andere Völker dargestellt.
Auch die eigenhändige Tötung von Gegnern durch Ramses den II wird immer wieder bildlich dargestellt.
Die Südwand zeigt den siegreichen Ramses des II im Kreise anderer Göttergestalten.
Der große Saal soll auch öffentlich zugänglich gewesen sein. Hier konnten Repräsentanten des Volkes beten und Opfergaben darbringen.

Der sehenswerte Pfeiler-Quersaal ist gleichermaßen imposant, reich verziertn und beschriftet wie der große Säulensaal.
Hier erkennt man sehr genau, wie tief der Raum im Sand und Nilschlamm versunken war.
Der Sand wirkte als gutes Konservierungsmittel. Ohne dem wäre vieles nicht so gut erhalten.

Die sich daran anschließenden Vorrats- und Schatzkammern überwältigen den Betrachter durch wunderschöne Wandmalereien und Inschriften.
Jede hat ihre besondere Bedeutung. Hier sind unter anderen:
- Eheverträge und Gesetze
- Vorschriften für Untergebene, die den Tagesablauf regelten
- Wissenschaftliche Abhandlungen
- Gebete
- Die Vereinigung von Ober- und Unterägypten

und vieles mehr in Wort und Bild dargestellt.
Allein über die kunstvolle Decken- und Gewölbegestaltung könnte man sicherlich ganze Bücher schreiben.

Am Ende findet man das große Heiligtum der Tempelanlage in der 4 Götter in sitzender Haltung dargestellt sind.
Die Tempelanlage wurde so erbaut, dass das Sonnenlicht zweimal im Jahr durch die gesamte Anlage direkt bis in dieses Heiligtum genannt Sankturium, scheint.
Am 22. Februar und am 22. Oktober(Geburts- und Hochzeitstag von Ramses dem II) beleuchtet die Sonne für wenige Minuten die sitzenden Gottheiten.
Das ganze wurde so berechnet, dass nur 3 der 4 Götter beschienen werden und der Gott der Finsternis im dunklen bleibt.
Um dies zu erreichen untersuchten ägyptische Gelehrte vor dem Tempelbau
8 Jahre lang die Lichtverhältnisse am künftigen Tempelbauplatz.
Auch nach der Umsetzung wurde diese Lichterscheinung beibehalten.
Das Bauwerk ist so imposant, vielseitig und beeindruckend, dass man bei einem kurzen Besuch bei weitem nicht alles erfassen kann.

Der zweite, kleinere Tempel, wurde der Hauptgattin von Ramses des II, Nefertari gewidmet. Die Tempelherrin wird auch als „Liebesgöttin“ und Göttin der Musik bezeichnet.
Am Eingang werden Ramses und seine Gemahlin wieder als große Statuen dargestellt und kleinere Figuren zeigen die Kinder des königlichen und göttlichen Paares.
Die Darstellung von Nefertari in Frauengestalt ist einmalig in ägyptischen Tempelbildern. Göttliche Frauengestalten werden sonst immer mit Tierköpfen, Kuhohren, Vogelköpfen u.ä. dargestellt.
In Inneren werden Göttinnen dann mit den typischen Kuhohren gezeigt und man sieht immer wieder die Darstellung von Musikinstrumenten und Musikszenen.
Das kleine Sanktular wird dominiert von Bildnissen der Hathorkuh. Zu ihren Beinen Könige, die sich dieser Gottheit unterwerfen und ihren Schutz erbitten.

Allein die in beiden Tempeln sehr gut erhaltenen Hieroglyphen zeugen von der großen Kunst im alten Ägypten. Sie wurden nur mit Steinwerkzeugen und ohne Schablone in den Fels geschlagen. Außen nach innen gehauen, damit sie nicht von Sandstürmen abgetragen werden können und innen erhaben dargestellt.

Fazit:
Wer Ägypten bereist, sollte keinesfalls auf einen Besuch von Abu Simbel verzichten.
Hier wird die Geschichte des Landes am Nil am eindrucksvollsten sichtbar.
Durch die Jahrhunderte lange Verborgenheit unter dem Sand ist alles besonders gut für die Nachwelt erhalten wurden. Auch die farbliche Gestaltung.

Ich rate dazu, sich in der einschlägigen Literatur, etwas auf diesen Besuch vorzubereiten, damit man die überwältigenden Eindrücke besser aufnehmen und verarbeiten kann. Es stehen für den Besuch ja nur 2 bis 3 Stunden zur Verfügung und die Besuchermassen tun ein Übriges.
Eine Broschüre „ABU SIMBEL“ wird preiswert angeboten. Hier bekommt man die nötigen Informationen und exzellente Bilder.
Eigene Fotos und Videos werden durch die Lichtverhältnisse(Blitzlicht nicht erlaubt) und den enormen Besucherstrom nicht allzu gut.

Wer hier einem menschlichen Bedürfnis nachgehen muss, hat schlechte Karten. Unverständlich bei Tausenden von Touristen, die vorher stundenlang durch die Wüste reisen müssen.
In den Wüstenhaltepunkten gibt es jedoch genügend saubere und ordentliche Toiletten, die auch große Touristenkonvois problemlos verkraften.

Herzlichen Dank für das Lesen und Bewerten.



Huwie Februar 2003

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Kommentare

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  • DamarisAnklam 24.01.2008 14:05
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Feline81 14.01.2007 13:51
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    sehr hilfreich
  • Inspektorin25 08.10.2006 16:59
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  • rettchen 09.09.2006 18:38
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    sehr hilfreich
  • Josef_D 18.04.2005 12:18
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